Andronikos Dukas, auch Andronikos Doukas, griechisch Ανδρόνικος Δούκας; (* nach 1045; † 14. Oktober 1077) war ein byzantinischer General und Hofwürdenträger, der zur Niederlage der Byzantiner in der Schlacht von Manzikert beigetragen hat.
Andronikos Dukas war ein Angehöriger der byzantinischen Adelsfamilie Dukas, die mit Konstantin X. und Michael VII. zwei Kaiser des Byzantinischen Reiches stellte. Er stammte allerdings nicht aus der kaiserlichen Linie, ist daher von seinem gleichnamigen Vetter Andronikos Dukas zu unterscheiden, der ein jüngerer Sohn des Kaisers Konstantin X. und ein Bruder und Mitkaiser sowohl des Kaisers Michael VII., genannt Parakinakes (1071–1078) als auch des Konstantios Dukas war.
Er war ein Sohn des Kaisar (Caesar) Johannes Dukas († ca. 1088), der zwar nur ein jüngerer Bruder des Kaisers Konstantin X. war, jedoch nach dessen Tod im Jahre 1067 zwei Jahrzehnte hindurch zu den einflussreichsten Mitgliedern des byzantinischen Hofes zählte und 1074 als Prätendent auf die Krone auftrat. Die Mutter von Andronikos war Irene Pegonitissa, eine Tochter des Generals Nikolaos/Niketas Pegonites.
Andronikos Dukas wurde nach 1045 als ältester Sohn des Kaisars Johannes Dukas, geboren. Dass er der älteste war, bestätigt auch die Historikerin Anna Komnene in ihrem Geschichtswerk über das Leben ihres Vaters, des Kaisers Alexios I. Komnenos, der „Alexiade“.
Die ihm durch seine Geburt vorgegebene Rolle hielt sich in Grenzen, da der Schwerpunkt des Lebens am Hof von Konstantinopel naturgemäß bei der älteren kaiserlichen Linie lag und er selbst im Schatten der dominierenden Gestalt seines Vaters stand. Er folgte der familiären Tradition und begann eine militärische Karriere, durch die er rasch zum General aufstieg und in der Hierarchie des Hofadels zum Protoproedros („Ober-Präsident“) und Protobestiarios (etwa Oberstkämmerer) aufstieg. Dies waren jedoch Funktionen bzw. Ehrentitel, die mit der Zugehörigkeit zur regierenden Familie mehr oder weniger automatisch verbunden waren.
Seine historische Rolle sollte Andronikos jedoch im Rahmen der gefährlichen Auseinandersetzung des Byzantinischen Reiches mit der steigenden Macht der Seldschuken spielen. Diese waren eine turkmenische, sunnitische Dynastie, die seit dem 11. Jahrhundert das Reich der Großseldschuken aufgebaut hatte, das sich über große Teile von Mittelasien, dem Iran, Irak, Syrien, Anatolien und der arabischen Halbinsel erstreckte. In Persien hatten sie die lokale Sprache angenommen und konnten daher eine eigene beachtliche turko-persische Kultur entwickeln.
Im Jahr 1068 griff Alp Arslan, der Sultan des Reiches der Großseldschuken (1063–1072), das Byzantinische Reich an, konnte jedoch von Kaiser Romanos IV. Diogenes nach drei Schlachten schließlich 1070 in Kilikien besiegt und hinter den Euphrat zurückgedrängt werden. Andronikos dürfte dabei wichtige Erfahrungen über die flexible Kampftaktik der Seldschuken gesammelt haben.
Kaiser Romanos IV. wollte die permanente militärische Bedrohung durch die Seldschuken und deren expansive Siedlungspolitik durch eine Entscheidungsschlacht endgültig beenden, stieß daher 1071 mit einer großen Armee in das seit 1067 von den Seldschuken besetzte Armenien vor, nachdem er seine Truppen durch fränkische, normannische und türkische (kumanische) Söldner verstärkt hatte.
General in der Schlacht von Manzikert
Am 26. August 1071 kam es nördlich des Vansees bei Manzikert (heute Malazgirt in der Türkei) zwischen der byzantinischen Armee unter Kaiser Romanos und der seldschukischen Armee unter Sultan Alp Arslan zu der historischen Schlacht von Manzikert, bei der Andronikos Dukas eine verhängnisvolle Rolle spielen sollte.
Der Kaiser kommandierte persönlich das Zentrum, am rechten Flügel kommandierte Theodor Alyates, am linken Nikephoros Bryennios (General, Staatsmann, Geschichtsschreiber und Ehemann der Historikerin Anna Komnene), während Andronikos Dukas die strategisch wichtige Nachhut kommandierte. Die Schlacht endete mit einer vernichtenden Niederlage für die Byzantiner, wobei Kaiser Romanos IV. in die Gefangenschaft von Alp Arslan geriet. Dieser zeigte sich aber auch moralisch als Sieger, da er Romanos erheblich besser behandelte, als dieser es ihm gegenüber getan hätte.
Noch schwerwiegender als die direkten Verluste an Soldaten und Gerät waren die indirekten Folgen der Schlacht: Es folgten zahlreiche interne Konflikte und wirtschaftliche Krisen, die die Fähigkeit des Reiches, seine Grenzen zu verteidigen, nachhaltig schwächten. Zugleich kam es ab 1073 durch die Errichtung des Sultanats der Rum-Seldschuken unter Suleiman ibn Kutalmiş († 1086) zu territorialen Verlusten des Reiches, das etwa 80.000 km² einbüßte und zu einer massenhaften Einwanderung von Türken in Zentralanatolien führte. Erst Kaiser Alexios I. Komnenos gelang es, das Reich wieder zu stabilisieren.
Mitschuld an der Niederlage bei Manzikert
Für diese folgenschwere Niederlage wurde Andronikos Dukas von den Anhängern von Kaiser Romanos IV. verantwortlich gemacht, indem man ihm vorwarf, die Nachhut vorzeitig abgezogen zu haben, statt den Rückzug des Kaisers zu decken. Oder schlimmer noch, dass er in verräterischer Weise das Gerücht verbreitet hätte, der Kaiser sei gefallen, die Schlacht sei daher verloren, wodurch er absichtlich die Kampfmoral der Truppen zerstört hätte. Steven Runciman sieht das weniger dramatisch: Da die türkischen Truppen bereits am Vortag desertiert waren und die Elitetruppe – die fränkische und normannische schwere Reiterei unter dem Normannen Roussel de Bailleul († 1077) – beschlossen hatte, an der Schlacht nicht teilzunehmen, erkannte Andronikos Dukas, dass die Sache verloren war und dass der nächste Akt des Dramas in Konstantinopel gespielt werden würde. So zog er die unter seinem Befehl stehenden Reservetruppen vom Schlachtfeld ab und überließ den Kaiser seinem Schicksal.
Ein Motiv für diese Tat war rasch gefunden: Kaiser Romanos IV. verdankte seine Herrschaft einem Staatsstreich gegen die Familie Dukas, indem er nach dem Tod des Kaisers Konstantin X. Dukas im Jahr 1068 dessen Witwe Eudokia Makrembolitissa heiratete und die nachfolgeberechtigten Söhne des Kaisers auf die Rolle von Mitkaisern ohne effektive Macht beschränkte. Von Andronikos – als Vetter der verdrängten kaiserlichen Erben – war daher ein Verrat an dem Usurpator Romanos IV. zu erwarten.
So schwerwiegend der Abzug der Reservetruppen durch Andronikos auch gewesen sein mag, er war wohl kaum der alleinige Grund für die Niederlage: Auf byzantinischer Seite gab es gravierende strukturelle Mängel, wie die drastische Reduzierung der Militärausgaben seit Kaiser Konstantin IX. Monomachos oder die wachsende Abhängigkeit von heterogenen Kontingenten ausländischer Söldner, den Skandinaviern der Varägergarde, den Normannen und Franken aus Westeuropa, den Slawen aus dem Norden und den Türken aus den Steppen Südrusslands, wie den Petschenegen, Kumanen und Ghuzzen.
Hinzu kamen taktische Fehler: Fast die halbe Armee unter dem General Joseph Tarchaneiotes war während der Schlacht abwesend, da sie auf Befehl des Kaisers auf dem Weg zur Belagerung der Festung von Ahlat am Ufer des Vansees in Ostanatolien war. Die Aufklärung durch Späher wurde sträflich vernachlässigt und der Einsatz türkischer Hilfstruppen gegen die türkischen Seldschuken machte ihr Überlaufen vorhersehbar.
Entscheidend dürfte jedoch die überlegene Strategie von Sultan Alp Arslan gewesen sein, dem es durch einen vorgetäuschten Rückzug gelang, die byzantinische Armee einzuschließen. Kaiser Michael VII. dürfte die Schuld seines Cousins Andronikos wohl in etwas anderem Licht gesehen haben, da er ja seine Krönung der Niederlage und dem Sturz von Kaiser Romanos IV. und damit auch Andronikos verdankte.