An diesem Tag

Andreas Schlüter (Architekt)

Preußischer Bildhauer und Architekt (1660–1714)

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Andreas Schlüter (* wahrscheinlich am 13. Juli 1659 in Danzig; † vor dem 23. Juni 1714 in Sankt Petersburg) war ein deutscher Bildhauer und Architekt. Zu seinen Hauptwerken gehören das Zeughaus, das Schloss, die Kanzel der Marienkirche, das Reiterdenkmal des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm sowie die Prunkgrabmale des preußischen Königspaares Friedrich und Sophie Charlotte in Berlin.

Nach älteren Quellen wurde Schlüter am 20. Mai 1664 in Hamburg als Sohn des Bildhauers Gerhart Schlüter geboren und am 22. Mai 1664 getauft. Danach soll Andreas Schlüter in früher Jugend mit seinem Vater nach Danzig gekommen und dort zu David Sapovius in die Lehre gegeben worden sein. Nach jüngeren Quellen liegt hingegen eine Verwechslung des häufig vorkommenden Namens Schlüter vor. Georg Cuny wies einen Andreas Schlüter „den Älteren“ als in Danzig von 1640 bis 1652 tätig nach. Dessen Arbeiten an dem 1640 für eine Familie von Enden erbauten Patrizierhaus Jopengasse 1 (sogenanntes Schlüterhaus) und an dem 1652 für den Kaufmann Eustachius Holwell errichteten Haus Brotbänkengasse 28, Medaillons und Büsten von antiken Helden, Kriegern, Weisen und Königen, leiten zur Kunstart des Sohnes Andreas Schlüter des Jüngeren hinüber, von dem Cuny annahm, dass er um 1640 in Danzig geboren sei. Die ältere Annahme des Geburtsdatums Schlüters stützt sich auf eine Eintragung im Kirchenbuch von St. Michaelis in Hamburg vom 22. Mai 1664: „Andreas Schlüter, ehelicher Sohn des Gerhart Schlüter, Gevattern Andreas Kröger, Jürgen Nellcken und Katharina Tidtkens.“

Mehrere Quellen deuten auf eine Herkunft Schlüters aus Danzig hin. In dem Danziger „Gesellen-Register der Maurer, Steinhauer, Bildhauer und Steinmetzen von 1644–76“ fand Ernst Blech auf Blatt 12 den Eintrag: „Anno 1656 d. 9. Maij Andres Schliter, Steinhauer ein Dantziger, auß d’ Lehr.“ Als Danziger bezeichnet ihn 1702 der mit Schlüter viele Jahre hindurch bekannte Kupferstecher Peter Schenk, auf einem Schlüters Entwurf zum Umbau des Berliner Schlosses darstellenden Blatt „Ad Nobiliss. Schluterum Gedan“, ferner nennt ihn eine ihm zu Ehren 1704 geschlagene Denkmünze einen Danziger. Gegen die Annahme, dass Schlüter erst 1664 geboren sei, kann auch die Stelle eines Briefes vom 27. Juli 1706 angeführt werden, den er in Angelegenheit der Münzturmkatastrophe an seinen Gönner, den Schlosshauptmann Marquard Ludwig von Printzen geschrieben hat: „Ich habe über die 30 Jahre mit großen Arbeiten Tag und Nacht zugebracht, und ist unter all denen Werken kein Fehl begangen, auch habe ich in Berlin schon erwiesen, daß man ja wohl sehen kann, ob ich ein Meister gewesen, da ich hieher gekommen bin, und nun muß ich [...].“ Nach Heinz Ladendorf soll Schlüter „um 1660, wahrscheinlich in Danzig“, nach Bernd Nicolai am 13. Juli 1659 in Danzig geboren worden sein.

Nach beendigter Lehrzeit ging Schlüter auf die Wanderschaft, von der er wieder in seine Heimatstadt zurückkehrte. Als Frühwerk Schlüters wird den Monumenta Poloniae Historica Tom. IV zufolge die Bildhauerarbeit im Pelpliner Dom aus dem Jahr 1675 bezeichnet, ein Epitaph der Herzöge Sambor II. und Mestwin II. Auch ist eine Mitarbeit beim Bau der 1678–81 von Barthel Ranisch ausgeführten und 1683 geweihten Königlichen Kapelle in Danzig denkbar.

Nach 1684 war Schlüter für den König Johann III. Sobieski von Polen beschäftigt und nach Cornelius Gurlitt am Ausbau des Schlosses Wilanów und des Palais Krasiński in Warschau beteiligt. Bei den Arbeiten in Danzig und bei diesen Palastbauten in Warschau eignete Schlüter sich die Schulung, Geschicklichkeit und Erfahrung im Bauwesen an, die ihm später bei seinen Berliner Bauten zunutze kamen. Bei dem Schloss Wilanów kommen die Vordermauer zum Hof und die Verbindungsgänge für Schlüter in Betracht. Die Steigerung der Formengebung am Schloss Wilanów gegenüber der früheren Bauweise ist für die Kunstauffassung Schlüters charakteristisch. Besonders zeigt sie sich in zahlreichen Vorsprüngen, triumphbogenartigen Toren, Blendarkaden, Türen mit Hermengewänden, Sprenggiebeln und Reliefmedaillons, Nischen, Büsten auf Konsolen, zahlreichen Reliefs, vor allem aber in den Turmhelmen.

Am 25. Juli bzw. 4. August 1694 trat Schlüter als Bildhauer und Lehrer an der in Gründung befindlichen Berliner Akademie in den Dienst des Kurfürsten Friedrich III. und wurde 1695 einer ihrer Direktoren. Er unternahm 1696 eine Reise nach Italien zum Ankauf von Abgüssen. Die vor allem in Rom, das damals neben Paris als führende Kunststadt der Welt galt, aber auch in Turin empfangenen Anregungen wirken später bei seinem Berliner Schloss nach. Die gesamte Bauidee Schlüters und die Verbindung der Baukunst mit einer vielseitigen Verwendung von plastischen Arbeiten zeigt, dass er von der Barockkunst Italiens nicht nur bedeutenden Einfluss erhielt, sondern auch tief in ihr Wesen eingedrungen war. Schlüters ältestes Werk in Berlin ist die Statue des Kurfürsten Friedrich III., den er in ausschreitender Stellung, in der Kleidung römischer Imperatoren, barhaupt mit weit nach rückwärts wallendem Haar darstellte. Johann Jacobi hat 1697 die Statue in Bronze gegossen. Vielleicht war diese Statue als Bekrönungsfigur für einen Triumphbogen vorgesehen. Jedenfalls fanden verschiedene Versuche zur Aufstellung der Statue statt. Zuerst stand sie im Hof des Zeughauses, schließlich ließ König Friedrich Wilhelm III. sie vor dem Königsberger Schloss aufstellen (heute vor dem Schloss Charlottenburg). Der Sockel, den ursprünglich Sklavenfiguren tragen sollten, stammt von Johann Gottfried Schadow.

Friedrichs Regierungsantritt hatte für die Berliner Architektur zuerst keine einschneidende Veränderung im Vergleich zur Architektur in den letzten Lebensjahren seines Vorgängers, des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm, gebracht. Die maßvolle bis nüchterne niederländische Bauweise, deren führender Vertreter in Berlin Johann Arnold Nering war, blieb für die wichtigsten Gebäude dieser Zeit bestimmend, und genauso arbeiteten Michael Mathias Smids und Martin Grünberg. Schlüters Auftreten als Architekt brachte nun einen entscheidenden Wandel. Als er kurz vor 1697 den Auftrag erhielt, für die Postverwaltung unter der Leitung Johann Casimir Kolbes von Wartenberg einen Neubau zu errichten, schuf er das Palais Wartenberg an der Ecke der heutigen Rathausstraße und des Spreeufers in barocken Formen. Dieses setzte sich mit seinen selbständigen Ordnungen, seinen nach malerischen Grundsätzen in Felder geteilten Wandflächen, den großen Fensteröffnungen, dem starken Hauptgesims und besonders der bildhauerischen Ausstattung in bewussten Gegensatz zu der bisher in Berlin vorherrschenden klassizistisch-barocken, aus Frankreich und den Niederlanden beeinflussten Richtung. Das 1889 abgerissene Gebäude zeigte aber auch, dass Schlüter vor allem Bildhauer war, kein geschulter Architekt. So hervorragend als plastische Leistungen die acht Statuen griechischer Gottheiten über der hohen Attika, die Tugendmedaillons als Fassadenreliefs und die Stuckdecken im Hauptgeschoss waren, so fehlte der Fassade die klare Gestaltung und die sich aus dem Grundriss ergebende Gliederung. Dieser Widerspruch im künstlerischen Schaffen Schlüters, der Umstand, dass er seine Bauten mehr als Bildhauer denn als ausgebildeter Architekt ausführte, wurde ihm 1706 bei der Errichtung des Münzturms zum Verhängnis. Seine hervorragenden Eigenschaften als Bildhauer zeigen sich jedoch deutlich bereits am Palais Wartenberg; sie bestehen nach Gurlitt in „dem unbefangenen Formendrang, der Lust an reichen, überschwänglichen Gebilden, dem Vorwalten des Empfindens über das Erwägen und der sorglosen Unmittelbarkeit des Schaffens“.

Das lässt sich auch an der Baugeschichte und der Ausschmückung des Zeughauses in Berlin erkennen, an dem Schlüter 1698 bis 1699 tätig war. Von dem architektonischen Einfluss Schlüters ist äußerlich wenig erkennbar. Dem Gebäude, dessen Grundsteinlegung am 28. Mai 1695 stattgefunden hatte, lag ursprünglich ein Entwurf François Blondels zu Grunde, der während der Ausführung durch die nachfolgenden Bauleiter Nering, Grünberg, Schlüter und Jean de Bodt mehrfach geändert wurde. Schlüters plastische Arbeiten daran zählen zu den bedeutendsten Werken der deutschen Bildhauerei. Es sind die Schlusssteine des Erdgeschosses 1. an der Außenseite weit ausladende, reich verzierte Helme (kriegerischer Glanz, Ruhm, Ehre); 2. im Hof die Köpfe sterbender Krieger (Grausen des gewaltsamen Todes), 3. die Schlusssteine über den seitlichen Toren und dem der hinteren Achse, Meerfrauen und Gorgonenhäupter (Krankheit, Pestilenz, Elend). Wahrscheinlich von Schlüter sind zudem die Verdachungen über den Fenstern des Hauptgeschosses, die Holzschnitzereien an einigen vor der Königskrönung Friedrichs entstandenen Türen und vielleicht auch die Metopen des Kranzgesimses.

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