Andreas Meyer (* 9. April 1961 in Basel) ist ein Schweizer Manager. Vom 1. Januar 2007 bis zum 31. März 2020 war er der Vorsitzende der Geschäftsleitung der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB).
Andreas Meyer legte am Gymnasium Muttenz 1980 die Matura Typus B ab. Er studierte anschliessend Rechtswissenschaften an den Universitäten Basel und Freiburg (Schweiz). Der Sohn eines Eisenbahners arbeitete während seines Studiums als Wagenreiniger bei der SBB. 1989 erwarb er im Kanton Basel-Landschaft das Rechtsanwaltsexamen und 1995 einen MBA bei INSEAD in Fontainebleau.
Seine berufliche Laufbahn begann 1990 als Rechtskonsulent bei ABB, später als Assistent der Geschäftsführung und Projektleiter bei deren Tochterunternehmen W+E Umwelttechnik in Zürich. Von 1996 bis 1997 arbeitete er als Geschäftsführer beim deutschen Anlagenbauer Babcock Borsig in Oberhausen und Bitterfeld.
Von 1997 bis 2006 arbeitete Andreas Meyer in verschiedenen Positionen bei der Deutschen Bahn AG. Er stieg bei DB Energie als kaufmännischer Geschäftsführer ein und wurde 2000 Vorsitzender der Geschäftsführung. 1997 war er dabei mit dem Auftrag betraut worden, die Energiesparte zu veräussern. Durch einen Umbau konnte er den Konzern von einem langfristigen Erhalt der Energiesparte des DB-Konzerns überzeugen. 2004 wurde er Vorsitzender der Geschäftsführung von DB Stadtverkehr. Damit war er gleichzeitig Mitglied der Geschäftsleitung von DB Personenverkehr. Ab 2005 war Meyer gleichzeitig Mitglied der Konzernleitung der Deutschen Bahn AG.
Am 23. Juni 2006 wurde Meyer, mit Wirkung zum 1. Januar 2007, vom Verwaltungsrat der SBB einstimmig aus 30 Kandidaten zum Nachfolger von Benedikt Weibel gewählt. Mit zehn der Kandidaten waren ausführliche Gespräche geführt worden.
Als Jahresgehalt erhielt er im Geschäftsjahr 2014 ein Fixum von 580'000 Franken sowie einen leistungsabhängigen Anteil von 492'000 Franken. Mit insgesamt rund 1,1 Millionen CHF Gesamtentlohnung erhält Meyer damit das höchste Salär eines Angestellten in einem CH-bundesnahen Betrieb. 1996 betrug die Vergütung für den damaligen SBB-Direktoriumspräsidenten Benedikt Weibel noch 300'000 CHF.
Meyer kündigte am 4. September 2019 seinen Rücktritt von der SBB-Spitze bis spätestens Ende 2020 an. Nach der Wahl seines Nachfolgers hat der SBB-Verwaltungsrat seinen Rücktritt und die Amtsübergabe auf den 1. April 2020 festgelegt.
2008 wurde der Bereich Immobilien zur eigenständigen Division der SBB. Im Industriewerk Bellinzona (IW) kam es nach Ankündigung von Sanierungsmassnahmen zu einem einmonatigen Streik. In Zusammenarbeit mit dem Kanton Tessin und der Stadt Bellinzona gelang es, die Zukunft des Werkes zu sichern.
Im gleichen Jahr startete die SBB das grösste Flottenerneuerungsprogramm (FV-Dosto, Modernisierung der einstöckigen Flotte, IC2000, Giruno). Die Beschaffungen zielten darauf ab, die Züge zu standardisieren und die Flottentypen zu reduzieren. Der Fernverkehrs-Dosto, die grösste Beschaffung der SBB, verzögerte sich und die Einführung wurde zu einer «Zangengeburt».
2011 sanierte die SBB ihre Pensionskasse.
2013 schrieb SBB Cargo erstmals seit mehr als 40 Jahren wieder schwarze Zahlen. Zwischen 2013 und 2018 entwickelt die SBB elf regionale Gesamtperspektiven: Kantone, Städte und Gemeinde formulierten mit der SBB Arbeitsprogramme für eine langfristige Mobilitäts- und Arealentwicklungen.
2014 nahm die SBB in Zürich, im grössten Bahnhof der Schweiz, den ersten Teil der Durchmesserlinie mit einem neuen Tiefbahnhof Löwenstrasse in Betrieb.
2015 wurden alle Mitarbeitenden mit Smartphones oder Tablets ausgerüstet.
2016 verabschiedete die SBB erstmals eine übergreifende Unternehmensvision, die 2019 weiterentwickelt wird.
Ebenfalls 2016 wurde der Gotthard-Basistunnel als Herzstück der neuen Alpentransversale NEAT in Betrieb genommen; er ist mit 57 Kilometern der längste Eisenbahntunnel der Welt. 2020 wird mit der Inbetriebnahme des Ceneri-Basistunnels die NEAT vollendet.
Am 21. August 2019 beschlossen SBB und BLS eine Zusammenarbeit innerhalb der integralen Fernverkehrskonzession.
Ende 2019 nam der Léman Express als grösste grenzüberschreitende S-Bahn in Europa seinen Betrieb auf.
In den Wochen unmittelbar vor Meyers Ausscheiden im März 2020 reduzierte die SBB aufgrund der COVID-19-Pandemie ihr Angebot massiv. Die Nachfrage ging aufgrund von Mobilitätsbeschränkungen um 80 bis 90 Prozent zurück.