An diesem Tag

Andreas Maislinger

Österreichischer Politikwissenschaftler

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Andreas Maislinger (* 26. Februar 1955 in Sankt Georgen bei Salzburg) ist ein österreichischer Politikwissenschaftler. Er ist Initiator der Vereine Gedenkdienst und Österreichischer Auslandsdienst. 2023 trat er als Vorsitzender des Auslandsdienstes zurück, nachdem mehrere Fälle von Machtmissbrauch durch Maislinger bekannt geworden waren.

Andreas Maislinger wuchs in einem Landgasthaus in Sankt Georgen bei Salzburg auf. Von 1982 bis 1991 war Maislinger am Institut für Politikwissenschaft der Universität Innsbruck, an der University of New Orleans, an der Humboldt-Universität zu Berlin, an der Johannes Kepler Universität Linz und an der Hebräischen Universität Jerusalem tätig.

Andreas Maislinger ist der Initiator des österreichischen Gedenkdienstes. Er setzte sich seit seinem Studium für die gesetzliche Verankerung dieser Art des Militärersatzdienstes ein, der die Aufklärung über den Holocaust zum Ziel hat. Unterstützt wurde er dabei vor allem von Simon Wiesenthal, Teddy Kollek, Ari Rath, Herbert Rosenkranz, Gerhard Röthler und Karl Pfeifer. Am 10. Oktober 1980 hatte Maislinger auf Einladung von Anton Pelinka die Möglichkeit, in der von Dolores Bauer geleiteten ORF-Sendung Kreuzverhör den „Zivildienst in Auschwitz“ vorzustellen. Nach der Realisierung konnte am 1. September 1992 der erste Gedenkdiener seinen Dienst im Museum Auschwitz-Birkenau antreten. Als Vorsitzende des Vereins Gedenkdienst wurden Maislinger und Andreas Hörtnagl 1997 abgewählt. Maislinger focht die Entscheidung an, was zu einer längeren Auseinandersetzung mit dem neuen Vorstand und schlussendlich seinem Austritt aus dem Verein führte.

In Folge gründete Maislinger den Verein für Dienste im Ausland, 2005 umbenannt auf Verein Österreichischer Auslandsdienst. Dabei wurde der Gedenkdienst um die Bereiche Sozialdienst und Friedensdienst erweitert. 2023 trat Andreas Maislinger als Vorsitzender zurück, nachdem Vorwürfe der psychischen Gewaltausübung öffentlich wurden. Der Oberösterreicher Tobias Aigner folgte ihm nach.

Während seines Studiums in Salzburg war er Mitglied der Österreichischen Studentenunion und versuchte eine österreichische Beteiligung an der Internationalen Jugendbegegnungstätte Auschwitz zu erreichen. Bundespräsident Rudolf Kirchschläger hatte dies jedoch mit der Begründung, ein Österreicher hat in Auschwitz nichts zu sühnen, abgelehnt. Später anerkannte Kirchschläger das positive Ergebnis des von Maislinger durchgesetzten Gedenkdienstes. Den Sommer 1978 verbrachte er im Kibbuz Kfar HaHoresh in der Nähe von Nazareth. 1980 promovierte er bei Anton Pelinka zum Dr. phil. mit einer Dissertation über Probleme der österreichischen Verteidigungspolitik. Der Auschwitz-Überlebende Jerzy Adam Brandhuber war während dieser Zeit sein Vertrauter. Hermann Langbein klärte ihn über den Antisemitismus beim Verband der Kämpfer für Freiheit und Demokratie in Polen auf. Auf Anregung von Jan Parcer rief er in Österreich zur Unterstützung des Baus der Maximilian-Kolbe-Kirche in Oswiecim auf.

1986 war er Gründungsmitglied der Österreichisch-Israelischen Gesellschaft Tirol und 1988 im Auftrag der Internationalen Helsinki-Föderation für Menschenrechte in der DDR. Dieser und frühere DDR-Aufenthalte Maislingers wurden von dem Ministerium für Staatssicherheit beobachtet. Mit Bischof Kurt Scharf setzte er sich für die Freilassung politischer Häftlinge in der DDR ein. Die von Maislinger erstmals 1984 organisierte Fahrt zum Museum Auschwitz-Birkenau wird von der Gesellschaft für politische Aufklärung bis heute angeboten. Gemeinsam mit Yaacov Lozowick realisierte er 1992 das erste deutschsprachige Seminar in Yad Vashem.

Von 1992 bis 2012 war Maislinger der wissenschaftliche Leiter der Braunauer Zeitgeschichte-Tage in Braunau am Inn. Bürgermeister Gerhard Skiba hatte diese von Maislinger bereits 1987 vorgeschlagene Tagung ermöglicht.

Bis 1996 veröffentlichte Andreas Maislinger Kolumnen in der Jüdischen Rundschau. Nach der FPÖ-Regierungsbeteiligung im Jahr 2000 schlug Maislinger der Stadt Braunau am Inn vor, im Geburtshaus von Adolf Hitler ein „Haus der Verantwortung“ einzurichten.

Ab 2006 leitete Maislinger das in Bürmoos stattfindende Ignaz-Glaser-Symposion. Im August 2006 verlegte Gunter Demnig auf Einladung Maislingers im Bezirk Braunau am Inn 13 Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus. Bereits 1997 wurden zwei Stolpersteine für die hingerichteten Zeugen Jehovas Johann und Matthias Nobis in Maislingers Heimatgemeinde verlegt.

Als Tierschützer engagierte sich Andreas Maislinger 2007 mit Johann Maier für ein Schweizerkracher-Verkaufsverbot.

Maislinger wurde im Juni 1997 vom Vorstand des Vereins Gedenkdienst abgewählt, rund 90 Prozent der Mitglieder wählten bei der Generalversammlung des Vereins gegen ihn. Maislinger begann dennoch kurz danach seine Abwahl anzufechten, wodurch der Verein ein halbes Jahr handlungsunfähig wurde. Maislinger sprach von einem „Generationenkonflikt“, der zum „Vatermord“ geführt habe. Laut Kurier soll er sich auch nicht zurückgehalten haben, Schmutz auf seinen Nachfolger als Obmann, Sascha Kellner, zu werfen. Der Verein Gedenkdienst leitete daraufhin rechtliche Schritte ein.

Kellner kritisierte zahlreiche Ungereimtheiten in der Vereinsführung, auch von Seiten Maislingers, und warf ihm Machtmissbrauch vor.

Christian Klösch, der in den 1990ern Teil des Vorstands des Verein Gedenkdienst war, berichtete, dass Maislinger damals Menschen emotional erpresst haben soll. Dies sei auch Mitgrund für seine Abwahl gewesen.

Im Mai 2023 berichtete die Wochenzeitung Falter über schwere Vorwürfe gegen Maislinger. Maislinger hatte junge, teils minderjährige Gedenkdiener systematisch drangsaliert. Drei Tage nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe gab Maislinger seinen Rücktritt als Vorsitzender des Auslandsdienstes bekannt.

Eine vom Verein initiierte externe Untersuchung bestätigte den Machtmissbrauch durch Maislinger.

Die Vorwürfe betrafen unter anderem dokumentierte Suizid- und Klagsdrohungen sowie Einschüchterungen. Ehemalige Gedenkdiener berichteten von anhaltenden psychischen Belastungen infolge ihrer Tätigkeit im Verein. So rief Maislinger etwa einen Gedenkdiener an um ihn seinen Suizid anzukündigen mit den Worten „Du musst damit leben, dass ich mich jetzt umbringe“, so berichtete der Nachrichtensender Puls 24 unter Berufung auf entsprechende Telefonmitschnitte. Auch Jonathan Dorner, der 2019 Gedenkdienst leistete, war das Ziel einer Suiziddrohung und zahlreicher anderer Drohungen gewesen, nachdem er Maislinger widersprochen und problematische Umstände angesprochen hatte. Weiters hatte Maislinger auch mit Klagen gedroht. In einem öffentlichen Statement erklärte der Gedenkdienst, man sei von den neuen Vorwürfen „schockiert, aber nicht überrascht“: Maislingers Obmannschaft beim Gedenkdienst sek von „ähnlich problematischem Verhalten gekennzeichnet gewesen.“ Maislinger selbst äußerte sich zu den Vorwürfen nicht öffentlich.

Dem Sozialministerium sollen die Vorwürfe bereits seit Herbst 2022 bekannt gewesen sein. Eine Einstellung der Förderung sei auf Basis des damaligen Kenntnisstandes unverhältnismäßig gewesen, kommentierte das Ministerium auf ORF-Nachfrage.

2023 wurde Andreas Maislinger auf Platz 81 der „Best of Böse“-Rangliste der Wochenzeitung Der Falter gelistet.

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