André René Roussimoff (* 19. Mai 1946 in Coulommiers, Frankreich; † 27. Januar 1993 in Paris), besser bekannt als André the Giant, war ein französischer Profi-Wrestler und Schauspieler. Roussimoff hatte die Wachstumskrankheiten Riesenwuchs und Akromegalie, die ihn sehr groß werden ließen und eine sehr massige Konstitution bedingten. Seine Größe wird oft mit 2,13 oder 2,24 Metern und sein Gewicht mit 240 Kilogramm angegeben, doch die Angaben variieren von Quelle zu Quelle. Zudem unterlag seine Größe, bedingt durch die Erkrankung, auch gewissen Schwankungen.
Aufgrund dieses hünenhaften Erscheinungsbildes wurde er auch „Das achte Weltwunder“ genannt und war in den 1970er und beginnenden 1980er Jahren der erfolgreichste Star des Wrestlinggeschäfts. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er auch als Schauspieler bekannt. Am bekanntesten sind seine Rollen in Conan der Zerstörer (1984) und Die Braut des Prinzen (1987). Seine Grunderkrankung führte zu Roussimoffs frühem Tod. Er wurde 1993 posthum als das erste Mitglied in die WWE Hall of Fame berufen.
André Roussimoff wurde als Sohn des bulgarischen Einwanderers Boris Roussimoff Stoeff und dessen Frau, der Polin Marianne, geb. Marasjeck, in Coulommiers, Frankreich, als mittleres von insgesamt fünf Kindern geboren. Er wuchs in dem kleinen Ort Molien in der Gemeinde Ussy-sur-Marne auf, in dem seine Eltern einen kleinen Bauernhof betrieben, der die Familie ernährte.
Bei seiner Geburt wog er sechs Kilo. Als Kleinkind entwickelte er sich normal, jedoch begann er recht spät zu sprechen. Erst als Kind begann er, Zeichen einer Akromegalie zu entwickeln. Insbesondere wuchsen Kiefer und Stirn überproportional. Auch wurde er größer als andere Kinder in seiner Umgebung. Obwohl offensichtlich war, dass sein Wachstum nicht normal war, suchten seine Eltern in der ländlichen Gegend, in der sie lebten, nie einen Arzt auf.
Roussimoff besuchte eine Schule in Ussy-sur-Marne. Er ging gerne zur Schule und hatte mathematisches Talent. Roussimoffs Vater sah allerdings wenig Sinn in einer Schulbildung, da sein Sohn als Nachfolger in der Landwirtschaft vorgesehen war. So nahm er ihn mit 14 Jahren aus der Schule. Bereits zu diesem Zeitpunkt über 1,90 Meter groß, war er für seinen Vater eine große Hilfe beim Bestellen der Felder. Seine Geschwister sagten später über ihn, er habe für drei Männer arbeiten können.
Mit 14 Jahren verließ er zunächst den elterlichen Hof, um eine Tischlerlehre zu machen. Diese schloss er jedoch nicht ab, kehrte auf den elterlichen Hof zurück und arbeitete danach in einer Fabrik, die Motoren für Heuverarbeitungsmaschinen herstellte.
Roussimoff war ein begeisterter Sportler, der vor allem Fußball spielte. Er probierte auch Rugby und Basketball aus, fand aber daran keinen Gefallen. 1965 traf Roussimoff auf Robert Lageat, einen Wrestlingpromoter und ehemaligen Boxer, der auch als Berufsringer auftrat. Er sah Potenzial in dem jungen Riesen und bot an, ihn in Paris zu trainieren. Sein Leben und Training dort finanzierte er unter anderem als Möbelpacker und Türsteher. Trainiert wurde er von Michael Saulnier, einem ehemaligen Ringer, der zum Wrestling kam, nachdem er bei den Olympischen Sommerspielen 1956 nicht nominiert worden war. Roussimoff trat damit in einer Zeit in das Wrestlingbusiness ein, in dem die Schaukämpfe unter einem sehr strengen Kayfabe standen, das heißt vom Publikum als echte Kämpfe wahrgenommen werden sollten. Durch seine Größe konnte er einen glaubhaften Kampfstil adaptieren. Nach etwa einem Jahr Training bestritt er seine ersten Kämpfe. Zu dieser Zeit war er 2,09 Meter groß und wog etwa 135 kg. Sein erster Kampf fand am 25. Januar 1966 in Rouen statt. Er trat als Géant Ferré (deutsch Gigant/Riese Ferré) an. Der Name lehnte sich an den picardischen Volkshelden Grand Ferré an, der während des Hundertjährigen Kriegs gekämpft haben soll. Schon nach kurzer Zeit wurde der Name in Jean Ferré abgeändert. Sein Image war das eines Holzfällers. Diesen Beruf übte der historische Ferré ebenfalls aus. Einen Monat später wurde ein Match von ihm im Fernsehen ausgestrahlt, gefolgt von einem Interview. Schon bei seinen Anfängen adaptierte er einige Stilmittel, die ihn sein Wrestlingleben hindurch begleiten sollten. So stieg er mit beiden Beinen über das oberste Seil. Am Anfang nutzte er aber einen sehr viel technischeren Stil als in späteren Jahren. Seine Größe und sein sympathisches Auftreten machten ihn in der Wrestling-Szene Frankreichs recht schnell bekannt, wobei er von 1966 bis 1968 nur sporadisch auftrat.
1966 lernte er den Promoter und Wrestler Frank Valois kennen, der später sein Manager und Ratgeber werden sollte. Etwa um diese Zeit begegnete er auch Lord Alfred Hayes, der zu einem seiner besten Freunde wurde. Mit Die 7 Masken des Judoka debütierte er 1967 als Schauspieler. In dem Agentenfilm nach einem Roman von Ernie Clerk kämpfte er gegen den Hauptdarsteller. Sein größtes Match hatte er am 20. Januar 1968 gegen den Belgier Franz van Buyten, das auch im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Bei diesem Match durfte er mit dem French Heavyweight Championship der Fédération Française de Catch Professionnel seinen ersten Titel gewinnen.
1969 ging Roussimoff nach England, wo er sich schnell einen Namen in der zu dieser Zeit größten Wrestling-Szene Europas machte. Unter anderem trat er in der Londoner Royal Albert Hall an. Matches von ihm wurden bei ITV übertragen. In England musste er auch erstmals verlieren. Am 7. Juni 1969 verlor er gegen Kendo Nagasaki (eigentlich Peter Thornley) in der Victoria Hall von Henley-on-Thames. Nagasaki war damals Englands größter Star.
Roussimoff tourte anschließend durch verschiedene Länder, darunter Deutschland, das Vereinigte Königreich, Australien, Neuseeland, Tunesien, Marokko, Algerien und Südafrika. Er trat unter verschiedenen Ringernamen an, unter anderem als Monster Eiffel Tower in Neuseeland und als Monster Roussimoff in Japan. Bei der japanischen Promotion International Wrestling Enterprise wurde er zusammen mit Michael Nador Tag-Team-Champion in einem Match vor 5.000 Fans in Fukuoka.
Durch den seit 1966 bestehenden Kontakt mit den Wrestlern Frank Valois und Edouard Carpentier kam Roussimoff schließlich ins kanadische Montreal, wo letzterer ihn als Mentor unterstützte. Er trat für die französischsprachige Promotion Grand Prix Wrestling an und erhielt dort seinen langjährigen Spitznamen The 8th Wonder of the World (deutsch das achte Weltwunder). Als Herkunftsort für Roussimoff wurde Grenoble ausgewählt, da die Stadt durch die zuvor stattgefundenen Olympischen Winterspiele bekannt war. Er trat dort meist als Tag-Team-Wrestler und in Handicap-Matches gegen zwei Gegner an. Als Einzelwrestler wurde er als Face (Publikumsliebling) eingesetzt und trat gegen Heels wie Killer Kowalski und Butch Vachon an. Dabei pendelte er auch häufig nach Japan. Als Giant Roussimoff wurde ihm die Ehre zuteil, das IWE Third World Series Tournament gewinnen zu dürfen. Dabei gewann er unter anderem gegen Karl Gotch und Billy Robinson. Sein Ruhm wuchs schnell über alle Landesgrenzen hinweg. So wurde er im Wrestling Yearbook of 1971 der beiden Wrestling-Magazine Inside Wrestling und The Wrestler zum Rookie des Jahres gewählt.
1971 konnte Roussimoff durch Fürsprache von Adnan Al-Kaissie zwei Matches mit diesem im Irak bestreiten, bei welchem der spätere Präsident Saddam Hussein zugegen war. Dies war nicht ganz unproblematisch, befand sich der Irak gerade in einer heißen Phase der Revolution. So bedrohte Hussein im Falle eines Sieges Roussimoff mit dem Tod. Letztlich wurden die Matches so arrangiert, dass Al-Kaissie Match und Re-Match gewinnen durfte. Roussimoff lernte am Rande des zweiten Matches auch Hussein persönlich kennen. Beide Matches, das erste im al-Shaab-Stadion und das zweite in Kut, waren ausverkauft und verliefen ohne Zwischenfälle. Lediglich die Salutschüsse irakischer Kommandos nach dem Sieg erschreckten Roussimoff, der sich unter dem Ring versteckte.
1972 durfte er eine Fehde mit Don Leo Jonathan, dem Mormon Giant, bestreiten. Gegen den mit 1,98 Meter recht großen Wrestler ergab sich eine Traumpaarung, die am 31. Mai 1972 in einem Main-Event im Montreal-Forum vor mehr als 20.000 Zuschauern gipfelte. Die als Battle of the Giants („Kampf der Giganten“) und Match of the Century („Kampf des Jahrhunderts“) angepriesene Veranstaltung war Roussimoffs erster Hauptkampf. Der Kampf endete mit einem Disqualifikationssieg von Don Leo Jonathan. Zum Ende verlor Roussimoff seine Beherrschung und versuchte Jonathan zu erwürgen. Zahlreiche Wrestler kamen Jonathan zu Hilfe, die jedoch alle von Roussimoff niedergestreckt wurden. Die Inszenierung definierte das Image von Roussimoff als netten und zuvorkommenden Riesen, der jedoch auch austeilen konnte, wenn man ihn reizte. Dem gegenüber stand Roussimoffs Image in Japan, wo er wie viele Gaijin (Ausländer) als gefürchteter Heel („Bösewicht“) eingesetzt wurde.