An diesem Tag

André Previn

US-amerikanischer Pianist, Komponist und Dirigent

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André George Previn (* 6. April 1929 als Ludwig Andreas Privin in Berlin; † 28. Februar 2019 in New York) war ein deutsch-US-amerikanischer Pianist, Komponist und Dirigent. Sein Werk umspannt Jazz, klassische Musik und Filmmusik, an mehreren berühmten Opernhäusern war er Chefdirigent oder Musikdirektor. Im Laufe seiner Karriere wurde er unter anderem mit elf Grammy Awards und vier Oscars ausgezeichnet.

André Previn wurde als drittes Kind des jüdischen Rechtsanwalts Jacob Privin (im späteren amerikanischen Exil nannte er sich Jack Priwin, * 19. April 1885 Graudenz; † 6. Februar 1963, Los Angeles) und dessen Frau Charlotte, geb. Epstein (* 27. November 1891, Frankfurt/M.; † 13. Juni 1986 Los Angeles) in Berlin geboren. Der Großvater von André Previn, Wolf Privin (1845–1892), arbeitete als Chasan (Kantor) in Graudenz, Westpreußen. Previns Vater hatte bereits ein Visum für die Vereinigten Staaten beantragt, wurde aber während der monatelangen Wartezeit darauf von einem Gestapo-Offizier gewarnt, dass eine Verhaftung bevorstehen würde, worauf die Familie überstürzt nach Frankreich floh. Previn hatte zwei ältere Geschwister: Steve Previn (geboren als Wolf Stefan Privin, 1920–1993), der bereits 1936 emigriert war und später vor allem im Bereich Produktion für Film und Fernsehen arbeitete, und die Schwester Leonore (1923–1959).

Obwohl Previn als Kind Deutschland verlassen musste, blieb er nach Aussagen seiner letzten Ehefrau Anne-Sophie Mutter seiner Heimat bis ins Alter verbunden: „Er hat deutsche Literatur, deutsche Malerei wirklich geliebt. Er hat natürlich perfekt Deutsch gesprochen. Kannte Autoren, die man als Nicht-Deutsche nicht wirklich kennt, so wie Heinrich Böll.“

Die heutige Schreibweise des Familiennamens übernahm man im Exil von amerikanischen Verwandten, zu denen Charles Previn gehörte, ein Cousin zweiten Grades von Previns Vater, der unter anderem von 1936 bis 1944 Musikdirektor bei Universal in Hollywood war. André Previn war seit 1943 US-amerikanischer Staatsbürger.

Den ersten Musikunterricht erhielt André Previn von seinem Vater, einem Amateurmusiker. Von 1936 bis 1938 studierte Previn am Stern’schen Konservatorium (zu Previns Studienzeit von den Nationalsozialisten in Konservatorium der Reichshauptstadt Berlin umbenannt) unter anderem Klavier bei Rudolf Breithaupt.

1938 floh die jüdische Familie Priwin vor der nationalsozialistischen Verfolgung nach Paris. Dort war Previn einige Monate lang als Student am Pariser Konservatorium eingeschrieben, wo er unter anderem Improvisation bei Marcel Dupré studierte (wahrscheinlich als Gasthörer („auditeur“) in Duprés Orgelklasse). Im Oktober 1938 emigrierte die Familie in die Vereinigten Staaten und ließ sich in Los Angeles nieder. Zu Previns Lehrern in Los Angeles und San Francisco zählten Max Rabinowitsch, Joseph Achron, Ernst Toch, Mario Castelnuovo-Tedesco und Pierre Monteux, zu seinen weiteren Förderern Interpreten wie Jascha Heifetz (ein Freund der Familie) oder Joseph Szigeti, der Previn im Kammermusizieren schulte.

In nicht geringem Maße war Previn jedoch Autodidakt, insbesondere als Komponist, Orchestrator, Dirigent und Jazzpianist. Als Schule verwies er in diesem Zusammenhang vor allem auf die Produktionsabläufe in Hollywood, wo er ab 1946 unter Vertrag stand. Diese ermöglichten ihm nicht nur den ständigen Austausch mit Kollegen wie Miklós Rózsa, Hugo Friedhofer oder Conrad Salinger, sondern auch ein stetes Lernen durch Handeln. Besonderes Renommee genoss er als Pianist und als vorzüglicher Vom-Blatt-Spieler, was seiner Laufbahn als Dirigent ab den sechziger Jahren entgegenkam. Previn komponierte zeitlebens mit Notenpapier und Stift am Schreibtisch, ohne Zuhilfenahme von Klavier oder Notensatzprogrammen, um sich eine eigene Vorstellung vom Klang des Komponierten verschaffen zu können.

Art Tatums Sweet Lorraine brachte Previn dazu, sich mit dem Jazz zu beschäftigen.

Mit dreizehn Jahren begann Previn seine Karriere mit Radioaufnahmen, u. a. mit Hoagy Carmichael. Mit fünfzehn gab er ein Jazz-Konzert im Konzertsaal des Los Angeles Philharmonic Orchestra. Sein damaliger Impresario Laguna gründete dann eine Schallplattenfirma, für die Previn 1945/46 seine ersten Aufnahmen machte, unter anderem mit Jazzmusikern wie Willie Smith und Red Callender. Aufgenommen wurden auch Previns eigene Kompositionen wie Sunset in Blue. Er zählte zu den erstklassigen Jazzmusikern der Vereinigten Staaten und spielte mit Ray Brown, Dizzy Gillespie sowie Billie Holiday. Für das Trioalbum My Fair Lady mit Shelly Manne und Leroy Vinnegar erhielt er 1956 die erste Goldene Schallplatte der Jazzgeschichte.

Nach einer kleinen Filmrolle als Musikstudent in dem Filmmusical Ich hab dich immer geliebt (I’ve Always Loved You) (1946) betätigte sich Previn auch als Filmkomponist, beispielsweise für die Musik zu Three Little Words (1950), die auch von ihm dirigiert wurde. Die Musik zum Film Mädchen ohne Mitgift (The Catered Affair) (1956) stammt ebenso von ihm wie die Musik für die Filmkomödie Gigi (1958), für die er einen seiner vier Oscars für Filmmusik erhielt. Auch die Musik für die Filmkomödie Eins, Zwei, Drei (1961) ist von Previn.

Er dirigierte auch Kinofilmmusik, etwa Akt der Gewalt (1948), Ein verwöhntes Biest (1953), Küß mich, Kätchen! (1953), Seidenstrümpfe (1957), Porgy und Bess (1959), My Fair Lady (1964), Jesus Christ Superstar (1973), Rollerball (1975), Der Elefantenmensch (1980).

Previn war vor allem als Dirigent symphonischer Orchester berühmt. Seine Orchesterleiter-Posten waren:

Houston Symphony Orchestra (1967–1969)

London Symphony Orchestra (Music Director: 1969–1979; Conductor Laureate: seit 1993)

Pittsburgh Symphony Orchestra (1976–1984)

Los Angeles Philharmonic Orchestra (1985–1989)

Royal Philharmonic Orchestra (Music Director: 1985–1988; Principal Conductor: 1988–1991)

Oslo Filharmoniske Orkester (Sjefdirigent: 2002–2006)

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