András Liker Áchim, genannt „Der Bauernkönig“ (* 16. März 1871 in Békéscsaba; † 14. Mai 1911 ebenda), war ein ungarischer Politiker.
Die Familie von András Liker Áchim gehörte dem niederen Adel und der Volksgruppe in Ungarn lebender Slowaken an. Seine Mutter starb bei der Geburt, für ein Jahr wurde er in die Obhut einer Bäuerin gegeben. Sein Vater, András Áchim, heiratete erneut, als er ein Jahr alt war. Von seinem Vater, der ein Landgut besaß, wurde András L. Áchim zunächst auf eine Schule in Szarvas und dann das lutherische Andrássy-Gyula-Gymnasium geschickt, um eine höhere Bildung zu erwerben, was an seinem jähzornigen Charakter und Lernunwillen scheiterte, sodass der Vater ihn in der sechsten Klasse aus der Schule nahm. Áchim soll gesagt haben: „Vater, Sie prügeln mich vergeblich, ich werde nie ein Herr werden.“ Er widmete sich dann der Landwirtschaft auf dem väterlichen Gut in Gerendás. Er las viel, darunter sozialistische Werke.
Áchim heiratete mit 23 Jahren Ilona Rajatar und absolvierte seinen Wehrdienst. Als er 27 war, starb der Vater, und kurz darauf verließ er endgültig den Hof, um sich in der Stadt Békéscsaba niederzulassen. Dort suchte er im Gasthaus Pollack Versammlungen von Altalános Népegylet (Allgemeiner Volksverein) auf, dem vor allem mittellose Bauern und Kleinbauern angehörten, der sich im Jahr 1903 gründete. Er wurde Ende August 1904 zu dessen Präsidenten gewählt.
Für die ungarischen Parlamentswahlen im Januar 1905 wurde er gegen den amtierenden Staatssekretär Mihály Zsilinszky und den Vizepräsidenten der Partei von 1848, Béla Barabás, als Kandidat aufgestellt. Im zweiten Wahlgang gewann er mit Hilfe seines Vereins, der das Programm von Vilmos Mezőfi und der Neuorganisierten Sozialdemokratischen Partei Ungarns (Magyarországi Újjászervezett Szociáldemokrata Párt) angenommen hatte, gegen den etablierten bürgerlichen Kandidaten. Etwa zu dieser Zeit schloss er Freundschaft mit dem Dichter Endre Ady, der über Áchims Antrittsrede im Parlament am 11. Mai 1905 in der Zeitung Budapešti Napló berichtete.
Der nur 34-jährige Áchim, der Großgrundbesitzer, der sich als Sozialist verstand, hinterließ im Ungarischen Parlament mit seinen beißenden Reden Eindruck, er provozierte gern. Zu den Kernpunkten seines Programms gehörten der Schutz der armen Bauern, die staatliche Ablösung der konfessionellen und priesterlichen Güter, die Verpachtung kleiner Landparzellen an die arme Bauernschaft, die Abschaffung der Herrenhäuser, kostenlose öffentliche Bildung, medizinische Versorgung und die Einführung des allgemeinen und geheimen Wahlrechts. Bald nach seiner Wahl brach er mit Mezőfi und stellte sich auch gegen die Arbeiterpartei von István Tisza. Das Parlament wurde Ende des Jahres aufgelöst.
Am 7. Mai 1906 wurde Áchim gegen den bürgerlichen Kandidaten Mathias Bakos erneut zum Abgeordneten gewählt, sein Mandat wurde allerdings von der Kurie annulliert und eine strafrechtliche Verfolgung wegen Volksverhetzung schloss sich an, von der er jedoch 1908 freigesprochen wurde. Am 30. März 1907 berichtete die Zeitung Nagyváradi Napló über das Verfahren: „András Áchim vor dem Gericht in Nagyváradi. Nächsten Monat beginnt in Nagyváradi einer der aufsehenerregendsten Presseprozesse wegen Agitation. Verhandelt werden die Anklagen gegen András L. Áchim, den Bauernkönig von Csaba, wegen klassenfeindlicher Agitation durch seine Schriften. Die Anklage hat bisher sechs Publikationen beanstandet.“
Ebenfalls im Jahr 1906 gründete er die Unabhängige Sozialistische Bauernpartei mit und gab das Parteiorgan, die Bauernzeitung heraus. In dem vor allem aus Adeligen zusammengesetzten Parlament, die ihre konservativen Werten treu blieben, machte er sich mit seinen demokratischen Forderungen und einem Antrag zu einer Agrarreform, die die Forderung nach einer erheblichen Flächenbeschränkung des Besitzes von Großbauern durch Parzellierung aufstellte, keine Freunde. Auch auf Seiten der Sozialisten stieß diese Idee auf Gegenwehr, die ihre Verbündeten vor allem in den Reihen der Bourgeoisie suchten.
Achim wurde im Jahre 1910 trotz allem ein weiteres Mal zum Abgeordneten gewählt, allerdings erst im zweiten Wahlgang.
Am 14. Mai 1911 um acht Uhr morgens drangen Endre Bajcsy-Zsilinszky und sein Bruder Gábor Zsilinszky, die Neffen seines alten politischen Gegners Mihály Zsilinszky, bewaffnet mit Revolvern, einem Brecheisen und einer Hundepeitsche in Áchims Haus ein und verletzten ihn in seinem Schlafzimmer durch mehrere Schüsse, an denen er nachfolgend starb. Anschließend stellten sie sich den Behörden. Die Hintergründe der Tat sind nicht vollständig geklärt. Áchim hatte nur wenige Tage zuvor auf eine gegen ihn gerichtete Pressekampagne mit Beschuldigungen gegen seinen politischen Gegner Endre Zsilinszky reagiert, den Vater der beiden jungen Tatverdächtigen. Er wurde in Békéscsaba auf dem Friedhof an der Berényi-Straße beerdigt.
Gábor Zsilinszky wurde des Mordes beschuldigt, jedoch auch in zweiter Instanz auf Grundlage seines Plädoyers, es habe sich um Notwehr gehandelt, freigesprochen. Es gilt heute als wahrscheinlich, dass die tödlichen Schüsse von seinem Bruder Endre Bajcsy-Zsilinszky abgegeben wurden. Dieser beteiligte sich später in der Ära Horthy am Freiheitskampf gegen die nationalsozialistische deutsche Besatzung und wurde 1944 von der Gestapo hingerichtet.
In seiner Heimatstadt Békéscsaba wurde am Ufer des Élővíz-Kanals eine 1971 vom Bildhauer László Marton angefertigte Büste Áchims aufgestellt sowie an der Mokry-Straße eine Wohnsiedlung nach ihm benannt. An dem von Áchim besuchten Gymnasium befindet sich eine ihm gewidmete Gedenktafel aus Kalkstein mit der Inschrift: „Zum Gedenken an András Áchim L., einen der Führer der agrarisch-sozialistischen Bewegung. 1956.V.15. Die Jugend der Schule.“ In mehreren ungarischen Städten wurden Straßen nach ihm benannt, darunter in Kiskunhalas, Mezőtúr und Békéscsaba.
Im Jahr 2011 wurde eine vom Bildhauer Attila Mészáros 2011 angefertigte Bronzebüste von Áchim zunächst im Ungarischen Landwirtschaftsmuseum ausgestellt und am 26. März 2014 auf der Promenade neben dem Schloss Vajdahunyad in Budapest in einer Reihe mit Skulpturen der Agrarwissenschaftler János Nagyváthy (1755–1819), Lajos Mitterpacher (1734–1814), Ferenc Pethe (1763–1832) und Samuel Tessedik (1742–1820) feierlich im öffentlichen Raum zugänglich gemacht. Zwei der Urenkel Áchims, Medvegy Iván und Bóna István, waren bei der Einweihung der Skulpturengruppe zugegen.
Im November 2021 widmete das Mihály Munkácsy Museum in Békéscsaba András Áchim eine Ausstellung, in der neben Fotografien und Gegenständen aus seinem Besitz zwei Skulpturen, Gemälde sowie Zeitdokumente aus dem Wahlkampf zu sehen waren.
Domokos Jozsef: Áchim L. Andras. Kossuth Könyvkiadó 1971 (online).
Ilona Reinert-Tárnoky: Áchim, András L., in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1. München 1974, S. 10 f.
József Molnár: Áchim L. András élete és halála („Leben und Sterben von Áchim L. András“). Püski Kiadó, Budapest 2002, ISBN 978-963-9337-39-8.