Anders Behring Breivik (norwegische Aussprache: [ˈɑnːəʂ ˈbeːriŋ ˈbræiviːk] , von Juni 2017 bis 2025 Fjotolf Hansen, von 2025 bis 2026 Far Skaldigrimmr Rauskjoldr av Northriki, seit 2026 Jan Johansen; * 13. Februar 1979 in Oslo, Norwegen) ist ein rechtsterroristischer und islamfeindlicher Massenmörder.
Er beging am 22. Juli 2011 die Anschläge in Oslo und auf der Insel Utøya, bei denen 77 Menschen ums Leben kamen, davon 69 Teilnehmer eines Zeltlagers der Jugendorganisation AUF der sozialdemokratischen Arbeiderpartiet. Er wurde am Tag des Anschlags festgenommen und gestand die Taten am Folgetag umfassend. Am 16. April 2012 wurde der Prozess gegen ihn eröffnet, die Anklage lautete auf Terrorismus und mehrfache vorsätzliche Tötung. Am 24. August 2012 wurde er vom Osloer Bezirksgericht („Tingrett“) entgegen dem Antrag der Staatsanwaltschaft für zurechnungsfähig erklärt und zu 21 Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt; eine lebenslange Freiheitsstrafe sieht das norwegische Strafgesetz nicht vor.
Der Familienname lautet Breivik. Der Name Behring ist der Geburtsname seiner Mutter und nicht Bestandteil seines Familiennamens. Die Ursprünge seines Familiennamens stammen aus Breivika in Hadsel; wörtlich übersetzt bedeutet der Name „breite Bucht“. Am 9. Juni 2017 meldete die norwegische Zeitung Verdens Gang, dass Breivik seinen Namen offiziell in Fjotolf Hansen geändert habe.
Die Eltern von Anders Behring Breivik, die Krankenschwester Wenche Behring und der Betriebswirt Jens David Breivik, übersiedelten 1979, einige Monate nach der Geburt ihres Sohnes, nach London. Jens David Breivik trat dort an der norwegischen Botschaft eine Stelle an. 1980 trennten sich die Eltern; die Ehe wurde am 17. Januar 1983 formell geschieden. Wenche Behring zog mit ihrem Sohn und einer sechs Jahre älteren Tochter aus einer früheren Beziehung zunächst in eine Dienstwohnung ihres Mannes im Westen Oslos. Im Herbst 1982 bezog die kleine Familie eine Fünf-Zimmer-Eigentumswohnung in Skøyen, einem ebenfalls im wohlhabenden Westen der Stadt gelegenen Viertel. Seinen Vater, der später als Ministerialrat der norwegischen OECD-Delegation in Paris angehörte, sah Anders Behring Breivik nach eigenen Angaben jährlich.
Bereits 1981 hatte sich Breiviks Mutter an ein Sozialbüro in Oslo gewandt und für ihren Jungen einen Platz in einem kommunalen Wochenendheim beantragt, da er „anstrengend“ sei und sie Entlastung benötige. Dem Antrag wurde stattgegeben, doch kurz darauf nahm die Mutter ihren Sohn auch an den Wochenenden wieder zu sich. Anderthalb Jahre später, Anfang 1983, suchte sie eine Familienberatungsstelle auf und bat erneut um Hilfe. Daraufhin wurde veranlasst, dass die Familie (Wenche Behring und ihre beiden Kinder) für einige Wochen zur Beobachtung in das Staatliche Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie (SSBU) eingewiesen wurde. In einem Brief des Kinderpsychiaters Per Olav Næss an das Jugendamt heißt es, dass Anders Breivik Schwierigkeiten habe, „sich emotional auszudrücken“, er „passiv im Spiel“ sei und ihm „Elemente der Lust und der Freude“ fast vollständig fehlten. Næss empfahl der Behörde, den Jungen in einem „stabilen Pflegeheim“ unterzubringen. Entsprechende Beschlüsse ergingen jedoch nicht.
Aufgrund dieser Einschätzungen beantragte der in Frankreich lebende Vater das Sorgerecht für den Jungen. Das zuständige Gericht verfügte, dass die Familienverhältnisse genauer zu untersuchen seien und dass das Kind während dieser Zeit bei seiner Mutter wohnen bleiben solle. Jens Breivik zog seinen Sorgerechtsantrag daraufhin zurück. Der Psychiater Per Olav Næss reagierte besorgt auf diese Entwicklung. In einem zweiten Brief an das Jugendamt vom 28. Oktober 1983 schrieb er: „Wir halten an unserer ursprünglichen Konklusion fest, dass Anders so vernachlässigt wird, dass die Gefahr besteht, dass sich eine schwere psychische Störung entwickelt.“ Nachdem der Vater sein Gesuch zurückgezogen habe, solle sich das Jugendamt um den Fall kümmern. Die Behörde befürwortete Anfang 1984 die Einsetzung eines Erziehungsbeistands, den die Mutter jedoch ablehnte und das Jugendgericht schließlich auch nicht anordnete.
Erneut Kontakt mit der Familie hatte das Jugendamt um 1994/95, als die Polizei den Jungen nach einem Aufenthalt in Dänemark aufgriff und eine größere Anzahl von Sprühdosen sicherstellte. Anders Breivik war während dieser Zeit Teil einer Clique von Gleichaltrigen, die Graffiti an Häusern anbrachte. Die Behörde hielt es aber für unnötig, „Hilfsmaßnahmen“ einzuleiten. Allerdings verschlechterte sich unter anderem aufgrund dieser Vorfälle das Verhältnis von Anders Breivik zu seinem Vater. Der Jugendliche brach kurz darauf jeden Kontakt zu ihm ab.
Im Alter von 15 Jahren ließ sich Breivik aus eigenem Antrieb christlich taufen und konfirmieren.
Ausbildung und beruflicher Werdegang
Breivik besuchte Schulen in den westlichen Stadtteilen der norwegischen Hauptstadt, darunter bis 1998 das Handelsgymnasium Oslo, das er ohne Abschluss verließ. Schon als Schüler arbeitete er auf Teilzeitbasis in einem Telemarketing-Unternehmen. Parallel dazu gründete er ab 1998 mehrere Firmen in den Bereichen Direktmarketing, Werbung und E-Commerce, die größtenteils wirtschaftlich nicht erfolgreich waren. Nach Auffassung von Fachleuten befanden sich diese kleineren Firmen teilweise „in einer juristischen Grauzone“. Mehrere Unternehmen wurden wegen unzulässigen Firmengebrauchs vom Registergericht gelöscht. Im April 2002 hielt sich Breivik kurzzeitig in Liberia auf, wo er erwog, mit dem Schmuggel von Blutdiamanten Geld zu verdienen. Von seinen Plänen nahm er jedoch schnell wieder Abstand. Später behauptete er, in der liberianischen Hauptstadt Monrovia einem serbischen Kriegsveteranen mit dem Decknamen The Dragon begegnet zu sein, der ihm Zugang zu einem Netzwerk von „Tempelrittern“ in London verschafft habe.
Nachforschungen der Polizei ergaben, dass ihm der Verkauf von gefälschten US-amerikanischen Universitätsdiplomen zwischen 2002 und 2006 knapp eine halbe Million Euro einbrachte. Das Geld, das er staatlicher Besteuerung entzog, platzierte er auf Konten in 13 verschiedenen Ländern, unter anderem im Baltikum und in der Karibik. Zum Zwecke der Geldwäsche, bei der ihm seine Mutter behilflich war, gründete er eine Firma namens Brentwood Solutions LTD im Steuerparadies Antigua. Breiviks Darstellung, er habe mit dem Vertrieb von Computer-Software circa vier Millionen norwegische Kronen verdient, ist von Ermittlern frühzeitig zurückgewiesen worden. Bei Aktienspekulationen verlor Breivik einen beträchtlichen Teil seines Vermögens, nach eigenen Angaben 350.000 Kronen. 2006 sollen sich seine finanziellen Verhältnisse so sehr verschlechtert haben, dass er wieder bei seiner Mutter einzog. Ein Konkursverwalter, der ihm 2008 einen Hausbesuch abstattete, registrierte Verstöße Breiviks unter anderem gegen das Steuer-, Aktien- und Bilanzrecht. Die Polizei stellte ihre Ermittlungen gegen ihn aufgrund von Überlastung jedoch ein.
Im Mai 2009 ließ er das in der Gemeinde Åmot ansässige Agrarunternehmen Breivik Geofarm ins Handelsregister eintragen. Laut Registereintrag wollte sich Breivik dem „Anbau von Gemüse, Melonen, Wurzel- und Knollengewächsen“ widmen. Für das Unternehmen, das er alleine betrieb, kaufte er am 4. Mai 2011 sechs Tonnen Mineraldünger (Ammoniumnitrat), den er später zum Bau einer Bombe verwendete. Einige Tage nach den Anschlägen fand die Polizei auf dem Gelände von Breiviks Farm Sprengstoff, den sie kontrolliert zur Explosion brachte. Auf seinen Namen waren im staatlichen Register zwei Waffen eingetragen.
Breivik war von 1999 bis 2006 Mitglied der rechtspopulistischen Fremskrittspartiet. Zwischen 1997 und 2007 engagierte er sich in der Jugendorganisation der Partei und war dort in verschiedenen Funktionen tätig. Von Januar bis Oktober 2002 leitete er den Ortsverband Oslo West, anschließend war er bis zum November 2004 im Vorstand des Ortsverbandes tätig.
Breivik war von Februar 2007 bis zum Bekanntwerden seiner Tat Mitglied der Johannisloge St. Olaus til de tre Søiler, einer Freimaurerloge des christlichen Norwegischen Freimaurerordens, in der er den dritten Grad (Meister) nach Schwedischem Ritus erreichte.