Andalusien (spanisch Andalucía [andaluˈθi.a], andalusisch regional auch [andaluˈsi.a]) ist die südlichste der 17 autonomen Gemeinschaften Spaniens auf dem europäischen Festland. Andalusien grenzt im Norden an Kastilien-La Mancha und an die Extremadura, im Osten an Murcia, im Süden an das Mittelmeer, das britische Überseegebiet Gibraltar und den Atlantischen Ozean sowie im Westen an Portugal. Die Hauptstadt Andalusiens ist Sevilla. Der Hauptsitz des Obersten Gerichtshofs von Andalusien befindet sich in Granada.
Mit 8.619.616 Einwohnern ist Andalusien die bevölkerungsreichste autonome Gemeinschaft Spaniens und flächenmäßig mit 87.268 km² die zweitgrößte.
Die bedeutendsten Naturräume Andalusiens sind die südliche Abdachung der Sierra Morena, das Becken des Guadalquivir und die Betische Kordillere, zu der die Sierra Nevada gehört. Der Campo de Gibraltar, mit dem Felsen von Gibraltar bildet den südlichsten Teil des europäischen Festlandes. Bei Tarifa, der südlichsten Stadt, liegen Europa und Afrika nur 14 Kilometer voneinander entfernt, getrennt durch die Straße von Gibraltar.
Andalusien war in der Vergangenheit oft umkämpft. Es kam daher zu vielfältigen kulturellen Einflüssen, wie zum Beispiel durch die Araber oder die Römer.
Bekannt ist die Region auch durch ihre Musik, insbesondere den Flamenco.
Andalusien ist in acht Provinzen mit insgesamt 783 Gemeinden (municipios) unterteilt:
Neben den gleichnamigen Provinzhauptstädten zählen Jerez de la Frontera und Ronda zu den bekanntesten Städten der Region.
Am dichtesten besiedelt sind das Tal des Guadalquivir und der Küstenstreifen südlich der Sierra Nevada.
Die zu Beginn des 8. Jahrhunderts eingefallenen Mauren gaben der Provinz den arabischen Namen al-Andalus (الأندلس). Daraus ging der Name Andalusien (spanisch Andalucía) hervor. Zu seiner Herkunft gibt es verschiedene Deutungen. Sicher ist nur, dass der Name al-Andalus als Bezeichnung für den gesamten maurischen Herrschaftsbereich auf der iberischen Halbinsel erstmals um 715/717 auf einer bilingualen Münze auftaucht.
Eine populäre, oft dem Orientalisten Reinhart Dozy zugeschriebene, aber schon lange vor dem 19. Jahrhundert bezeugte Legende, die Historiker kaum mehr vertreten, führt das arabische al-Andalus auf den Namen der Vandalen zurück, die im Zuge der Völkerwanderung im 5. Jahrhundert Zwischenstation im Süden der iberischen Halbinsel machten und dort einen Staat namens Vandalusien gegründet hätten.
Der spanische Historiker Joaquín Vallvé führt den Namen Andalusiens auf eine Arabisierung der Bezeichnung Atlantis zurück.
Eine Theorie des Arabisten Heinz Halm aus den 1980er-Jahren leitet al-Andalus von *landa-hlauts ab, dem Namen, den die Westgoten der früheren römischen Provinz (Hispania) Baetica gegeben haben sollen – „das per Los verteilte Land“. Als Beleg führt Halm den offiziellen lateinischen Namen des westgotischen Spaniens an: Gothica Sors, was sich in etwa mit „Gotenlos“ oder „Los der Goten“ übersetzen lässt, was er wiederum eigenständig mit *landa-hlauts ins Gotische rückübersetzt. Die Mauren hätten nach der Eroberung Spaniens in Form phonetischer Lautnachahmung daraus al-Andalus gemacht.
Eine eingehendere Untersuchung aus dem Jahre 2002 lässt es als plausibel erscheinen, dass Andaluz’ der ursprüngliche altiberische, und damit noch vorrömische Name der heutigen Insel Isla de Tarifa an der Straße von Gibraltar, und damit am äußersten südlichen Zipfel Spaniens ist, denn die Anfangssilbe And- sowie die Schlusssilbe -uz sind extrem häufig in vorrömisch-iberischen Ortsnamen. Zwei- bis dreihundert Jahre nach der maurischen Eroberung Spaniens berichtet dann erstmals eine arabische Quelle von der Insel al-Andalus, die seit der Eroberung Spaniens samt der Stadt Tarifa den Namen von Tāriq ibn Ziyād, ihrem Eroberer aus dem Jahr 711, bekommen habe. Ihr arabischer Name wäre nach dieser Theorie zunächst Ǧazīrat al-Andalus „(Halb-)Insel Andalus“ gewesen, der sich dann, wie die arabische Quelle fortfährt, als pars pro toto mit der (ein Jahr später beginnenden) Eroberung des iberischen Festlands auf den gesamten arabischen Herrschaftsbereich in Hispanien ausgedehnt habe.
Alltagssprache ist Andalusisch (spanisch andaluz), ein Dialekt der spanischen Sprache. Im Hinblick auf die Phonetik ist das Andalusische eine der ausgeprägtesten Varietäten des Spanischen und als solche für Spanischsprachige aus anderen Regionen leicht zu erkennen. Es zeichnet sich unter anderem durch das Verschlucken oder Aspirieren der Buchstaben s oder d in der Mitte oder am Ende bestimmter Wörter aus. Das Diminutiv -illo/a am Ende eines Namens statt des üblichen -ito/a ist oft zu hören. Im Allgemeinen wird das Diminutiv wesentlich öfter verwendet als im restlichen Spanien. Nach der umstrittenen Andalucismo-These hat das Andalusische die Umgangssprache Lateinamerikas stark beeinflusst.
Belegt durch archäologische Funde insbesondere aus der Cueva del Ángel, der Cueva de Ardales und der Cueva Bajondillo war die Region bereits vor der Zuwanderung des anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens) von Neandertalern besiedelt.
In Andalusien gibt es noch zahlreiche Megalithbauten der Jungsteinzeit; die spektakulärsten finden sich in der Umgebung der Stadt Antequera. Im westlichen Teil Andalusiens existierte in der ersten Hälfte des ersten vorchristlichen Jahrtausends das antike Königreich Tartessos. Spätestens ab dem 9. Jahrhundert v. Chr. segelten die Phönizier bis zur andalusischen Küste, auch über die Straße von Gibraltar hinaus, und trieben Handel mit der einheimischen Bevölkerung. Viele phönizische Funde aus der Zeit ab ca. 900 v. Chr. in Huelva weisen darauf hin, dass es ein frühes phönizisches Emporion gewesen sein könnte. Nachdem sich die phönizischen Aktivitäten offenbar zunächst auf Handel und das Errichten von Handelsniederlassungen in einheimischen küstennahen Siedlungen beschränkten, gründeten sie ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. eigene Siedlungen. Eine frühe phönizische Kolonie war Gades (Gadir), das heutige Cádiz, das später zur bedeutendsten phönizischen bzw. karthagischen Stadt Andalusiens aufsteigen sollte. Bis zum Ausbruch des ersten punischen Krieges 264 v. Chr. eroberte Karthago nach und nach ganz Andalusien, verlor aber nach Ausbruch des Krieges die meisten Gebiete wieder. Zwischen dem ersten und zweiten punischen Krieg nahm es auf Betreiben der Barkiden Andalusien erneut ein, bis es gegen Ende des zweiten punischen Krieges schließlich von den Römern erobert wurde.
Das heutige Andalusien gehörte zunächst zur Provinz Hispania ulterior und ist in seiner Fläche weitgehend deckungsgleich mit der durch Augustus eingerichteten römischen Provinz Baetica, benannt nach dem Großen Fluss Baetis (auch: Betis), dem Araber später seinen bis heute bestehenden Namen Guadalquivir (arab. (al-)Wad al-kabir, ‚großer Fluss‘) gaben. Die Baetica reichte im Norden in die heutige Extremadura hinein, mit dem Guadiana als Begrenzung zur Lusitania, wohingegen der äußerste Osten Andalusiens zunächst zur Hispania citerior, nach Augustus zur Hispania Tarraconensis und nach deren Teilung zur Carthaginiensis gehörte.
Zu Zeiten der römischen Herrschaft in Hispanien lernten die Andalusier schnell die lateinische Sprache und vertrugen sich recht gut mit den römischen Legionären. Die in Hispanien stationierten Truppen überwinterten mit Vorliebe in diesem wärmsten Teil der Iberischen Halbinsel. In der fruchtbaren Ebene des Guadalquivir wurden schließlich zahlreiche römische Niederlassungen gegründet, aus denen sich später große Städte nach römischem Vorbild entwickelten. So wurde Andalusien zu einer urbanen Region, und viele Bewohner dieses Landstriches wurden römische Staatsbürger. Außerdem richteten die Römer Schiffverbindungen über Flüsse und Meereshäfen ein und bauten und befestigten überregionale Straßen, um Gemüse und Obst nach Italien und in andere Provinzen zu bringen. Auch das Christentum fasste hier im 4. Jahrhundert Fuß.