Ampel (von lateinisch ampulla „kleine Flasche [speziell für Salben und Öle]“, spätere übertragene Bedeutung „Leuchte“) ist die allgemeinsprachliche Bezeichnung für einen Signalgeber einer Lichtsignalanlage (LSA) oder Lichtzeichenanlage (LZA). Die Bezeichnung steht zudem für die „Ampelanlage“ als Ganzes. Diese dient der Steuerung des Straßen- und Schienenverkehrs. Ampeln ordnen für Verkehrsteilnehmer ein bestimmtes Verhalten an, indem sie gesteuerte Signale abgeben. Diese nach Form und Farbe verschiedenartigen Verkehrszeichen haben jeweils eine andere Bedeutung und wirken nur für die jeweilige Geh- oder Fahrtrichtung des zu regelnden Verkehrs.
In den verkehrsrechtlichen Verordnungen der deutschsprachigen Länder Deutschland, Österreich und der Schweiz wird die Verkehrsampel unterschiedlich bezeichnet. So wird sie als Verkehrseinrichtung in Deutschland nach § 43 der Straßenverkehrsordnung (StVO) als Lichtzeichenanlage (LZA) bezeichnet. In der österreichischen Straßenverkehrsordnung (§ 39) und in der Signalisationsverordnung (SSV) zum Schweizer Strassenverkehrsgesetz wird die Bezeichnung Lichtsignalanlage (LSA) verwendet.
Der in der deutschen StVO verwendete Begriff Lichtzeichenanlage hat in Österreich eine rechtlich andere Bedeutung, da er nach dem österreichischen Eisenbahngesetz nur Anlagen an Eisenbahnkreuzungen bezeichnet.
In der deutschen StVO erfolgt zudem in § 37 eine Unterteilung nach Wechsellichtzeichen, Dauerlichtzeichen und Grünpfeil. Als Ampel wird dabei gewöhnlich ausschließlich ersteres bezeichnet.
In technischen Regelwerken in Deutschland (Richtlinien für Lichtsignalanlagen (RiLSA) der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen) und in der Schweiz (Schweizer Normen (SN) des Schweizerischen Verbands der Straßen- und Verkehrsfachleute) ist der Begriff Lichtsignalanlage gebräuchlich. In Österreich (Richtlinien und Vorschriften für das Straßenwesen (RVS 05.04.3) der Forschungsgesellschaft Straße – Schiene – Verkehr) wird die genauere Bezeichnung „Verkehrslichtsignalanlage“ (VLSA) verwendet. Die Abkürzung LSA ist jedoch in Österreich unter Fachleuten ebenso wie in Deutschland und in der Schweiz üblich.
Umgangssprachliche Bezeichnungen
Die in der Alltagssprache für eine Lichtsignalanlage verwendeten Begriffe „Ampelanlage“ oder kürzer „Ampel“ gehen auf die ähnlichen Hängeleuchten zurück, die man früher ebenfalls als Ampeln bezeichnete, mehr dazu unter Etymologie. Die ersten Signalgeber waren an Drahtseilen hängend über dem Mittelpunkt der Kreuzung befestigt (Heuerampel) und erinnerten so an Hängeleuchten. Im Laufe der Zeit trat die Wortbedeutung als Verkehrsampel immer mehr in den Vordergrund. Vor allem bei Anbringung oberhalb des Straßenkörpers findet man auch heute noch häufig eine hängende Befestigung, in einigen Regionen auch weiterhin pendelnd an Drahtseilen.
Die umgangssprachlich verwendete Bezeichnung Ampel diente als Quelle von weiteren Wortschöpfungen in der deutschen Sprache. So lassen sich die Begriffe Ampelkoalition oder die Ampel als Lebensmittelkennzeichnung auf die drei Ampelfarben zurückführen.
Wegen der vielfältigen offiziellen Bezeichnungen wird hier im Artikel meist das umgangssprachliche Synonym Ampel verwendet.
Der Begriff Ampel ist eine Entlehnung aus lateinisch ampulla (eigentlich *amp(h)orula, dann *amporla, *ampurla) „kolbenförmiges Gefäß mit zwei Henkeln, kleine Flasche“ (siehe Ampulle und Pulle), einem Diminutiv von lateinisch amphora „zweihenkliges Tongefäß“ (mit Nebenform ampora), das selbst dem gleichbedeutenden altgriechischen ἀμφορεύς amphoreús entlehnt ist. Als Ampel – althochdeutsch amp(ul)la, mittelhochdeutsch ampulle, ampel, mittelniederdeutsch ap(p)olle, appulle – wurde zunächst ein „kleines Gefäß für Öl oder andere Flüssigkeiten“ bezeichnet, meist zu geweihtem Gebrauch bestimmt, im Mittelalter vor allem das Ewige Licht in der Kirche (ein von der Decke herabhängendes, fortwährend brennendes Öllämpchen) und vom 14. Jahrhundert an die Lichtquelle im Hause (dort seit dem 16. Jahrhundert mit „Lampe“ konkurrierend).
Früher waren auch manuell betriebene Verkehrszeichen im Einsatz.
Eine Neubelebung erfuhr der Begriff Ampel als Kurzwort für Verkehrsampel im 20. Jahrhundert.
Die erste Lichtsignalanlage der Welt wurde am 10. Dezember 1868 in London auf dem Parliament Square aufgestellt. Sie wurde mit Gaslicht betrieben und explodierte nach kurzer Zeit.
Erst nach der Verbreitung des elektrischen Lichts in den Großstädten wurden ab 1912 wieder Lichtsignalanlagen zur Verkehrsregelung aufgestellt. Die am 5. August 1914 installierte Lichtsignalanlage in Cleveland, USA, gilt als erste elektrische Verkehrsampel der Welt und hatte nur zwei Lampen, rot und grün. Die ersten dreifarbigen Lichtsignalanlagen hielten 1920 in Detroit und New York Einzug. In Europa wurde die erste dreifarbige Lichtsignalanlage – mit noch mechanischer Steuerung – 1922 in Paris (Rue de Rivoli/Boulevard de Sébastopol) eingerichtet.
In Deutschland ging die erste Lichtzeichenanlage mit dem Verkehrsturm am Potsdamer Platz in Berlin am 15. Dezember 1924 in Betrieb. Am 23. November 1925 folgten weitere Anlagen an drei Kreuzungen der Leipziger Straße (Wilhelmstraße, Mauerstraße und Friedrichstraße). Um 1933 existierten auf der Potsdamer Straße bereits sieben, auf der Leipziger Straße acht Ampeln.
Die erste Lichtzeichenanlage Hamburgs wurde am 14. November 1925 an der Kreuzung Mönckebergstraße und Steintorwall in Betrieb genommen; entwickelt wurde sie vom Hamburger Ingenieur Paul Arnheim. Wenige Monate später folgten weitere, unter anderem am Stephansplatz, dessen Verkehr bis dahin von sechs mit jeweils zwei Polizisten besetzten Posten geregelt worden war. Für die an einigen Stellen erwähnte Aussage, dass die erste Ampel Deutschlands bereits 1922 am Hamburger Stephansplatz aufgestellt wurde, gibt es keinen nachprüfbaren und plausiblen Beleg.
1925 folgten Mailand (Piazza Duomo) und Rom (Via del Tritone/Via Due Macelli), 1926 London (Piccadilly Circus) und Wien (Opernkreuzung), 1927 München (Bahnhofsplatz) und Prag (Hybernská/Dlážděná/Havlíčkova), 1928 Den Haag (Niederlande), Bremen (Brill), Essen (Alfredstraße/Bismarckstraße) und Nürnberg (Königstor), 1929 Barcelona, 1930 Frankfurt am Main (Kaiserstraße/Neue Mainzer Straße), Leningrad, Moskau und Tokio, 1931 Hannover (Kröpcke).
Kleinere Großstädte wie Braunschweig und Krefeld (1951), Basel, Helsinki (1952), Luzern (1952), Gelsenkirchen (1953), Heilbronn (1954) und Bremerhaven (1957) erhielten ihre ersten Lichtsignalanlagen in den 1950er Jahren.