Amos Oz (hebräisch עמוס עוז, geboren als Amos Klausner am 4. Mai 1939 in Jerusalem; gestorben am 28. Dezember 2018 in Petach Tikwa) war ein hebräischsprachiger israelischer Schriftsteller, Journalist und Intellektueller. Oz gilt als einer der bedeutendsten israelischen Schriftsteller. Sein literarisches Werk umfasst Romane, Erzählungen, Essays und Kinderbücher, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden und ihn zum meistübersetzten israelischen Autor machen. Oz wurde mit internationalen Auszeichnungen geehrt, darunter der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, der Israel-Preis, der Goethepreis, der Prinz-von-Asturien-Preis und zahlreiche Ehrendoktorwürden. Er war Professor für hebräische Literatur an der Ben-Gurion-Universität im Negev in Beʾer Scheva.
Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit wurde Oz auch als politischer Journalist und Aktivist bekannt. Sein Hauptinteresse galt dem Israel-Palästina-Konflikt. In diesem Zusammenhang war er ein prominenter Befürworter einer „Zwei-Staaten-Lösung“ und Mitbegründer der Friedensbewegung Schalom Achschaw.
Amos Oz wurde 1939 unter dem Namen Amos Klausner in Kerem Avraham, einem jüdischen Viertel Jerusalems, das hauptsächlich von osteuropäischen Einwanderern bewohnt war, geboren. Er war ein Großneffe des zionistischen Gelehrten Joseph Klausner. Seine Großeltern väterlicherseits (Alexander Klausner, 1881–1977, und Schlomit Klausner, geborene Levin, 1873–1957, 2 Söhne) flüchteten 1917 von Odessa nach Wilna und wanderten 1933 von dort mit ihrem Sohn Jehuda Arie Klausner (1910–1970), Amos’ Vater, nach Palästina aus. Seine Mutter, Fania Rivka Feiga Klausner, geborene Mußman (1913–1952), kam 1934 von Rowno (Ukraine) nach Palästina. Ihre Eltern waren Naftali Herz Mußman (1889–1973) und Itta Mußman, geborene Schuster (1891–1976, 3 Töchter). Arie und Fania heirateten 1938 in Jerusalem. Die Klausner standen der radikal-zionistischen Rechten um die Revisionisten nahe. Fania, ebenfalls aus einer bürgerlichen Familie stammend, war in Rowno Mitglied in der linkszionistischen Jugendorganisation Hashomer Hatzair gewesen. Am Küchentisch eröffneten ihm seine Eltern im September 1945, dass der überwiegende Teil der in Europa gebliebenen Angehörigen (Tante Malka, Onkel David, Cousin Daniel, Onkel Haim Tante Linka u. a.) ermordet worden waren.
Oz besuchte die halbprivate Schule Königreich der Kinder in Jerusalem, an der die Dichterin Zelda seine Lehrerin war. Danach besuchte er auf Wunsch des Vaters die Misrachi-nahe Schule Takhkemoni. Seine Mutter hätte sich eine Schule der Arbeiterbewegung für ihren Sohn gewünscht. Im Juli 1948 tobte in Jerusalem der Palästinakrieg; damals sah Oz, wie er später berichtete, zum ersten Mal einen Toten.
Oz schrieb für eine Schülerzeitung, die er nach drei Ausgaben allein weiterführte. Zu Hause war das Gespräch der Erwachsenen politisiert und polemisch. 1951 zog die Familie nach Rechavia, in ein „besseres“ Viertel, wo sich die Gesundheit seiner Mutter verschlechterte. In seinem autobiografischen Roman Eine Geschichte von Liebe und Finsternis beschrieb Oz sie später als fantasiebegabte Frau, seinen Vater hingegen als rational veranlagt. Die Familie lebte in einer mit Büchern gefüllten Wohnung. Während der Vater in der Periodika-Abteilung der späteren Israelischen Nationalbibliothek arbeitete, blieb die Mutter zu Hause und entwickelte Gefühle der Enttäuschung über das Leben in Israel. Als ihr Sohn zwölf Jahre alt war, beging die Mutter Suizid. Der Witwer heiratete im Frühling 1953 in zweiter Ehe Rosa Lida Polak.
Im Herbst 1954 zog das Ehepaar für rund fünf Jahre nach London, wo Jehuda Arie Klausner über Jizchok Leib Perez promoviert wurde und wo zwei weitere Kinder geboren wurden. Schon im September 1954 ging Amos allein in den Kibbuz Chulda und nahm den neuen Familiennamen Oz an, der auf Hebräisch „Kraft“ bedeutet, besuchte das Gymnasium des Kibbuz und wurde im Juni 1957 Mitglied des Kibbuz-Kollektivs.
Vor dem Militärdienst leistete Oz einen einjährigen Jugenddienst, ab September 1958 diente er drei Jahre als Soldat in der Nachal-Brigade. Im Februar 1961 hatte er nach einem in der Tageszeitung Davar öffentlich ausgetragenen Disput mit David Ben-Gurion eine persönliche Unterredung mit dem israelischen Staatsgründer. Die innersozialdemokratische Gruppe Min Hayesod, der Oz 1962–63 angehörte, kritisierte den Personenkult um Ben-Gurion und zentralistische Tendenzen in der israelischen Politik.
Vom Herbst 1962 bis zum Juli 1964 studierte Oz Literatur und Philosophie an der Hebräischen Universität Jerusalem. In dieser Zeit veröffentlichte er seine ersten Kurzgeschichten in der Literaturzeitung Keshet. Nach dem Wehrdienst war er Reservist einer Panzerdivision. Ende 1963 trat er aus der Mapai-Partei aus. 1969 schloss er mit einem Stipendium des Oxford Centre for Hebrew and Jewish Studies an der Universität Oxford ein Masterstudium ab. Joyce Wiener wurde 1969 seine erste Literaturagentin, von 1971 bis 2013 übernahm Deborah Owen diese Aufgabe. Oz befreundete sich mit Owens Ehemann, dem SDP-Politiker David Owen. Von 1972 bis 1987 war Oz Lehrer am Regionalgymnasium Josef Chaim Brenner im Kibbuz Givat Brenner.
Von 1987 bis 2005 war Amos Oz Professor für hebräische Literatur an der Ben-Gurion-Universität in Beer Scheva. 1993 erhielt er dort den Agnon-Lehrstuhl für moderne hebräische Literatur. Oz wohnte 27 Jahre in Arad in der Negev-Wüste. 2013 zog er in den Stadtteil Ramat Aviv in Tel Aviv.
Amos Oz starb im Dezember 2018 im Alter von 79 Jahren an den Folgen eines Krebsleidens.
Amos Oz und Nily Zuckerman (* 1939) heirateten 1960. Der Ehe entstammen die Töchter Fania und Galia und der Sohn David. Die älteste Tochter Fania Oz-Salzberger ist Historikerin und Professorin an der Universität Haifa. Galia Oz (* 1964) ist Schriftstellerin. Seine Schwägerin Laura Janner-Klausner war Oberrabbinerin des Reformjudentums im Vereinigten Königreich.
Zwei Jahre nach Tod von Amos Oz machte die Tochter Galia Oz im Februar 2021 in Etwas, das als Liebe getarnt ist (hebr. transkribiert Davar sche mithapes le ahava) ihrem Vater schwere Vorwürfe und beschuldigte ihn, er sei physisch und psychisch gewalttätig gewesen. Deswegen habe sie den Kontakt zu ihm abgebrochen, doch ihre Geschwister widersprachen dieser Darstellung.
Amos Oz hat eine Reihe von Romanen und Erzählungen, einige Essaybände und drei Kinderbücher verfasst, darüber hinaus zahlreiche in Zeitschriften erschienene Artikel und Essays. Seine Arbeiten wurden in 36 Sprachen übersetzt, was ihn noch vor Ephraim Kishon und Uri Orlev zum meistübersetzten israelischen Autor macht.
Von seinen ersten Erzählungen zu Beginn der 1960er Jahre an standen die sozialen und politischen Spannungen in Israel im Mittelpunkt von Oz’ Werk. Insbesondere das Leben im Kibbuz mit seinen sozialen und familiären Konflikten wurde durch ihn in einer zuvor nicht dagewesenen Form dargestellt. Dies und Oz’ beständiger Einsatz für linksgerichtete politische Bewegungen in Israel führten dazu, dass sein Werk sowohl im Inland wie im Ausland in erster Linie unter dem soziopolitischen Aspekt wahrgenommen wurde. Oz wies allerdings wiederholt darauf hin, dass er die Probleme des menschlichen Lebens nicht auf die Gesellschaftsordnung zurückführt, sondern auf tieferliegende urmenschliche Antriebe und Bedürfnisse. Immer wieder werden die Protagonisten seiner Werke auf Reisen geschickt, in denen sie diese existenziellen Antriebe erforschen, zu verstehen und mit ihnen zu leben versuchen.
Laut Yair Mazor ist Oz’ Werk von zwei gegensätzlichen Polen bestimmt: einem streng logischen, disziplinierten Rationalismus, der sich auch in seinen prägnanten, kontrollierten und genau beobachteten Essays zeigt, und einer dunklen, dämonischen Welt ungezügelter Leidenschaften, die häufig in die saubere, klare Gegenwelt einzudringen droht. Gila Ramras-Rauch spricht davon, dass Oz in seinen Werken sowohl seine psychologischen als auch seine politischen Dämonen exorziere. Die Werke könnten gleichzeitig auf eine materialistische und eine mythische Art gelesen werden. Dabei betonte Oz, dass er nicht nur über jüdische Sorgen schreiben wolle, sondern auch über die Bedeutung des Menschseins, die Kraft der Liebe und die prägenden Einflüsse durch Landschaften. Trotz widriger individueller Umstände nehmen seine Geschichten oft einen versöhnlichen, hoffnungsvollen Ausgang. Neil Caplan schreibt, Oz biete mit der in seinem Werk und in Reden entwickelten Interpretation, beide Seiten, Israelis und Palästinenser, als Mitopfer eines gemeinsamen Unterdrückers, nämlich des christlichen Europas, zu sehen, einen hilfreichen Ausweg an.