Der Commodore Amiga (spanisch amiga ‚Freundin‘) war von Mitte der 1980er bis Anfang/Mitte der 1990er eine weit verbreitete Reihe von Computern. Insbesondere die Einsteigermodelle (A500 und A1200) waren als Heimcomputer beliebt. Für ihre Zeit hatten Amiga-Computer ausgeprägte Multimediafähigkeiten und ein leistungsfähiges, präemptives Multitasking-Betriebssystem. In der Commodore-Zeit arbeiteten sie durchgängig mit Prozessoren der Motorola-68000er-Familie. Bis 1996 wurden schätzungsweise 4,91 Millionen Exemplare verkauft.
Jay Miner war der Schöpfer und geistige Vater des Amiga. Er stieg 1981 bei Atari aus, dort war er u. a. für die Entwicklung der Spielkonsole Atari 2600 und der Heimcomputer Atari 400 und 800 zuständig gewesen. Danach gründete er das Unternehmen Hi Toro, das etwas später zur Amiga Corporation wurde. Anfangs lieferte Amiga Spielmodule und Controller für die Atari-2600-Konsole, etwas später wurde eine eigene Amiga-Spielkonsole geplant. Aus der Spielkonsole wurde in den Köpfen der Entwickler ein Computer.
Atari – damals im Besitz von Warner Communications und unter der Führung von Ray Kassar – war per Vereinbarung vom Juli 1983 Geldgeber und wollte den Amiga als Nachfolger der mittlerweile veralteten XL-Computer-Serie auf den Markt bringen. Mit dem Börsenskandal vom Dezember 1982 im Nacken musste Kassar noch im Juli 1983 zurücktreten. Der neue CEO James Morgan verfolgte weiter das Ziel, das Projekt Lorraine, wie der Amiga intern genannt wurde, als Nachfolger des XL zur Marktreife zu bringen.
Am 2. Juli 1984 verkaufte Warner Communications die Konsolen- und Computerabteilung von Atari an Jack Tramiel, den zu diesem Zeitpunkt bereits entlassenen Gründer von Commodore. Tramiel versuchte Amiga endgültig zu kaufen und bot den Aktionären 0,98 $ pro Aktie. Commodore (unter Irving Gould) bot kurz vor Ende der 24-Stunden-Frist letztendlich 4,25 US-Dollar pro Aktie und bekam den Zuschlag, wonach Commodore die Entwicklungsrichtung des Amiga immer stärker beeinflusste – nach Ansicht von Kritikern nicht immer im Geiste der Erfinder oder zum Vorteil des Amiga. Commodore überhob sich an dieser Übernahme und der folgenden Produkteinführung beinahe und geriet in eine ernste finanzielle Krise.
Das erste Amiga-Modell – später Amiga 1000 genannt – wurde am 23. Juli 1985 in New York im Rahmen einer großen Show vorgestellt, bei der der Pop-Art-Künstler Andy Warhol ein eben erstelltes Abbild der Sängerin der Band Blondie, Deborah Harry, am Amiga neu einfärbte, während die Zuschauer live dabei waren. In Deutschland fand eine ähnliche Veranstaltung am 21. Mai 1986 in der Alten Oper in Frankfurt am Main statt, die von Frank Elstner moderiert wurde. Die Entwickler demonstrierten des Weiteren die besonderen Eigenschaften, die den Amiga von den zeitgenössischen Konkurrenten IBM PC, Macintosh und Atari ST abhoben:
Vierkanal-Sample-Sound (im Gegensatz zu IBM PC, Macintosh, Atari)
Hardwareunterstützung für Grafik-Animation durch den Blitter
farbige grafische Oberfläche (im Gegensatz zum Macintosh)
präemptives Multitasking und 32-Bit-Hard- und -Softwarestruktur (im Gegensatz zu Atari, Macintosh, IBM PC)
Nach Ansicht des ehemaligen Amiga-Entwicklers Dave Haynie war der Amiga der bedeutendste Einfluss von Commodore auf die Entwicklung der Personal Computer. Der Amiga führte demnach in den 1980er Jahren folgende Innovationen im Bereich der Homecomputer ein:
Multitasking, wies damit den Weg zum heutigen Multiprocessing
eine Grafikausgabe, die Fotos in geringer Farbtiefe darstellen konnte
Tonwiedergabe über Stereosamples
Wirkungsvolle Entlastung der CPU durch intensive Nutzung anderer Chips per Speicherdirektzugriff (DMA) und nahtlose Integration in das Betriebssystem (zwar besaß bereits der erste PC auch einen DMA-Controller, jedoch wurde er nicht so effizient eingesetzt)
automatische Konfiguration von Erweiterungskarten (AutoConfig des Zorro-Busses)
Als ein Kaufargument wurde die potenzielle IBM-PC-Kompatibilität herausgestellt, zunächst in Form einer Software-Emulation namens Transformer, später dann per A1060 Sidecar. Das Sidecar ermöglichte mithilfe seiner eigens dafür vorgesehenen Intel-8088-CPU den Betrieb von MS-DOS parallel zum Amiga-Betriebssystem. Entwickelt wurde das Sidecar von Commodores Entwicklungsabteilung in Braunschweig.
Ein besonderes Merkmal des Amiga 1000 war seine sogenannte Keyboard-Garage: Die Tastatur war etwas schmaler ausgelegt, konnte dadurch unter das Rechnergehäuse geschoben werden, welches dafür extra etwas hochbeinig gestaltet war. Bei späteren Modellen wurde darauf wieder verzichtet, vor allem damit man eine Tastatur mit (näherungsweise) standardmäßiger Belegung einsetzen konnte.
Während der A1000 noch eine teure und vom Anwendungsgebiet her unklare (und damit schwer verkäufliche) Mischung aus Heim- und Berufsgerät war, wurden 1987 die Modelle Amiga 500 und Amiga 2000 eingeführt. Ersterer sollte eine Art Nachfolger des legendären Heimcomputers C64 werden, letzterer glich den professionellen PCs. Der Amiga 500 wurde der nach verkauften Einheiten erfolgreichste Amiga und galt in der sich schnell entwickelnden Szene als Kult und Computer für Millionen.