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Amiens

Hauptstadt des französischen Départements Somme

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Amiens [aˈmjɛ̃] (lateinisch Ambianum, von [ad] Ambianos, ‚bei den Ambianern‘) ist die Hauptstadt des französischen Départements Somme in der Region Hauts-de-France und hat 136.449 Einwohner (Stand: 1. Januar 2023). Diese werden Amiénois und Amiénoises genannt. Amiens war auch die Hauptstadt der ehemaligen Region Picardie. Sie ist ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt Nordfrankreichs sowie Sitz eines Bischofs und einer 1969 gegründeten Universität. Die Kathedrale der Stadt ist das größte Sakralgebäude Frankreichs.

Die Gemeinde erhielt 2023 die Auszeichnung „Vier Blumen“, die vom Conseil national des villes et villages fleuris (CNVVF) im Rahmen des jährlichen Wettbewerbs der blumengeschmückten Städte und Dörfer verliehen wird.

Die Stadt liegt etwa 120 Kilometer (Luftlinie) nördlich von Paris an der kanalisierten Somme und an der Einmündung ihrer linken Nebenflüsse Selle und Avre. Weitere große Städte in der Nähe sind Lille (etwa 100 Kilometer nordöstlich von Amiens) und Rouen (etwa 100 Kilometer südwestlich).

Menschliche Zeugnisse gehen bis in die Altsteinzeit vor 700.000 Jahren zurück. Im Jahr 1872 entdeckte Gabriel de Mortillet im Amienser Vorort Saint-Acheul eine Stätte von Faustkeilen. Deswegen trägt eine Kulturstufe des Paläolithikums heute die Bezeichnung Acheuléen.

Bevor die Römer die Gegend an der Somme besetzten, hatten dort die keltischen Ambiani gelebt. Aus deren Stammesnamen leitete sich später die Bezeichnung Amiens ab. Zur Zeit der Römerherrschaft trug die Siedlung den Namen Samarobriva (Gallisch: briva ‚Brücke‘, Samara ‚Somme‘, d. h. ‚Brücke über die Somme‘). Die Römer bauten den strategisch wichtigen Somme-Übergang zu einem der wichtigsten Stützpunkte ihrer Provinz Gallia Belgica aus.

Julius Caesar berief laut seinem eigenen Bericht (De Bello Gallico) 54 v. Chr. in Samarobriva einen Landtag der Gallier ein. Er selbst befand sich mit seiner Legion, dem schweren Kriegsgerät, seinem Archiv und dem gesamten Getreide in Samarobriva. Im Winter 54/53 v. Chr. wurde die Stadt dem über die 7. Legion gebietenden Quaestor M. Crassus unterstellt, weil Caesar die Stadt verlassen hatte und sie der Aufbewahrungsort des Hauptdepots und Archivs des römischen Heers war. Von Samarobriva aus eilte Cäsar in Eilmärschen zum umkämpften Winterlager der Legion des Legaten Q. Cicero im Siedlungsgebiet der Nervier. Dessen Lager war nämlich nach dem Sieg der Eburonen über die bei Aduatuca in ihren Winterquartieren stationierten römischen Truppen von Nerviern, Atuatucern und Eburonen eingeschlossen worden. Caesar befreite die Armee Q. Ciceros aus deren gefährlicher Lage und kehrte anschließend nach Samarobriva zurück, in dessen Umgebung er mit drei Legionen lagerte und den ganzen Winter über blieb.

Amiens erlangte infolge seiner Lage am Vereinigungspunkt mehrerer Straßen bald große Bedeutung. Bereits Marcus Vipsanius Agrippa ließ während der Regierungszeit des Kaisers Augustus 20/19 v. Chr. eine von Lugdunum (heute Lyon) über Durocortorum (heute Reims), Augusta Suessionum (heute Soissons), Noviomagus (heute Noyon) und Amiens nach Gesoriacum (heute Boulogne-sur-Mer) führende Straße errichten. Diese wichtige Verkehrsader verband Südgallien mit der nordfranzösischen Küste und nach Überfahrt des Ärmelkanals mit Britannien. Laut der Tabula Peutingeriana und anderen antiken kartographischen Darstellungen verliefen weitere Straßen von Amiens unter anderem nach Caesaromagus (heute Beauvais), Rotomagus (heute Rouen) und Castellum Menapiorum (heute Cassel) im Gebiet der Menapier.

Ab dem ersten Jahrzehnt n. Chr. trat der zunächst militärische Charakter von Amiens zunehmend in den Hintergrund. Nun wurde hier eine zivile Siedlung mit rechtwinkligem Straßennetz angelegt. Die Stadt erhielt ein großes Forum (320 × 125 m), Thermen (an der heutigen Rue Beauvais) und ein Amphitheater für etwa 15.000 Zuschauer (an der Stelle des heutigen Rathauses). Auch Überreste eines am Forum gelegenen römischen Tempels wurden gefunden. Das Stadtgebiet dehnte sich bis über 100 Hektar aus.

In Amiens kam es zu zwei um 80/95 sowie 160/180 n. Chr. auftretenden Großbränden. Trotzdem prosperierte die Stadt weiterhin. Sie wurde besonders durch Kaiser Mark Aurel verschönert und blühte bis in die Zeit der Herrschaft der Severer, die 235 n. Chr. endete. Aufgrund der um 256 und 275 sich erstmals ereignenden Barbareneinfälle, einem um 250 wütenden Stadtbrand sowie sozialen Konflikten und ökonomischen Krisen kam es zu dieser Zeit zu einem Bevölkerungsschwund. In der Folge wurde Amiens nach 278 n. Chr. in eine Festung umgewandelt. Die Stadtmauer umfasste nur noch ein Gebiet von 20 Hektar. Als Diokletian im Jahr 297 die Provinz Gallia Belgica in zwei Provinzen unterteilte, kam Amiens zum Gebiet der neugeschaffenen Belgica Secunda.

Das Christentum fasste schon früh in Amiens Fuß. Nach katholischer Überlieferung wurde Ende des 3. Jahrhunderts der Heilige Firmin hier der erste Bischof; er habe 303 den Märtyrertod erlitten. Die Diözese wurde später dem Erzbistum Reims unterstellt. Laut Sulpicius Severus soll der heilige Martin bei einem Stadttor von Amiens zu winterlicher Jahreszeit etwa im Jahr 334 seinen Mantel mit einem frierenden Bettler geteilt haben. An dem 346 in Köln abgehaltenen Konzil nahm auch der damalige Bischof von Amiens, Eulogius, teil.

Im 4. Jahrhundert erhielt Amiens den Namen Civitas Ambianensium und war immer noch als Militärstützpunkt hinter der bedrohten Rheingrenze wichtig. Es hatte eine bedeutende Tuchindustrie und war Standort einer kaiserlichen Fabrik zur Herstellung von Schwertern und Schilden. Der Anfang 350 zum römischen Gegenkaiser erhobene Magnentius ließ bald nach seiner Machtergreifung in Amiens eine Münzstätte erbauen. Während seines Aufenthalts in Amiens erhob Kaiser Valentinian I. im August 367 seinen Sohn Gratian zum Augustus. 409 fiel die Stadt in die Hände der Franken, die sie ausplünderten.

Über die Geschichte von Amiens zur Zeit der Herrschaft der Merowinger ist wenig bekannt. Bei der Reichsteilung nach dem Tod Chariberts I. kam die Stadt 567 zum Teilreich Chilperichs I. Dessen Sohn Chlothar II. erlitt im Jahr 600 eine schwere Niederlage bei Dormelles gegen Theudebert II. und Theuderich II.; infolgedessen blieb ihm nur ein kleines Gebiet, zu dem außer Rouen und Beauvais auch weiterhin Amiens gehörte.

Spätestens im frühen 9. Jahrhundert wurden Amiens und seine Umgebung unter der Herrschaft der Karolinger eine eigene Grafschaft (Amiénois). Die Normannen verwüsteten Amiens mehrmals im Lauf des 9. Jahrhunderts sowie im Jahr 925. Der seit 941 als Graf von Amiens regierende Odo von Vermandois wurde drei Jahre später durch Truppen König Ludwigs IV. vertrieben, und die Grafschaft ging in den Besitz von Herluin von Montreuil über. 949 wurde Amiens vom im Bündnis mit Ludwig IV. stehenden flandrischen Grafen Arnulf I. erobert. König Lothar erhob um 965 Gautier I. zum Grafen von Amiens. Dessen dritter Nachfolger Gautier III. starb 1063 ohne Erben, woraufhin sein Cousin Raoul IV. neuer Graf wurde. Nach dessen Tod 1074 folgte ihm sein zweiter Sohn Simon, der seine Territorien in einem Krieg gegen König Philipp I. verteidigen konnte, aber bereits 1077 der weltlichen Herrschaft entsagte und in ein Kloster eintrat.

Um 1085 gelangte Enguerrand I. de Coucy in den Besitz der Grafschaft Amiens. Die durch Handel und Handwerk wohlhabender gewordenen Bürger von Amiens gerieten mit Enguerrand in Konflikt, als sie eine Kommunalverfassung ihrer Stadt anstrebten. Sie erhielten dabei die Unterstützung ihres Bischofs Geoffroy sowie von König Ludwig VI., der 1113 die Kommunengründung genehmigte. Nach zweijähriger Belagerung in der Burg von Amiens musste Graf Enguerrand nachgeben. Nach seinem Tod erhielt Amiens 1117 das Stadtrecht. Ludwig VI. unterstellte die Grafschaft Amiens 1118 Adélaide von Vermandois, Gattin des Grafen Renaud II. von Clermont. Kurz danach folgten ihr in der Herrschaft ihre Tochter Margarete von Clermont und deren Gemahl Karl I. von Flandern. 1146 befand sich die Grafschaft im Besitz von Enguerrands Enkel Robert de Marle, doch wurde sie ihm bald durch Raoul I. von Vermandois entrissen.

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