An diesem Tag

Amelia Edwards

Britische Schriftstellerin und Mitbegründerin des Egypt Exploration Fund

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Amelia Ann Blanford (gelegentlich auch: Blandford) Edwards (* 7. Juni 1831 in Islington, London; † 15. April 1892 in Weston-super-Mare, North Somerset) war eine englische Romanautorin, Dichterin, Journalistin, Reiseschriftstellerin, Illustratorin und Amateur-Archäologin. Sie setzte sich für den Erhalt ägyptischer Altertümer ein, war Mitbegründerin des Egypt Exploration Fund (EEF) (heute: Egypt Exploration Society) und ermöglichte durch ihr Vermächtnis die Einrichtung des ersten Lehrstuhls für Ägyptische Archäologie und Philologie in Großbritannien und die Eröffnung des Petrie Museums in London.

Amelia Edwards war die einzige Tochter des ehemaligen Offiziers und Bankangestellten Thomas Edwards (1786–1860) und dessen Ehefrau Alicia Walpole (gest. 1860), einer gebürtigen Irin. Sie war die Cousine der Reiseschriftstellerin Matilda Betham-Edwards, die in der Kindheit in den Ferien jeweils zwei Wochen bei der Familie Amelia Edwards’ verbrachte und später auch mit ihr reiste. Ihre Eltern entdeckten bereits früh ihr Talent und förderten sie im Rahmen der Möglichkeiten einer mittelständischen Familie. Sie wurde zu Hause zunächst von ihrer Mutter und danach von Privatlehrern unterrichtet und entwickelte schon sehr früh ein besonderes Interesse für die Literatur und die Kunst. Sie las bereits in der Kindheit sehr viel – The Manners and Customs of the Ancients Egyptiens von John Gardner Wilkinson gehörte bereits damals zu ihrer Lieblingslektüre – und illustrierte alles, was sie las. Ihr erstes Gedicht verfasste sie im Alter von sieben Jahren. Obwohl bereits 1845 einige ihrer Geschichten in Zeitschriften veröffentlicht wurden, entschied sie sich für eine musikalische Laufbahn. Sie wurde 1850, im Alter von 19 Jahren, zur Organistin von St. Michael’s, Wood Green, Middlesex ernannt. Nach einer mehrmonatigen Typhus-Erkrankung 1849 litt sie unter hartnäckigen Halsbeschwerden, die auch ihre Stimme beeinträchtigten.

1851 ging sie kurzzeitig eine Verlobung mit einem Mann namens Bacon (Vorname unbekannt) ein, möglicherweise um ihren älter werdenden Eltern die Sorge um ihre wirtschaftliche Zukunft zu nehmen. Sie verspürte jedoch keinerlei Sympathien für den Verlobten und löste die Verbindung bereits im Dezember 1851 wieder. Kurz später kündigte sie auch ihre Stelle als Organistin, weil sie keine Aussicht auf berufliche Entwicklung bot. In den nächsten beiden Jahren gab sie tagsüber Musikunterricht und übersetzte abends italienische Poesie. Außerdem schrieb und veröffentlichte sie erste Kurzgeschichten, unter anderem in Eliza Cook's Journal.

Amelia Edwards lebte bis zum Tod ihrer Eltern, die 1860 im Abstand von nur sieben Tagen starben, zusammen mit ihnen in ihrem Elternhaus. Als einzige Tochter eines Paares im fortgeschrittenen Alter konnte sie mit ihren Veröffentlichungen ab Anfang der 1850er Jahre zum Einkommen der Familie beitragen. Edwards wird als abenteuer- und reiselustig, wissensdurstig und vielseitig interessiert beschrieben; der eigene Verdienst ermöglichte ihr ab ungefähr 1853 das Reisen. Sie bereiste Europa – zunächst Paris, Belgien, dann den Rhein, Frankreich, Deutschland und Italien. In Paris besuchte sie die dortigen Bohème-Cafés, in denen sich Künstler und Schriftsteller trafen. Bei ihrem Rom-Aufenthalt im Jahr 1857 machte sie unter anderem die Bekanntschaft der Bildhauerin Harriet Hosmer (1830–1908) sowie der Schauspielerin Charlotte Cushman (1816–1876) und deren zeitweiliger Lebensgefährtin, der Schriftstellerin Matilda Hays (1820–1897). Mit Cushman sollte sie eine lebenslange Freundschaft verbinden. Amelia Edwards besuchte während ihrer beiden längeren Aufenthalte in Rom 1857 und 1871 verschiedene Ateliers und auch Kurse der dort ansässigen Künstler. Beim zweiten Aufenthalt lernte sie dort den englischen Bildhauer Percival Ball kennen und gab bei ihm eine Büste in Auftrag. Die später entstandene Marmorbüste wurde 1874 in der Royal Academy of Arts ausgestellt und ging danach in Edwards’ Besitz über.

Die Erfahrungen und Eindrücke, die Amelia Edwards auf ihren frühen Reisen gesammelt hatte, verarbeitete sie später nicht nur in der Reiseliteratur, sondern auch in ihren Romanen, Kurzgeschichten und Gedichten. Bis Mitte der 1860er Jahre hatte sie fünf Romane so wie mehrere Kurzgeschichten, Essays und Balladen veröffentlicht und konnte von ihren Einkünften als Schriftstellerin leben. Die volle Erwerbstätigkeit von Frauen stellte auch im damaligen Großbritannien eine Ausnahme dar.

Edwards bewohnte ihr Elternhaus bis kurz nach dem Tod ihrer Eltern 1860. Danach zog sie zu der befreundeten Ellen Drew Braysher (1804–1892) und deren Familie. Als 1863 Brayshers Ehemann und im uni 1864 auch deren Tochter Sarah starben, kauften Amelia Edwards und Ellen Braysher das Haus The Larches in Westbury-on-Trym bei Bristol. Beide Frauen lebten dort, bis sie Anfang 1892 kurz nacheinander verstarben.

2012 tauchten Hinweise auf, dass Amelia Edwards in der zweiten Hälfte der 1860er Jahre eine Liebesbeziehung mit einer Pfarrersgattin führte. Der Schriftsteller John Addington Symonds, der mit Edwards befreundet war, schrieb 1893 an den Sexualwissenschaftler Havelock Ellis, dass Edwards ihm persönlich davon erzählt habe. Die Beziehung währte, bis das Ehepaar um 1871 aufgrund einer beruflichen Veränderung des Ehemannes aus Westbury-on-Trym fortzog.

Im Herbst 1871 begab Edwards sich auf eine einjährige Europareise. Vermutlich im Frühjahr 1872 lernte sie in Süditalien die Privatière Lucy Renshaw (1833–1913) kennen, mit der sie kurz später in die Dolomiten reiste und ein Jahr später ihre große Ägyptenreise unternehmen sollte. In Edwards’ Reiseberichten taucht Renshaw als „L.“ auf. Ein kürzlich aufgetauchter Gedichtband mit einer Widmung an Lucy Renshaw legt die Vermutung nahe, dass auch diese Verbindung mindestens eine romantische Komponente hatte.

Eine weitere innige Freundschaft verband sie mit der Malerin und Weltreisenden Marianne North, die sie über deren Schwager John Addington Symonds kennengelernt hatte.

Amelia Edwards sympathisierte mit der Frauenbewegung und war der Überzeugung, dass auch sie als Frau das Stimmrecht haben sollte. Sie war Vizepräsidentin der 1868 gegründeten Bristol & West of England National Society for Women’s Suffrage.

Journalistin und Romanschriftstellerin

Während einer ihrer Parisreisen fasste Amelia Edwards den Entschluss, zukünftig ausschließlich als Schriftstellerin tätig zu werden. Ihre Kurzgeschichten, Gedichte und Erzählungen wurden in einer Reihe von Zeitschriften, so z. B. in Chamber’s Journal, bei Charles Dickens in den Household Words und in All the Year Round veröffentlicht. Als Journalistin hatte sie eine feste Anstellung bei Zeitungen, wie z. B. dem Saturday Review und der Morning Post. Edwards verfasste auch Musik-, Kunst- und Literaturkritiken.

Amelia Edwards schrieb insgesamt neun Romane, mehrere Geistergeschichten und drei Kinderbücher, darunter 1862 eine Reisebeschreibung (Sights and Stories: A Holiday Tour Through Northern Belgium). Ihre Geistergeschichten gehören heute zu den Victorian Ghost Novels. Ihr erster vollständiger Roman My Brother’s Wife erschien 1855 und wurde gut aufgenommen. Mit Barbara’s History (1864), einem Roman über Bigamie, konnte sie ihren Ruf als Romanschriftstellerin etablieren. Ihr letzter Roman Lord Brackenbury, der 1880 erschien, erreichte 20 Auflagen und war das einzige fiktionale Werk, das sie nach Beginn ihres Engagements für die Ägyptologie schrieb. Sie trug außerdem ungefähr 300 Biographien zur Photographic Historical Portrait Gallery (Colnaghi) bei. In den 1850er Jahren schrieb sie Histories of England für Schulen (London and Boston, 1857) und History of France (London, 1858).

Amelia Edwards verfasste zwei teils heute noch bekannte Reiseberichte: Untrodden Peaks and Unfrequented Valleys (1873) und A Thousand Miles up the Nile (1877). Beide Bücher zeichnen sich dadurch aus, dass sie als Reiseberichte eine Mischung aus wissenschaftlicher und künstlerisch/literarischer Reisebeschreibung enthalten. Die wissenschaftliche Reisebeschreibung war bis zu dem Zeitpunkt überwiegend eine Männerdomäne.

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