An diesem Tag

Alvise Pisani

114. Doge von Venedig

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Alvise Pisani (* 1. Januar 1664 in Venedig; † 17. Juni 1741 ebenda) war, folgt man der staatlich gesteuerten Geschichtsschreibung der Republik Venedig, ihr 114. Doge. Er regierte von seiner Wahl am 17. Januar 1735 bis zu seinem Tod, also insgesamt sechseinhalb Jahre.

Pisani begann seine Ämterlaufbahn ungewöhnlich früh mit kaum 20 Jahren, stieg dabei schnell in den inneren Kreis, also in Senat und Dogenrat auf. Auch auf dem Gebiet Oberitaliens, das Venedig untertan war, der Terraferma, empfahl er sich für die höchsten Ämter. Darüber hinaus war er mehrere Jahre als Botschafter in Frankreich, ebenso wie als Sondergesandter in England. Dies war umso wichtiger, als Venedig versuchte, Neutralität zwischen den kriegführenden Großmächten zu wahren und auch den Friedensschluss mit den Osmanen zu sichern, der 1718 geschlossen wurde. Nachdem Pisani 1722 und 1732 vergeblich versucht hatte, sich zum Dogen wählen zu lassen, gelang ihm dies schließlich beim dritten Versuch am 17. Januar 1735.

Die Pisani gehörten zu den reichsten venezianischen Familien ihrer Zeit. Berühmtester Spross der Familie war Admiral Vettor Pisani, der die Genuesen im Chioggia-Krieg geschlagen und endgültig aus Venedigs adriatischem Einflussbereich vertrieben hatte. Der Familienzweig des Dogen besaß den eindrucksvollen Stadtpalast Palazzo Pisani a Santo Stefano am Campo Santo Stefano sowie die Villa Pisani am Brenta.

Alvise wurde als dritter von sechs Söhnen des Gianfranceso Pisani, Sohn des Prokurators Almorò, und der Paolina Contarini, Tochter des Prokurators Andrea, Sohn des Carlo Contarini, geboren.

Verheiratet war Alvise Pisani ab 1683 mit Elena Badoer aus dem vermögenden Familienzweig von San Moisè, die nach seiner Wahl den Titel Dogaressa trug. Aus der Ehe gingen vier Söhne namens Almoro hervor (wohl nach dem Großvater benannt), nämlich Almorò I., Almorò II., der Elisabetta Correr del ramo di Riva di Biagio heiratete, Almorò III. Alvise Pisani, der vom französischen König Ludwig XIV. aus der Taufe gehoben wurde und der Paolina Gambara heiratete, sowie Almorò IV. Giovanni Francesco. Almorò III. wurde nebst Familie um 1758 von Alessandro Longhi porträtiert.

Alvise Pisani besuchte ein Collegio, an dem nur Angehörige des Adels, der nobili lernten. Am 21. Juni 1684 wurde er, wie es für männliche Angehörige seines Standes üblich war, zum Savio agli Ordini, längst eine geradezu verpflichtende Etappe in der Ämterlaufbahn. Das sehr frühe Datum – er war noch nicht einmal 20 Jahre alt – resultiert daher, dass man ihn zu Ehren seines Onkels Lorenzo vorzog, der 1667 im Kampf gegen die Osmanen ums Leben gekommen war.

Capitano in Padua (1686–1687), Dogenrat (1688), Savio di Terraferma (1692–1694)

Kurz nachdem Alvise Pisani dieses Amt vom 13. Februar bis Juni 1685 innegehabt hatte, wurde er am 11. August 1686 zum Capitano in Padua gewählt, einen Posten, den er bis Dezember 1687 innehatte. Bereits am 1. Februar 1688 war er einer der Consiglieri ducali, der Dogenräte (bis zum 31. Januar 1689). Damit war er im inneren Kreis angekommen.

Danach war er allerdings beinahe drei Jahre politisch inaktiv. Er wurde erst im zweiten Halbjahr 1692 – dann auch 1693 und 1694 – einer der Cinque savi di Terraferma, also einer der fünf Patrizier, die für die Terraferma, den venezianischen Teil Oberitaliens verantwortlich waren. Damit qualifizierte man sich zu dieser Zeit normalerweise für weitere höhere Ämter.

Botschafter in Paris (1698–1703)

Am 28. Mai 1698 wurde Pisani Botschafter in Paris. Dieses teure und äußerst komplexe Amt am höchst angesehenen Hof Europas hatten bis dahin sieben Patrizier abgelehnt. Ende Januar 1699 verließ Pisani Venedig und erreichte Paris am 16. Mai 1699. Es gelang ihm, bei Ludwig XIV. trotz seiner Jugend hohes Ansehen zu gewinnen, denn er war eine elegante Erscheinung, redegewandt und zugleich würdevoll im Auftreten, vor allem aber angenehm im Umgang. Doch dann geriet Pisani angesichts des Krieges um die Nachfolge im Hause Habsburg, des spanischen Erbfolgekriegs, in eine schwierige Situation. Nun standen französische und kaiserliche Truppen in Italien, und Pisanis Proteste, die venezianische Neutralität würde nicht respektiert, verkehrten sich insofern, als er nun rechtfertigen musste, warum Venedig nicht im Bunde mit Frankreich stehe. Nachdem er noch zum Ritter geschlagen worden war, verließ er im Mai 1703 Paris.

Vielfacher Dogenrat, weitere Ämter (ab 1703)

In Venedig wurde er sogleich wieder Savio del Consiglio, ein Amt, das für die Außenpolitik von großer Bedeutung war. Er bekleidete diese Position insgesamt 32 Mal, war zudem vielfach mit anderen Ämtern belastet. Zu diesen anspruchsvollen Ämtern zählte etwa der Sopraprovveditore all’esazione del Denaro im 2. Halbjahr 1705, darüber hinaus der eines Sopraprovveditore alla provvision del Denaro von September bis Dezember 1706 oder eines Sopraprovveditore all’esazione del Denaro zwischen April und Juni 1708, zu den aufwändigsten Positionen im Finanzsektor.

Sondergesandter in London (1706–1707), weitere Ämter, Prokurator (1711)

Dann wurde er, zusammen mit Nicolò Erizzo, im Oktober 1706 nach London geschickt, wo die beiden bis zum 8. Juni 1707 als Sondergesandte blieben. Ihre Aufgabe hatte anfangs nur darin bestanden, Königin Anna zur Thronbesteigung zu beglückwünschen, doch blieben sie deutlich länger.

Wieder in Venedig wechselten sich weiterhin die höchsten Ämter ab. Der Saviato del Consiglio (jeweils Oktober bis März der Jahre 1708–1712) und schwierige Finanzmagistraturen, wie die eines Provveditore del Denaro jeweils für einige Monate in den Jahren 1708, 1709 und 1710, gehörten dazu, dann der für die Universität Padua zuständige Riformatore dello Studio di Padova (10. Oktober 1709 bis 9. Oktober 1711), danach mehrfach vom 14. Oktober 1713 bis zum 13. Oktober 1715 und ebenso in den Jahren 1718 und 1720 und abermals vom 4. Januar 1730 bis zum 3. Januar 1732.

Am 6. April 1711 wurde Pisani zum Procuratore di S. Marco de supra gewählt, die zweithöchste Stellung nach dem Dogen. Zwar wurde er für eine Gesandtschaft zum spanischen König Karl III. gewählt, auch sollte er dazu in Mailand seinen Kollegen Andrea Da Lezze treffen, doch ist unklar, ob es jemals zur Ausführung der Gesandtschaftsreise kam.

Von 1712 bis 1716 wieder Savio del Consiglio (im zweiten Halbjahr), übernahm er im Rest des Jahres den Posten eines Deputato al Commercio. 1713 wurde er Revisore e regolatore dei Dazi, im nächsten Jahr Provveditore sopra Monasteri, womit er die Frauenklöster beaufsichtigte. 1718 war er Sovrintendente alle Decime del clero, kontrollierte und steuerte also die Abgaben des Klerus.

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Alvise Pisani | World in Stories