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Alvise Mocenigo IV.

Doge von Venedig (1701-1778)

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Alvise Giovanni Mocenigo oder Alvise IV. Mocenigo (* 19. Mai 1701 in Venedig; † 31. Dezember 1778 ebenda) war von seiner Wahl am 19. April 1763, bzw. seiner Einsetzung am folgenden Tag, bis zu seinem Tod der drittletzte Doge der Republik Venedig.

Ab 1726 übernahm er alljährlich die dem städtischen Adel vorbehaltenen Ämter, stieg in den innersten Machtzirkel auf und war zudem für die Universität Padua zuständig. Darüber hinaus wurde er vom Großen Rat, der Generalversammlung des venezianischen Patriziats, als Botschafter und Gesandter an den wichtigen Höfen in Paris, Neapel und Rom eingesetzt.

Während seiner Amtszeit setzte sich der Niedergang der Republik, ihr Machtverlust innerhalb der Gruppe der europäischen Mächte und die Stagnation ihrer Wirtschaft fort. Andererseits wurden unter ihm die Handelskontakte mit den Staaten Nordwestafrikas, aber auch mit Dänemark und Russland intensiviert, dann mit Portugal und Spanien – womit sich ab 1766 Handelskontakte mit den Kolonien der iberischen Mächte eröffneten. Auch versuchte man die führenden Familien Oberitaliens stärker in den Machtapparat zu integrieren. Prägend für seine Amtszeit war zudem eine heftige Verfassungsdebatte zwischen konservativen Angehörigen des venezianischen Adels und solchen, die versuchten Reformen durchzusetzen. Dabei spielten die Machtkerne eine zentrale Rolle, nämlich der Rat der Vierzig (als oberster Gerichtshof), das Collegio (eine Art Kabinett, das die Sitzungen und Erlasse des Großen Rates vorbereitete, der wiederum eine gewaltige Abstimmungsmaschinerie des gesamten Adels darstellte), dann der Senat sowie die Staatsinquisition – dabei bestanden erhebliche personelle und Kompetenzüberschneidungen.

Alvise IV. Mocenigo war der letzte einer Reihe von sieben Dogen, die aus der Familie Mocenigo stammten. Vor ihm waren Tommaso Mocenigo (1414–1423), Pietro Mocenigo (1474–1476), Giovanni Mocenigo (1478–1485), danach drei Familienangehörige mit dem Namen Alvise Dogen, nämlich ein erster Alvise von 1570 bis 1577, ein zweiter von 1700 bis 1709, schließlich ein dritter von 1722 bis 1732.

Alvise IV. war der jüngste der vier Söhne Alvises III. Mocenigo, genannt Marcantonio, und der Paolina Badoer di Pietro di Sebastiano. Während der Vater dem Familienzweig aus S. Stae entstammte, gehörte die Mutter zum Zweig von S. Moisè. Um den jungen Alvise von seinen zahlreichen gleichnamigen Verwandten zu unterscheiden, erhielt er zusätzlich den Namen Giovanni. Ihr gemeinsamer Sohn war mit Pisana Corner verheiratet, die am 10. März 1769 während seines Dogats verstarb. Das Paar hatte sechs Söhne.

Zwar gelangte Alvise IV. mittels der Balla d’oro in den Großen Rat, ihm gestattete also ein Losverfahren nicht nur lange vor seinem 25. Lebensjahr in dieses zentrale Gremium Venedigs zu gelangen, doch erst 1726 bekleidete er erstmals ein öffentliches Amt, nämlich das eines Savio agli Ordini – wie üblich für ein halbes Jahr (muda), woran sich zwölf Monate ohne dieses Amt anschlossen (contumacia). Dabei handelte es sich um eine häufig gewählte Einstiegsposition, um später in die höheren Ränge aufzusteigen. Im folgenden Jahr, nach der contumacia, allerdings lehnte er die übliche Wiederwahl in dieses Amt ab, das der Aufsicht der Schiffe diente, und zog es vor, das weniger angesehene Amt eines Camerlengo di Comun zu übernehmen.

Botschafter in Paris (1730–1733) und Rom (1734–1737)

Am 10. März 1729 wählte ihn der Große Rat, obwohl er bis dahin keinerlei diplomatische Aufgaben wahrgenommen hatte, zum Gesandten beim französischen Königshof. Er konnte sich in den entsprechenden Kreisen bewegen, besaß rednerische Qualitäten und ein erhebliches Vermögen, eine wichtige Voraussetzung für diese Aufgabe. Im April 1730 kam er an den Hof, von dem er am 7. Mai 1733 von König Ludwig XV. persönlich entlassen wurde.

Erst am 18. Februar 1734 trug Alvise Mocenigo seine Relazione vor, seinen seit langem vorgeschriebenen, abschließenden Bericht über seine diplomatische Mission. Darin hatte er ein besonderes Augenmerk auf die Finanzen Frankreichs unter Fleury, aber auch den gescheiterten Sanierungsversuch unter John Law, der 1720 aus Frankreich hatte fliehen müssen, und der sich zeitweise in Venedig aufgehalten hatte, an den Tag gelegt. Law war 1729 in Venedig gestorben.

Mocenigos Mission war überaus erfolgreich. Er kehrte als Ritter nach Venedig zurück. Auch brachte er einige Reliquien des heiligen Dogen Pietro Orseolo mit, dessen Verehrung seit 1731 durch den Papst gestattet war. Am 12. Dezember 1733 nahm er folgerichtig die Nominierung zum Botschafter am Hof Papst Clemens’ XII. an. Dementsprechend zog er nach Rom, wo er sich von April 1734 bis April 1737 aufhielt. Wie üblich, lieferte er auch danach eine Relazione ab.

Prokurator von San Marco, im innersten Machtzirkel (ab 1736/1737), Gesandter in Neapel (1738)

Während er sich noch in Rom aufhielt, erreichte Mocenigo die Nachricht von seiner Nominierung zum Procuratore di San Marco de citra am 27. Juni 1736 – eine der wenigen Positionen, die auf Lebenszeit besetzt wurden. Wieder in Venedig wurde er sogleich Savio del Consiglio im zweiten Halbjahr 1737. Spätestens damit war er, wenn auch noch nicht auf Dauer, im innersten Machtkreis angelangt. Bald musste er nämlich von diesem Amt zurücktreten, weil er zum Sondergesandten an den Hof Karls III. von Neapel, des späteren Königs von Spanien gewählt worden war.

Im Februar 1738 brach er an den Hof auf, den er am 2. März erreichte. Dort konnte er dem König zur Verehelichung mit Maria Amalia von Sachsen gratulieren. Er blieb bis zum 28. Oktober 1738 am Hof. Ähnlich wie am päpstlichen Hof enthielt seine Relazione eher negative Urteile über den Herrscher.

Wieder in Venedig übernahm er erneut die Stellung eines Savio del Consiglio, diesmal für das erste Halbjahr 1739. Danach wurde er Provveditore alle Biave, war also für die Getreideversorgung der Stadt zuständig. Dieses Amt beinhaltete den Umgang mit gewaltigen Geldbeträgen, aber auch mit den zahllosen Kontroll- und Steuerungsmitteln der Stadt.

Am 5. Oktober 1739 heirateten er und Pisana Corner. Diese Hochzeit wurde mit größtem Aufwand gefeiert, da beide Familien zu den vermögendsten und einflussreichsten Venedigs zählten. Das Paar hatte sechs Söhne, die allesamt als einen ihrer Vornamen den Namen Alvise erhielten.

In dem knappen Vierteljahrhundert von 1739 bis 1763 gehörte Mocenigo als Savio del Consiglio nun jeweils in der ersten Jahreshälfte dem innersten Machtkreis an. In der zweiten Jahreshälfte übernahm er verschiedene andere Ämter. Zwei Mal allerdings verhinderten Kriege den Aufbruch, wie 1740 die vorgesehene Reise an den päpstlichen Hof Benedikts XIV., bzw. Clemens’ XIII. – Carlo Rezzonico, der Gewählte, war Venezianer – im Juli 1758, als der Papst die Gratulanten von der beschwerlichen Reise dispensierte.

Ämter und Zuständigkeiten: Getreide, Gewässer, Gelder, Dogenrat, Universität Padua und Bibliothek

Weitere zwei Male war Mocenigo Provveditore alle Biave, ein bereits 1739 übernommenes Amt, in das er zum 23. Juli 1740 und am 8. Juli 1747 gewählt wurde. Am 7. Juli 1742 erfolgte seine Wahl zum Savio alle Acque, ein Amt, in das er noch mehrfach gewählt wurde. Damit war er für das gesamte Gewässersystem der Stadt einschließlich der Zuflüsse in die Lagune zuständig.

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