Alvise Sebastiano Mocenigo III. (* 29. August 1662 in Venedig; † 21. Mai 1732 ebenda) war, folgt man der Zählweise der staatlich gesteuerten Geschichtsschreibung der Republik Venedig, ihr 112. Doge. Er regierte von seiner Wahl am 24. August 1722 bis zu seinem Tod rund zehn Jahre lang.
Im Gegensatz zu einer Reihe seiner Brüder, die eine politische Laufbahn einschlugen, stieg Alvise Sebastiano zunächst im Rahmen der Kriegsflotte, insbesondere im Kampf gegen die Osmanen auf. Dabei war es zunächst der Kriegsschauplatz in der Ägäis, dann im venezianischen Dalmatien und Albanien, der Mocenigo forderte. Entscheidend war seine Teilnahme an den Friedensverhandlungen von 1699 und 1717, die die Grenzen bis zum Ende der Republik im Jahr 1797 stabilisierten.
Im Gegensatz zu den Jahrzehnten seiner Einsätze im Venezianischen Kolonialreich verlief die Zeit seines Dogats nach außen vergleichsweise ruhig. Als Doge bemühte sich Mocenigo um die Verschönerung der Stadt Venedig, trat als Förderer einer Wissenschaftsgesellschaft auf, betrieb die Heiligsprechung eines Dogen des 10. Jahrhunderts (die allerdings erst kurz nach seinem Tod erfolgte).
Alvise Mocenigo III. stammte aus der verzweigten Familie Mocenigo, die insgesamt sieben Dogen stellte: Tommaso Mocenigo (1414–1423), Giovanni (1478–1485) und Pietro Mocenigo (1574–1576), schließlich Alvise Mocenigo I. (1570–77), II. (1700–1709), Alvise Mocenigo III. und IV. (1763–1778). Die beiden letzten Mocenigo-Dogen stammten aus dem Zweig der Mocenigo von San Polo.
Im Gegensatz dazu wurde der spätere Doge in den Familienzweig der Mocenigo di S. Samuele geboren. Alvise Sebastiano, Zwillingsbruder von Alvise IV., genannt Leonardo, war Sohn eines weiteren Alvise IV. Mocenigo, Prokurator von San Marco (1626–1704), und der Cecilia di Sebastiano Michiel. Er war der dritte Alvise in dieser Familie und wurde zur Unterscheidung auch Bastian oder Sebastiano genannt. Ein anderer Sohn dieser Familie war jener Sebastiano Mocenigo (1661–1719) di Marcantonio, der von 1715 bis 1716 Statthalter im Friaul war.
Alvises Vater war 1672 für 25.000 Dukaten Prokurator von San Marco geworden. Danach wurde er Savio alla Sanità, dann alle Acque, schließlich mehrfach Savio del Consiglio. Damit war er im inneren Kreis der Republik angekommen, nachdem er sich um Gesundheitsfragen und das wichtige Netz der Wasserwege gekümmert hatte.
Aus der 1640 geschlossenen Ehe mit Cecilia gingen neben Alvise sieben Töchter hervor, nämlich zunächst Cecilia und Maria, die als Benediktinerinnen ihr Leben im Kloster verbrachten. Eine Chiara starb bereits im Alter von kaum zwölf Jahren, eine zweite Chiara heiratete 1678 Andrea Bragadin di Daniele. Bianca heiratete 1680 Alvise Contarini di Piero; Paolina ehelichte 1688 Francesco Morosini di Lorenzo. Die gezielte Verheiratung war in allen Adelsfamilien Teil der Heiratspolitik, die dem Vermögenserwerb und der -weitergabe, aber ebenso der politischen Einflussnahme diente.
Mit diesen drei Ehen erhielt die Familie bereits einen erheblichen Einfluss im patrizischen Geflecht der Republik. Hinzu kamen fünf Brüder, von denen vier bis in das Machtzentrum aufstiegen, also die Ratsgremien um den Senat und den Dogen, aber auch führend auf dem venezianischen Festland Italiens, der Terraferma waren.
Alvise (I) (1650–1728) wurde Savio agli Ordini, Provveditore alle Pompe (er sollte also die Verschwendung im Adel eindämmen), Savio di Terraferma, Provveditore alla Zecca (die Münzprägestätte), Savio all’Eresia (er sollte Häresien bekämpfen), schließlich Consigliere ducale per il sestiere di S. Marco (er vertrat das Sestiere San Marco im Dogenrat), Savio alle Acque (zuständig für die Wasserwege in der Lagune von Venedig, was auch die Zuflüsse betraf), dann wieder im zentralen Gremium als Savio del Consiglio, Conservatore delle Leggi, Deputato all’incremento del commercio, Provveditore all’artiglieria – er war also mit der Gesetzgebung, dem Versuch, die Wirtschaftstätigkeit auszuweiten, sowie der Artillerie befasst –, er gehörte aber auch dem Orden der goldenen Stola an.
Alvise Sebastiano starb als kleines Kind 1651, während Alvise (II) Giovanni (1660–1736) wieder eine lange Ämterlaufbahn absolvierte: Savio agli Ordini und della Quarantia (also übte er eher eine juristische Tätigkeit aus), Provveditore ai Lidi (womit er für den Hochwasserschutz gegen die Adria zuständig war), auch er war Savio di Terraferma, aber auch von 1697 bis 1701 Botschafter in Spanien. Danach war er Capitano in Brescia von 1703 bis 1704, Provveditore general a Palma in den Jahren 1734 bis 1735 (gemeint ist Palma im Friaul). Den höchsten Posten im Staat nach dem Dogen, den eines Procuratore di S. Marco, erhielt er am 1. April 1720.
Der Zwillingsbruder Alvise Mocenigos, wieder ein Alvise (IV) Leonardo (1662–1744), wurde Governatore di nave, Capitano delle galeazze (er war also im Bereich der Kriegsschifffahrt mit Aufgaben betraut), auch er Consigliere ducale, also Dogenrat, nämlich für das Sestiere S. Marco, auch er wieder Savio all’Eresia, zudem Decemviro, und auch er wurde Ritter della stola d’oro. Er wurde gleichfalls Botschafter, aber nicht in Spanien, sondern in Frankreich, nämlich von 1730 bis 1733.
Alvise (V) Antonio (1672–1763), ebenfalls Savio di Terraferma, erhielt auch das Amt eines Inquisitore sopra gli Olii (war also für das Öl zuständig, gemeint ist Olivenöl), dann eines Zensors, er wurde Provveditore all’Arsenale, saß im Rat der Zehn, stieg zum Savio grande auf, um dann gleichfalls Botschafter in Frankreich zu werden, nämlich von 1707 bis 1710. Schließlich wurde er Podestà und Vicecapitano von Brescia in den Jahren 1735 bis 1737.
Alvise Mocenigo, der hier im Mittelpunkt stehende spätere Doge, blieb kinderlos und heiratete nie. Er absolvierte im Gegensatz zu seinen Brüdern zunächst eine glanzvolle Karriere in der Kriegsflotte. Ausgestattet mit einer soliden literarischen Bildung, trat er als Jugendlicher in die Marine ein und stieg kontinuierlich bis zum Proveditore generale da mar auf, dem obersten Befehlshaber der Kriegsflotte.
Aufstieg zum Capitano del Golfo, Belagerung von Chania (1691)
Am 19. April 1688 wurde er zum Governatore di galea grossa gewählt, er kommandierte also eine der großen Galeeren. 1687 war es der Flotte bereits gelungen, in der Bucht von Kotor die osmanischen Piraten zu besiegen. Am 17. September 1690 nahm er an der Eroberung von Cannina (Kanina) und Valona (Vlora) unter dem Kommando des Capitano generale da Mar Gerolamo Corner teil.
Am 4. März 1691 stieg er zum Capitano in Golfo auf, kommandierte also die Adriaflotte. In dieser Funktion, und zeitweise als Provveditore in campo, nahm er am vergeblichen Versuch teil, die kretische Stadt Chania im Juli und August zurückzuerobern. 1693 erhielt er Befehl, einen Belagerungsturm auf Ägina zu errichten. Am 13. Dezember 1693 wurde ihm die Aufgabe eines Capitano delle galeazze per Abstimmung zugewiesen, er führte also die großen Kriegsschiffe, die Galeassen. Auf Befehl des Giusto Emilio Alberghetti verfasste er nun ein Kompendium zur Belagerungstechnik.
Eroberung von Chios (1695), Kämpfe gegen Osmanen in der Ägäis
Von Februar 1694 bis September 1696 war er als Provveditore straordinario in campo tätig. Zusammen mit Adam Heinrich von Steinau gelang ihm von September 1694 bis Februar 1695 die Eroberung von Chios. Er selbst ersuchte bereits am 25. Oktober 1695 vergeblich um Erlaubnis zur Heimkehr. Bald kaperte er eine osmanische Sultana in der Schlacht bei Spalmadori, auch als Schlacht von Inousses bekannt. Er nahm den Bey gefangen und befreite die an Bord befindlichen christlichen Sklaven. In der Schlacht von Gyaros, einer Kykladeninsel zwischen Andros und Tinos, vom 22. August 1696 deckte er mit seinen drei Galeassen den venezianischen Flottenverband. Dies alles baute auf den Erfolgen von Francesco Morosini auf, des in Venedig hoch angesehenen Capitan general da mar, der in den Rückzugskämpfen der Republik gegen die osmanische Vormacht nochmals erstaunliche Erfolge erzielt hatte. Morosini war es gelungen, einen großen Teil der an die Osmanen verlorenen Gebiete ein letztes Mal für Venedig zu erobern, und die Republik hatte ihm zum Dank für die Eroberung der Morea (der Peloponnes) 1687 den Ehrentitel Peloponnesiacus verliehen.