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Alois Riegl

Österreichischer Kunsthistoriker

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Alois Riegl (* 14. Januar 1858 in Linz; † 17. Juni 1905 in Wien) war ein österreichischer Kunsthistoriker, Denkmalpfleger und Vertreter der Wiener Schule der Kunstgeschichte.

Alois Riegl war ein Sohn des Finanzbeamten Johann Riegl († 1873) und seiner Frau Katharina (1830–1897), geb. Mayr. Riegl hatte zwei Brüder, wobei einer davon früh starb, und eine Schwester.

1867 wurde sein Vater von Linz nach Zabłotów versetzt. Alois Riegl besuchte daher in der Folge Gymnasien in Kolomea und Stanislau. Nachdem sein Vater 1873 gestorben war, kehrte die Familie nach Linz zurück. In Kremsmünster legte er 1874 das Abitur ab. Auf Wunsch seines Vormundes begann er 1877 an der Universität Wien ein Jurastudium. 1878 wechselte er an die philosophische Fakultät um Philosophie und Geschichte zu hören. Er belegte Vorlesungen beim Universalhistoriker Max Büdinger. An das Institut für österreichische Geschichtsforschung, wo zu dieser Zeit Theodor Sickel, Rudolf Eitelberger und Moritz Thausing lehrten, kam er 1881. 1883 legte er die Institutsprüfung ab und promovierte im gleichen Jahr zum Doktor der Philosophie. Bis 1886 forschte er am Institut zu mittelalterlichen Buchillustrationen, um anschließend für ein Jahr als Volontär aktiv zu sein. Von 1887 bis 1897 war er Kustosadjunkt und Referent, später Leiter, der Textilabteilung des Österreichischen Museums für Kunst und Industrie. 1889 wurde er habilitiert.

1894/95 wurde er außerordentlicher und zwei Jahre später ordentlicher Professor für Kunstgeschichte an der Universität Wien. 1902 bis 1905 war Riegl neben seiner Professur Generalkonservator der Zentralkommission für die Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale. Seine mehrjährige Bemühungen um ein österreichisches Denkmalschutzgesetz waren wenig erfolgreich, wiewohl er den Bedenken privater Denkmalbesitzer (Adel, Kirche) gegenüber den drohenden finanziellen Belastungen weitgehend entgegenzukommen bereit war. Er wurde auf dem Wiener Zentralfriedhof in einem ehrenhalber gewidmeten Grab bestattet.

Alois Riegl prägte für die Kunsttheorie den einflussreichen Begriff des Kunstwollens als definierende Kraft einer Stilepoche. Er wendete sich gegen eine an Werteurteilen orientierte Kunstgeschichtsschreibung und betonte die Bedeutung der damals als „Verfallszeiten“ geltenden Epochen (Spätantike). Seiner Ansicht nach ist die antike Kunst Ausgangspunkt sowohl der frühmittelalterlichen wie auch der orientalischen Kunst.

Siehe auch Formalismus (Kunstgeschichte)#Alois Riegl.

Einflussreich wurden auch Riegls Konzepte in Sachen Denkmalschutz. Ähnlich Georg Dehio in Deutschland plädierte Riegl gegen die im 19. Jahrhundert verbreitete „Perfektionierung“ und den purifizierenden Weiterbau historischer Bauwerke (etwa gotischer Kirchen). Zum Unterschied von Dehios eher national geprägter Denkmalsicht vertrat Riegl aber einen supranational und universalistisch geprägten Denkmalbegriff, dessen Kern der Alterswert darstellt. (Riegls ideelles Wertesystem unterschied Gegenwartswerte und Erinnerungswerte. Zu den Gegenwartswerten zählte er den Gebrauchswert und den relativen Kunstwert, zu den Erinnerungswerten den historischen Wert und den von ihm besonders hervorgehobenen Alterswert.) Riegl wandte sich unter anderem im Falle des Diokletianspalastes in Split gegen eine Herausschälung des antiken Monuments und die Beseitigung der späteren ebenfalls schon historisch gewordenen Zubauten.

1899: korrespondierendes Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts

1901: ordentliches Mitglied des Österreichischen Archäologischen Instituts

1902: korrespondierendes Mitglied der Wiener Akademie der Wissenschaften

Im Jahr 1954 wurde in Wien-Floridsdorf (21. Bezirk) die Rieglgasse nach ihm benannt.

Altorientalische Teppiche. Leipzig 1892. Reprint Mäander Kunstverlag, Mittenwald 1979. Mit einer bibliographischen Einführung von Ulrike Besch. ISBN 3-88219-090-6.

Stilfragen. Grundlegungen zu einer Geschichte der Ornamentik. Berlin 1893 (Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv).

Volkskunst, Hausfleiß und Hausindustrie. Berlin 1894. Reprint Mittenwald, Mäander Kunstverlag, 1978 mit einem Nachwort von Mohammed Rassem. ISBN 3-88219-065-5.

Die spätrömische Kunst-Industrie nach den Funden in Österreich-Ungarn im Zusammenhange mit der Gesamtentwicklung der Bildenden Künste bei den Mittelmeervölkern. Wien 1901 (Digitalisat).

Das holländische Gruppenporträt. Österreichische Staatsdruckerei, Wien 1902 (Digitalisat).

Der moderne Denkmalkultus. Sein Wesen und seine Entstehung. Braumüller, Wien/Leipzig 1903 (Digitalisat).

Französische Übersetzung: Le culte moderne des monuments. Sa nature, son origine. Trad. et présenté par Jacques Boulet (= In Extenso. Band 3). École d’Architecture, Paris-Villemin 1984, ISBN 2-905222-02-6. Neuauflage: L’Harmattan, Paris 2003, ISBN 2-7475-5127-X.

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