Arthur Alexander „Aljoscha“ Rompe (* 20. Oktober 1947 in Berlin-Buch; † 23. November 2000 in Berlin-Prenzlauer Berg) war ein deutsch-schweizerischer Punkmusiker, Sänger und Gründer der 1983 entstandenen DDR-Punkband Feeling B.
Leben und erste musikalische Schritte
Aljoscha Rompes Mutter, eine Dolmetscherin, emigrierte kurz vor seiner Geburt mit ihrem Vater Arthur Baumgarten aus der Schweiz nach Ost-Berlin. Geboren wurde Rompe als Arthur Alexander Jessen, sein leiblicher Vater war der Schweizer Schauspieler Jörn Jessen (Kübler). Von dessen Existenz soll Aljoscha Rompe – seiner Tante zufolge – gewusst haben, Jessen/Kübler habe aber zu seinem Sohn keinen Kontakt gepflegt und für ihn auch keine Alimente gezahlt. Andere Quellen sprechen davon, dass Rompe von seinem leiblichen Vater erst nach dessen Tod im Jahr 1975 erfahren habe.
Aljoscha Rompes Mutter ließ sich im Winter 1947/48 von Jessen/Kübler scheiden und heiratete in Ost-Berlin den damaligen Physikprofessor und Direktor des II. physikalischen Instituts an der Humboldt-Universität, Robert Rompe. Aljoscha, der seinen Spitznamen von Robert Rompes aus Russland stammender Mutter erhielt, wurde von seinem Stiefvater am 21. August 1954 adoptiert und wuchs privilegiert als SED-Funktionärskind in Berlin-Johannisthal und später Berlin-Köpenick auf. Nach Angaben des Buchautors und DDR-Musikexperten Ronald Galenza war Gregor Gysi in Kindertagen ein Spielfreund. Im Verlauf der Ehe seiner Mutter mit Robert Rompe bekam Aljoscha Rompe vier Halbgeschwister.
Rompe wechselte nach Grundschuljahren in Berlin-Johannisthal und dem Besuch der Polytechnischen Oberschule in Berlin-Köpenick zur Erweiterten Oberschule Alexander von Humboldt in Berlin-Köpenick. Dort machte er in den Jahren 1962 bis 1966 zunächst Abitur und absolvierte anschließend eine Elektromechanikerausbildung. Von 1967 bis 1971 studierte er an der Humboldt-Universität in Ost-Berlin Physik und schloss das Studium mit einem Diplom ab. Ein Studienkollege und Freund war der spätere Schauspieler Henry Hübchen, ein anderer der spätere DDR-Bürgerrechtler und Grünen-Politiker Carlo Jordan. Letzterem zufolge zog es Rompe nach seiner Armeezeit – dieser war von 1971 bis 1973 Kraftfahrer bei der Nationalen Volksarmee in Frankfurt/Oder – im Jahr 1974 in den Berliner Bezirk Prenzlauer Berg. Er bezog dort eine kleine Wohnung an der Metzer Straße 14, indem er sie besetzte. Er hatte von 1971 bis 1974 als Problemanalytiker an der Bauakademie der DDR (DBA) gearbeitet, dann aber gemeinsam mit anderen gekündigt; Jordan zufolge aus politischen Gründen, laut Rompes Tante, weil er mit zahlreichen Kollegen in ein Großraumbüro ziehen sollte und dies ablehnte.
Um der in der DDR geltenden Arbeitspflicht nachzukommen, nahm er Nebenjobs an. Er arbeitete zeitweise als Kellner in Gastronomien auf der Ostseeinsel Hiddensee, unter anderem 1974, 1975 und 1979 in der Gaststätte Zum Klausner, 1978 nach eigenen Angaben als Tellerwäscher in der Inselbar. Auf Hiddensee lernte er beim abendlichen Strandtreff Musiker wie Michael Stappenbeck kennen, Letzterer war später in der Band der DDR-Sängerin Chris Doerk und bei Winni 2 aktiv. Zudem wurde er von seinem Stiefvater Robert Rompe an der Akademie der Wissenschaften der DDR (AdW) als Privatsekretär beschäftigt oder zeichnete auf Honorarbasis für einen Professor der Humboldt-Uni Vogelstimmen auf.
Direkten Zugang zur Musikszene bekam Aljoscha Rompe, als er ab 1974 begann, als Tontechniker und Fahrer für Musikbands wie Faible, Vulcan, Monokel, Drudenfuß und Anfang der Achtzigerjahre für Mondie zu arbeiten.
Er gründete in den Siebzigerjahren eine Sessionband namens Feeling 14, die seinem späteren Feeling-B-Kollegen Paul Landers zufolge nach ihrer Heimat, Rompes Wohnung in der Metzer Straße 14, benannt war und Bongo- und Akustikmusik spielte. Landers zufolge stammen die Texte späterer Feeling-B-Songs wie Hopla He und Mix mir einen Drink noch aus dieser Zeit und wurden von Feeling B nur musikalisch neu aufbereitet. Auch der Text von Du wirst den Gipfel nicht erreichen entstand nach Darstellung von Rompes damaligen Wegbegleitern bereits in dieser Lebensphase.
Nachdem Rompe durch den Wechsel seiner Staatsangehörigkeit (siehe Kapitel Schweizer Staatsbürgerschaft) im Jahr 1980 plötzlich Reisefreiheit genoss, verbrachte er laut Carlo Jordan zwei Jahre weitgehend im Ausland. Er besuchte diesem zufolge westliche Länder wie die USA, wo er ein halbes Jahr blieb, aber auch Skandinavien, Griechenland, Frankreich und Italien. Er arbeitete phasenweise auch im Westteil Berlins, unter anderem als Fahrer beim Otto-Versand, als Arbeiter auf dem Bau und versuchte sich als Buttonverkäufer und Reisebürobetreiber. Während dieser Phase lebte er unter der Woche in besetzten Häusern in Berlin-Kreuzberg. Er verlagerte jedoch nach dieser Zeit seinen Lebensmittelpunkt in die DDR zurück. Dies begründete er Freunden wie Jordan gegenüber damit, dass viele Menschen im Westen nur „herumhingen“, während die Leute im Osten kreativer und eher für Projekte zu begeistern seien.
Seine eher ablehnende Haltung zum Kapitalismus als Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung und zur Lebenshaltung der Menschen in Westdeutschland brachte Rompe bis zu seinem Tod im Jahr 2000 immer wieder in zahlreichen Interviews zum Ausdruck.
Im März 1983 gründete Rompe die Gruppe Feeling Berlin, für die er mit dem damals 18-jährigen Gitarristen Heiko Paul Hiersche (heute Paul Landers), dem etwa gleichaltrigen Drummer Alexander Kriening und dem erst 16-jährigen Keyboarder Christian Flake Lorenz drei deutlich jüngere Mitmusiker verpflichtete. Da es in Berlin bereits eine Kapelle mit diesem Namen gab, benannte sich die Gruppe kurze Zeit später in Feeling B um. Kriening verließ die Band nach etwa eineinhalb Jahren und spielte dann eine Zeitlang bei der Band Rosa Extra (später Hard Pop).
Bei Feeling B übernahm Rompe das Mikrofon. Seine markante Stimme, sein anarchisch anmutender Gesangsstil sowie die schnelle, punkig-amateurhafte Musik mit zumeist verspielt-fiependen Keyboardmelodien wurden zum Markenzeichen der Band, die nach dem Weggang von Kriening im Jahr 1984 bis zur Trennung 1993 nur noch aus Rompe, Lorenz und Landers sowie Gastmusikern bestand.
In der Rückschau berichteten Rompes Bandkollegen nebst Gastmusikern, dass der Feeling-B-Sänger immer wieder Probleme mit dem Rhythmus- und Taktgefühl hatte. Dies versuchten seine Mitmusiker auszugleichen. Der dritte Gast-Drummer von Feeling B, Christoph Schneider, heute Schlagzeuger bei der Band Rammstein, sagte dazu in einem Interviewbuch, das 2002 über Feeling B erschien:
Rompes eigentliche Stärke beschreiben Weggefährten bis heute im kreativ-netzwerkenden Bereich. Durch seine umfangreichen Kontakte und sein aufgeschlossen-unbekümmertes Wesen konnte er Menschen motivieren und mitreißen. Auf diese Weise verschaffte er seiner Band in den ersten Jahren viele Auftritte und trug so dazu bei, dass Feeling B als Amateurgruppe in der DDR einen hohen Bekanntheitsgrad erreichte – bis hin zu einer Mitwirkung im 1988er DEFA-Film Flüstern & SCHREIEN – Ein Rockreport. Für diese Produktion war die Band ursprünglich nicht vorgesehen. Sie wurde am Ende aber durch zufällige Umstände und Rompes beharrliches Werben beim Kamerateam einer der Protagonisten des Films und durfte in der Folge im Jahr 1989 die erste offizielle Punkmusikplatte des DDR-Labels Amiga aufnehmen. Sie erschien Anfang 1990 in einer Auflage von 15.000 Stück. Seine zwei Bandkollegen Lorenz und Landers, denen heute oft der größere Anteil an der musikalischen Ausgestaltung der Gruppe zugesprochen wird, bezeichneten ihn aufgrund derartiger Initiativen und Erfolge stets als Kopf der Band, sich selbst als die Füße.
Die Band probte grundsätzlich nur wenig und spielte aufgrund von Rompes Haltung zum Thema Kommerz und Kapitalismus viele Jahre ganz bewusst auf Amateurniveau. Hierzu berichtete Keyboarder Flake Lorenz in einem Interviewbuch Anfang der 2000er-Jahre:
Bandkollege Paul Landers ergänzte im selben Buch:
Eine wichtige Erwerbsquelle in der Frühphase der Band war der Verkauf von selbstgebasteltem Modeschmuck. Hierzu brachte Rompe nach Aussagen seiner Bandkollegen von seinen Fahrten nach Westdeutschland versilberten Kupferdraht mit, den die Musiker zu Ohrringen verarbeiteten. Den Erlös verwaltete Rompe.