Alix von Hessen-Darmstadt – vollständig Ihre Großherzogliche Hoheit Prinzessin Alix Viktoria Helene Luise Beatrix von Hessen und bei Rhein, VA – (* 6. Juni 1872 im Neuen Palais, Darmstadt, Großherzogtum Hessen, Deutsches Reich; † 17. Juli 1918 in Jekaterinburg, Sowjetrussland) war großherzogliche Prinzessin von Hessen-Darmstadt und durch ihre Heirat mit dem späteren Kaiser Nikolaus II. als Alexandra Fjodorowna (russisch Александра Фёдоровна) die letzte Kaiserin von Russland.
Alix wurde als sechstes Kind und vierte Tochter von Großherzog Ludwig IV. von Hessen und bei Rhein und Alice von Großbritannien und Irland, der zweitältesten Tochter Königin Victorias, geboren. Sie wurde am 1. Juli 1872, dem Hochzeitstag ihrer Eltern, getauft. Taufpaten waren ihr Onkel Albert Eduard, Prince of Wales und dessen Ehefrau Alexandra von Dänemark, der zukünftige Zar Alexander III. und seine Gattin Dagmar von Dänemark, Beatrice von Großbritannien und Irland, Auguste von Hessen und Maria Anna Friederike von Preußen. Sie erhielt den Namen Alix, da laut ihrer Mutter der Name „nicht so leicht verketzert werden“ könne wie der Name Alice, „weil man hier meinen Namen umbringt. Man spricht ihn ‚Aliice‘ aus“. Die weiteren Namen erhielt sie zu Ehren ihrer Großmutter Königin Victoria und ihrer englischen Tanten, den Schwestern ihrer Mutter.
Ihre Mutter starb 1878 in Alix’ früher Kindheit an Diphtherie, ebenso wie ihre kleine Schwester Marie, genannt „May“. Ihr Bruder Friedrich (1870–1873), genannt „Frittie“, erlag nach einem Fenstersturz inneren Blutungen, da er die Bluterkrankheit Hämophilie geerbt hatte. Alix’ Vater starb, als sie 20 Jahre alt war. Ihm folgte Alix’ Bruder Ernst Ludwig auf den großherzoglichen Thron. Ihr Cousin war Kaiser Wilhelm II.
Nach dem frühen Tod der Mutter wuchs Alix mit ihren drei Schwestern und dem Bruder größtenteils in Großbritannien auf. Ihrer Großmutter Königin Victoria stand sie sehr nahe. Aufgrund ihrer fröhlichen Art wurde sie in der Familie „Sunny“ genannt.
Alix sah sich bald einem gewissen Druck von Seiten der Familie zu einer frühen, standesgemäßen Heirat ausgesetzt. Sie lehnte einen Antrag ihres Cousins Albert Victor ab (des ältesten Sohns des späteren Königs von Großbritannien und Irland, Eduard VII.). Ihren zukünftigen Mann Nikolaus, einen Cousin zweiten Grades, traf Alix bereits im Alter von zwölf Jahren auf der Hochzeit ihrer Schwester Elisabeth im Jahre 1884. Nikolaus’ Eltern, Maria Fjodorowna und Alexander III., stimmten einer Ehe der beiden nicht gleich zu. Alexander III. mochte zwar Alix’ scheue Art und schätzte ihr ruhiges Naturell, aber Maria Fjodorowna sah in ihr nur die Deutsche. Geboren als Prinzessin Dagmar von Dänemark, war sie eine Tochter von König Christian IX. und hegte seit dem Schleswig-Holsteinischen Krieg (1848–1851) eine Abneigung gegen die Deutschen. Zudem wollte sie für ihren Sohn jemanden von höherem Stand als Frau, etwa die Tochter eines Königs und nicht die eines Großherzogs aus dem kleinen Hessen. Doch ihr Sohn wollte die Ehe mit Alix und konnte seine Mutter letztendlich überzeugen.
Auch Königin Victoria hatte Bedenken wegen einer solchen Verbindung, da ihr Russland nicht lohnend erschien, um Verbindungen auf politischer Ebene einzugehen. Königin Victoria, die Großmutter Europas, hatte alle ihre Töchter so verheiratet, dass sich in traditionellem Sinne „Fäden“ und somit politische Beziehungen in die europäischen Länder ergaben. Doch die Königin hatte auch schon der Verbindung von Alix’ Schwester Elisabeth mit dem Großfürsten Sergej Alexandrowitsch zugestimmt und gab schließlich auch Alix ihren Segen.
Alix, durch den frühen Tod der Mutter sehr religiös geprägt, hatte Bedenken wegen des Übertritts von der lutherischen zur russisch-orthodoxen Kirche, der zur Heirat mit Nikolaus nötig war. Der junge Zarewitsch stellte seiner Braut einen orthodoxen Priester zur Seite, der sie in die Lehren des Glaubens einwies und dessen Zusprache ihr Mut machte. Zudem versicherte ihr ihre Schwester Elisabeth, dass sie ihren Glauben nicht aufgeben müsse und beide Richtungen, den evangelischen und orthodoxen Glauben, miteinander verbinden könne.
Das Paar verlobte sich 1894 in Coburg und heiratete am 26. November 1894 im Winterpalast in Sankt Petersburg:
Die Hochzeit war, nach damaligen Maßstäben, von außerordentlicher Bescheidenheit. Da nur wenige Wochen vorher Alexander III. plötzlich gestorben war, wurde eine prunkvolle Zeremonie während der Trauerzeit als unpassend empfunden. Mit Heirat und dem Übertritt zur russisch-orthodoxen Kirche änderte Alix ihren Vornamen in die orthodoxe Form Alexandra Fjodorowna. Ihre Russisch-Lehrerin wurde Catharina Schneider.
Nach dem Tod Kaiser Alexanders III. wurden Nikolaus und Alexandra im Rahmen einer sehr prunkvollen Zeremonie zum Kaiserpaar gekrönt. Die Krönungszeremonie und ein anschließendes Fest für die Bevölkerung in einem Park wurden von einer Massenpanik mit Tausenden von Toten und Verletzten überschattet, was im Nachhinein als schlechtes Omen für die Regierungszeit angesehen wurde.
Alexandra war weder am Hof noch beim Volk sonderlich beliebt, einerseits wegen fehlender sozialer Fähigkeiten, andererseits auf Grund ihrer deutschen Herkunft. Sie war schüchtern, biss sich bei Zeremonien auf die Lippen, aus Furcht, Fehler zu machen, und ihr Französisch, ein Muss am russischen Hof, war so schlecht, dass die Hofdamen noch Tage später über ihre Fehler Witze machten. So zog sie sich bei gesellschaftlichen Ereignissen schnell zurück und flüchtete sich in Migräneattacken, verursacht durch die eigene Unsicherheit. Hinzu kam in späteren Jahren der negative Einfluss von Rasputin auf die Kaiserin. Die Tatsache, dass sie eine gebürtige Deutsche war, nährte während des Ersten Weltkriegs den Verdacht, es gebe am Zarenhof eine Verschwörung, die einen Sieg des Deutschen Reichs über das Kaisertum Russland anstrebe. All dies trug erheblich zum Legitimitätsverlust der Kaiserfamilie vor der Revolution bei.
Auch sie selbst fühlte sich nach einem eher distanzierten Empfang am Hof dort nicht sehr wohl, machte kaum Anstalten, mit anderen Mitgliedern der großen Romanow-Familie näheren Kontakt zu knüpfen, und nahm an so wenigen Veranstaltungen wie möglich teil. Auch die Tatsache, dass sie immer wieder im Schatten ihrer sehr beliebten Schwiegermutter Maria Fjodorowna stand, trug nicht dazu bei, sich besser in die Familie zu integrieren. Hinzu kam, dass sie nach vier Geburten immer noch keinen männlichen Thronfolger zur Welt gebracht hatte.
Alexandra verteidigte und unterstützte die Politik ihres Mannes auf das Schärfste. Wie er war auch sie eine Verfechterin des Gottesgnadentums und empfand somit ein politisches Mitspracherecht des Volkes in Form eines gewählten Parlaments (in Russland Duma) als überflüssig.
Nikolaus und Alexandra hatten vier Töchter und einen Sohn:
Alle fünf Kinder wurden am 17. Juli 1918 in der Villa Ipatjew in Jekaterinburg erschossen.
Am 12. August 1904 kam der lang erhoffte Thronfolger Alexei zur Welt. Jedoch litt der Zarewitsch an Hämophilie, was nur von Alexandra vererbt sein konnte. Von diesem damals noch sehr gefährlichen genetischen Defekt waren durch die Töchter und Enkeltöchter Königin Victorias mehrere europäische Fürstenhäuser betroffen. Alexandra selbst hatte ihren Onkel (Leopold Georg, Herzog von Albany) und einen Bruder durch diese Krankheit verloren. Die Tatsache, dass der Thronfolger, der einzige männliche Erbe der Zarenfamilie, an dieser unheilbaren Krankheit litt, wurde vor dem russischen Volk geheim gehalten.
Man wandte sich an diverse russische Ärzte und Mediziner, um Alexei zu behandeln, deren Behandlungsversuche erfolglos blieben. Alexandra wandte sich daraufhin immer mehr religiöser Mystik zu. Ein einfacher Wanderprediger hatte einen bis heute ungeklärten Erfolg mit seiner Methode, die hauptsächlich auf Gebeten beruhte: Grigori Rasputin, den sie durch ihre Hofdame Anna Wyrubowa kennengelernt hatte. Er war – im Gegensatz zu den Ärzten – in der Lage, eine größere Verletzung des Zarewitsch zu heilen. Von 1912 an verließ sich die Kaiserfamilie und besonders Alexandra immer mehr auf seine heilenden Fähigkeiten. Mit der Zeit wurde sein Einfluss so groß, dass die politische Autorität der Zarenfamilie während des Ersten Weltkrieges geschmälert wurde, da er über Alexandra Einfluss auf den Zaren gewann. Insbesondere dadurch wurde sie im russischen Adel verhasst.