An diesem Tag

Alice Liddell

Englische Frau (1852–1934), Vorbild für die Heldin in „Alice im Wunderland“

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Alice Pleasance Liddell (Aussprache [ˈlɪdəl]), verheiratete Hargreaves (* 4. Mai 1852 in Westminster; † 16. November 1934 in Westerham), war eine britische Dame der Gesellschaft und aktiv in Wohltätigkeitsorganisationen. Als Mädchen wurde sie zum Vorbild für die Titelfigur in Alice im Wunderland, dem Kinderbuch-Klassiker von Lewis Carroll.

Alice Liddell war eine Tochter des Dekans (Schulleiters) des Christ Church College in Oxford, Henry George Liddell (1811–1898), und seiner Frau Lorina Hanna (1826–1910), Tochter von James Reeve of Lowestoft. Alice war ihr viertes Kind. Sie hatte drei ältere Geschwister, Edward Harry (1847–1911), Lorina Charlotte (1849–1930) und James Arthur Charles (1850–1853), der an Scharlach starb. Ihre sechs jüngeren Geschwister waren Edith Mary (1854–1876), Rhoda Caroline Anne (1859–1949), Albert Edward Arthur (1863–1863), Violet Constance (1864–1927), Frederick Francis „Eric“ (1865–1950) und Lionel Charles (1868–1942). Alice wuchs hauptsächlich zusammen mit ihren beiden nächsten Schwestern auf: Lorina, die drei Jahre älter war, und Edith, der zwei Jahre jüngeren, zu der sie eine sehr enge Beziehung hatte.

Als Alice geboren wurde, war ihr Vater Direktor der Westminster School, wurde aber bald darauf an die Christ Church in Oxford versetzt. 1856 zog die Familie nach Oxford. Kurz nach diesem Umzug, am 25. April 1856, sah Alice zum ersten Mal Charles Lutwidge Dodgson – besser bekannt unter seinem Künstlernamen Lewis Carroll, der als Tutor für Mathematik am College lehrte und wohnte. Er begegnete der Familie Liddell, als er die Kathedrale fotografierte.

Die Schwestern wurden von einer Gouvernante im Haus innerhalb der College-Mauern unterrichtet. Alice erlebte die Jahre im Dekanat mit dem großen privaten Garten als „glückliche Tage der Kindheit“. Außerdem verbrachte sie zusammen mit ihren Eltern und ihren Geschwistern viele Ferien in Penmorfa, einem großen Haus im Seebad Llandudno, das ihre Eltern in den 1860er Jahren als Ferienhaus an der Westküste von Wales hatten bauen lassen. In Oxford machte Alice’ Mutter das Dekanat mit musikalischen Abenden und Dinnerpartys zu einem gesellschaftlichen Treffpunkt, so dass die Kinder die Bekanntschaft einiger der bedeutendsten Persönlichkeiten Großbritanniens machten. Als die Schwestern älter wurden, erhielten sie zusätzlichen Unterricht in Fremdsprachen und Musik sowie in Kunst von John Ruskin.

Als junge Frau lernte Alice während eines Familienurlaubs in Freshwater auf der Isle of Wight die Fotografin Julia Margaret Cameron kennen, die sie und ihre Schwestern in den 1870er Jahren mehrmals fotografierte. Sie porträtierte Alice als Verkörperung mythologischer oder klassischer Gestalten, etwa als Pomona, Aletheia oder Ceres und machte auch Aufnahmen der drei Schwestern zusammen. 1871 unternahm Alice zusammen mit Lorina und Edith eine ausgedehnte Grand Tour durch Europa und hielt ihre Eindrücke in Reisetagebüchern und Skizzen fest. 1876 traf sie ein Schicksalsschlag, als ihre jüngere Schwester Edith kurz vor ihrer Heirat starb. Zu dieser Zeit zeigte Prinz Leopold, der jüngste Sohn der Königin Victoria und Student am Christ Church College, ein romantisches Interesse an Alice. Man nimmt an, dass Alice’ Trauer über den Verlust ihrer Schwester die Beziehung zu Leopold abkühlen ließ. Andere Spekulationen gehen dahin, dass Leopold von seiner Mutter davon abgebracht wurde, eine Beziehung zu einer Bürgerlichen zu pflegen.

Mit 28 Jahren verlobte sich Alice im Juli 1880 mit Reginald Gervis Hargreaves (1852–1926), der ebenfalls am Christ Church-College studiert hatte, und heiratete ihn wenig später am 15. September 1880 in der Westminster Abbey. Sie bezog mit ihm Cuffnells, ein repräsentatives georgianisches Herrenhaus mit 165 Acre Land in Lyndhurst im Bezirk New Forest in der Grafschaft Hampshire, das sich seit 1856 im Besitz der Familie ihres Mannes befand. Dieser hatte ein beträchtliches Vermögen geerbt und war örtlicher Friedensrichter sowie im Gemeinderat. Alice wurde eine bekannte Dame der Gesellschaft und war die erste Präsidentin des Emery Down Women's Institute im eine Meile westlich gelegenen Ort Emery Down. Das Paar spendete großzügig für Schul- und Kirchengelder, Dorfaktivitäten und örtliche Einrichtungen wie das 1908 von George Fenwick gegründete Hospital oder die Feuerwache. Alice führte den Haushalt mit zahlreichen Bediensteten, veranstaltete Bälle, zeichnete, malte, fertigte Holzschnitzereien und kümmerte sich um die Kindererziehung. Während des Ersten Weltkriegs trat sie als Freiwillige dem Roten Kreuz bei. Das Paar hatte drei Söhne: Alan Knyveton Hargreaves (1882–1915), Leopold Reginald „Rex“ Hargreaves (1883–1916) (benannt nach seinem Paten Prinz Leopold), die beide im Ersten Weltkrieg fielen, und Caryl Liddell Hargreaves (1887–1955), der überlebte und mit Madeleine Hanbury-Tracy eine 1931 geborene Tochter hatte. Der Tod der beiden ältesten Söhne traf das Ehepaar tief. Zudem mussten sie Ländereien verkaufen, um ihr renovierungsbedürftiges Anwesen, das sich nicht selbst trug, zu unterhalten.

Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1926 führte Alice weiterhin ein aktives soziales und kulturelles Leben, aber es wurde zunehmend schwieriger, Cuffnells zu halten. Der Unterhalt war so teuer, dass Alice es 1928 für nötig erachtete, ihr Exemplar von Alice’ Abenteuer unter der Erde und weitere Erinnerungsstücke zu versteigern. Das Manuskript erzielte beinahe das Vierfache des vom Auktionshaus Sotheby’s festgelegten Mindestgebots und wurde für 15.400 Pfund Sterling verkauft. Es ging in den Besitz von Eldridge R. Johnson über und wurde 1932 zu Carrolls 100. Geburtstag in der Columbia University ausgestellt. Alice, nun 80 Jahre alt, war als Ehrenrednerin zur Feier eingeladen. Sie reiste mit ihrer Schwester Rhoda und ihrem Sohn nach New York und wurde mit dem Ehrentitel Doctor of Letters ausgezeichnet. Ihre letzten Jahre bis zu ihrem Tod 1934 verbrachte sie in ihrem Haus The Breaches in Westerham in der Grafschaft Kent.

Alices Grab befindet sich auf dem Friedhof an der Südseite der Pfarrkirche St Michael and All Angels in Lyndhurst. Das Landgut Cuffnells ging als Erbe an ihren Sohn Caryl, wurde nach ihrem Tod als Hotel geführt, während des Zweiten Weltkriegs beschlagnahmt und 1948 verkauft. Da das Haus in einem schlechten Zustand war, wurde es schließlich abgerissen. Das Manuskript von Alice’ Abenteuer unter der Erde wurde nach Eldridge R. Johnsons Tod im Jahr 1945 von einer Gruppe amerikanischer Bibliophiler gekauft und 1948 dem britischen Volk geschenkt „in Anerkennung des Mutes der Briten, Hitler entgegenzutreten, bevor Amerika in den Krieg eintrat“. Es wird heute in der britischen Nationalbibliothek aufbewahrt. Einige Fotos befinden sich in der Sammlung des Metropolitan Museum of Art, darunter die von Carroll gefertigten Bilder „The Beggar Maid“, „Edith, Ina and Alice Liddell on a Sofa“, „Edith Liddell Seated Beside a Vase of Foxgloves“, ein Porträtfoto von 1870 sowie die von Julia Margaret Cameron gemachten Fotos „Pomona“ und „King Lear Alotting His Kingdom to His Three Daughters“, die Alice in Verkleidung zeigen. Alice’ Rote-Kreuz-Medaille für ihren Einsatz im Ersten Weltkrieg wird im Museum of Oxford ausgestellt, zusammen mit weiteren Gegenständen aus ihrem Leben, darunter Uhren, Scheren, ein Kartenetui, Bleistifte und Bücher.

Alice’ Beziehung zu Lewis Carroll

Lewis Carroll wurde bald nach ihrer ersten Begegnung 1856 ein häufiger Besucher der Familie. Er nahm Alice, Lorina und Edith oft zu Bootsfahrten und Picknicks in der malerischen Umgebung Oxfords mit und erzählte ihnen zum Zeitvertreib fantastische Geschichten.

Die Schwestern standen häufig Modell für Carrolls zweites Hobby, die Fotografie. Fotos aus dieser Zeit zeigen Alice verkleidet als Bettlermädchen in zerlumpter Kleidung oder Alice und Lorina in orientalischer Tracht. In all diesen Jahren war Alice seine klare Favoritin. Sie war die Heldin seiner Geschichten, während Lorina und Edith nur Nebenrollen spielten.

Im Sommer 1863, als Alice Liddell elf Jahre alt war, fand Carrolls enge Beziehung zu Alice ein abruptes Ende und er traf sowohl die Kinder als auch ihre Eltern mehrere Monate lang nicht. Es gibt keine Aufzeichnungen darüber, wie es dazu kam, da Carrolls Erben später die betreffende Seite seines Tagebuchs vernichteten. Carroll selbst erwähnte Alice in seinem Tagebuch erst im folgenden Dezember erneut, und im darauffolgenden Sommer 1864 waren den Kindern weitere Ausflüge auf dem Fluss verboten. Man weiß aus Äußerungen von Alice im späten Leben, dass ihre Mutter alle Briefe aus der Feder von Carroll an die junge Alice beseitigt hatte. In Folge sah Carroll die Familie Liddell außerhalb des universitären Umfelds nur noch sporadisch.

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