An diesem Tag

Algernon Sidney

Englischer Politiker und Revolutionär

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Algernon Sidney (* 14. Januar/15. Januar 1623 in Baynard’s Castle, London; † 7. Dezember 1683 in London) war ein englischer Politiker, ein politischer Philosoph und ein Gegner Karls II. von England. Mit seinem Opus Betrachtungen über Regierungsformen beeinflusste er neben John Locke die amerikanische Unabhängigkeitserklärung und die amerikanische Verfassung.

Algernon Sidney kam in Baynard’s Castle in London im Jahre 1623 als zweiter Sohn des Robert Sidney, 2. Earl of Leicester, zur Welt.

Unter der Regierung Karls I. (1625–1649)

Seine Eltern stammten aus alten englischen Adelsgeschlechtern. Seine Mutter Dorothy war eine Percy. Ihre Familie der Earls of Northumberland war bekannt für ihr tiefes Verständnis von Ehre und ihre Kriegskunst – und für ihr Aufbegehren Königen gegenüber. In Richard II. und Henry IV. beschreibt William Shakespeare Henry de Percy, der einen König stürzte und gegen einen anderen kämpfte.

Die Sidneyseite der Familie war eher gebildet und gelehrt. Am bekanntesten ist sein Großonkel Sir Philip Sidney, der Dichter und Günstling am Hofe der Königin Elisabeth I. war und der 37 Jahre vor der Geburt Algernon Sidneys starb. Algernon Sidney bewunderte ihn. Er eiferte ihm in seiner Wissbegierde ebenso sehr nach wie in seinem Kampfgeist, mit dem sein Großonkel sein Leben in der Schlacht von Zuphten verlor.

Seine frühe Kindheit verbrachte Algernon Sidney in Penshurst, das der Familiensitz in der Grafschaft Kent war. Sein Vater war Diplomat und ein Gelehrter auf seinem Gebiet. Seine umfangreiche Bibliothek umfasste Tausende von Büchern, die von Philosophie, Politik, Geschichte und Religion sowohl in der Antike als auch in der Gegenwart handelten. Seine Kinder unterrichtete der Earl of Leicester selbst. Algernon Sidney und sein älterer Bruder begleiteten ihn, als er 1632 als englischer Gesandter an den Hof des Königs Christians IV. von Dänemark nach Rendsburg ziehen musste. Auf dem europäischen Festland tobte bereits der Dreißigjährige Krieg, in dem Dänemark mit Schweden um die Vormachtstellung im Ostseeraum kämpfte. Beide Söhne kamen auch im Mai 1636 nach Paris mit, als dort ihr Vater an dem Hof des Königs Ludwig XIII. von Frankreich die englischen Interessen vertreten musste. In Frankreich verband seinen Vater eine tiefe Freundschaft mit dem niederländischen Juristen und berühmten politischen Philosophen Hugo Grotius, der schwedischer Gesandter am französischen Hofe war. Seine Anschauungen stellte der Earl in seinen Notizen und Berichten als gleichbedeutend mit denen anderer politischer Denker dar. Viele Jahre später wurde berichtet, dass Algernon Sidney Grotius’ Werk Über das Recht des Krieges und des Friedens als das wichtigste von allen Bücher bezeichnete, die sich mit politischer Theorie befassten.

Algernon Sidney und sein Bruder

Am Hofe in Frankreich entwickelte sich Algernon Sidney schnell und war allseits in der Gesellschaft beliebt. Seine Mutter schrieb in einem Brief an ihren Mann vom 10. November 1636, dass „sie von allen, die von dort [Paris] kommen, nur Gutes über ihn [Algernon Sidney] hört, von seinem übermäßigen Verstande und ebenso sehr wie von seinem liebenswürdigen Wesen“ (George Van Santvord : ). In seinem Leben tauchte immer wieder eine Frage von grundsätzlicher Natur auf, ob Menschen kraft ihrer Erstgeburt oder von Gottes Gnaden den Anspruch auf Herrschaft haben. Später sollte er dafür plädieren, dass der Herrschaftsanspruch durch Verdienst und nicht durch Geburt erworben werden müsse und dies am ehesten in einer Republik zu verwirklichen sei. So galt sein älterer Bruder Phillip, der zukünftige Earl of Leicester, als „dumm, faul und verdorben“, während Algernon als „geistreich, energisch und ehrenwert“ geschildert wurde. Ihr Vater versuchte später den Unterschied auszugleichen, indem er Algernons Bruder in wichtigen Punkten enterbte und seinem zweitältesten Sohn so viel wie möglich zukommen ließ.

1641 erhoben sich die Iren unter der Führung von Rory O’More und eroberten Dublin. Algernon Sidney zog mit seinem Bruder Philip, der das Kavallerieregiment seines Vaters für den Earl anführen musste, im Oktober 1641 in den Krieg, während ihr Vater die Stelle als englischer Gesandter in Rom antrat. Im Kampf gegen die Aufständischen zeichnete sich Algernon Sidney mehrmals wegen Tapferkeit vor dem Feinde aus. Er erhielt das Lieutenantpatent seines Vaters, dann weitere Auszeichnungen und kehrte im August 1643 als Lord Lieutenant of Ireland mit seinem Bruder nach England zurück, wo er vom englischen Bürgerkrieg überrascht wurde, der mittlerweile zwischen dem englischen König Karl I. und dem Parlament ausgebrochen war. In Lancashire erhielten beide den Einsatzbefehl des Königs, sich ihm in Oxford anzuschließen.

Das Parlament erfuhr davon, ließ beide „zu ihrem Schutz in Gewahrsam nehmen“ und sie nach London bringen. In London kostete es nur wenig Mühe, Algernon Sidney davon zu überzeugen, in die Armee des Parlaments einzutreten. Der König hielt die Sache für ein von vornherein abgekartetes Spiel und war von ihrem Verrat überzeugt, da sie sich seiner Meinung nach hätten widersetzen und fliehen müssen. In dieser Situation war es für Algernon Sidney ein Leichtes, auf die Seite des Parlamentes überzutreten, zumal das Parlament ihm 2000 £ zur Begleichung seiner Schulden bewilligte. In diesem Bürgerkrieg gehörte er nun den als Roundheads oder Rundköpfe bezeichneten Anhängern des Parlaments an, das gegen die Anhänger des Königs, die sogenannten cavaliers oder Kavaliere kämpfte. Bereits am 10. Mai 1644 ernannte man ihn zum Hauptmann der Kavallerie, die dem Earl of Manchester unterstand. Kurze Zeit danach avancierte er zum Oberstleutnant. In einer der Entscheidungsschlachten bei Marston Moor am 2. Juli 1644 wechselte er an die Spitze seines Regimentes und wurde schwer verwundet. Nur mit Mühe konnte er sich vor der Gefangennahme retten. Ein Augenzeuge berichtete, dass 'Oberst Sidney an der Spitze des Kavallerieregimentes meines Lord Manchesters mit einer solchen Tapferkeit den Angriff führte und mit vielen Wunden daraus hervorging, die wahren Abzeichen seiner Ehre. Am 2. April 1645 erhielt er den Oberbefehl über ein Kavallerieregiment, das der Division Oliver Cromwells in der Armee des Generals Thomas Fairfax unterstand.

Am 10. Mai 1645 wurde Algernon Sidney Gouverneur in Chichester im Süden Englands. Oliver Cromwell schlug die royalistischen Truppen in der Schlacht von Naseby am 14. Juni 1645 vernichtend. Es war die letzte Entscheidungsschlacht. Im September unterlagen die Hochlandpartisanen des Königs der schottischen Armee, und Karl I. ergab sich am 5. Mai 1646 der schottischen Armee. Mittlerweile war Algernon Sidney seit Dezember 1645 als Abgeordneter für das Borough Cardiff Mitglied des House of Commons und hatte dieses Mandat bis 1653 inne.

Im Juli 1646 ging Algernon Sidney nach Irland, wo sein Bruder Lord Lieutenant war, und wurde dort zum Generalleutnant der Kavallerie und zum Gouverneur von Dublin ernannt. Von 1648 bis 1651 war er Lord Warden of the Cinque Ports.

Inmitten des Bürgerkrieges lernte der fünfundzwanzigjährige Algernon Sidney die bildhübsche, aufregende, aber einfache Lucy Walter kennen. Sie war erst siebzehn und wurde gerade in die Gesellschaft in London eingeführt, nachdem ihre adlige Familie ihr ganzes Hab und Gut verloren hatte, weil sie sich auf die Seite des Königs geschlagen hatte. Lucy Walter wurde seine Mätresse. Die Affäre dauerte ein Jahr, bevor sie dann die Geliebte seines Bruders Robert wurde.

Am 7. Mai 1647 erhielt Algernon Sidney den Dank des House of Commons für seine guten Dienste in Irland und wurde anschließend zum Gouverneur von Dover ernannt. Nach einer Reihe von Rückschlägen war König Karl I. zur schottischen Armee geflohen. Im Juni 1647 wurde er jedoch an das englische Parlament ausgeliefert, da er nicht der presbyterianischen Kirche beitreten wollte. In London versuchten die parlamentarischen Gruppen und Oliver Cromwell, sich mit König Karl I. auf eine Staatsreform zu einigen. Karl I. taktierte, spielte einzelne Gruppierungen gegeneinander aus und brachte mit Versprechungen die presbyterianischen Schotten dazu, sich abermals gegen das englische Parlament zu erheben. Oliver Cromwell schlug den Aufstand nieder und nahm König Karl I. auf der Isle of Wight gefangen. Er und seine Anhänger, die so genannten Independents, zwangen das englische Parlament, ein Gesetz zu verabschieden, das weitere Verhandlungen mit Karl I. als Hochverrat betrachtete. In dieser Zeit stand Algernon Sidney in Opposition zur Partei der Presbyterianer und auf Seiten der Independents, kritisierte aber Oliver Cromwell und seine Anhänger, als diese die gemäßigteren Abgeordneten aus dem Parlament verdrängten. Die übrigen Abgeordneten, das so genannte „Rumpfparlament“, setzten ein Gericht ein, das über den König urteilen sollte und in das Algernon Sidney berufen wurde. Am 20. Januar 1649 begann der Prozess in der Westminster Hall. Karl I. sprach dem Gericht jegliche Rechtmäßigkeit ab und weigerte sich, zur Anklage Stellung zu nehmen. Algernon Sidney hatte an der Gesetzesmäßigkeit des Prozesses ebenso sehr Zweifel wie an der Unvoreingenommenheit des Gerichtes, zumal der Prozess von Oliver Cromwell und seinen Anhängern vorangetrieben wurde.

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