An diesem Tag

Alfried Krupp von Bohlen und Halbach

Deutscher Industrieller, Leiter des Krupp-Konzerns

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Alfried Felix Alwyn Krupp von Bohlen und Halbach (* 13. August 1907 in Essen; † 30. Juli 1967 ebenda) war ein deutscher Ingenieur, nationalsozialistischer Kriegsverbrecher und letzter persönlicher Alleininhaber der Firma Fried. Krupp. Als Ältester von acht Geschwistern stammte er mütterlicherseits aus der Familie Krupp, väterlicherseits aus der Familie von Bohlen und Halbach.

Alfried Krupp von Bohlen und Halbach wurde als ältester Sohn seiner Eltern Gustav und Bertha Krupp von Bohlen und Halbach auf dem Wohnsitz der Familie Krupp, der Villa Hügel, geboren, wo er zusammen mit seinen Geschwistern aufwuchs. Sein Taufpate war Kaiser Wilhelm II. Er besuchte das Realgymnasium in Essen-Bredeney, die heutige Goetheschule, studierte von 1928 bis 1934 Ingenieurwissenschaften in München, Berlin und Aachen und schloss sein Studium an der TH Aachen mit dem akademischen Grad des Diplomingenieurs ab. Danach absolvierte er eine Volontärszeit bei der Dresdner Bank in Berlin.

Krupp von Bohlen und Halbach heiratete 1937 die Tochter eines Hamburger Kaufmanns, Annelise Lampert geb. Bahr (1909–1998). Mit ihr hatte er den Sohn Arndt von Bohlen und Halbach. Die Ehe wurde 1941 aufgrund von familiärem Druck geschieden. Alfried beugte sich dem Druck und willigte in die Scheidung ein. Dies sollte sich für die Beziehung Alfried Krupp von Bohlen und Halbachs zu seinem Sohn als nachteilig erweisen: Arndt wurde von seiner Mutter, die aus der Essener Villa Hügel vertrieben worden und enttäuscht war, auf Distanz zur Familie Krupp von Bohlen und Halbach gebracht. Später wurde Arndt von seinem Vater und anderen als wenig geeignet zur Leitung der Firma Krupp befunden. Dies wurde teils auch auf den Einfluss der von den Krupps enttäuschten Mutter zurückgeführt.

Im Jahr 1952 heiratete Krupp von Bohlen und Halbach in zweiter Ehe Vera Knauer geb. Hossenfeldt (geschiedene von Langen, Wisbar und Knauer, 1909–1967). Die Ehe wurde 1957 wieder geschieden.

Jahrelange Familientradition der Krupps war die Mitgliedschaft im norddeutschen Heimatbund Männer vom Morgenstern. Dem Vater Gustav war dieses Anliegen sehr wichtig, weil die Familie Bohlen aus dem Elbe-Weser-Dreieck stammte. Nach dem Tode des Vaters wurden Alfried und sein Bruder Berthold ebenfalls fördernde Mitglieder.

Alfried Krupp von Bohlen und Halbach war die letzte Person mit diesem Nachnamen. Der Namenszusatz „Krupp“ vor dem Nachnamen war laut Verfügung Wilhelms II. wie auch der Lex Krupp Adolf Hitlers nur von solchen Personen zu führen, die auch Inhaber der Firma Krupp waren. Mit dem Übergang des Unternehmens in eine Stiftung wurde diese gesetzliche Anordnung gegenstandslos.

1935 trat Alfried Krupp von Bohlen und Halbach in das Familienunternehmen, die Fried. Krupp AG, ein. Er war zunächst in der Hauptverwaltung des Konzerns in Essen tätig. Zum 1. Oktober 1936 wurde er stellvertretender Direktor mit Prokura. Im Oktober desselben Jahres wurde er Assistent des Leiters der Abteilungen für Rüstungsproduktion und Artilleriekonstruktion. 1938 wurde er Leiter der Rohstoff- und der Rüstungsabteilung. Am 22. März 1941 wurde Alfried von Bohlen und Halbach Mitglied des Direktoriums (Vorstand) mit einem Jahresgehalt in Höhe von 60.000 Reichsmark.

Am 16. Mai 1940 kam Alfried von Bohlen und Halbach auf Einladung des Betriebsführers von Henkel in Düsseldorf mit Ruhrindustriellen aus Essen zusammen, um mit Beginn des Frankreichfeldzuges über die Zukunft beschlagnahmter Fabrikanlagen zu verhandeln.

Im März 1943 wurde Alfried von Bohlen und Halbach in Nachfolge seines Vaters Gustav Vorsitzender des Direktoriums der Fried. Krupp AG. Zu diesem Zeitpunkt verfügte seine Mutter Bertha über nahezu alle Aktien der Fried. Krupp AG. 1943 wurde die Fried. Krupp AG von einer Aktiengesellschaft in ein Familienunternehmen umgewandelt, dessen Alleininhaber ein Familienmitglied werden sollte. Analog zum kaiserlichen Dekret (Namensvermehrungsbrief) wurde dem Inhaber durch den sogenannten Führererlass Lex Krupp der Name Krupp seinem jeweiligen Familiennamen vorgestellt. Zweck der Lex Krupp war außerdem, dem Unternehmen die Zahlung der Erbschaftssteuer zu ersparen. Von Bohlen und Halbach durfte also erst durch die Ermächtigung Adolf Hitlers den Namen „Krupp“ seinem Geburtsnamen voranstellen. Seine Geburtsurkunde wurde am 17. Juni 1944 beim Standesamt Essen-Bredeney geändert.

Am 15. Dezember 1943 wurde Alfried Krupp von Bohlen und Halbach alleiniger Inhaber der Firma Krupp. Zu diesem Zeitpunkt war die Firma ein bedeutendes Industrieunternehmen und einer der wichtigen Rüstungslieferanten des nationalsozialistischen Deutschen Reichs.

Beziehungen zum Nationalsozialismus

Krupp von Bohlen und Halbach war bereits seit 1931 förderndes Mitglied der SS. Er war Mitglied des Nationalsozialistischen Fliegerkorps, in dem er zuletzt den Rang eines Standartenführers innehatte. 1937 wurde er – ebenso wie sein Vater – zum Wehrwirtschaftsführer ernannt. Zudem war er Stellvertreter seines Vaters in dessen Funktion als Kuratoriumsvorsitzender der Adolf-Hitler-Spende der deutschen Wirtschaft.

Zum 1. Dezember 1938 wurde Alfried Krupp in die NSDAP aufgenommen (Mitgliedsnummer 6.989.627). Der Aufnahmeantrag wurde am 11. November 1938 gestellt, ging aber nicht, wie sonst üblich, an den Reichsschatzmeister der Partei, sondern am 13. November mit einem Schreiben von Martin Bormann, Stabsleiter von Rudolf Heß, zunächst an den Essener Gauleiter Josef Terboven. Einen Fragebogen der Partei füllte Krupp unter dem Datum des 27. November 1938 aus. Außerdem war er Mitglied des Rüstungsrats beim Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion. Nach Kriegsbeginn war er für die Demontage von Betrieben in den von der Wehrmacht besetzten Gebieten und deren Aufbau im Deutschen Reich verantwortlich. Krupp von Bohlen und Halbach wurde mit dem Kriegsverdienstkreuz II. und I. Klasse ausgezeichnet.

Im Jahr 2022 initiierte die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung ein unabhängiges Forschungsprojekt, um mehr über die Haltung von Alfried Krupp von Bohlen und Halbach zum Nationalsozialismus zu erfahren. Die Ergebnisse der von Eckart Conze geleiteten Quellenrecherche wurden im Juli 2023 vorgestellt. Warum Krupp bereits 1931 Fördermitglied der SS wurde, konnte dabei noch nicht abschließend geklärt werden. In die NSDAP sei Krupp nicht aus eigener Initiative, sondern auf direkte Anordnung Hitlers eingetreten, nachdem er am 1. Oktober 1938 Vollmitglied des Krupp-Direktoriums geworden war. In welcher Form und mit welcher Begründung Krupp zum Parteieintritt aufgefordert wurde, sei aber unklar. Klar sei, dass Krupp sich dem NS-Regime anpasste. Seine öffentlichen Wortmeldungen zeigten Krupp „als Teil einer Wirtschaftselite, die bereit war, deutsche Kriegserfolge und Besatzungsherrschaft zum eigenen Vorteil auszunutzen.“ Auf führende Akteure des NS-Regimes machte Krupp dabei einen sehr positiven Eindruck.

Das Rechercheprojekt hat Quellen zutage gefördert, die nun im Rahmen weiterer Forschung ausgewertet werden. Die Ergebnisse sollen in einem multiperspektivischen Sammelband von 8 bis 10 Autoren veröffentlicht werden. Eine Expertenkommission von Historikern hat dies empfohlen.

Einsatz von Zwangsarbeitern während des Zweiten Weltkriegs

Während des Zweiten Weltkrieges beschäftigte die Firma Fried. Krupp, wie auch alle anderen großen deutschen Unternehmen, Zwangsarbeiter. Aufgrund der stetigen Fluktuation ist eine Gesamtzahl nicht zu ermitteln, der höchste Personalstand an Kriegsgefangenen und ausländischen Zivil- bzw. Zwangsarbeitern zu einem Stichtag lag am 1. Januar 1943 bei ungefähr 25.000. Mittlerweile geht man von mindestens 100.000 Zwangsarbeitern aus.

Ab Mitte 1942 plante das Unternehmen ohne staatlichen Druck die Produktionsstandorte „Berthawerk“ in Markstädt (Niederschlesien) und insbesondere Auschwitz, weil dort KZ-Zwangsarbeiter verfügbar waren. Nachdem im März 1943 die Zünderwerkstatt in Essen ausgebombt worden war, wurde bei einer Besprechung in Anwesenheit von Alfried Krupp Auschwitz als Ausweichproduktionsort festgelegt. Nach dem Krieg sagte Krupp aus, die Initiative für den Standort Auschwitz sei damals vom Oberkommando des Heeres ausgegangen. Tatsächlich kam der Vorschlag aber von den Vertretern der Firma. Im September 1943 versuchte Alfried Krupp noch, den Standort Auschwitz für die Firma zu halten. Dort arbeiteten zu diesem Zeitpunkt 270 Häftlinge für das Unternehmen. Über den Einsatz der KZ-Zwangsarbeiter im Berthawerk, deren Anzahl und desolaten Gesundheitszustand, war Krupp bestens informiert. Das Unternehmen versuchte aktiv, die Zahl der Zwangsarbeiter dort zu erhöhen.

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