Alfredo Stéfano Di Stéfano Laulhé (* 4. Juli 1926 in Buenos Aires, Argentinien; † 7. Juli 2014 in Madrid, Spanien) war ein argentinischer Fußballspieler und ‑trainer, der 1956 die spanische Staatsangehörigkeit erhalten hatte. Ab 2000 war er Ehrenpräsident seines langjährigen Vereins Real Madrid.
Di Stéfano gewann mit River Plate zweimal die argentinische Meisterschaft (1945, 1947). Mit dem CD Los Millonarios errang er als Kopf des „blauen Balletts“ viermal die kolumbianische Meisterschaft (1949, 1951, 1952, 1953) und einmal den kolumbianischen Pokal (1953). Zudem gewann er in seiner erfolgreichsten Zeit als Stütze des „weißen Balletts“ mit Real Madrid acht Mal die spanische Meisterschaft (1954, 1955, 1957, 1958, 1961, 1962, 1963, 1964), einmal den spanischen Pokal (1962), fünfmal in Folge den Europapokal der Landesmeister (1956, 1957, 1958, 1959, 1960), zweimal den Coupe Latine (1955, 1957) sowie einmal den Weltpokal (1960).
Mit der argentinischen Nationalmannschaft gewann Di Stéfano die Südamerikameisterschaft (1947). Er spielte auch in der spanischen Nationalmannschaft und verpasste 1957 mit dieser überraschend die Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 1958.
Als Trainer gewann Di Stéfano bei seinen zahlreichen Stationen (Spanien, Portugal, Argentinien) zweimal die Argentinische Meisterschaft (1969, 1981), einmal mit Boca Juniors und einmal mit River Plate. Zudem gewann er mit dem FC Valencia die spanische Meisterschaft (1971) und den Europapokal der Pokalsieger (1980). Auch gelang ihm der Wiederaufstieg mit Valencia in die Primera División (1987). Mit Real Madrid gewann er als Trainer die Supercopa de España (1990).
Der Stürmer wurde in Argentinien (1947), Kolumbien (1951, 1952) und Spanien Torschützenkönig (1954, 1956 bis 1959), ebenso wie beim Europapokal der Landesmeister (1958, 1962).
Di Stéfano wurde zweimal mit dem Ballon d’Or als Europas Fußballer des Jahres (1957, 1959) und als einziger Spieler der Geschichte mit dem Súper Ballón d’Or (1989) zu Europas Fußballspieler der letzten drei Jahrzehnte ausgezeichnet. Er gehört zudem zu Pelés FIFA 100 und belegte bei der FIFA-Wahl zum „Spieler des Jahrhunderts“ den vierten Platz. 2007 erhielt Di Stéfano den UEFA President’s Award und 2008 wurde er zum UEFA Ehrenpräsident ernannt. Seit 2000 war er Ehrenpräsident von Real Madrid und ihm zu Ehren trägt die Sportstätte des Real Madrid Castilla (seit 2006) den Namen Estadio Alfredo di Stéfano bzw. gibt es die Alfredo-Di-Stéfano-Trophäe (Marca) für den besten Spieler der Primera División.
Di Stéfano starb im Alter von 88 Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes in einem Krankenhaus in Madrid. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 wurde zu seinem Gedenken vor dem Anstoß des Halbfinalspiels zwischen Argentinien und den Niederlanden eine Gedenkminute eingelegt und Argentinien spielte mit Trauerflor.
Alfredo Di Stéfano wurde am 4. Juli 1926 als ältester Sohn von Alfredo Di Stéfano Senior und dessen französischstämmiger Frau Eulalia (geb. Laulhé Gilmont) in Buenos Aires geboren. Sein Großvater väterlicherseits Michele Di Stefano (auf Italienisch ohne Akzent) war Italiener und von der Insel Capri nach Argentinien eingewandert. Die Familie lebte im Stadtviertel Barracas und betrieb eine Rinderzucht. In den Straßen und Hinterhöfen dieses Viertels am südöstlichen Stadtrand der Millionenmetropole nahm die Fußballleidenschaft des jungen Alfredo ihren Anfang und seit frühester Kindheit jagte er mit seinen Geschwistern oder Nachbarskindern einem Ball hinterher. Die Begeisterung für diesen Sport war ihm gleichsam in die Wiege gelegt worden, denn sein Vater impfte ihm die Liebe zu River Plate ein, dem Klub, für den er selbst einmal aktiv war (von 1910 bis 1912), und förderte das Talent des Jungen. Nachdem Alfredo zunächst in Stadtteilmannschaften wie Unidos y Venceremos und Imán aktiv gewesen war, absolvierte er 1941 ein Probetraining bei River Plate. Die Jugendtrainer waren von seinen Fähigkeiten überzeugt und verschafften dem Talent einen Platz in der Jugendmannschaft der Millonarios. Dort wurde Di Stéfano fortan fußballerisch ausgebildet und er rückte 1944 in die Reservemannschaft auf. Durch seine Leistungen wurde er bald ein Kandidat für den Profikader.
River Plate galt in den 1940er Jahren als die mit Abstand beste Vereinsmannschaft Südamerikas. Erfolgsgarant war der als La Máquina („Die Maschine“) bezeichnete Wundersturm um Adolfo Pedernera, Félix Loustau, Juan Carlos Muñoz, Ángel Labruna und José Manuel Moreno, der die Gegner reihenweise vor nahezu unlösbare Aufgaben stellte. Der 18-jährige Di Stéfano rückte in den Kader dieser Ausnahmemannschaft auf und debütierte am 15. Juli 1945 in der Partie gegen Club Atlético Huracán (2:1). Da jedoch der erfahrene Adolfo Pedernera auf der Position des Mittelstürmers gesetzt war, wurden Di Stéfano kaum Einsatzchancen eingeräumt, weshalb er zustimmte, an Huracán ausgeliehen zu werden, um Spielpraxis sammeln zu können. In seiner ersten vollen Profisaison (1945/46) bestritt er für die Vorstadtmannschaft 25 Ligaspiele und erzielte zehn Tore. Nach diesem gelungenen Gastspiel kehrte Di Stéfano selbstbewusst zu River Plate zurück. Er wurde zunächst Stammspieler als Rechtsaußen, doch bald erkannte Trainer José María Minella seine Qualitäten als Torjäger und beorderte ihn ins Sturmzentrum. Aufgrund seines robusten Körperbaus, seiner atemberaubenden Schnelligkeit und unglaublicher Tempodribblings setzte er sich auf der Position des Mittelstürmers durch und verdrängte Altstar Pedernera, der zu Club Atlético Atlanta wechselte. Mit 27 Toren in 30 Spielen wurde Di Stéfano Torschützenkönig und leistete damit einen erheblichen Beitrag zum Gewinn der argentinischen Meisterschaft. Presse und Fans waren vom blonden Stürmer begeistert und gaben ihm aufgrund seiner Haarfarbe sowie enormen Schnelligkeit den Spitznamen La Saeta Rubia („Der blonde Pfeil“).
CD Los Millonarios (1949 bis 1953)
In den Jahren 1948/49 behinderten hartnäckige Auseinandersetzungen zwischen Ligaverband und der Spielergewerkschaft FAA den regulären Spielbetrieb der argentinischen Primera División erheblich. Die Gewerkschaft rief langwierige Spielerstreiks aus, um Mindestgehälter für Profis durchzusetzen. Als Konsequenz dieser Streitigkeiten suchten zahlreiche argentinische Stars ihr Glück im Ausland, viele davon zog es nach Kolumbien, um dort in der 1948 gegründeten Profiliga Dimayor zu spielen. Die Dimayor war de facto eine Abspaltung vom offiziellen Verband und nahm auf damals übliche Modalitäten wie fristgerechte Freigaben von Vereinen und Ablösezahlungen keine Rücksicht, was zum zeitweisen Ausschluss des Landes vom Weltverband FIFA führte. Auf Anraten Pederneras, der eine führende Position in der Spielergewerkschaft bekleidete, wechselte Di Stéfano gemeinsam mit seinem Mannschaftskameraden Néstor Rossi nach Kolumbien. Ohne Wissen River Plates, das keinerlei Transferentschädigung erhielt, unterzeichneten beide im August 1949 einen Vertrag beim finanzstarken Hauptstadtklub CD Los Millonarios. Dessen Präsident und Gönner war der steinreiche Unternehmer Alfonso Senior Quevedo, ein Mitbegründer der Dimayor. Am Saisonende standen die Millonarios mit Deportivo Cali punktgleich an der Tabellenspitze, setzten sich aber in den notwendigen Entscheidungsspielen durch (1:0, 3:1) und gewannen schließlich den ersten Meistertitel ihrer Vereinsgeschichte. Die Mannschaft, die aufgrund ihres herausragenden Kurzpassspiels als Balet Azul („Blaues Ballett“) in die Historie einging, dominierte die Dimayor. Von 1951 bis 1953 folgten drei weitere Meisterschaften und ein Pokalsieg 1953. Zum unumstrittenen Star avancierte Di Stéfano, der mit seinen Toren (Torschützenkönig 1951 und 1952) und überragenden Leistungen erheblichen Anteil an den Erfolgen hatte. Daneben zogen die Millonarios bei Freundschaftsspielen in Europa die Aufmerksamkeit auf sich. Insbesondere im Turnier anlässlich des 50-jährigen Bestehens von Real Madrid 1952 beeindruckte Di Stéfano die Fachwelt und den Vorstand der „Königlichen“, die sich den Südamerikanern mit 2:4 geschlagen geben mussten.