Alfred Schmidt (* 19. Mai 1931 in Berlin; † 28. August 2012 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Philosoph. Er gilt als „Pionier einer undogmatisch-emanzipatorischen Marx-Rezeption“.
Alfred Schmidt studierte Geschichte sowie Englische und Klassische Philologie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, später auch Philosophie und Soziologie. Der Schüler von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno kam aus einfachen Verhältnissen. Schmidts Vater war Mechaniker, was einen spürbaren Gegensatz zu dem kaufmännischen (Horkheimer) bzw. intellektuellen Familienhintergrund (Adorno) seiner Lehrer darstellte.
1960 wurde Alfred Schmidt mit einer Arbeit über den Begriff der Natur bei Karl Marx promoviert, die „ein neues Kapitel der Marx-Rezeption“ aufschlug. In 18 Sprachen übersetzt, wurde sie „zu einem der meistgelesenen Bücher in der europäischen Protestbewegung“ der 1960er- und 1970er-Jahre. 1972 wurde Schmidt Professor für Philosophie und Soziologie an der Universität Frankfurt als Nachfolger von Jürgen Habermas auf dem Lehrstuhl von Max Horkheimer. Seine „Donnerstagsvorlesung war in den 1980er Jahren legendär und zog auch viele Fachfremde an“. 1999 wurde Schmidt emeritiert, er hielt aber weiter Vorlesungen.
Die Hauptforschungsgebiete von Alfred Schmidt waren die Kritische Theorie der Frankfurter Schule, Geschichte des Materialismus, Religionsphilosophie, Freimaurerforschung, Ludwig Feuerbach und Schopenhauer. Ferner wurde er als Übersetzer englischer und französischer Schriften tätig.
Alfred Schmidt war Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland und Ehrenmitglied der Schopenhauer-Gesellschaft. Er gehörte der Frankfurter Freimaurerloge Zur Einigkeit an. Im Jahre 1989 wurde ihm die Goetheplakette der Stadt Frankfurt am Main und 1998 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.
Seinen Nachlass erhielt im November 2012 das Archivzentrum der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg der Goethe-Universität Frankfurt am Main, darunter zahlreiche Korrespondenzen, Manuskripte, elektronische Unterlagen von drei überlieferten Rechnern und seine umfangreiche Privatbibliothek (260 laufende Meter, rd. 8.000 Bücher) in über 600 Umzugskisten.
Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt am Main (1989): Eine hohe kulturelle Auszeichnung der Stadt Frankfurt für Persönlichkeiten, die sich um Kunst, Kultur oder die Wissenschaft verdient gemacht haben – Schmidt wurde für sein philosophisches Werk und seine Wirkung in der Stadt geehrt. Frankfurt.de
Bundesverdienstkreuz am Bande (1998): Verliehen im Rahmen des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland – diese staatliche Auszeichnung würdigt Schmidts wissenschaftliche Leistungen und sein Engagement in der Erwachsenenbildung sowie sein philosophisches Gesamtwerk. IDW Online
Ehrenmitgliedschaft der Schopenhauer-Gesellschaft (ca. 2001): Schmidt wurde zudem als Ehrenmitglied der Schopenhauer-Gesellschaft anerkannt, was seine Verdienste um die Erforschung und Vermittlung der Schopenhauer-Philosophie unterstreicht. frankfurter-personenlexikon.de
Ehrengrab: Nach seinem Tod wurde Schmidt auf dem Frankfurter Hauptfriedhof ein Ehrengrab gewidmet – ein Ausdruck städtischer Würdigung seines Lebenswerks. dewiki.de
Der Begriff der Natur in der Lehre von Karl Marx. Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1962, 4. Aufl. 1993, ISBN 3-434-46209-0.
Geschichte und Struktur. Fragen einer marxistischen Historik. Hanser, München 1971, ISBN 3-446-11504-8.
Emanzipatorische Sinnlichkeit. Ludwig Feuerbachs anthropologischer Materialismus. Hanser, München 1973, ISBN 3-446-11652-4.
Zur Idee der Kritischen Theorie. Elemente der Philosophie Max Horkheimers. Hanser, München 1974, ISBN 3-446-11863-2.
mit Werner Post: Was ist Materialismus? Kösel, München 1975, ISBN 3-466-40000-7.
Die Kritische Theorie als Geschichtsphilosophie. Hanser, München 1976, ISBN 3-446-12201-X.
Drei Studien über Materialismus. Schopenhauer. Horkheimer. Glücksproblem. Hanser, München 1977, ISBN 3-446-12460-8.