An diesem Tag

Alfred Mombert

Deutscher Schriftsteller und Lyriker

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Alfred Mombert (* 6. Februar 1872 in Karlsruhe; † 8. April 1942 in Winterthur) war ein deutscher Schriftsteller, Dichter und Lyriker sowie aufgrund seiner jüdischen Abstammung ein Verfolgter des NS-Regimes aus rassistischen Gründen.

Mombert war ein Sohn des jüdisch-deutschen Kaufmanns Eduard Mombert und dessen Ehefrau Helene Gombertz; der Nationalökonom Paul Mombert war sein Cousin. 1890 bestand er am humanistischen Großherzoglichen Gymnasium in seiner Heimatstadt Karlsruhe das Abitur und absolvierte anschließend als Einjährig-Freiwilliger seinen Militärdienst.

Danach begann er an den Universitäten Heidelberg, Leipzig und Berlin Rechtswissenschaften zu studieren. 1896 legte Mombert in Heidelberg sein erstes Staatsexamen ab und wurde im darauffolgenden Jahr – ebenfalls in Heidelberg – promoviert (ohne Dissertation). Nach Einsatz als Rechtspraktikant, Hilfsarbeiter und Dienstverweser an verschiedenen badischen Gerichten und Behörden sowie in der Anwaltspraxis seines Schwagers Otto Gutman in Karlsruhe bestand er 1899 die zweite Staatsprüfung. Sein Gesuch auf Verwendung im badischen Staatsdienst wurde jedoch abgewiesen. Zwischen 1899 und 1906 war er als Rechtsanwalt mit eigener Kanzlei in Heidelberg tätig, wo er mit einer Unterbrechung während der Münchner Jahre (1909–1911) bis 1940 lebte. 1906 gab er schließlich seinen Beruf auf und widmete sich ganz der Schriftstellerei.

Daneben studierte er u. a. Geografie und Orientalistik und unternahm bis 1939 zahlreiche Reisen, so immer wieder nach Italien und in die Schweiz, aber auch, damals noch ungewöhnlich, in zahlreiche weitere, zum Teil außereuropäische Länder wie Ägypten, Algerien, Griechenland, Holland, Kroatien, Marokko, Monaco, Norwegen, Österreich, Palästina, Portugal, Spanien, Schweden, Syrien, die Tschechoslowakei und Tunesien. Im Rahmen mythologischer Studien beschäftigte er sich intensiv mit antiken, nordischen, altorientalischen und indischen Mythen, auf deren Grundlage er unter dem Einfluss der intensiven Auseinandersetzung mit Friedrich Nietzsche sowie unter dem Eindruck eines als Lebenswende empfundenen Visionserlebnisses (Januar 1894) eine Art von mythologisch-kosmologischer Privatreligion entwickelte, die in seiner mythisch-kosmischen Dichtung seit Der Glühende zur Entfaltung gelangte.

Seine mystisch-visionären Werke wurden u. a. von Friedrich Kurt Benndorf, Richard Benz, Martin Buber, Hans Carossa, Richard Dehmel, Herbert Eulenberg, Oskar Loerke, Alfons Paquet und Stanisław Przybyszewski, der Teile seiner Werke ins Polnische übertrug, hoch geschätzt. Unverheiratet und sehr zurückgezogen in großer Einsamkeit lebend, oft allein auf Reisen, seit 1939 zusammen mit seiner verwitweten älteren Schwester Ella Gutmann wohnend, war er gleichwohl freundschaftlich verbunden mit Schriftstellern und Künstlern wie Carossa, Ida und Richard Dehmel, mit Buber, Max Dauthendey, Herbert Eulenberg, Hermann Hesse, Gustav Landauer, Rudolf Pannwitz, Hans Reinhart, Emanuel Lešehrad, der Teile seines Werks ins Tschechische übertrug, Emil Rudolf Weiß, der ihn porträtierte und die Einbandgestaltung der von Mombert publizierten Gedichtbände übernahm, und Gustav Wolf, der Zeichnungen zu Werken des Dichters schuf. Auch mit den bildenden Künstlern Hermann Haller (Bildnisbüste), Karl Hofer (mehrere Porträts) und Arthur Zweiniger (Bildnisbüste) stand Mombert in Kontakt. Briefe zeugen von der über die räumliche Distanz gepflegten langjährigen Liebesbeziehung zu einer lange Zeit unbekannten Pianistin mit dem Decknamen Vasanta, die inzwischen als Charlotte Kaufmann (1880–1960) identifiziert werden konnte. Auch zu der Sängerin Gertrud Full, die Vertonungen seiner Gedichte in ihrem Repertoire hatte, stand er in regelmäßigem Briefkontakt. Während des I. Weltkrieges war Mombert seit 1915 als Unteroffizier des Landsturms zunächst in Baden-Baden, seit 1916 in Polen eingesetzt. Seine Verwendung in der Verwaltung des Festungslazaretts ermöglichte ihm die Fortsetzung seiner schriftstellerischen Tätigkeit auch während des Krieges.

1919 wurde Mombert Mitglied des Kunst- und Kulturrates für Baden, im selben Jahr umbenannt in Gemeinschaft der Pforte, der sich in seinem von Richard Benz formulierten und 1919 im Oktoberheft der Zeitschrift Die Tat veröffentlichten Programm glücklich pries, mit ihm „den Größten, der heute in deutscher Sprache dichtet [...] zu uns zählen“ zu dürfen. 1921 wurde er Mitglied der Richard-Dehmel-Gesellschaft. 1928 wurde er in die Preußische Akademie der Künste aufgenommen. Am 5. und 6. Februar 1932 wurde sein sechzigster Geburtstag in Heidelberg feierlich begangen, am 18. Februar in Zürich.

Am 5. Mai 1933 wurde er von dem am 13. März 1933 eingerichteten und von Joseph Goebbels geleiteten Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda aus rassistischen Gründen wegen seiner jüdischen Abstammung zusammen mit Alfred Döblin, Leonhard Frank, Ludwig Fulda, Georg Kaiser, Bernhard Kellermann, Thomas Mann, Rudolf Pannwitz, Alfons Paquet, René Schickele, Fritz von Unruh, Jakob Wassermann und Franz Werfel aus der Akademie ausgeschlossen. Das Verbot seiner Werke folgte 1934. Mombert, den seine Herkunft nicht daran hinderte, sich unter Preisgabe der jüdischen Religion und Tradition vorbehaltlos mit der deutschen Sprache, Kultur und, als begeisterter Wanderer und Bergsteiger, mit der Naturschönheit Deutschlands zu identifizieren, blieb deshalb dennoch in Deutschland und pflegte einen regen Briefwechsel mit seinen Freunden. „Er konnte nicht glauben, daß die Deutschen ‚ihren‘ Dichter ‚verrieten‘, weil er jüdischer Abstammung war.“ 1935 verweigerte der Insel Verlag die Annahme von Sfaira der Alte. Das Werk erschien dann 1936 im jüdischen Verlag Salman Schocken. Im Oktober 1940 wurde Mombert im Zuge der Wagner-Bürckel-Aktion zusammen mit seiner Schwester ins Lager Camp de Gurs in Südfrankreich deportiert, wo er bis April 1941 interniert war. Auf Initiative Hans Reinharts und mit Unterstützung Carossas und der Sängerin Else Domberger, die als Kurier fungierte, wurde er schließlich in das Internierten-Sanatorium, die Maison de retraite in Idron-par-Pau verlegt, wo er bis zu seiner Ausreise ins Schweizer Exil verblieb und die noch im Frühjahr 1940 in Heidelberg begonnene und im Lager Gurs unter schwierigsten Bedingungen weitergeführte Arbeit am zweiten Teil von Sfaira der Alte fortsetzte.

Sein Schicksal deutete er sich, immer wieder eigene Verse zitierend, als schicksalhafte Wiederholung des in seinem Werk bereits Ausgesagten und Geschehenen. Sein Freund Hans Reinhart erreichte mit Unterstützung Hans Carossas und der Sängerin Else Domberger schließlich, dass der schwer Erkrankte zusammen mit seiner Schwester im Oktober 1941 in die Schweiz ausreisen durfte, wo er am 8. April 1942 in Winterthur in Reinharts Villa Kareol an den Folgen des Lageraufenthalts verstarb. Im Park der Villa fand er seine Ruhestätte, die mit einer durch Arthur Zweiniger gestalteten Porträtbüste ausgestattet wurde. Die Büste wurde nach dem Tode Hans Reinharts 1963 in der Eingangshalle der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe aufgestellt, da dort auch seine durch den Einsatz von Richard Benz gerettete Bibliothek aufbewahrt wird. Zuvor war es ihm noch vergönnt gewesen, den zweiten Teil von Sfaira der Alte zu vollenden und durch den Einsatz des Freundes als Gabe zum 70. Geburtstag im Druck zu sehen und ausgewählten Freunden, darunter Ida Dehmel, Widmungsexemplare zukommen zu lassen.

Momberts etwa 4600 Bände umfassende Büchersammlung befindet sich seit 1950 in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe. Bedeutende Teile des Nachlasses liegen weiterhin als Kriegsbeute im Staatsarchiv Moskau. Ein Teil des Moskauer Nachlasses kam in den 1960er Jahren zurück in das Zentralarchiv der DDR und nach der Wende 1993 über das Bundesarchiv ebenfalls in die Badische Landesbibliothek.

Mombert steht mit seinem Selbstverständnis als visionärer Dichter und spiritueller Seher in der Tradition Friedrich Hölderlins und Friedrich Nietzsches. Seine Lyrik hat bei allen Unterschieden mit der Stefan Georges und Rainer Maria Rilkes gemeinsam, dass sie mit der Tradition des Naturalismus bricht, dass sie trotz Bezügen zum Symbolismus und Frühexpressionismus keiner zeitgenössischen Richtung eindeutig zugewiesen werden kann und dass sie ihrem esoterischen Anspruch nach mit der auf intuitionistischer Schau beruhenden dichterischen Gestaltung alles Wirkliche und alles erlebte Leben transzendiert. Dessen Bedeutung hingegen scheint sich lediglich darin zu erschöpfen, für die allein sinnstiftende und damit erst Wirklichkeit im eigentlichen Sinn schaffende Dichtung den Rohstoff zu liefern, es wird aber als solches nicht als werthaltig angesehen. Im Spätwerk des mit Theodor Däubler, Arno Holz, Otto zur Linde, Rudolf Pannwitz, Albert Verwey und Karl Wolfskehl zur Gruppe der Kosmiker zählenden Dichters dominieren mythisch-kosmologische Dramen, in denen sich ein zyklisches Geschichts-, Menschen- und Weltbild manifestiert.

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