Alfred Ernst Christian Alexander Hugenberg (* 19. Juni 1865 in Hannover; † 12. März 1951 in Kükenbruch) war ein deutscher Montan-, Rüstungs- und Medienunternehmer, Politiker (DNVP) und während der ersten Monate nach Hitlers Machtergreifung 1933 Reichsminister für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ernährung in dessen erstem Kabinett. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern des völkischen und antisemitischen Alldeutschen Verbandes, der zeitweise einer der größten und bekanntesten Agitationsverbände war. Mit seinem Hugenberg-Konzern, einem Medienkonzern, der die Hälfte der deutschen Presse kontrollierte, trug er mit nationalistischer und antidemokratischer Propaganda maßgeblich zur Zerstörung der Weimarer Republik bei.
Alfred Hugenberg wurde als Sohn des Königlich Hannoverschen Schatzrats und späteren Mitglieds des preußischen Landtages Carl Hugenberg (1836–1882) und dessen Ehefrau Erneste, geb. Adickes (1841–1917), in Hannover geboren. 1900 heiratete er Gertrud Adickes (1878–1960, seine Cousine 2. Grades), die Tochter des damaligen Frankfurter Oberbürgermeisters Franz Adickes. Alfred und Gertrud Hugenberg hatten einen Sohn und drei Töchter.
Hugenberg studierte Jura in Göttingen, Heidelberg und Berlin und schloss ein volkswirtschaftliches Studium 1888 in Straßburg mit einer Dissertation über das Thema Innere Colonisation im Nordwesten Deutschlands bei Georg Friedrich Knapp ab. In diesem Werk entfaltete er in rassistischem Duktus zwei Themen, die für seine Karriere lebenslang bestimmend bleiben sollten: Zum einen wollte er durch Förderung bäuerlicher Siedlung ein politisches Gegengewicht zu den deutschen Industriegebieten darstellen, wo sozialdemokratische Industriearbeiter die Bevölkerungsmehrheit bildeten. Dadurch würde zudem die Auswanderung von Deutschen nach Russland und in die USA vermindert werden, „in deren Schlund wir Jahr für Jahr die neuen Schösslinge unserer Volkskraft hineinstoßen“. Davon befürchtete er eine Schwächung der deutschen „Rasse“. Hugenberg dachte dabei nicht nur an Moorkolonisation in Nordwestdeutschland, das eigentliche Thema seiner Dissertation, sondern auch an Ostdeutschland, wo er den überschuldeten Großgrundbesitz enteignen lassen wollte. Zum anderen forderte Hugenberg auch eine Expansion nach Übersee:
Hugenberg wollte also die Selbstständigkeit Deutschlands dadurch erreichen, dass den Menschen anderer Weltteile ihre Selbstständigkeit vorenthalten würde.
Nach seinem Assessorexamen trat Hugenberg eine Stelle als stellvertretender Landrat in Wesel an. Im Jahr darauf erhielt er in Posen eine leitende Funktion in der Ansiedlungskommission. Diese sollte durch Ansiedlung deutscher Familien im Sinne seiner Dissertation die Germanisierung der Provinz Posen fördern. 1899/1900 war er kurzzeitig in der Provinzialverwaltung von Hessen-Nassau in Kassel tätig, doch kehrte er bald nach Posen zurück, wo er Direktor des Verbandes ländlicher Genossenschaften innerhalb der Raiffeisengenossenschaften wurde.
Zum 1. Januar 1908 schied Hugenberg aus dem Staatsdienst aus und trat in den Vorstand der Frankfurter Berg- und Metallbank von Richard Merton. Ab 1. Oktober 1909 leitete er bis 1918 als Vorsitzender des Direktoriums das Finanzwesen der Friedrich Krupp AG. 1915 war er Gründungsmitglied des Verbandes Freie Ukraine. Von 1912 bis 1925 war er Vorsitzender des Vereins für die bergbaulichen Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund und des Zechenverbandes sowie seit 1919 Mitglied im Präsidium des Reichsverbandes der Deutschen Industrie und Mitglied des Vorstands und Ausschusses Deutscher Arbeitgeberverbände. 1916 übernahm Hugenberg den bedeutenden Scherl-Verlag, der eine deutsch-nationale Ausrichtung hatte. 1913 bis 1919 war er Präsident der Handelskammer für Essen, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen zu Essen.
Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs formulierte Hugenberg gemeinsam mit dem Alldeutschen Heinrich Claß, den Industriellen Hugo Stinnes und Emil Kirdorf sowie Vertretern des Bundes der Industriellen und des Bundes der Landwirte im November 1914 sehr weitgehende Kriegsziele: Eroberte Gebiete im Osten sollten nach dem Sieg zum Ausgleich der sozialen Frage von deutschen Soldaten und Arbeitern besiedelt werden. Nach dem Krieg würden die Arbeiter nämlich „gesteigerte Ansprüche an die Gesetzgebung und die Arbeitgeber“ richten: Daher sei es gut, „die Aufmerksamkeit des Volkes und der Phantasie Spielraum zu geben in bezug auf die Erweiterung der deutschen Gebiete“. Im Frühjahr 1915 legte er mit einer Petition von insgesamt sechs Verbänden nach: Kaiser Wilhelm II. wurde aufgefordert, dem Ruf nach Frieden, der von verschiedener Seite erhoben worden war, nicht zu folgen, sondern den Krieg fortzusetzen, damit Deutschland stärker und wirtschaftlich abgesicherter aus ihm hervorgehen könne. Gefordert wurde unter anderem ein Kolonialreich, das den mannigfachen ökonomischen Bedürfnissen des Deutschen Reiches dienen solle und Reparationen. Belgien solle kaiserlicher Gesetzgebung unterworfen werden und militärisch, zolltechnisch, postalisch und währungspolitisch dem Reich zugeschlagen werden. Teile Frankreichs, Polens und des Baltikums wären zu annektieren und nach einer ethnischen Flurbereinigung rücksichtslos zu germanisieren.
Um der von ihm als negativ bewerteten Friedensresolution etwas entgegenzusetzen, die die demokratischen Parteien im Reichstag am 19. Juli 1917 mit ihrer Mehrheit angenommen hatten, finanzierte Hugenberg die Gründung der annexionistischen Zeitschrift Deutschlands Erneuerung. Herausgeber war der antisemitische Publizist Houston Stewart Chamberlain. Aus dem gleichen Grund war Hugenberg neben Alfred von Tirpitz und Wolfgang Kapp einer der Mitbegründer der Deutschen Vaterlandspartei, einer extrem nationalistischen Sammlungsbewegung, die noch weitergehende Kriegsziele forderte, darunter Eroberungen süd- und westfranzösischer Gebiete, deren Bewohner deportiert werden sollten, und die Eliminierung des Judentums. Diese antisemitische Forderung machte Hugenberg sich nicht zu eigen, er sprach sich aber auch nicht dagegen aus. Obwohl er persönlich mit Juden befreundet war und auch in seinem Konzern beschäftigte, setzte Hugenberg in seinen Presseorganen antisemitische Vorurteile funktional gegen politische Gegner ein. Er hinderte auch nicht Heinrich Claß daran, dem Alldeutschen Verband eine antisemitische Ausrichtung zu geben.
Medienunternehmer im Kaiserreich und der Weimarer Republik
In seinen Zeitungen propagierte er die Ideen von der Volksgemeinschaft, von Herrenmensch und Untermensch und vom Volk ohne Raum.
Bereits 1912 führte Hugenberg eine verdeckte Pressekontrollbehörde, in der er versuchte, Einfluss auf die Meinungsbildung zu gewinnen. 1913 kaufte er von dem Legationsrat von Schwerin vier kleinere Nachrichtenbüros, die er zur Telegraphen Union GmbH (TU) zusammenschloss. Das langfristige Ziel lag im Angriff auf das Monopol des Wolffschen Telegraphen-Bureaus (WTB). August Scherl setzte 1913 Reichskanzler Bethmann-Hollweg davon in Kenntnis, dass er sich von Stammanteilen seines Konzerns im Wert von 8 Millionen Mark trennen werde. Er ließ verlauten, dass Rudolf Mosse ihm für diese 11,5 Millionen Mark biete; er würde die Anteile jedoch „Freunden der Regierung“ für 10 Millionen überlassen. Das Unternehmen, neben Ullstein und Mosse einer der drei großen Berliner Mediengiganten, wurde schließlich von Baron Simon Alfred von Oppenheim und dem Kölner Finanzier Louis Hagen mit einer Finanzierung von 8 Millionen Mark aufgefangen. Am 5. Februar 1914 legte Scherl die Geschäftsführung nieder.
Die neue Holding Deutscher Verlagsverbund machte jedoch bald Schulden in Millionenhöhe. Die Käufer wendeten sich an die Reichsregierung. Diese wiederum wurde mit Hugenberg handelseinig, der dem Deutschen Verlagsverein die Tilgung der Schulden zusicherte, unter der Voraussetzung, dass ihm die Anteilsmehrheit am Scherl-Unternehmen übertragen würde. Am 25. März 1916 übernahm Hugenberg den Vorsitz in Scherls ehemaligem Unternehmen. Zu den Unterstützern der Übernahme gehörte das preußische Innenministerium, das Hugenberg im August 1914 sowie im Jahre 1916 je 2,5 Millionen Mark zur Verfügung gestellt hatte.