Alfred Frey (* 24. August 1859 in Bern; † 22. September 1924 in Zürich), heimatberechtigt in Gontenschwil und seit 1906 in Zürich, war ein Schweizer Ökonom und liberaler Wirtschaftspolitiker.
Alfred Frey war der Sohn des Schriftstellers Jakob Frey und von dessen Ehefrau Rosina (1830–1890), Tochter des Gastwirts und Amtmanns Samuel Hunziker aus dem Bezirk Kulm; seine Geschwister waren seine Schwester Lili, der Schriftsteller Adolf Frey und Emil Frey (1856–1895), Gründer der Volksversicherung.
Er war mit Emma (geb. Burger) aus Freienwil verheiratet; gemeinsam hatten sie vier Söhne und zwei Töchter.
Alfred Frey wurde auf dem Friedhof Rehalp in Zürich beigesetzt.
Nach dem Besuch der Mittelschule absolvierte Frey eine kaufmännische Lehre in Todtnau im Wiesental und erwarb die Matura; kurzzeitig war er auch als Sekretär des Jugendschriftstellers Julius Lohmeyer tätig.
Er immatrikulierte sich 1878 zu einem Studium der Rechtswissenschaften, Geschichte und der Nationalökonomie an der Universität Zürich und setzte das Studium ab 1880 an der Universität Berlin, der Universität Leipzig und der Universität Paris fort. Er beendete das Studium mit seiner Promotion.
Von 1883 bis 1900 war er 1. Sekretär des Schweizerischen Handels- und Industrie-Vereins (siehe Economiesuisse), dessen Präsident Conrad Cramer-Frey bis 1900 war. Frey war ab 1900 Mitglied der Geschäftsführung des Handels- und Industrie-Vereins sowie seit 1907 dessen Vizepräsident und, als Nachfolger von Hans Wunderly-von Muralt, von 1917 bis zu seinem Tod dessen Präsident; ihm folgte Ernst Wetter als Mitglied und John Syz als Präsident. In seiner Funktion als Sekretär erstellte er unter anderem die Jahresberichte des Handels- und Industrie-Vereins und war an der Erstellung verschiedener Gutachten beteiligt, so unter anderem 1887 beim Gutachten über das schweizerische Banknotenwesen und später, gemeinsam mit Edmund Wilhelm Milliet, zum Tabakmonopol; 1914 wurden beide mit einer Untersuchung zur Einführung des Tabakmonopols beauftragt, das dann jedoch nicht eingeführt wurde.
Er trug zu verschiedenen Themen auch in der Versammlung der Kaufmännischen Gesellschaft Zürich vor, unter anderem 1894 zur Kranken- und Unfallversicherung.
Als Verwaltungsrat war er unter anderem bei der Schweizerischen Rentenanstalt (siehe Swiss Life), der Neuen Zürcher Zeitung, der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt, der Schweizerischen Kreditanstalt (siehe Credit Suisse), dem Kraftwerk Beznau-Löntsch (siehe Axpo Holding), der Aluminium-Industrie AG Neuhausen (siehe Alusuisse), der Bank für elektrische Unternehmungen (siehe Elektrowatt) und den Schweizerischen Bundesbahnen tätig.
In der Schweizer Armee hatte Alfred Frey den Dienstgrad eines Oberstleutnants.
Alfred Frey war ein Wirtschaftspolitiker und beteiligte sich bereits 1885 mit Beiträgen zum Volkswirtschaftslexikon der Schweiz von Alfred Furrer (1847–1902).
Vom 19. März 1900 bis zu seinem Tod war er, als Nachfolger für den verstorbenen Conrad Cramer-Frey, für die FDP im Nationalrat; dort war er an der Revision des Zolltarifs von 1902 beteiligt und in der Zoll-, bis 1916 in der Finanz- und in verschiedenen sozialpolitischen Kommissionen vertreten. Er war auch Konsulent des Bundesrats in handels- und zollpolitischen Fragen und Delegierter beim Abschluss von Handels- und Zollverträgen, bei denen er sich für das Schutzzollsystem einsetzte. Er war massgeblich am Zolltarif von 1902 beteiligt sowie an den bis 1906 geführten Konferenzen über Handelsverträge mit Italien, Frankreich, Deutschland, Österreich-Ungarn und Spanien, ebenso während des Ersten Weltkriegs an der Versorgung des Landes mit Lebensmitteln und Rohstoffen wie nachher an der Erhaltung der Exportfähigkeit der Industrie und Schutzmassnahmen gegen Wareneinfuhr.
Bis zu seinem Lebensende führte er im Auftrage der Bundesbehörden Verhandlungen mit auswärtigen Regierungen und war noch 1923 Experte der Internationalen Handelskammer an der vom Völkerbund einberufenen Zollkonferenz in Genf. Als Präsident der Zolltarifkommission trägt die schweizerische Zolltarifgesetzgebung jener Zeit seinen Geist; Theodor Odinga folgte ihm im Präsidentenamt.
Viel beachtet waren seine formvollendeten, von überzeugender Durchschlagskraft erfüllten Reden, so über den Eintritt der Schweiz in den Völkerbund, an deren Verhandlungen er beteiligt war, und er war, als Mitglied der Kommission zur Vorberatung des Gotthardvertrags, ein Gegner desselben sowie des Getreidemonopols.
Mit dem Willen, in jeder Hinsicht unabhängig zu bleiben, lehnte er ihm angetragene Präsidien in Nationalrat und Kommissionen sowie 1917 selbst die Wahl in den Bundesrat ab.
Er war auch Mitglied der Kommission des Schweizerischen Kaufmännischen Vereins, die mit der Organisation der Lehrlingsprüfungen beauftragt war.
1896 wurde er durch den Regierungsrat des Kantons Zürich in die Aufsichtskommission der Kantonsschule (siehe Kantonsschule Rämibühl) gewählt, bis er 1924 von seiner Mitgliedschaft zurücktrat.
Im Jahr 1901 wurde er in die Expertenkommission berufen, die den Vorentwurf des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs prüfte.