An diesem Tag

Alexander Wilson

Amerikanischer Ornithologe, Zeichner und Schriftsteller

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Alexander Wilson (* 6. Juli 1766 in Paisley, Schottland; † 23. August 1813 in Philadelphia) war ein amerikanischer Ornithologe, Zeichner und Schriftsteller. Der gelernte Weber schrieb zunächst in seiner schottischen Heimat gesellschaftskritische Gedichte, in denen er das Elend der schottischen Unterschicht anklagend der Oberschicht gegenüber darstellte. Aufgrund verschiedener Probleme wanderte Wilson 1794 nach Amerika aus. Dort begann er ab 1804 mit der enzyklopädischen Darstellung der nordamerikanischen Vogelwelt in Form der Buchserie „American Ornithology“. Im August 1813 verstarb Alexander Wilson noch vor Fertigstellung der letzten beiden Bände seiner Enzyklopädie.

Wilson wurde als fünftes von sechs Kindern eines schottischen Webers und Schnapsbrenners in Seedhills, einem Stadtteil von Paisley, geboren und erhielt den gleichen Namen wie sein Vater. Seine Mutter Mary M’Nab starb an Tuberkulose, als der Junge zehn Jahre alt war. Nachdem sein Vater schnell wieder geheiratet hatte, verließ Alexander Wilson im Alter von zwölf oder dreizehn Jahren die höhere Schule, auf die er mit dem Ziel einer Ausbildung zum Priester geschickt worden war, um zunächst als Hirte zu arbeiten und 1779 bei seinem Schwager William Duncan das Weberhandwerk zu erlernen. Nachdem er die dreijährige Lehre abgeschlossen hatte, bereiste er als Hausierer Schottland, immer wieder unterbrochen durch kurze Zeiten der Anstellung als Weber, zum Teil bei verschiedenen Verwandten. Briefe aus dieser Zeit belegen, dass Wilson der Arbeit als Weber und Hausierer nur widerwillig nachging und vor allem von der Arbeit am Webstuhl Gesundheitsschäden davontrug. Schon in seiner Jugend soll Wilson großes Interesse für die Natur gezeigt haben.

Der gesellschaftskritische Poet

In dieser Zeit kam Wilson mit einer Stilrichtung schottischer Dichter in Kontakt, die Werke im Dialekt ihrer Heimat verfassten. Vor allem Robert Burns machte großen Eindruck auf ihn. Bald begann er selbst Gedichte zu schreiben. Einige Jugendwerke wurden in der Zeitung Glasgow Advertiser veröffentlicht. Wilsons Werke dieser frühen Schaffensphase reichen von naiver Natur- und Liebeslyrik bis zu sozialkritischen und naturalistischen Gedichten. In seinen letzten Jahren in Schottland dominierten die kritischen Werke. Es geht in ihnen um zerfallende Familien, Auseinandersetzungen zwischen Arbeitgebern und -nehmern sowie allgemein um das Leben der schottischen Unterschichten dieser Zeit. Diese Werke hatten vor allem beschreibenden und anklagenden Charakter der Oberschicht gegenüber. Sie stellten nicht die Forderung nach einer bestimmten politisch-sozialen Lösung dieser Probleme in den Vordergrund.

Mehrfach versuchte Wilson, einen Verleger für seine Werke zu finden, hatte damit jedoch erst 1789 Erfolg. Die Sammlung seiner Werke mit dem Titel Poems, Humorous, Satirical, and Serious erschien 1790. Sie umfasste 308 Seiten in Oktavform und erschien in zwei Auflagen, zunächst mit 700, dann mit 500 Exemplaren. Wilson versuchte das Buch während seiner Hausierertouren zu verkaufen. Die Nachfrage war gering, so dass er mit seinem ersten Geschichtenband vermutlich finanzielle Verluste machte. Möglicherweise deswegen zog Wilson von Paisley in das nahe gelegene Lochwinnoch um. Von dort aus reiste er mehrfach nach Edinburgh, um poetische Werke für die Zeitschrift Bee und an verschiedene literarische Gesellschaften einzureichen. Seine 1792 erschienene Ballade Watty and Meg or the Taming of a Shrew erreichte mit sieben oder acht Auflagen als einzige eine größere Verbreitung und wird noch heute als Wilsons gelungenstes poetisches Werk angesehen.

1793 geriet Wilson zunehmend in gesellschaftliche und politische Schwierigkeiten, die schließlich zu seiner Auswanderung nach Amerika führten. Seine Schilderungen des Elends der Unterschichten waren zunehmend durch die Amerikanische Unabhängigkeitsbewegung und die Französische Revolution beeinflusst worden und hatte ihn in Konflikt mit der Obrigkeit gebracht. Ihm wurde vorgeworfen, dass er unter den Webern Edinburghs Unruhe schüre. Darüber hinaus hatte er satirische Texte verfasst, die Fabrikbesitzer der Region lächerlich machten. Vor allem eine Veröffentlichung mit dem Titel The Shark, or Lang Mills detected führte zu Anzeigen und Gerichtsurteilen gegen ihn, da sich der Manufakturbesitzer William Sharp durch sie persönlich angegriffen fühlte. Wilson musste seine Schriften öffentlich auf einer Wegkreuzung in Paisley verbrennen und erhielt eine kurze Zuchthausstrafe, weil er eine Geldstrafe wegen Verleumdung nicht zahlen konnte.

Eine Rolle bei der Entscheidung für das Auswandern mag auch eine gescheiterte Liebesaffäre mit einer Frau namens Mathilda gespielt haben, der er eines seiner populäreren Gedichte widmete. Darüber hinaus ging es Wilson auch finanziell schlecht, vermutlich auch, weil das Schreiben seiner Gedichte ihm wenig Zeit für seine Arbeit als Weber und Hausierer ließ. Geldstrafen wegen seiner gesellschaftskritischen Schriften verschärften seine Lage zusätzlich, weshalb er sich mehrmals Geld leihen musste.

In Belfast ging der Dichter gemeinsam mit seinem 16-jährigen Neffen William Duncan als Deckspassagier an Bord des Schiffes The Swift, mit dem er am 23. Mai 1794 ablegte und das er am 14. Juli in Delaware in den USA verließ. Wilson zog mit seinem Neffen den Delaware River hinauf nach Philadelphia und arbeitete in dieser Zeit als Tagelöhner, Hausierer, Drucker und Weber. Vor allem während seiner Hausiererreisen, die ihn unter anderem nach New Jersey führten, fertigte er Aufzeichnungen über die Natur an. 1796 fand Wilson eine Stelle als Lehrer an einer Schule in Milestown (Pennsylvania), rund 30 Kilometer entfernt von Philadelphia. Dort blieb er bis 1801, als er den Ort wegen einer Affäre mit einer verheirateten Frau, der er noch einige Zeit später Gedichte widmete, verlassen musste. Kurzfristig fand er in Bloomfield in New Jersey erneut Arbeit als Lehrer, bevor er auf eine gut besoldete Lehrerstelle an einer Schule in Gray’s Ferry (Pennsylvania) wechselte. Dort begann er auch wieder Gedichte zu schreiben, die seinem Frühwerk in Schottland gegenüber eine deutlich höhere Qualität zeigten. Um 1800 hatte sich Wilson für kurze Zeit mit dem Plan getragen, sich im Bundesstaat New York als Farmer niederzulassen, was er aber schnell wieder aufgab. Die Familie seines Neffen William Duncan siedelte sich dort an, hatte jedoch wenig wirtschaftlichen Erfolg.

In Gray’s Ferry begann Wilson sich auch stärker mit der Naturbeobachtung zu befassen. Anstoß dazu war die Bekanntschaft mit seinem Nachbarn William Bartram, der einen der ersten botanischen Gärten in Nordamerika betrieb. Bartram stellte Wilson seine umfangreiche Bibliothek zur Verfügung und lenkte dessen bereits in Schottland vorhandene Interesse an der Natur und vor allem an der Vogelkunde in eine wissenschaftliche Richtung. Auf Anraten Bartrams und anderer Freunde begann Wilson auch mit dem Zeichnen vor allem von Säugetieren und Bäumen. Zunächst sollte dies vor allem den Depressionen des jungen Lehrers entgegenwirken. In dieser Zeit lernte Wilson auch George Ord kennen, der später einer der wichtigsten Mitarbeiter beim Erstellen der American Ornithology werden sollte. Vermutlich kam es in dieser Zeit auch zu einer Affäre mit William Bartrams Nichte Ann, die aber von der Familie Bartram beendet wurde.

Im Zeitraum bis 1803 begann Wilson auch mit seinen weiten Wanderschaften durch die erst wenig erforschte Landschaft Nordamerikas. Bis 1808 besuchte er nach eigenen Angaben alle amerikanischen Städte westlich der Atlantikküste zwischen Sankt-Lorenz-Strom und Florida. Eine der ersten Touren führte ihn zusammen mit William Duncan und Isaac Leech, dem Sohn seiner Vermieterin, von Gray’s Ferry bis zu den Niagarafällen. Dabei konzentrierte er sich vor allem auf die Beobachtung von Vögeln sowie darauf, Vögel zu schießen und sie als Anschauungsobjekte herzurichten. Bereits in einem Brief aus diesem Jahr berichtete er von dem Vorhaben, eine illustrierte Aufstellung aller Vögel des Landes zu schaffen.

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