An diesem Tag

Alexander VI.

Papst der katholischen Kirche 1492-1503 (1430/32-1503)

Anúncio

Alexander VI. (ursprünglich valencianisch Roderic Llançol i de Borja, italienisch Rodrigo Borgia; * 1. Januar 1431 in Xàtiva bei València; † 18. August 1503 in Rom) war von 1492 bis 1503 römisch-katholischer Papst. Er war eine der politisch einflussreichsten Persönlichkeiten Italiens der Renaissance. Jahrzehntelang arbeitete Roderic de Borja darauf hin, die Tiara zu erlangen, bis er am 11. August 1492 zum Papst gewählt wurde. Alexander war der bisher letzte Papst, der auf der Iberischen Halbinsel geboren wurde.

Die Familie Borgia stammte aus dem Dorf Borja in Aragón. Sie pflegten ihre Wurzeln und sprachen auch in Rom innerhalb der Familie Valencianisch, eine Varietät der katalanischen Sprache. Rodrigo nahm den Familiennamen Borgia an, als sein Onkel mütterlicherseits, Alonso de Borja, zum Papst gewählt wurde. Dieser regierte als Papst Calixt III. von 1455 bis 1458 und ermöglichte Rodrigo de Borja den Aufstieg in der kirchlichen Hierarchie. Rodrigo Borgia studierte zunächst ab etwa 1453 in Bologna kanonisches Recht, nachdem er von seinem Onkel bereits mit zahlreichen lukrativen Pfründen ausgestattet worden war, unter anderem als Kanonikus in Xàtiva. Er war zwar kein Priester – das wurde er, wie damals üblich, erst Jahre später – dennoch ernannte ihn sein päpstlicher Onkel am 20. Februar 1456 zum Kardinaldiakon von San Nicola in Carcere und bereits im darauffolgenden Jahr zum Vizekanzler der Heiligen Römischen Kirche. Ab 1458 war er in commendam Kardinaldiakon von Santa Maria in Via Lata. 1471 wurde er Kardinalbischof von Albano und 1476 von Porto.

Mit Vanozza de’ Cattanei, der Mutter seiner Kinder Juan (Giovanni) (später Herzog von Gandía), Cesare (später Herzog der Romagna), Lucrezia (später Herzogin von Ferrara) und Jofré, lebte er in seiner Zeit als Kardinal etwa 20 Jahre lang zusammen.

Am 11. August 1492 wurde er zum Papst gewählt, was zeittypisch von Simonie (Ämterkauf) gefördert worden war. Er wählte für sich den Namen Alexander (VI.). Der Papstname spielte offen auf Alexander den Großen an, d. h. dokumentierte einen Machtanspruch. Da der zum Papst Gewählte mit seiner Krönung seine Pfründen abgeben musste, boten sich für reiche Kardinäle wie Rodrigo eine Vielzahl von gut dotierten Kirchengütern, die sich bei einer Wahl als Handelsgut einsetzen ließen.

Im Konklave standen sich mit Giuliano della Rovere, einem Neffen von Papst Sixtus IV., und Ascanio Sforza zwei mächtige Kardinäle gegenüber. Della Rovere, der nach dem Tod von Alexander VI. und des ihm nachfolgenden nur kurz amtierenden Pius III. tatsächlich als Julius II. Papst werden sollte, hatte eine mächtige Gruppe von Verbündeten um sich gesammelt: Neben Florenz und Neapel unterstützte mit Venedig eine dritte italienische Großmacht seine Kandidatur, ebenso Genua und der französische König Karl VIII. Doch die Stimmenverteilung im Konklave entsprach nicht den Machtverhältnissen der Unterstützer. Die Gruppe der Della-Rovere-Gegner führte Ascanio Sforza an, der eigentlich selbst Papst werden wollte, doch mit siebenunddreißig Jahren zu jung und als Bruder des Mailänder Herzogs Ludovico Sforza zu stark politisch vorbelastet galt.

Nepotismus am Heiligen Stuhl war zur damaligen Zeit üblich. Alexander VI. ernannte seinen Sohn Cesare gegen dessen Willen zum Bischof von Valencia und später zum Kardinal. Ebenso begünstigte er von ihm ins Land geholte Spanier. Seinen Sohn Juan (Giovanni) ernannte er zum Herzog des von Neapel für den Kirchenstaat zurückerworbenen Benevent. Die von seinen Gegnern gestreuten Gerüchte, er habe mit seiner Tochter Lucrezia ein inzestuöses Verhältnis unterhalten und lästige Rivalen mit dem berüchtigten „Borgia-Gift“ aus dem Weg geräumt, konnten nicht bewiesen werden.

Später nutzte die Familie Farnese den Einfluss der langjährigen Mätresse Giulia Farnese auf den Papst, um insbesondere deren Bruder Alessandro Farnese in der kirchlichen Hierarchie aufsteigen zu lassen. 1493 wurde er zum Kardinal ernannt und 1534 als Paul III. zum mächtigen Papst der Gegenreformation.

Einer der Kritiker Alexanders VI. war der Dominikaner Girolamo Savonarola in Florenz, der neben kirchlichen Reformen auch die Absetzung des Papstes forderte und exkommuniziert wurde.

Die zahlreichen Winkelzüge Alexanders, der nach Bedarf die Verbündeten wechselte, dienten in erster Linie dem Ziel, seinen Kindern ein erbliches Reich zu verschaffen. Wie schon sein Onkel Calixt III. hatte er zunächst das Königreich Neapel dazu ausersehen. Als sich die Situation durch die Intervention Karls vorübergehend änderte und der kinderlose Ferrandino Ferdinand II. 1496 gestorben und seinen Onkel als Erben bestimmt hatte, rückte zeitweise auch die Romagna in das Visier der Borgia. Als 1498 Karl VIII. mit erst 28 Jahren starb (er war im Schloss Amboise gegen einen Türsturz gelaufen und hatte offensichtlich infolge der Kopfverletzungen einen Schlaganfall erlitten), wurde Ludwig XII. aus dem Haus Valois-Orléans König von Frankreich. Dieser erhob, gestützt durch seine Verwandtschaft mit den Visconti, auch Anspruch auf das Herzogtum Mailand.

Ludwig, der kinderlos verheiratet war, betrieb nach der Thronbesteigung sofort die Annullierung seiner Ehe mit Jeanne de Valois, um die Witwe seines Vorgängers (Anne de Bretagne) zu heiraten und so deren Erbe, die Bretagne, weiterhin im französischen Königreich zu halten. Dazu benötigte er die Dispens des Papstes, und Alexander sah die Chance gekommen, für seinen Sohn Cesare ein Herzogtum zu erhalten. Am 17. September 1498 verzichtete Cesare auf das Kardinalat, ein unerhörter Skandal, den Alexander herunterzuspielen versuchte. Für die Dispens des französischen Königs erhielt Cesare das Valentinois (eine alte französische Landschaft mit der Hauptstadt Valence) verliehen, die zum Herzogtum erhoben wurde.

1498 versuchten die Sforza neuerlich – diesmal mit Deckung der Katholischen Könige – ein Konzil einzuberufen, das den Papst absetzen sollte. Die Franzosen brachten jedoch ein Bündnis mit Venedig zustande, das die Sforza, deren Stern im Sinken begriffen war, weiter unter Druck setzte. Cesare wurde in der Zwischenzeit mit Charlotte d’Albret verheiratet. Ihre Zustimmung zu der Ehe (vier hochadelige Französinnen hatten vorher entrüstet abgelehnt) wurde ihr mit dem Kardinalshut für ihren Bruder entlohnt. Die Sforza hatten sich in der Zwischenzeit mit Sultan Bayezid II. verbündet, doch dessen Expeditionskorps, mit dem er Venedig angreifen sollte, war zahlenmäßig stark unterlegen. Nach dem Sturz der Sforza, die nach Österreich ins Exil gingen (Bianca Maria Sforza war mit dem römisch-deutschen König und späteren Kaiser Maximilian I. verheiratet), wollte sich Ludwig XII. nach Neapel wenden, um dort eine alte Rechnung mit den Aragonesen zu begleichen. Alexander VI., der noch immer hoffte, Neapel für seine eigene Familie in die Hand zu bekommen, versuchte daraufhin vergeblich, von Venedig die Zustimmung zur Eroberung des Herzogtums Ferrara für seinen Sohn zu erhalten.

Daraufhin begann Alexander, die Barone des Kirchenstaates unter Druck zu setzen. Erstes Opfer wurden die Caetani: Sie verloren ihre Besitzungen an die Borgia. Und noch im März 1499 – also bevor der französisch-venezianische Bund geschlossen war – erklärte er das Vikariat der Sforza-Riario in Forlì und Imola für erloschen und übertrug es Cesare. Dieser rückte mit französischen und italienischen Truppen vor, um sein neues Herrschaftsgebiet in Besitz zu nehmen. Imola ergab sich kampflos und Forlì konnte eingenommen werden. Dabei geriet die Vikarin von Forlì, Caterina Sforza, von der Zeitgenossen behaupten, sie sei der einzige wirkliche Mann in ihrer Armee gewesen, in Gefangenschaft.

Die Herrschaft der Franzosen wurde in Mailand aber schon nach kurzer Zeit so unpopulär, dass die Mailänder Ludovico Sforza zurückriefen. Schon am 5. Februar 1500 zog er wieder in Mailand ein. Ohne französische Unterstützung musste Cesare die Kämpfe einstellen, und so kehrte er nach Rom zurück. Ludovico sollte jedoch schon bald seine Herrschaft endgültig verlieren: bereits im April wurde er von seinen Schweizer Söldnern, die er nicht mehr bezahlen konnte, an die Franzosen ausgeliefert.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Alexander VI. | World in Stories