Alexander Schmorell (* 3. Septemberjul. / 16. September 1917greg. in Orenburg, Russland; † 13. Juli 1943 in München-Stadelheim) war ein Mitglied der Münchener Widerstandsgruppe Weiße Rose, die er zusammen mit Hans Scholl begründete. In der Russisch-Orthodoxen Kirche wird er als Neumärtyrer verehrt und daher auch Alexander von München genannt.
Schmorell entstammte der Familie des ostpreußischen Pelzhändlers Karl-August Schmorell (1832–1902), die seit 1855 in der am Ural liegenden Stadt Orenburg ansässig war, dort Ämter in der Stadtverwaltung bekleidete und Industriebetriebe wie Brauereien und Fabriken für chirurgisches Material besaß.
Sein Vater war der deutsche Arzt Hugo Schmorell (1878–1964). Seine russische Mutter Natalja Wwedenskaja war die Tochter eines orthodoxen Priesters. Sie ließ Alexander russisch-orthodox taufen. Als er zwei Jahre alt war, starb sie während des Russischen Bürgerkriegs an Typhus. Der Vater heiratete in zweiter Ehe Elisabeth geb. Hoffmann (1892–1982).
Mit seinem Vater und seiner Stiefmutter zog Alexander 1921 im Alter von vier Jahren nach München. Das russische Kindermädchen kam mit nach Deutschland. Sie nahm in seiner Entwicklung die Stelle der verstorbenen Mutter ein. Da sie kaum Deutsch sprach, wuchs Alexander Schmorell zweisprachig auf. Die Familie wohnte in der Villenkolonie Menterschwaige, Benediktenwandstraße 12.
Alexander Schmorell besuchte eine private Volksschule und ab 1928 das humanistische Wilhelmsgymnasium. 1935 wechselte er zum Neuen Realgymnasium; dort lernte er Christoph Probst kennen und freundete sich mit ihm an.
Reichsarbeitsdienst und Militärdienst
Nach dem Abitur im März 1937 wurde Schmorell zum Reichsarbeitsdienst im Allgäu eingezogen. Er wurde beim Straßenbau im Allgäu eingesetzt. Den Arbeitsdienst erlebte er als Herrschaftsinstrument des nationalsozialistischen Systems. Ein starker Widerwille gegen den NS-Staat begann in ihm zu wachsen.
Sein Dienst in der Wehrmacht begann im November 1937. Er war ein begeisterter Reiter und kam zur Kavallerie im Artillerie-Regiment 7 in München. Als er den Führereid ablegen musste, brachte ihn das in anhaltende Gewissensnöte. Diese trug er nach etwa vier Wochen seinem Kommandeur vor und bat vergeblich um seine Entlassung aus dem Heer. 1938 nahm er als Soldat beim Anschluss Österreichs und anschließend am Einmarsch der Wehrmacht in die Tschechoslowakei teil.
Nach seinem Wehrdienst begann Schmorell auf Anregung seines Vaters im Sommersemester 1939 ein Medizinstudium an der Universität Hamburg, wo er Traute Lafrenz kennenlernte. Im Sommer 1940 musste er als Sanitätsunteroffizier am Frankreichfeldzug teilnehmen.
Im September 1940 kam Schmorell zur Weiterführung des Studiums zurück nach München. Er wurde der 2. Studentenkompanie der Medizinstudenten (Bergmannstraße) zugeteilt, wo er Ende Juni 1941 Hans Scholl und ab Sommersemester 1942 auch Willi Graf kennenlernte.
Schmorell war auch künstlerisch begabt. Bei privaten Zeichenkursen des Ateliers von Hein König in Schwabing lernte er im Herbst 1941 Lilo Ramdohr kennen. In ihrer Wohnung zeichneten sie zusammen ein Porträt des Stadtstreichers Alois Pitzinger. Von Schmorell stammt außerdem eine skizzenhafte Zeichnung von Lilo Ramdohr an ihrem Konzertflügel.
Schmorell liebte vor allem die Bildhauerei. Er wurde Privatschüler bei Lilo Ramdohrs Nachbarn, dem Bildhauer Karl Baur, in der Prinzenstraße in Neuhausen. Sein Vater richtete ihm ein Atelier ein, in das er sich manchmal tagelang zurückzog. Er schuf unter anderem eine Beethoven-Büste.
Die Widerstandsgruppe Weiße Rose bestand in ihrer ersten Phase, im Sommer 1942, aus nur zwei Personen: Alexander Schmorell und Hans Scholl. Sie entstand, als die beiden Medizinstudenten von Mai bis Juli 1942 die ersten vier Flugblätter der Weißen Rose schrieben, in einer Auflage von jeweils etwa 100 Exemplaren vervielfältigten und mit der Post verschickten. Sie wählten für diese vier Flugblätter die Überschrift Flugblätter der Weissen Rose und wurden damit Namensgeber der Widerstandsgruppe.
In den Semesterferien wurden Medizinstudenten wieder zur sogenannten Feldfamulatur an die Kriegsfront abkommandiert, um den Soldaten medizinische Hilfe zu leisten. So reiste Schmorell, als Sanitätsfeldwebel in der Studentenkompanie, im Juli 1942 gemeinsam mit Hans Scholl, Willi Graf, Hubert Furtwängler und Jürgen Wittenstein an die Ostfront. Er vermittelte den Freunden dabei ein näheres Verständnis seines Geburtslandes. Nach der Rückkehr im November setzte er im Wintersemester 1942/43 sein Studium in München fort.
Gegen Ende November 1942 reiste Schmorell durch Vermittlung der Freundin Lilo Ramdohr zusammen mit Hans Scholl zu Falk Harnack nach Chemnitz, um Verbindung mit Widerstandskreisen in Berlin aufzunehmen. Im Dezember 1942 suchte er mit Hans Scholl den Kontakt zu Kurt Huber.
Im Januar 1943 verfassten sie gemeinsam das fünfte Flugblatt „Aufruf an alle Deutschen!“. Ende Januar übernahm Schmorell einen gefährlichen Kurierdienst: Mit einem Koffer voller Flugblätter reiste er mit der Bahn nach Österreich; in Salzburg, Linz und Wien warf er die Flugblätter als Postsendungen in Briefkästen. (Sophie Scholl hatte kurz zuvor eine Kurierfahrt mit der Bahn nach Augsburg und Ulm auf sich genommen.) Im Februar schrieb er zusammen mit Hans Scholl und Willi Graf Parolen wie „Nieder mit Hitler“ und „Freiheit“ an Hauswände in München.
Nach der Verhaftung von Christoph Probst und den Geschwistern Scholl am 18. Februar 1943 versuchte Schmorell mit Unterstützung verschiedener Bekannter und mit einem gefälschten Pass über Schloss Elmau in die Schweiz zu fliehen. Dies scheiterte, als eine Bekannte, die ihn nach Innsbruck bringen wollte, nicht am Treffpunkt in Klais erschien. Sie hatte die vereinbarte Uhrzeit „6 Uhr“ als „6 Uhr abends“ verstanden und verpasste daher Schmorell, der um 6 Uhr morgens auf sie gewartet hatte. Mit Hilfe eines russischen Kutschers konnte er sich noch einige Tage lang in Elmau versteckt halten. Als er bereits zum zweiten Mal von zwei Polizisten aus Mittenwald kontrolliert wurde, halfen ihm wieder die perfekt gefälschten Papiere. Er fühlte sich aber nicht mehr sicher und kehrte nach München zurück.
Am 24. Februar, dem Tag der Beerdigung seiner Freunde, wurde Schmorell verhaftet. An diesem Tag wurde in den Münchener Zeitungen die Fahndung der Kriminalpolizei nach ihm bekannt gemacht, mit Bild und einer steckbrieflichen Beschreibung seiner Person. Als Belohnung für die Mithilfe bei der Ergreifung war eine Belohnung in Höhe von 1000 RM (entspricht heute ungefähr 4.800 EUR) ausgesetzt. In einem Luftschutzkeller am Habsburgerplatz in München wurde er erkannt und denunziert. Als ihm ein Mann die Festnahme ankündigte, versuchte er noch zu fliehen. Männer in Uniform eilten herbei, überwältigten ihn und übergaben ihn der Polizei.