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Alexander Issajewitsch Solschenizyn

Russischer Schriftsteller, Dramatiker, Historiker und Literaturnobelpreisträger (1918–2008)

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Alexander Issajewitsch Solschenizyn [səlʐɨˈnʲitsɨn] (russisch Александр Исаевич Солженицын, wiss. Transliteration Aleksandr Isaevič Solženicyn; * 11. Dezember 1918 in Kislowodsk, Oblast Terek; † 3. August 2008 in Moskau) war ein russischer Schriftsteller und Systemkritiker. Er wurde 1970 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Sein literarisches Hauptwerk Der Archipel Gulag beschreibt detailliert die Verbrechen des stalinistischen Regimes der Sowjetunion bei der Verbannung und systematischen Ermordung von Millionen Menschen im Gulag.

Alexander Solschenizyns Vater, ein Kosak, starb vor Alexanders Geburt. Da seine Mutter sehr krank war, wuchs er hauptsächlich bei den Großeltern auf. Bei ihnen wurde er mit dem russisch-orthodoxen Glauben sowie russischen Sitten und Gebräuchen vertraut gemacht. 1924 zog seine Mutter nach Rostow am Don, wo er auch die Schule besuchte. Bereits mit neun Jahren hatte er den Wunsch, Schriftsteller zu werden. Das Abitur legte er 1936 ab und nahm in der Folgezeit ein Studium in den Fachgebieten Mathematik und Physik in Rostow am Don auf. Eigentlich wollte er in Moskau Literatur studieren, aber dazu reichten die finanziellen Mittel nicht. In der Jugendzeit begeisterte er sich für die Anschauungen und politischen Orientierungen Wladimir Iljitsch Lenins (→ Leninismus). Daraus resultierten zahlreiche Ansätze und Wertungen seiner späteren Auseinandersetzung mit dem Stalinismus. Am 7. April 1940 heiratete er die Chemikerin Natalja Alexejewna Reschetowskaja. Ein Jahr später wurde er zum Kriegsdienst in der Roten Armee eingezogen.

Im Deutsch-Sowjetischen Krieg kämpfte Solschenizyn als Batteriechef einer Artillerieeinheit in einer Schallmesstruppe. Er nahm in dieser Funktion an der Schlacht bei Kursk (Juli 1943), der Operation Bagration (1944) und der Weichsel-Oder-Operation in Ostpreußen (1945) teil. Seine Erlebnisse als Offizier während der Eroberung Ostpreußens schrieb er in Gedichtform im Band Ostpreußische Nächte (Прусские ночи) und als Erzählung in Schwenkitten ’45 (Адлиг Швенкиттен) nieder. Für seine Verdienste wurde er als Hauptmann mit dem Orden des Großen Vaterländischen Krieges und dem Orden des Roten Sterns ausgezeichnet.

Überleben im Gulag und Verbannung

Im Februar 1945 wurde Alexander Solschenizyn überraschend an der Front durch die militärische Spionageabwehr verhaftet und in das Moskauer Lubjanka-Gefängnis überstellt, weil er in Briefen an einen Freund Kritik an Stalin (allerdings hat er Stalin nicht direkt genannt, sondern er sprach vom Diktator als „Der Mann mit dem Schnurrbart“) geübt hatte. Gemäß Artikel 58 des Strafgesetzbuches der RSFSR wurde er daraufhin ohne Gerichtsverhandlung zu acht Jahren Haft und folgende „ewige Verbannung“ verurteilt. Die Haft verbrachte er in Arbeitslagern des Gulag. Zunächst wurde er in einem Sonderlager für Wissenschaftler in Marfino untergebracht, wo er den ebenfalls inhaftierten Lew Kopelew kennenlernte. Seine Erfahrungen mit diesem Sonderlager verarbeitete er 1968 in dem Roman Der erste Kreis der Hölle. Da er sich weigerte die Arbeitsauflage zu erfüllen, sich mit vorgegebenen wissenschaftlichen Themen zu beschäftigen, wurde Solschenizyn später in den Lagerkomplex Ekibastus in Kasachstan für politische Häftlinge verlegt. In diesem Lager arbeitete er in einer Gießerei.

Sowohl im Sonderlager zu Beginn seiner Gefangenschaft als auch im Lager Ekibastus erlebte er den Kampf der Lagerinsassen ums Überleben und durchlebte die ständige Bedrohung durch den Hunger, Aufstände und unerfüllbare Arbeitsnormen. Immer wieder starben Häftlinge in seiner Nähe. Solschenizyn, der ehemalige Atheist und Anhänger des Kommunismus, beschrieb in seinem Roman auch die eigene geistige Entwicklung durch die Leiden und Erfahrungen in dieser Zeit. Später bekannte er sich nachdrücklich zum orthodoxen Christentum.

Im Jahr 1952, ein Jahr vor seiner Entlassung aus dem Gulag, ließ Solschenizyns Frau Natalja („Natascha“) sich von ihm scheiden. Dies geschah zunächst im gegenseitigen Einverständnis, um weiteren Repressalien durch den stalinistischen Machtapparat zu entgehen, da eine Ehe mit einem politischen Gefangenen zu Kündigungen oder Verfolgungen hätte führen können. Nach eigener Aussage blieb Natascha ihrem Mann während der ersten Jahre seiner Gefangenschaft von 1945 bis 1950 treu, und „ein Gefühl großer innerer Verbundenheit“ schien sich sogar noch zu vertiefen, obwohl beide sich in dieser Zeit oft nur wenige Male pro Jahr sehen konnten. Dann wandte sich Natascha aber von ihm ab und ließ den neuen Assistenzprofessor ihres Institutes, Wsewolod Somow, der bereits einen Sohn hatte, bei sich einziehen. Solschenizyn erhielt im Lager von seiner Tante die Nachricht: „Natascha bat mich, Ihnen auszurichten, dass Sie Ihr Leben unabhängig von ihr einrichten können.“

1951 war Solschenizyn an Krebs erkrankt. Dies war einer der Gründe, warum Natascha ihm die Trennung erst später durch die Tante mitteilen ließ. Im Lagerkrankenhaus wurde das Krebsgeschwür operiert, und es bestand die Hoffnung, dass sich keine weiteren Metastasen gebildet hatten.

Im Februar 1953 wurde Solschenizyn aus der Lagerhaft entlassen und trat die Verbannung an. Als Verbannungsort wurde ihm das Dorf Berlik im Kreis Kok-Terek in der Steppe Kasachstans zugewiesen. Kurz nach seiner Ankunft dort erfuhr er vom Tod Stalins am 5. März 1953. Trotz seiner Freude hielt er sich aber bedeckt und begann lediglich die Suche nach einer besseren Unterkunft nach diesem „herrlichen Geschenk“, wie es Donald Thomas in seiner Biografie über Solschenizyn nennt. Nachdem er anfangs als politischer Häftling keine Anstellung finden konnte, erhielt er schließlich eine Anstellung als Dorfschullehrer mit den Fächern Mathematik, Physik und Astronomie.

Im Dezember 1953 musste er sich aufgrund eines faustgroßen Tumors in der Bauchhöhle erneut einer medizinischen Behandlung unterziehen, dieses Mal in einem Taschkenter Krankenhaus, in dem er zuletzt im Jahr 1955 bestrahlt wurde. Die Überlebenschance lag dabei zunächst bei weniger als 30 %. Die Erfahrungen dieser Behandlung verarbeitete er später im Roman Krebsstation (Раковый корпус).

Leben in der Sowjetunion nach der Verbannung

1957, während der Tauwetter-Periode, wurde Solschenizyn offiziell rehabilitiert, und die Verbannung wurde aufgehoben. Man konnte angesichts seiner Krebserkrankung mit seinem baldigen Tod rechnen. Er lebte danach in Rjasan, wo er als Lehrer an der regionalen Oberschule arbeitete. Die Zeit war von der Wiederannäherung an Natascha, die er 1957 erneut heiratete, und von großem Arbeitseifer geprägt. Er sah es als seine Aufgabe, den zum Schweigen Gebrachten seine Stimme zu leihen. Er zog sich oft in Hütten abseits der Zivilisation zurück, um ungestört schreiben zu können. Natascha unterstützte ihn persönlich und finanziell und ermöglichte es ihm, seine Unterrichtsverpflichtungen zugunsten seiner literarischen Arbeit zu verringern.

1962 verfasste er eines seiner bekanntesten Werke, die Novelle Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch (Один день Ивана Денисовича) über den grausamen Lageralltag eines Gefangenen in einem sowjetischen Arbeitslager und eine Auseinandersetzung mit dem stalinistischen System. In dieser Zeit begann er, hauptberuflich als Schriftsteller zu arbeiten. Im September 1962 waren mehrere Künstler auf Chruschtschows Datscha am Schwarzen Meer eingeladen. Chruschtschow lernte bei dieser Gelegenheit die Erzählung über Iwan Denissowitsch kennen und gestattete ein Jahr darauf die Veröffentlichung des Romans August Vierzehn, des ersten Teils seiner später unter dem Sammeltitel Das rote Rad verbreiteten Trilogie über die Geschichte Russlands im Ersten Weltkrieg. Als Delegierter des 4. Schriftstellerkongresses 1967 startete er einen „Aufruf zur Abschaffung der Zensur“. 1969 wurde Solschenizyn mit der Begründung, er habe ohne Genehmigung im Ausland publiziert, aus dem Schriftstellerverband der UdSSR ausgeschlossen. In den Folgejahren arbeitete er am Thema „Archipel GULAG“. Ende der 1960er Jahre wurde er von seinem Freund, dem berühmten Cellisten Rostropowitsch, in dessen Datscha großzügig aufgenommen. Rostropowitsch, der Solschenizyn auch durch offene Briefe an Zeitungen wie die Prawda zu verteidigen suchte, fiel schließlich selbst in Ungnade und musste 1974 die Sowjetunion verlassen.

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