Alexander II. (* 24. August 1198 in Haddington; † 8. Juli 1249 in Oban) war schottischer König von 1214 bis zu seinem Tod. Als entschlossener Verfechter der königlichen Gewalt konnte er seine Autorität auf die Grenzregionen seines Reiches ausbauen, so dass Schottland während seiner Herrschaft zu einem der bedeutenderen mittelgroßen Reiche in Europa aufstieg. Er begründete das gute Verhältnis zum südlichen Nachbarland England, womit eine für das Mittelalter beispiellos lange Zeit des Friedens zwischen den Reichen begann, die bis 1296 andauerte.
Alexander II. war der einzige Sohn von König Wilhelm dem Löwen und dessen Frau Ermengarde. Er hatte noch drei Schwestern. König Wilhelm war bei Alexanders Geburt bereits ein älterer Mann, und da Primogenitur in Schottland noch nicht gefestigt war, war die Thronfolge von Alexander nicht gesichert. Deshalb ließ der König am 12. Oktober 1201 seinen Sohn von den schottischen Magnaten in Musselburgh als Thronfolger anerkennen. Der junge Thronfolger spielte eine große Rolle in den Verträgen, die sein Vater 1209 und 1212 mit dem englischen König Johann Ohneland schloss. Der genaue Inhalt der Verträge ist nicht überliefert, doch in dem 1209 geschlossenen Vertrag von Norham huldigte Alexander dem englischen König für die Besitzungen an, die sein Vater als Lehen der englischen Krone hielt, nämlich Tynedale und die Oberherrschaft über die Honour of Huntingdon. Dazu vertraute der schottische König dem englischen König seine beiden älteren Töchter Margarete und Isabella an, damit dieser sie verheiraten solle. Offenbar erwartete König Wilhelm, dass mindestens eine seiner beiden Töchter einen der Söhne des englischen Königs heiraten würde. In einem weiteren, im Februar 1212 in Durham geschlossenen Vertrag erhielt der englische König das Recht, Alexander zu verheiraten. Möglicherweise versprach Johann Ohneland, Alexander mit seiner ältesten, damals zweijährigen Tochter Johanna zu verheiraten. Die Schotten erhofften wohl, dass die englische Prinzessin Northumberland als Mitgift mit in die Ehe bringen würde. Alexander und Johanna heirateten tatsächlich, doch erst neun Jahre später, und die Braut erhielt nicht Northumberland als Mitgift. Am 4. März 1212 wurde Alexander von Johann Ohneland in Clerkenwell zum Ritter geschlagen. Der junge Thronfolger wurde sorgfältig darauf vorbereitet, den Thron von seinem alternden Vater zu übernehmen. Wilhelm der Löwe beteiligte ihn an der Regierung und übertrug ihm im Sommer 1212 den Oberbefehl über die Armee, die in Moray und Ross gegen den Rebellen Guthred Macwilliam einen Feldzug unternahm. Schließlich wurde Guthred gefangen genommen, vor den jungen Thronfolger gebracht und hingerichtet. Als Wilhelm der Löwe in Stirling auf dem Sterbebett lag, verlangte er von seinen Höflingen erneut das Versprechen, Alexander als nächsten König anzuerkennen. Einen Tag nach dem Tod seines Vaters wurde Alexander am 5. Dezember 1214 in Scone als König eingesetzt. Die rasche Thronfolge des jungen Alexanders führte zur Festigung der Primogenitur in Schottland.
Der junge Alexander übernahm ein ungefestigtes Reich. Im gälisch geprägten Norden, vor allem in Ross, Moray und Caithness, im südwestschottischen Galloway und im norwegisch beeinflussten Westschottland hatte die Krone kaum Autorität. Für den minderjährigen Alexander wurde kein Regentschaftsrat gebildet, doch der junge König war stark von den Ratgebern seines Vaters abhängig, die er Anfang 1215 in ihren Ämtern bestätigte. 1215 gab es in Moray oder in Ross eine weitere Revolte, als Donald Ban Macwilliam, ein Bruder des 1212 hingerichteten Guthred selbst die Krone beanspruchte. Donald Ban und seine Unterstützer wurden jedoch von einem königstreuen Aufgebot unter dem nordschottischen Magnaten Farquhar MacTaggart niedergeschlagen, Donald Ban wurde hingerichtet. Auch das Verhältnis zu England wurde rasch belastet, da Johann Ohneland, dem sein Vater erhebliche Zugeständnisse gemacht hatte, nun die Oberherrschaft über Schottland beanspruchte. Dazu wollte er nicht die Zusagen einhalten, die er Wilhelm gegeben hatte. Als sich aber in England der Konflikt des Königs mit einer Adelsopposition zuspitzte, versuchte Alexander dies auszunutzen, um seine Stellung zu behaupten. Er erneuerte die schottischen Ansprüche auf die nordenglischen Grenzgrafschaften, die bereits sein Vater erhoben hatte. Als Johann Ohneland im Juni 1215 von seinen Baronen zur Anerkennung der Magna Carta gezwungen wurde, musste er in Artikel 59 zugestehen, nicht nur seine Versprechen bezüglich den noch immer unverheirateten Schwestern von Alexander umzusetzen, sondern auch die nicht näher beschriebenen Rechte und Privilegien des schottischen Königs zu beachten.
Erfolgreicher schottischer Angriff auf Nordengland
Als Johann Ohneland im August 1215 die Bestimmungen der Magna Carta missachtete, fiel Alexander II. in Northumberland ein und begann am 19. Oktober 1215 mit der Belagerung von Norham. Da zur selben Zeit der Krieg der englischen Barone gegen Johann Ohneland begann, waren die Schotten in diesem Krieg den Engländern zunächst überlegen. Alexander II. hatte sogar die volle Unterstützung der nordenglischen Barone, so dass mindestens 25 englische Burgen nördlich des Humber den Schotten keinen Widerstand leisteten. Die Anführer der nordenglischen Barone, Robert de Ros und Eustace de Vesci hatten uneheliche Töchter von König Wilhelm I. geheiratet und waren damit mit Alexander II. verschwägert. Verhandlungen zwischen den Baronen und Alexander II. führten zu einem Vertrag, in dem die Barone Alexanders Ansprüche auf Northumberland, Cumberland und Westmorland anerkannten. Sie gingen sogar so weit, dass sie die lokalen Grundbesitzer aktiv auffordern wollten, die Herrschaft des schottischen Königs anzuerkennen. Eustace de Vesci erklärte Alexander II. während der Belagerung von Norham offiziell zum Herrn von Northumberland, und ein Großteil des Adels der Grafschaft huldigte ihm am 22. Oktober 1215 in Felton bei Alnwick.
Gegenschlag von Johann Ohneland und erneuter schottischer Angriff
Nachdem Alexander II. im Dezember 1215 die Stadt Newcastle niedergebrannt hatte, unternahm Johann Ohneland einen Feldzug nach Norden. Er eroberte zahlreiche Burgen der Rebellen einschließlich Carlisle und Richmond und zwang die rebellischen Barone aus Yorkshire zur Flucht nach Schottland. Dort gelobten sie am 11. Januar 1216 in Melrose Alexander II. die Treue. Der englische König überschritt nun die schottische Grenze, eroberte am 15. Januar 1216 Berwick und plünderte und verwüstete Lothian bis hinauf nach Haddington. Ohne dass es zur offenen Schlacht kam, konnte Alexander II. die Engländer aber vertreiben, die sich wieder nach Süden zurückzogen. Die Schotten verfolgten sie bis nach Richmond. Dann belagerte er ab Juli 1216 Carlisle, das am 8. August bis auf die Burg erobert wurde. Carlisle Castle ergab sich an einem unbekannten späteren Datum.
Bündnis mit Frankreich und Versuch der Besetzung Nordenglands
Nach der Eroberung von Carlisle stieß Alexander II. in einem beispiellosen Zug durch ganz England bis zur Küste von Kent vor. Dort traf er den französischen Prinzen Ludwig, dem die rebellischen Barone die englische Krone angeboten hatten. Mitte September huldigte Alexander dem Franzosen in Dover für die Honour of Huntingdon und für die drei nordenglischen Grafschaften. Im Gegenzug sicherte Ludwig ihm seine Unterstützung zu. Anschließend zog sich Alexander nach Norden zurück, wobei er einen Hinterhalt von Johanns Truppen am River Trent nicht nur umgehen, sondern dabei auch deren Lager plündern konnte. Mit Prinz Ludwig hatte Alexander II. vereinbart, dass seine nordenglischen Eroberungen weiterhin zu England gehören sollten. Schon bald hielt er sich jedoch nicht mehr an diese Abmachung, sondern versuchte, die nordenglischen Grafschaften mit seinem Reich zu vereinen. Obwohl seine Herrschaft über Northumberland noch nicht gesichert war, ernannte er Alan of Galloway zum Lord des nördlichen Westmorland und übergab ihm umfassende, vizekönigliche Vollmachten über ganz Cumbria. Vor April 1217 beanspruchte Alexander auch das königliche Recht, einen Kandidaten für die seit dem Tod von Bischof Bernard 1214 vakante Diözese Carlisle zu benennen.