Alexander Hamilton (* 11. Januar 1755 oder 1757 in Charlestown auf Nevis, Westindische Inseln, heute St. Kitts und Nevis; † 12. Juli 1804 in New York City) war ein US-amerikanischer Staatsmann, einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten und deren erster Finanzminister. Außerdem gilt er als einer der ersten Staatstheoretiker der repräsentativen Demokratie und der
amerikanischen Schule der Ökonomie.
Hamilton wurde unehelich auf der Karibikinsel Nevis geboren. Durch ein Stipendium führender Kaufleute und des Gouverneurs von St. Croix, wo Hamilton zu dieser Zeit lebte, konnte er in New York am King’s College, der späteren Columbia University, studieren. Nach dem Ausbruch des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs schloss sich Hamilton dem Militär an, wo er schnell zum Aide-de-camp George Washingtons aufstieg. Nach seinem freiwilligen Rücktritt von diesem Posten erfüllte sich sein Wunsch nach Kriegsruhm 1781 in der kriegsentscheidenden Schlacht bei Yorktown. Er heiratete 1780 Elizabeth Schuyler, die Tochter des Generals Philip Schuyler.
Nach dem Unabhängigkeitskrieg wurde er Anwalt in New York, als der er für eine stärkere Bundesregierung agierte. Seine Bestrebungen, bspw. 1782/83 im Kontinentalkongress und 1786 in der Annapolis Convention, führten zum Verfassungskonvent der Vereinigten Staaten, während dessen er erfolglos auf Lebenszeit gewählte Präsidenten und Senatoren vorschlug. In den Federalist Papers propagierte und verteidigte er die Verfassung der Vereinigten Staaten zusammen mit John Jay und James Madison.
Im Kabinett Washington war er von 1789 bis 1795 Finanzminister. Auf diesem Posten schlug er dem Kongress in mehreren Berichten Finanzreformen vor, die maßgeblich zum Aufbau der Wirtschaft der jungen USA beitrugen. Die Verschuldung plante er zu „finanzieren“ und zu „etablieren“, also alle Schulden und Zinsen zu zahlen, um Vertrauen in der Regierung zu erzeugen und die Schulden zu Geldmittel für die Bevölkerung umzuwandeln. 1790 initiierte er die Gründung der First Bank of the United States, womit er die Grundlage für das heutige Federal Reserve System schuf. Die Verfassungsmäßigkeit der Bank verteidigend formulierte er erstmals die Implied-Powers-Doktrin. Im Report on Manufactures schlug er Prämien und Zölle vor, die Industrielle unterstützen sollten. Seine Bevorzugung von Industrie und Handel empörte die agrarischen Südstaaten. 1792 bildete sich um ihn die Föderalistische Partei, die Gegenpartei zur Demokratisch-Republikanischen Partei Thomas Jeffersons, seines größten politischen Gegners.
Auch nach seinem Rücktritt am 31. Januar 1795 blieb Hamilton ein bedeutender Politiker, jedoch läuteten die Reynolds-Affäre und seine Kritik an dem föderalistischen Kandidaten John Adams während der Präsidentschaftswahl 1800 sein politisches Ende ein. Hamilton starb am 12. Juli 1804 an einer Verwundung, die er am Vortage aus einem Duell mit seinem langjährigen politischen Rivalen, dem amtierenden Vizepräsidenten Aaron Burr, davongetragen hatte.
1780 wurde er in die American Philosophical Society und 1791 in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. Hamiltons Porträt befindet sich auf der 10-Dollar-Banknote.
Über Hamiltons frühes Leben ist nur wenig bekannt, da Hamilton selbst gegenüber seiner eigenen Familie nur wenig von seinem Leben berichtete. In den Büchern The Life of Alexander Hamilton (1840) und Life of Alexander Hamilton: A History of the Republic of the United States of America (7 Bände, 1857–1864) von Hamiltons Sohn John Church Hamilton sammelte dieser sein Wissen über seinen Vater. Seine Berichte werden jedoch oft bezweifelt. Restliches Wissen über Hamiltons Jugend stammt aus administrativen Aufzeichnungen aus der Karibik, wo Hamilton aufwuchs. Die bedeutendste Forschung auf diesem Gebiet erfolgte ab 1901 durch H. U. Ramsing und Gertrude Atherton. Ramsings Forschungen wurden 1939 im Personal-Historik Tiddskrift veröffentlicht, während Atherton ihre Entdeckungen für ihren Roman The Conqueror (1902) verwendete. Zu den wichtigsten Entdeckungen zählen die Identitäten von Hamiltons Mutter und von seinen Großeltern mütterlicherseits. Weitere Dokumente fand der Historiker Harold Larson in den Archiven der Jungferninseln. Diese nutze er zusammen mit den Forschungen von Ramsing für einen Artikel im William and Mary Quarterly. Über Hamiltons Studium ist aus den Aufzeichnungen seiner Freunde Hercules Mulligan und Robert Troup mehr bekannt, allerdings unterscheiden sich ihre „Narratives“ in mehreren bedeutenden Details.
Mütterlicherseits war Hamilton Nachkomme von Hugenotten, die infolge der Revokation des Ediktes von Nantes durch Ludwig XIV. aus Frankreich auf die Insel Nevis geflohen waren. Väterlicherseits stammte er vom schottischen Clan Hamilton ab. Die Beziehung zwischen seinen Eltern Rachael Faucett (mehrere andere Schreibweisen sind auch möglich; anglisiert oft Fawcett) und James Hamilton war unehelich, was seine politischen Gegner auch nach seinem Tode verspotteten. Bis heute berühmt ist John Adams’ Beschreibung Hamiltons als „Bastardgör eines schottischen Händlers“ (englisch bastard brat of a Scotch Pedler).
Außerdem wurde behauptet, dass seine Mutter und damit auch er teils Schwarz seien. So bezeichnete der berühmte Schwarze Gelehrte W. E. B. Du Bois Hamilton als „unseren“ und der afroamerikanische Abolitionist William Hamilton (1773–1836) behauptete, sein Sohn zu sein. Der Hamilton-Biograph Ron Chernow beauftragte den Genetiker Gordon Hamilton, der die DNS der Hamilton-Familie testete, auch die Nachfahren von Alexander Hamilton zu testen. Zur Zeit der Veröffentlichung seiner Biographie waren die Ergebnisse noch nicht bekannt. In einem Interview aus dem Jahre 2016 mit dem Interviewer Brian Lamb im Sender C-SPAN teilte er mit, dass der Test ergebnislos war, Hamiltons Hautfarbe in Porträts würde aber auf eine schottische Abstammung hinweisen.
Unter Historikern gilt das Geburtsdatum des 11. Januar als gesichert, doch gibt es bis heute Diskussionen über das Geburtsjahr. Hamilton selbst gab fast immer 1757 an – möglicherweise, um wegen seines für Zeitgenossen bereits fortgeschrittenen Alters nicht vom College abgewiesen zu werden. Hingegen weisen mehrere karibische Dokumente auf das Geburtsjahr 1755 hin.
Im Januar 1766 verließ der Ernährer James Hamilton seine Familie, wofür die Motivation bis heute unbekannt ist. Alexander Hamilton, der mit seinem Vater auch später Briefwechsel führte, vermutete, dass sein Vater seine Familie nicht mehr unterstützen konnte. Ein symbolisches Ende von Hamiltons Kindheit war der Tod seiner Mutter, die an einem Fieber erkrankte, dem sie am 19. Februar 1768 erlag. Auch Alexander erkrankte, konnte sich aber bis zur Beerdigung seiner Mutter wieder erholen. Die Geschwister, nun Halbwaisen, wurden in die Obhut ihres Vetters Peter Lytton gegeben, der jedoch nur ein Jahr später wegen des Todes seiner Frau Suizid beging. Weder dessen Besitztümer, noch die Peter Lyttons Vaters, der ebenfalls verstarb, noch die ihrer Mutter fielen an Alexander oder seinen Bruder. Schließlich wurde Hamilton vom bedeutenden Kaufmann Thomas Stevens aufgenommen, dessen Sohn Edward Stevens sein Freund war. Da dieser Hamilton auch ähnlich sah, rankten sich mehrere Gerüchte um eine mögliche Vaterschaft von Thomas Stevens.
Zwischen 1766 und 1767 begann er für das Unternehmen Beekman and Cruger auf St. Croix in Christiansted zu arbeiten. Dieses Unternehmen wurde von den New Yorkern Nicholas Cruger und Beekman betrieben, die Mitglieder bedeutender Kaufmannsfamilien waren. Schon bald zeigte sich Hamilton als talentierter Administrator. Neben Hamiltons Französischkenntnissen schätzt der Hamilton-Biograph Ron Chernow besonders Hamiltons Fleiß, seine Eigenständigkeit und seine Ambition als seine wichtigsten Qualitäten in der Arbeit für Cruger ein. Auch seine Arbeitgeber waren von Hamiltons Talent überzeugt; als Cruger 1771 fünf Monate in New York verbrachte, übertrug er Hamilton die Führung des Unternehmens. Es scheint, dass er in dieser Aufgabe brillierte. Seine Arbeit unter Beekman und Cruger verschaffte ihm wichtige Erfahrungen in Verwaltung und Handel, welche ihm während seiner Arbeit als Finanzminister zugutekamen. Hamilton selbst bezeichnete es als den wichtigsten Teil seiner Bildung und der Hamilton-Biograph Jacob Ernest Cooke verglich es mit einem modernen College-Abschluss.