Aleksandar Vučić (serbisch-kyrillisch Александар Вучић; * 5. März 1970 in Belgrad, SFR Jugoslawien) ist ein serbischer Politiker. Er ist seit 2017 amtierender Präsident Serbiens und ehemaliger Vorsitzender der Serbischen Fortschrittspartei.
Von 1993 bis 2008 war Vučić Mitglied der Serbischen Radikalen Partei, für die er von 1998 bis 2000 serbischer Informationsminister unter Präsident Slobodan Milošević war. Im Jahr 2008 wurde er Mitglied der Serbischen Fortschrittspartei, deren Parteivorsitzender er von 2012 bis 2023 war. Von 2012 bis 2013 war er Verteidigungsminister und von 2012 bis 2014 Erster Stellvertreter des Ministerpräsidenten, ab April 2014 dann serbischer Ministerpräsident.
Frühes Leben, Familie und Bildung
Vučić wurde 1970 in Belgrad als Kind von Anđelko und Angelika Vučić, geborene Milovanov, geboren. Die Vorfahren seiner Eltern kamen aus Čipuljić in der Nähe von Bugojno im heutigen Bosnien und Herzegowina. Sie wurden während des Zweiten Weltkrieges vom Ustascha-Regime vertrieben und ließen sich in Belgrad nieder, wo Vučićs Vater geboren wurde. Vučićs Großvater väterlicherseits wurde mitsamt seinen engen Verwandten von den Ustascha getötet. Seine Mutter kommt aus Bečej in der Vojvodina. Beide Eltern waren Wirtschaftsabsolventen; sein Vater arbeitete als Ökonom, seine Mutter als Journalistin.
Seine frühen Jahre verbrachte er in Novi Beograd, wo er die Branko-Radičević-Grundschule besuchte. In Zemun beendete er das Gymnasium.
Vučić studierte Rechtswissenschaften an der Universität Belgrad und schloss als einer der besten Studenten seines Jahrgangs ab. In Brighton, England, lernte er Englisch und arbeitete dort als Kaufmann. Nach der Rückkehr nach Jugoslawien arbeitete er als Journalist in Pale und interviewte unter anderem Radovan Karadžić und spielte Schach mit Ratko Mladić. Als junger Erwachsener war Vučić Anhänger des Fußballclubs Roter Stern Belgrad, zu dessen Spielen er oft im Stadion war. Im Zagreber Maksimir-Stadion war er bei den gewalttätigen Ausschreitungen beim Fußballspiel Dinamo Zagreb – Roter Stern Belgrad am 13. Mai 1990 anwesend, das oft als Startpunkt der Konflikte in Jugoslawien angesehen wird.
Vučić ist in zweiter Ehe mit der serbischen Journalistin Tamara Đukanović verheiratet und hat drei Kinder.
1993 trat er der Serbischen Radikalen Partei (SRS), die mit ihrer ultranationalistischen Ideologie ein Großserbien mit den Grenzpunkten Virovitica, Karlovac und Karlobag anstrebt, bei und wurde im selben Jahr erstmals als Abgeordneter in die Serbische Nationalversammlung gewählt. 1995 wurde er Generalsekretär der SRS. Nachdem seine Partei 1996 die Lokalwahlen im Belgrader Stadtteil Zemun gewonnen hatte, wurde er der Direktor der Pinki-Halle, einem Sport- und Kulturzentrum in Belgrad.
Vučić arbeitete von 1992 bis 1993 während des Bosnienkrieges als Reporter beim Propaganda-Fernsehkanal „Channel S“ der bosnischen Serben in Pale. Zudem war er Teil der serbischen Truppen, die Sarajevo belagerten, und war auf dem dortigen Jüdischen Friedhof stationiert.
Er drohte im Belgrader Parlament 1995 damit, dass man für jeden getöteten Serben hundert Muslime umbringen werde.
2026 erwirkte Vučić eine einstweilige Verfügung gegen den Spiegel, mit der dem Magazin untersagt wurde, die Behauptung zu verbreiten, Vučić habe während des Bosnienkriegs an einer Menschenjagd teilgenommen. Für die Existenz solcher Menschenjagden gibt es keine Beweise oder belastbare Indizien.
1995 stattete Aleksandar Vučić als Parlamentarier der SRS kurz vor der Operation Sturm (Oluja) der okkupierten kroatischen Stadt Glina einen Besuch ab. Dabei grüßte er „ein heldenhaftes Volk, das schon im Sommer 1991 gegen eine angebliche Ustascha-Macht Aufstand leistete“. Damals beschuldigte Vučić Slobodan Milošević der Loyalität zu westlichen Staaten, da Milošević gewillt war, den Vance-Owen-Friedensplan anzunehmen.
Dazu sagte er noch: „Nikada Srpska Krajina, nikada Glina neće biti hrvatska! Nikada Banija neće nazad u Hrvatsku!“ – Wörtliche Übersetzung: „Niemals wird die Serbische Krajina, niemals wird Glina kroatisch (beziehungsweise Kroatien) sein. Niemals wird die Banija (auch Banovina) nach Kroatien zurückkommen!“
Informationsminister (1998–2000)
Im März 1998 wurde er in das Kabinett von Mirko Marjanović als Informationsminister berufen. Aufgrund der immer stärker werdenden Proteste gegen Slobodan Milošević führte Vučić Strafgelder für regierungskritische Journalisten ein und verbot ausländische Fernsehsender.
Während Vučićs Amtszeit wurden die serbischen Medien oft dafür kritisiert, nationalistische Propaganda zu verbreiten, die ethnische Minderheiten verteufelte und serbische Gräueltaten gegen ebendiese legitimierte. Am 23. April 1999 bombardierte die NATO im Rahmen des Kosovokrieges das Gebäude des Serbischen Rundfunks, wobei 16 Menschen starben. Die NATO-Führung legitimierte diese Operation dadurch, dass zum einen das Kontroll-, Befehls- und Kommunikationsnetzwerk der jugoslawischen Streitkräfte gestört werden müssten und dass zum anderen der Serbische Rundfunk einen großen Anteil an der Propaganda habe, die gegen die kosovarische Bevölkerung hetze.
Er führte ab 2003 zusammen mit Tomislav Nikolić die Serbische Radikale Partei (SRS), die sich gegen die internationale Justiz und jegliche Annäherung an die Europäische Union wendet. Die Partei gewinnt an Einfluss, wenn die Unzufriedenheit mit der amtierenden Regierung wächst, die in interne Konflikte verstrickt und unfähig ist, die wirtschaftliche Lage des Landes zu verbessern.
Tomislav Nikolić, stellvertretender Vorsitzender der Serbischen Radikalen Partei und in Zeiten der Abwesenheit Vojislav Šešeljs der Interimspräsident der Partei, trat am 6. September 2008 wegen eines Streites mit Šešelj über die Mitgliedschaft Serbiens in der EU zurück. Mit einigen anderen bekannten Mitgliedern der SRS gründete Nikolić die neue Fraktion Vorwärts Serbien (Напред Србијо/Napred Srbijo), weswegen sie laut Beschluss des Präsidiums der SRS am 12. September 2008 offiziell aus der SRS ausgeschlossen wurden. Vučić erschien zu dieser Präsidiumsversammlung nicht, obwohl er als Generalsekretär Teil des Präsidiums war.