Aleida Assmann (* 22. März 1947 in Bethel, Gadderbaum, heute ein Stadtbezirk Bielefelds, geb. Aleida Bornkamm) ist eine deutsche Anglistin, Ägyptologin und Literatur- und Kulturwissenschaftlerin.
Aleida Assmann ist Tochter des Neutestamentlers Günther Bornkamm (1905–1990) und dessen Frau Elisabeth, geb. Zinn (1908–1995). Zu ihren Vorfahren zählen der Musikverleger Gottfried Christoph Härtel, der Arzt und Reichstagsabgeordnete August Zinn, dessen Sohn, der Arzt Wilhelm Zinn, und der Klassische Archäologe Richard Schöne.
In Heidelberg besuchte sie die Elisabeth-von-Thadden-Schule. Sie studierte von 1966 bis 1972 Anglistik und Ägyptologie an den Universitäten Heidelberg und Tübingen. 1977 wurde sie im Fach Anglistik in Heidelberg mit einer Arbeit über Die Legitimität der Fiktion promoviert. Die Nebenfachprüfung in Ägyptologie legte sie in Tübingen ab, da ihr Mann Jan Assmann inzwischen auf den Lehrstuhl für Ägyptologie in Heidelberg berufen worden war.
1992 habilitierte sie sich an der Neuphilologischen Fakultät der Universität Heidelberg, 1993 folgte sie einem Ruf auf den Lehrstuhl für Anglistik und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Konstanz. 2001 nahm sie eine Max-Kade-Gastprofessur an der Princeton University in New Jersey wahr. Weitere Gastprofessuren führten sie an die Rice University in Houston (2000), die Yale University in New Haven (2002, 2003, 2005) und die Universität Chicago (2007). Im Sommersemester 2005 hatte sie die „Peter-Ustinov-Gastprofessur“ an der Universität Wien inne. 2007 lehnte sie einen Ruf auf den Lehrstuhl für Germanistik der Yale University ab.
Assmann veröffentlichte zahlreiche Arbeiten zur englischen Literatur und zur Archäologie der literarischen Kommunikation. Seit den 1990er Jahren ist ihr Forschungsschwerpunkt die Kulturanthropologie, insbesondere die Themen kulturelles Gedächtnis, Erinnerung und Vergessen. Erinnern ist für sie „... die Negation des Vergessens und bedeutet in aller Regel eine Anstrengung, eine Auflehnung, ein Veto gegen die Zeit und den Lauf der Dinge“.
Assmann ist Mitglied der Steuerungsgruppe der im März 2021 veröffentlichten Jerusalemer Erklärung zum Antisemitismus. Das von 200 Erstunterzeichnern mitgetragene Dokument argumentiert für eine präzisierende Neudefinition des Antisemitismus und zielt vor allem auf eine Abgrenzung antisemitischer und nicht-antisemitischer Positionen im Rahmen des Nahostkonflikts.
Aleida Assmann war mit dem Ägyptologen Jan Assmann (1938–2024) verheiratet, mit dem sie auch gemeinsam forschte und publizierte. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor.
1999: Philip Morris Forschungspreis für Geschichtswissenschaft
2008: Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät der Universität Oslo
2009: Max-Planck-Forschungspreis
2009: Paul Watzlawick-Ehrenring
2011: Ernst-Robert-Curtius-Preis
2014: A.H.-Heineken-Preis für Geschichte
2015: Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (mit Jan Assmann)
2016: Theologischer Preis der Salzburger Hochschulwochen (mit Jan Assmann)
2017: Karl-Jaspers-Preis (mit Jan Assmann)
2017: Balzan-Preis für Forschungen zum kollektiven Gedächtnis (mit Jan Assmann)
2018: Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (mit Jan Assmann)