An diesem Tag

Aldo Rossi

Italienischer Architekt und Designer

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Aldo Rossi (* 3. Mai 1931 in Mailand; † 4. September 1997 ebenda) war ein italienischer Architekt und Hochschullehrer mit großem Einfluss auf die Entwicklung der Architekturtheorie im Nachkriegseuropa.

Rossi war der Sohn von Ettore und Angela Rossi (geb. Mantovani) und Bruder von Edoardo Rossi. Die Brüder lebten während des II. Weltkriegs von 1942 bis 1944 am Comer See und besuchten das Erzbischöfliche Kollegium Alessandro Volta in Lecco. Zurück in Mailand, beendete Aldo Rossi die Mittelschule und erlangte 1949 die Hochschulreife am Staatlichen Wissenschaftliches Gymnasium Leonardo da Vinci. Es war Ende 1945 neben der zerstörten Kirche San Pietro in Gessate in dem ehemaligen, als städtisches Waisenhaus umgenutzten, kriegszerstörten Benediktinerkloster an der Porta Vittoria eingerichtet worden.

1949 schrieb sich Rossi an der Fakultät für Architektur am Polytechnikum Mailand ein. In diesen Jahren wurde er Mitglied in der Kommunistischen Partei Italiens und schrieb einige Artikel über Architektur und Industriedesign für die Zeitung „Voce Communista“. 1951 nahm er an einer von der Partei organisierten Reise nach Moskau teil. 1956 begann er eine Ausbildung zum Designer als Assistent in den Studios von Ignazio Gardella und Marco Zanuso. Ein Studienentwurf für ein Bürogebäude neben der Ca´ Granda in Mailand aus dem Jahr 1956 zeigt Rossis Bestreben, die neue Architektur mit der geschichtsträchtigen alten in Relation zu setzen. 1959 schloss er sein Studium bei Piero Portaluppi als Betreuer 1959 mit einer Abschlussarbeit über den Entwurf eines Theaters und eines Kulturzentrums in Mailand ab.

Bereits 1954 arbeitete er (auf Einladung seines Dozenten Ernesto Nathan Rogers) bei der Architekturzeitschrift Casabella Continuità; zunächst in Form von redaktionellen Beiträgen, später – von 1959 bis 1964 – als festangestellter Redakteur. Aus dieser Zeit stammen Rossis Beiträge über „J.J. Oud“ (1954), „Un monumento ai partigiani“ (1955), „Adolf Loos, 1870–1933“ (1959) und eine – wie sich später zeigen wird – für Rossis Theoriebildung bedeutsame Sammelrezension: „Emil Kaufmann e l’architettura dell’illuminismo“ (1959). Mit der Veröffentlichung „Il concetto di tradizione nell’architettura neoclassica milanese“ (in: Società, XII, Nr. 3: S. 474–93, Turin 1956) belegt er sein Interesse an der historischen Entwurfsthematik und der Artikel: „Un giovane architetto Tedesco: Oswald Mathias Ungers“ (1960) gibt seine Wahlverwandtschaft zum deutschen Rationalisten Oswald Mathias Ungers wieder. Ebenfalls zu der Zeit bei Casabella tätig waren Giorgio Grassi und Francesco Tentori. Gegen Ende der 1950er Jahre stellte sich Rossi auf die Seite derjenigen, die eine kritische Revision der dogmatischen Prinzipien der Moderne forderten; Rossi zählte in dieser Zeit zu der Gruppe der Schüler von Rogers, die das „Experiment“ des „Neoliberty“ mitmachten, einem Rückgriff auf die italienische Spielart des Jugendstils, des Stile Liberty zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Doch Rossi betonte in dieser Zeit, dass sein Interesse nicht in erster Linie architektonischer Natur sei. Erst zu Beginn der 1960er Jahre, nach dem Entwurf für die Via Farini in Mailand (1960) und dem Bau der an Adolf Loos erinnernde Villa ai Ronchi in Versilia (1960 mit Leonardo Ferrari), begann Rossis eigentlicher Architekten-Weg mit der Gründung des „Studio di Architettura“ (SDA) und der Zusammenarbeit mit Luca Meda und Gianugo Polesello. Aus dieser Zeit stammen die Wettbewerbsentwürfe Centro direzionale di Torino (1962) mit dem Titel „Locomotiva 2“ und für das nicht realisierte Monumento della Resistance in Cuneo (1962), welches gemeinhin als Rossi’s erstes Werk betrachtet wird. Es folgte das Projekt für den Rathausplatzes mit Partisanendenkmal in Segrate bei Mailand aus dem Jahr 1965. Sämtliche elementaren Entwurfsmaximen, die Bedeutung des typologischen, formalen und metaphysischen Aspekts in Rossis Architektur lassen sich auf diese ersten Entwürfe zurückführen.

Zwischen 1963 und 1965, zeitgleich zu seinen ersten Realisierungen, war Rossi zudem als Assistent bei Ludovico Quaroni an der Schule für Stadtplanung (Scuola Urbanistica) in Arezzo und als Ordentlicher Assistent bei Carlo Aymonino an der Fakultät für Architektur und Stadtplanung der Università Iuav di Venezia (IUAV) beschäftigt. Parallel zu seiner Tätigkeit als Privatdozent an der IUAV, entwickelte er die Fundamente seiner Architettura Razionale, die in enger Verbindung mit den rationalistischen Architekturtheorien der Renaissance, des aufgeklärten Klassizismus und insbesondere dem Razionalismo aus den 1920er Jahren zu betrachten ist. Er war außerdem in dieser Zeit maßgeblich an der Entwicklung des Stadtbezirks Breiðholt der isländischen Hauptstadt Reykjavík beteiligt.

Gemeinsam mit Luca Meda übernahm er 1964 die Planung für die XIII. Triennale in Mailand. Ab 1966 war er Lehrbeauftragter und ab 1970 Dozent an der Polytechnischen Hochschule Mailand. Diese Position musste er jedoch aus politischen Gründen 1971 aufgeben, Grund der Entlassung war seine „Solidarisierung mit den streikenden Studierenden gewesen.“

Von rationalen, klassizistischen und monumentalen Stilen ausgehend, fand Rossi als junger Architekt zu einer reduzierten, klaren Formensprache. Licht und Schatten bildeten ein herausragendes Element seiner Gestaltung, wie das auf seinen Skizzen für das Partisanendenkmal in Segrate (1965) deutlich zu erkennen ist. Diese Haltung manifestiert sich in der Zusammenarbeit mit Giorgio Grassi bei Wohnungsbauprojekten in Neapel, (1965), San Rocco in Monza, (1966) und der Mittelschule Caprin im Stadtteil San Sabba in Triest (1968–1972).

Von einer kongenialen Auffassung zeugt diese Schule, das einzige gebaute Projekt von Rossi und Grassi (mit Renzo Agosto und Francesco Tentori) und das visuelle Echo von „San Rocco“, das 1976, zehn Jahre später, als ein Element in Rossis berühmter Collage „La Citta Analoga“ (mit E. Consolascio, B. Reichlin und F. Reinhart) auftaucht, die in der 37. Architekturbiennale Venedig (Kurator: Vittorio Gregotti) ausgestellt wurde.(Collage abgebildet in:) Das war kein Zufall, denn: "Für Rossi ist die Stadt ein unvollendetes und teilweise erodiertes Fresko, auf dessen Oberfläche man jedoch immer noch die Ablagerungen lesen kann, neben den sichtbaren Figuren der errichteten Gebäude und den tiefsten Spuren, die in nie realisierten Projekten aufbewahrt werden." (Kommentar von Fulvio Irace in Espazium, 2021)

Rossi veröffentlichte 1966 seine Überlegungen zur modernen Architektur in dem Buch L'architettura della città (Die Architektur der Stadt). Das Buch lenkte den Blick auf die traditionelle europäische Stadt. Er kritisiert darin das modernistische Dogma, wonach die Form aus der Funktion erwachse. Vielmehr sei historisch belegt, dass formal prägnante Monumente sich vielfältigen Nutzungen anpassen könnten. Städtebau solle nicht voraussetzungslose Totalplanung sein, sondern historisch-kritisch die überkommenen Stadtstrukturen weiterentwickeln.

„Das Jahr 1971 war ein Moment des Übergangs im akademischen Leben von Rossi: Er wurde zusammen mit anderen Mitgliedern (Franco Albini, Paolo Portoghesi, u. a.) des Fakultätsrats des Polytechnischen Instituts durch eine vom Bildungsminister unterzeichnete Anordnung (wegen ‚schwerwiegender Versäumnisse in ihren Pflichten als Professor‘, die sich auf nicht autorisierte didaktische Experimente bezogen) vom Unterricht suspendiert. 1974 wurde wiedereingegliedert, entschloss sich dann aber nicht mehr an die Universität zurückzukehren.“

Von 1972 bis 1974 war Rossi Gastdozent und von 1976 bis 1978 Lehrbeauftragter an der ETH Zürich. Assistenten waren u. a. die Tessiner Architekten Fabio Reinhart und Bruno Reichlin (die den Kontakt zur ETH hergestellt hatten) sowie Heinrich Helfenstein. In dieser Zeit spielt Rossi eine entscheidende Rolle „in der europäischen Architekturdebatte vom Gesellschafts- zum Kulturprojekt“ und war damit auch für die „Neu-Ausrichtung“ der Architekturlehre an der ETH verantwortlich. „Dieser Kurswechsel wurde durch einen äußerst geschickten Coup des damaligen Präsidenten der ETH Zürich, Hans H. Hauri besiegelt“. Manifest wurde dieser Wechsel von einer „geschichtslosen Architektur“, die sich als „natürlich“ als „architecture without architects“ etabliert hatte, hin zu einem „rationalen Bezug“ der Geschichte der Architektur, durch zwei Ausstellungen über Aldo Rossi und John Hejduk im Wintersemester 1973/74 an der ETHZ. Zeitgleich fand ein Werkseminar mit den beiden Architekten und Studenten der Cooper Union und der ETHZ unter der Leitung von Franz Oswald statt, an dem als Jurymitglieder Robert Slutzky, René Furer und Bernhard Hoesli teilnahmen.

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