An diesem Tag

Albrecht von Graefe (Politiker)

Deutscher rechtsradikaler Politiker, MdR

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Karl Albrecht von Graefe, unter zeittypischer Hinzufügung des Besitznamens auch von Graefe-Goldebee, (* 1. Januar 1868 in Berlin; † 18. April 1933 in Goldebee) war ein deutscher völkischer Politiker. Bis Mitte der 1920er Jahre galt er zusammen mit Erich Ludendorff, Gregor Strasser und Adolf Hitler als einer der Führer der extremen Rechten in Deutschland. Mit diesen stellte er sich an die Spitze des Hitlerputsches. Er leitete die mit der NSDAP zeitweise verbündete antisemitische DVFP und war Fraktionsführer der gemeinsamen Fraktion NSFP im Reichstag. Nach dem Zerbrechen der gemeinsamen Reichstagsfraktion 1927 und der Niederlage bei den Wahlen 1928 zog sich Graefe aus der Politik zurück.

1868–1918: Jugend, Militär und erste politische Erfahrungen

Albrecht von Graefe wurde als Sohn des Augenarztes Albrecht von Graefe und dessen Frau Anna, geb. Gräfin Knuth-Conradsborg, geboren. Seine Eltern starben beide in seinen ersten Lebensjahren. Seine Tante Ottilie übernahm anschließend die Erziehung Albrechts und seiner Geschwister. 1887 legte er am Joachimsthaler Gymnasium das Abitur ab, studierte anschließend zwei Semester Rechtswissenschaften in Berlin und schloss sich dann im September 1887 einem Husaren-Regiment in Kassel an. Bis zu einer Diphtherie-Erkrankung verbrachte er einige Jahre beim Militär in Potsdam, Kassel und Wilhelmshöhe, um anschließend um Jahresurlaub zu ersuchen. Diesen verbrachte er auf einer Weltreise, die ihn in verschiedene Länder Europas, nach Asiens und Nordamerika führte.

Nach seiner Rückkehr trat er dem Leibgarde-Husaren-Regiment in Potsdam bei, dem er auch nach der Dienstquittierung von 1900 bis 1912 als Reservist angehörte. 1894 übernahm er für zwei Jahre das Kommando der Reitschule zu Hannover.

Im Jahr 1896 wurde er als Diplomat nach Istanbul beordert. Hier lernte er auch seine spätere Frau Sophie von Blomberg kennen. Nachdem das Paar 1897 in Berlin geheiratet hatte, zog es nach Potsdam. 1899 quittierte Graefe den Militärdienst, nahm sein Jurastudium wieder auf, kaufte das Gut Goldebee in Mecklenburg und ließ sich dort nieder. Als Rittergutsbesitzer in Mecklenburg-Schwerin war er von nun an bis 1918 Mitglied des mecklenburgischen Landtags.

Neben seiner Tätigkeit im Ständetag Mecklenburg-Schwerins engagierte sich Graefe in der Deutschkonservativen Partei (DkP), für die er von der Reichstagswahl 1912 bis 1918 Abgeordneter des Reichstagswahlkreis Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin 6 Güstrow-Ribnitz im Reichstag war. Als Abgeordneter der DkP gehörte er zum (rechten) Alldeutschen Flügel und kritisierte die (angebliche) Schwäche der DkP-Fraktion im Reichstag. Er setzte sich in der Julikrise für einen schnellen Eintritt Deutschlands in den Ersten Weltkrieg ein.

Mit dem Beginn des Weltkriegs trat Graefe wieder in das Leibgarde-Husaren-Regiment ein, mit dem er am Krieg teilnahm. Hier bekleidete er zuletzt als Bataillonschef des Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiment Nr. 1 und des Jäger-Regiments Nr. 9 den Rang eines Majors.

Während des Weltkrieges trat Graefe dem antisemitischen Alldeutschen Verband bei, der unter den radikalnationalistischen Verbänden des Kaiserreichs eine zentrale Rolle einnahm. Graefe gehörte bald zu seinen führenden Mitgliedern und beeindruckte dessen Vorsitzenden Heinrich Claß durch seine rednerischen und politischen Fertigkeiten.

Publizistisch betätigte sich Graefe in der Wismarer Zeitung Mecklenburger Warte und veröffentlichte hier verschiedene Artikel, auch um politische Gegner zu diskreditieren.

1918–1920: Erste Republikjahre: Abgeordneter der Nationalversammlung und im Reichstag für die DNVP

Die Tage um die Ausrufung der Republik verbrachte Graefe mit seinem politischen Verbündeten Kuno von Westarp, dem Fraktionsvorsitzenden der Deutschkonservativen Partei, auf seinem Sitz in Goldebee. Zwei Wochen später beteiligten sich beide an der Gründung der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP). Die Partei war Sammelbecken der Konservativen und Rechten und vertrat mit antidemokratischen, nationalistischen und antikommunistischen Positionen vieles, was sich in Graefes späterem politischen Engagement wiederfindet.

1919 zog Graefe für die DNVP in die Weimarer Nationalversammlung, in der er sich entsprechend der Dolchstoßlegende äußerte. Ab der Reichstagswahl 1920 saß er im Reichstag.

Graefe wurde, zusammen mit Reinhold Wulle und Wilhelm Henning, einer der führenden Figuren des völkischen Flügels der Partei. Er richtete sich parteiintern gegen den konservativen Flügel und dessen Bestrebungen, die DNVP im Rahmen des neuen republikanischen Systems staatstragend zu etablieren. Er agitierte gegen Matthias Erzberger, gegen die Forderung der Triple Entente, Kriegsverbrecher auszuliefern, und für die Wiederherstellung der Monarchie. Trotz seiner Zugehörigkeit zum (rechten) völkischen Flügel verband ihn weiter eine politische Freundschaft und Kooperation mit dem gemäßigteren Westarp, der immer wieder zwischen Graefe und den konservativen Stimmen in der Partei zu vermitteln suchte.

Zentrales Thema Graefes politischer Agitation war der Antisemitismus. Bereits auf dem ersten Parteitag der DNVP am 6. Juli 1919 versuchte er, die neue Partei auf einen antisemitischen Kurs festzulegen, wobei er von vielen Seiten Unterstützung erfuhr; Widerstand kam allerdings von den Spitzengremien der Partei. Trotz dieses ersten Widerstands erreichten er und andere Völkische, dass die Partei noch im Oktober 1919 einen antisemitischen Beschluss fasste, der 1920 fast wörtlich in das Parteiprogramm überging. So trug Graefe frühzeitig zur Rechtsverschiebung der DNVP bei, die ihren späteren Erfolg der Übernahme der völkischen Weltanschauung verdankt.

1920–1922 Konflikt mit dem Alldeutschen Verband und Leitung der DNVP

Im Jahr 1920 beteiligte sich Graefe an einem Konflikt zwischen Wulle und Heinrich Claß, dem Leiter des Alldeutschen Verbands, der Grundlage für Spaltungserscheinungen innerhalb der völkischen Bewegung werden sollte. Dabei warf Graefe Claß und seinen Mitstreitern vor, sie seien Mitglieder einer Freimaurerloge, und meinte, dass der antisemitische Alldeutsche Verband unter „zionistische“ Kontrolle geraten sei. Diese Vorwürfe gaben dem Konflikt zwischen Wulle und Claß eine neue Dimension und führten dazu, dass Graefe nahezu die gesamte Mitgliedschaft des Alldeutschen Verbandes in Mecklenburg bis 1922 hinter sich versammeln konnte. Diese galt es nun zu organisieren.

Als Graefe, Wulle und Ludendorff 1922 nach einem Konflikt mit der DNVP-Parteileitung (s. u.) die Deutschvölkische Freiheitspartei (DVFP) gründeten, kritisierte die Deutsche Zeitung, das Organ des Alldeutschen Verbandes, diesen Schritt als eine Spaltung der nationalistischen Abgeordneten. Ludendorff versuchte mehrmals, zwischen Claß, von Graefe und Wulle zu vermitteln, scheiterte aber an Graefes kompromisslosem, von einem paranoid-verschwörungsideologischen Weltbild geprägten Standpunkt. Der Alldeutsche Verband und die Deutsche Zeitung machten daraufhin die DVFP als Spalterin der völkischen Bewegung aus und kritisierte sie nun kontinuierlich.

Parallel zum Konflikt mit dem Alldeutschen Verband verschärfen sich 1922 die Gegensätze zwischen dem konservativen und dem völkischen Flügel der DNVP zusehends. Diese Entwicklungen führten schließlich zu Graefes Austritt aus der DNVP und zur Gründung der rechts von ihr stehenden DVFP. Auslöser für diese Entwicklungen war ein hetzerischer Artikel des dem völkischen DNVP-Flügel angehörenden Wilhelm Henning gegen Reichsaußenminister Rathenau. Henning hatte ihn auf antisemitische Weise angegriffen und gemeint, dass dieser „vom deutschen Volk zu Rechenschaft gezogen“ werde. Bald darauf wurde Rathenau von Mitgliedern der rechtsextremen Terrorgruppe Organisation Consul ermordet. Dies veranlasste die Parteiführung der DNVP dazu, Henning aus Partei und Fraktion ausschließen zu wollen. Graefe sah dies als Angriff auf den völkischen Flügel der Partei insgesamt und verließ zusammen mit Wulle und Henning die DNVP-Fraktion, ohne dabei aber aus der Partei auszutreten.

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