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Albert Leo Schlageter

Deutscher Freikorpsangehöriger und Soldat

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Albert Leo Schlageter (* 12. August 1894 in Schönau im Schwarzwald, Baden; † 26. Mai 1923 auf der Golzheimer Heide, Düsseldorf) war Soldat im Ersten Weltkrieg und Angehöriger verschiedener Freikorps. Schlageter war Mitglied der NSDAP-Tarnorganisation Großdeutsche Arbeiterpartei. Während der französisch-belgischen Ruhrbesetzung war er militanter Aktivist und wurde wegen Spionage und mehrerer Sprengstoffanschläge von einem französischen Militärgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Schlageter wurde in der Weimarer Republik nach seiner Hinrichtung nicht nur von rechten Kreisen zur Märtyrerfigur erhoben, sondern erfuhr „über Parteigrenzen hinweg“ erhebliche Sympathien. Die NS-Propaganda befeuerte den „Schlageter-Kult“ und machte aus ihm den „ersten Soldaten des Dritten Reiches“. Nach 1945 beschränkten sich Ehrungen auf den rechten Rand des politischen Spektrums. Seine heutige Rezeption in der Öffentlichkeit wird durch „Desinteresse und Despekt“ bestimmt.

Jugend, Weltkrieg, Studium, Baltikum-Einsatz (1919)

Schlageter wurde 1894 als sechstes von elf Kindern einer katholischen Bauernfamilie in Schönau im Schwarzwald im südbadischen Wiesental geboren. In Schönau besuchte er die Bürgerschule, anschließend in Freiburg im Breisgau das humanistische Berthold-Gymnasium und das humanistische Gymnasium in Konstanz, das heutige Heinrich-Suso-Gymnasium. Er wollte katholischer Priester werden, in seiner Gymnasialzeit lebte er im erzbischöflichen Konvikt Freiburg bzw. Konstanz.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs absolvierte er in Freiburg das Notabitur und meldete sich im Dezember 1914 als Kriegsfreiwilliger beim 5. Badischen Feldartillerieregiment Nr. 76, mit dem er im gesamten Kriegsverlauf als Artillerist an der Westfront kämpfte. Zum Wintersemester 1915/16 ließ er sich an der Universität Freiburg als Student der Theologie (Kriegsteilnehmer, „K“) einschreiben. 1917 wurde er zum Leutnant der Reserve befördert und im April 1918 mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse für „besonders riskante Patrouillen“ ausgezeichnet. Bei Kriegsende befehligte er die 4. Batterie seines Regiments.

Anfang 1919, kurz vor seiner Entlassung aus dem Heer, verfolgte er das Theologiestudium in Freiburg nicht weiter und schrieb sich für Nationalökonomie ein. Gleichzeitig wurde er Mitglied der katholischen Studentenverbindung K.D.St.V. Falkenstein Freiburg im Breisgau im CV und trat auch in den Jungdeutschen Orden (Jungdo) ein. Im März 1919 brach er auch dieses Studium ab und trat in das Freikorps des Hauptmanns Walter Eberhard Freiherr von Medem ein, das in Waldkirch aufgestellt wurde. Die Reichsregierung hatte Aufstellung und Einsatz mehrerer Freikorps für den Lettischen Unabhängigkeitskrieg beschlossen. Den Baltikumern wurden vage Zusagen gemacht, von der lettischen Regierung Land zu Siedlungszwecken zu erhalten. Schlageter, der Bauernsohn, plante möglicherweise den Landerwerb. Als Batterieführer war er an der Eroberung von Riga im Mai 1919 beteiligt. Im Juni schloss er sich dem Freikorps Horst von Petersdorff an. Als die Reichsregierung im Oktober 1919 den Abzugsbefehl gab, kam es zu einer offenen Meuterei: Die Freikorps bildeten die Deutsche Legion, diese schloss sich, zusammen mit der Eisernen Division, der Russischen Westarmee an. Schlageter gehörte zusammen mit etwa 40.000 weiteren meuternden Kameraden dazu. Die Freikorps-Truppen mussten sich vor neuen lettisch-litauischen Truppen kämpfend nach Ostpreußen zurückziehen. Dabei kam es auf beiden Seiten zu großen Grausamkeiten, auf deutscher Seite zu Verbrannter Erde. Am 16. Dezember 1919 soll Schlageters Batterie als eine der letzten Einheiten die deutsche Grenze überschritten haben.

Ab Anfang 1920 gehörte Schlageter mit dem Freikorps Petersdorff zur Marine-Brigade von Loewenfeld, die in Breslau den Kapp-Putsch unterstützte und an der Niederschlagung des linken Märzaufstands im Ruhrgebiet beteiligt war. Schlageter nahm unter anderem an Straßenkämpfen in Bottrop teil. Nach der zwangsweisen Auflösung der Brigade Ende Mai 1920 arbeitete er als Landarbeiter, ehe er Anfang 1921 an Aktionen der illegalen Gruppe „Organisation Heinz“ des ehemaligen Freikorpsführers Heinz Hauenstein in Oberschlesien teilnahm. Nach zeitweiligem Aufenthalt in der badischen Heimat kehrte er anlässlich des Dritten Polnischen Aufstandes im Mai mit dem Freikorps Hauenstein („Sturmbataillon Heinz“) nach Oberschlesien zurück und nahm erneut an den dortigen Volkstumskonflikten teil. Nach dem Ende der Kämpfe versuchte Schlageter im Auftrag Hauensteins, den polnischen Untergrund in Danzig zu infiltrieren. Dazu bot er dem polnischen Geheimdienst den Verkauf angeblicher deutscher Militärgeheimnisse an, wurde jedoch bald als deutscher Agent erkannt. Der Geheimdienst ließ ihn ziehen, veröffentlichte aber Fotos von Schlageter und setzte eine Belohnung für seine Verhaftung aus, was ihn für weitere Geheimaufträge in Polen nutzlos machte. 1922 eröffnete Schlageter zusammen mit Hauenstein in Berlin ein Export-Import-Unternehmen. In der Literatur gibt es die Annahme, dass es dem illegalen Waffenhandel diente.

Kaum ein anderer Punkt von Schlageters Biographie ist so umstritten wie die Frage, ob er Mitglied der NSDAP war. Hauenstein, Schlageter und Gerhard Roßbach, ein weiterer Freikorpsführer, hatten Adolf Hitler im August 1922 in München getroffen. Die Freikorpsführer fassten den Entschluss, die NSDAP in Norddeutschland, vor allem in Berlin, aufzubauen und dort Mitglieder zu werben. Für den 19. November 1922 hatten sie zur Gründungsversammlung der norddeutschen NSDAP eingeladen. Am 15. November 1922 erließ jedoch der preußische Innenminister Carl Severing ein Verbot der NSDAP nach § 14 Abs. 2 des Republikschutzgesetzes. Die Gründungsversammlung fand trotzdem statt, nur dass statt der NSDAP die Großdeutsche Arbeiterpartei (GDAP) als Tarnorganisation mit einem einschlägigen rechtsextremistischen und völkisch-antisemitischen Programm gegründet wurde. Sie wurde deshalb bereits nach kurzer Zeit ebenfalls verboten. Da Schlageter Gründungsmitglied der GDAP war und im Januar 1923 am ersten Reichsparteitag der NSDAP teilnahm, wird er als Nationalsozialist und NSDAP-Mitglied bezeichnet.

Vor dem Hintergrund, dass Schlageter vom Nationalsozialismus als „Blutzeuge“ in Anspruch genommen wurde, ist seine NS-Parteimitgliedschaft immer wieder bezweifelt worden. Dabei wurde vor allem ein Faksimile der GDAP/NSDAP-Mitgliederliste in einer einschlägigen NS-Publikation Friedrich Glombowskis aus dem Jahr 1934 quellenkritisch betrachtet, weil nicht die vollständige Liste, sondern nur ein Ausschnitt faksimiliert wurde. All diese Kritik ignoriert aber die mindestens seit 1988 bekannte Überlieferung der vollständigen Mitgliederliste der GDAP/NSDAP im Bundesarchiv.

Während der Ruhrbesetzung wurde Schlageter von Hauenstein für die Organisation Heinz aktiviert. Nach Ermittlungen der Politischen Polizei war es ein Oberingenieur Haller von den Krupp-Werken, der Hauenstein am 10. Januar 1923 über einen Mittelsmann kontaktieren ließ. Hauenstein wurde beauftragt, das französische Militär zu beobachten, den französischen „Spionagedienst“ zu überwachen und Transporte beschlagnahmter Kohlen nach Frankreich durch Sprengung von Bahnstrecken zu stören. Ein Sabotagetrupp von 20 Eisenbahnern aus Württemberg sei bereits vom Leiter des Reichsbahnschutzes, Karl Heiges, gebildet worden. Hauenstein sollte dazu noch Sprengexperten vermitteln.

Diverse Polizeibehörden stellten den Mitgliedern der Organisation Heinz falsche Pässe aus. Schlageter etwa beschaffte falsche Pässe vom Polizeipräsidium Bottrop. Insgesamt bestand das Kommando aus etwa 30 Mann. Schlageter leitete die 1. Gruppe mit anfangs zehn, später sieben Mann mit Sitz und Einsatzgebiet in Essen.

Hauenstein erklärte später, er habe sich persönlich Ende Januar 1923 in Berlin der Rückendeckung des Reichswehrministeriums versichert. Joachim von Stülpnagel habe ihm dort erklärt, dass das Reichswehrministerium großes Interesse an der Tätigkeit der Organisation Heinz habe, aber sich nicht unmittelbar damit befassen dürfe. Stattdessen sei er an Kurt Jahnke verwiesen worden. Damit wurde die Organisation Heinz in Jahnkes Versuch eingebunden, die verschiedenen Sabotagegruppen im Ruhrgebiet in einer staatlich lizenzierten, illegalen Sabotageorganisation zusammenzufassen. Zu diesem Zweck wurde in Münster von Privatpersonen, aber mit Rückendeckung der Reichswehr, eine Befehlsstelle unter der Leitung Franz von Pfeffers mit dem Tarnnamen „Zentrale Nord“ eingerichtet.

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