An diesem Tag

Albert Christian Weinlig

Deutscher Mediziner, Herausgeber, Beamter und Innenminister

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Albert Christian Weinlig (auch Christian Albert Weinlig; * 9. April 1812 in Dresden; † 19. Januar 1873 in Dresden) war ein Mediziner, Naturwissenschaftler, Herausgeber, Hochschullehrer sowie sächsischer Ministerialbeamter und Innenminister. Sein Wirken hat im Königreich Sachsen und darüber hinaus vielfältige technische Neuerungen, Normierungen und wirtschaftliche Entwicklungen maßgeblich befördert. Ihm verdankte das Deutsche Reich zielführende Schritte, die zum einheitlichen metrischen Maß- und Gewichtssystem sowie zu einem fortschrittlichen Patentgesetz führten.

Die Familie war seit dem 17. bis ins 19. Jahrhundert in Dresden ansässig. Sein Urgroßvater Christian Weinlig (1681–1762) war Bürgermeister von Dresden, sein Großonkel Christian Ehregott Weinlig war Kantor an der Kreuzkirche.

Geboren wurde Albert Christian Weinlig als zweites von insgesamt fünf Kindern in der Familie des späteren Kantors an der Leipziger Thomasschule, Christian Theodor Weinlig, und dessen Frau Charlotte Emilie, Schwester des Juristen Georg Carl Treitschke. Die günstigen Familienverhältnisse ermöglichten ihm seit seiner Jugend eine förderliche Entwicklung. Sein Vater war ursprünglich Advokat und konnte durch eine Erbschaft diesen Beruf aufgeben, um sich der Musik zu widmen. Dazu betrieb er zwischen 1806 und 1808 in Italien musikalische Studien. Seine Mutter war die Tochter des Hof- und Justitienrates Karl Friedrich Treitschke und dessen Frau Friederike Elenore Charlotte Treitschke geb. Lindemann. Freundschaftliche Verbindungen der Mutter bestanden zur Schwester des Dichters Theodor Körner.

Durch ein Missgeschick eines Familienangehörigen verlor der Vater sein Vermögen und musste sich um eine Anstellung bemühen. Das führte dazu, dass er 1814 die Stelle des Kreuzkantors in Dresden übernahm. Im Jahr 1823 erfolgte die Berufung zum Thomaskantor in Leipzig, wo der Vater auch die intensive Bekanntschaft mit Richard Wagner machte.

Die Kindheit und Jugend verbrachte Weinlig in Dresden und Leipzig. Bereits als Vierjähriger lernte er von seinem Vater das Lesen, das er ein Jahr später fließend beherrschte. Die berufliche Tätigkeit seines Vaters ermöglichte einen umfassenden häuslichen Musikunterricht. Früh fiel den Eltern die ungewöhnliche Fähigkeit im Kopfrechnen auf, und das mineralogische Interesse des Vaters weckte im kindlichen Albert Christian Weinlig das Interesse an naturwissenschaftlichen Dingen.

Durch den Umzug nach Leipzig wurde Weinlig Schüler in der Thomasschule. Seine besonderen Begabungen bereiteten ihm einige Schwierigkeiten. Er wurde dort als begabt und vielseitig interessiert, aber auch als „flatterhaft“ und mit „nicht zu lobenden Fleiß“ (1826) eingeschätzt. Besondere Begabungen zeigte er auch in den Fächern Latein, Griechisch und Geschichte. In seiner Schulzeit begann seine über das gesamte Leben anhaltende Freundschaft mit Julius Ambrosius Hülße.

Im Frühjahr 1829 verließen Weinlig und sein Freund Hülße die Thomasschule und begannen ihr Studium an der Universität Leipzig. Weinlig entschied sich für die Fächer Medizin und Naturwissenschaften, ferner besuchte er Vorlesungen in Philosophie und Sprachen. Seine Dissertation mit dem Titel De contagiis in universum et de infectione recens natorum verteidigte er 1833 und schloss damit das medizinische Bakkalaureat ab. Mit 21 Jahren wurde er von Johann Christian Gottfried Jörg als Unterarzt in der Entbindungsanstalt Leipzigs mit praktischen Aufgaben betraut. Später wirkte Weinlig als Assistenzarzt im Jacobshospital und in seiner Privatpraxis.

Herausgebertätigkeit und Industrieförderung

Weinligs ausgeprägtes naturwissenschaftliches Interesse blieb in seiner ärztlichen Berufsausübung unbefriedigt. Deshalb übernahm er 1835 mit Julius Ambrosius Hülße die Herausgabe des Polytechnischen Zentralblattes, Schreibweise im Original zunächst lange mit Polytechnisches Central-Blatt. Als alleiniger Herausgeber publizierte er seit 1830 das Pharmazeutische Zentralblatt, das später unter dem veränderten Titel Chemisches Zentralblatt als bedeutendes Referateorgan große Bekanntheit erwarb. Zwischen 1839 und 1840 schrieb Weinlig zwei Bücher, die sich mit wissenschaftlichen Fragestellungen der Chemie befassten. Kurz darauf, im Mai 1840, promovierte er zum Doktor der Philosophie (Thema: Industria Romanorum digestorum et codicum locis nonnullis explanata) und im Oktober desselben Jahres habilitierte er zum Privatdozenten. Der Titel seiner Habilitationsschrift lautete Examen theoriae electro-chemico-atomistico. Daraufhin erhielt er die Lehrberechtigung für Mineralogie, Geognosie und Technologie. In seinen Vorlesungen vollzog sich eine Entwicklung von anfänglich naturwissenschaftlichen Schwerpunkten hin zu technischen und staatstheoretischen Aspekten. Konkrete Themen seiner Dozententätigkeit an der Leipziger Handelsschule aus den Jahren 1842 und 1843 belegen die enorme Vielseitigkeit seiner Kenntnisse und waren im Einzelnen Allgemeine Technologie, Theorie des Ackerbaus, Elemente des Maschinenwesens, Eisenbahnen und Dampfschiffahrt. In der Folge erschien seine Schrift über die Mechanische Naturlehre.

Die Polytechnische Gesellschaft von Leipzig, deren Direktor Weinlig war, veranstaltete auf der Leipziger Michaelismesse eine im zweijährigen Abstand gehaltene Industrieausstellung. In diesem Zusammenhang bestand 1840 erstmals ein Kontakt zum Ministerium des Innern, das die Förderung dieser Industriemesse übernahm.

Als Julius Ambrosius Hülße, inzwischen Professor an der Gewerbschule Chemnitz, im Auftrag der Königlichen Sächsischen Regierung zur 10. Pariser Industrie-Ausstellung 1844 reiste, hatte er zuvor um Begleitung durch Weinlig gebeten, was schließlich bestätigt wurde. Das Ziel dieses Besuchs bestand in einer Berichterstattung über wesentliche technische Erfindungen und Neuerungen sowie die Beschaffung von Modellen, Proben und Preisvorstellungen bei den erreichbaren Herstellern. Nach der strapaziösen Rückreise erstattete Weinlig dem Geheimen Regierungsrat Karl Gustav Adalbert von Weissenbach über die gesammelten Eindrücke seinen Bericht.

Im Jahr 1845 erfolgte seine Berufung zum ordentlichen Professor an die Universität Erlangen. Dort übernahm er den Lehrstuhl für Nationalökonomie. Das geschah auf Empfehlung von Georg Hanssen an der Universität Leipzig, der die eigene Berufung für diese Stelle ausschlug.

In Erlangen konnte ihm die Universität nur ein kleines Gehalt, demzufolge eine einfache Lebensführung, und die Stadt nicht das von Leipzig gewohnte weltläufige Gesellschaftsumfeld bieten. Das Professorenkollegium integrierte Weinlig wohlwollend. In diesem Kreis freundete sich Weinlig mit dem Theologen Johann Christian Konrad von Hofmann, dem Philologen Johann Ludwig Christoph Wilhelm von Döderlein sowie mit Ernst Adolf Theodor Laspeyres, Heinrich Schmid und Eduard Joseph Schmidtlein sowie mit dem Gymnasiallehrer Schäfer an.

Der Kontakt zu dem Theologen Hofmann formte in Erlangen seine politischen Überzeugungen und die Abneigung gegenüber politischen Parteien. In der Zeit des Vormärz verfestigte sich bei ihm die Haltung, dass sich die völkerrechtliche Stellung Deutschlands als Bundesstaat mit einer Vielheit von Einzelstaaten mit auseinander gehenden politischen Sonderbestrebungen darstelle und von ihm nicht viel zu erhoffen sei. Seiner Meinung nach müssen die grösseren Fragen der Politik und der Gesetzgebung einer Lösung durch die einzelnen Staaten entzogen werden. Skeptisch zeigte er sich auch in Bezug auf die Funktionsfähigkeit der einzelnen Bundesstaaten, worüber er meinte, dass sie den notwendigen Aufwand an Talenten, an Staatsmännern nicht einmal hervorbringen und geschweige denn fortdauernd liefern könnten.

Der Tod des sächsischen Regierungsrates von Weißenbach erforderte eine Neubesetzung der Stelle der Abteilungsdirection. Der damalige Innenminister Johann Paul Freiherr von Falkenstein favorisierte zuerst Julius Ambrosius Hülße. Dessen Wirken an der damals für Sachsen bereits wichtigen Gewerbschule Chemnitz erschien so unentbehrlich, dass man bei Georg Hanssen in Leipzig nachfragte, ob er Weinlig empfehlen könne. Die positive Bewertung der Anfrage führte über ein Vorgespräch zur Berufung in den sächsischen Staatsdienst. Die Universität Erlangen hatte den Weggang von Weinlig durch ein Ersuchen bei der bayerischen Regierung um Gehaltserhöhung von 200 Talern jährlich abzuwenden versucht, dies aber traf in München auf kein zustimmendes Interesse.

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Albert Christian Weinlig | World in Stories