Alba Iulia (; deutsch Karlsburg oder Weißenburg, ungarisch Gyulafehérvár) ist die Hauptstadt des Kreises Alba in der Region Siebenbürgen. Zudem ist sie Sitz der Planungsregion Zentralrumänien.
Früher war der Ort als rumänisch Bălgrad, deutsch Weißenburg und Balgrad sowie ungarisch Erdélyifehérvár, Fehérvár und Fejérvár bekannt. Den deutschen Namen Karlsburg sowie den ungarischen Károlyfehérvár erhielt sie erst 1711 nach Kaiser Karl VI.
Die Stadt Alba Iulia liegt im Westen des Siebenbürgischen Beckens östlich des Trascău-Gebirges (Munții Trascăului), an der Mündung des Ampoi in den Mureș (Mieresch) und der Europastraße 81 und der Bahnstrecke Alba Iulia–Târgu Mureș. Alba Iulia ist etwa 15 Kilometer von Sebeș im Süden und ca. 27 Kilometer Aiud im Norden entfernt.
Die Besiedlung des Ortes reicht bis in die Jungsteinzeit zurück. In einer archäologischen Fundstätte im Nordosten der Stadt, in Lumea Nouă wurden 1942 entsprechende Funde gemacht.
Das Gebiet des heutigen Alba Iulia gehörte von 107 n. Chr. an zu Dakien. Da in der Nähe das Zentrum des Dakerreiches lag, errichteten die Römer – nach den Dakerkriegen und der Besetzung Dakiens – hier ein Legionslager und ein Praetorium consularis (Statthaltersitz) als Militär- und Verwaltungszentrum. Während der nächsten 160 Jahre trug die Siedlung den Namen Apulum und entwickelte sich zu einer Verwaltungszentrale der Gold- und Silberbergwerke im westlich gelegenen Siebenbürgischen Erzgebirge und zum Hafen und Handelszentrum der Region.
Während der Reichskrise des 3. Jahrhunderts zogen sich die Römer im Jahr 271 aus Apulum zurück. Die Stadt wurde durch die Wandervölker verwüstet. Nacheinander wurde das Gebiet von ostgermanischen Stämmen (Ostgoten, Gepiden) und halbnomadischen Reitervölkern (Awaren und Ungarn) bewohnt. Womöglich bereits im 6. Jahrhundert, als die Slawen begannen, unter awarischer Herrschaft in die Region einzuziehen, nannten sie die Stadt wegen der weiß gestrichenen Bauten Bălgrad („weiße Burg“ oder „die weiße Stadt“). Spätestens als das südliche Karpatenbecken unter bulgarische Herrschaft geriet, kann von einer Wiederbelebung der strategisch wichtigen Festung ausgegangen werden. Sie diente zur Überwachung des Salzhandels.
Die Hinterlassenschaften der Antike können im Muzeul Național al Unirii besichtigt werden.
Die Ungarn übernahmen den slawischen Namen sinngemäß und nannten es Fehérvár („Weißenburg“). Zur Unterscheidung der verschiedenen Weißenburgen im Herrschaftsgebiet der Magyaren (siehe: Székesfehérvár, Nándorfehérvár) erhielt sie Zusatz nach dem dort ansässigen Gyula. Gyula war damals noch kein Name, sondern der Titel des zweitmächtigsten Ungarn vor der Christianisierung der Magyaren. Die deutsche Bezeichnung Alba Iulias Karlsburg erhielt Weißenburg nach dem Ausbau der Festung unter dem Habsburger Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Karl VI.
Seit dem 9. Jahrhundert beherrschten die Gyulas von Alba Iulia aus das südöstliche Karpatenbecken. Ende des 10. Jahrhunderts begann der römisch-katholische König Stephan I. alle ungarischen Stämme zu vereinigen und die Christianisierung des noch teilweise heidnischen Volks voranzutreiben. Im Jahr 1003 nahm Stephan I. die Stadt seines Onkels Gyula Prokuj ein, der sich, wie sein Vater Zsombor, vergebens an Byzanz orientiert hatte. Der östliche Teil des Karpatenbeckens wurde integraler Bestandteil des nun christlichen feudalen Königreich Ungarn. Der Titel Gyula wurde nie wieder vergeben, hat sich aber bis heute im Namen der Stadt erhalten.
Mit der Vollendung der Grenzen des Erzbistums Weißenburg (Gyulafehérvár) im Auftrag des Papstes durch den Bischof von Ostia wurde Weißenburg im Jahr 1009 Sitz der kirchlichen Organisation Siebenbürgens. Der erste Bischof von Weißenburg war Buldus (1009–1046), gefolgt von Franco.
Im 12. Jahrhundert erhielt Weißenburg von der ungarischen Krone Privilegien, wurde aber 1241 durch einen Tatareneinfall verwüstet. Für den Wiederaufbau schenkte Ladislaus IV., König von Ungarn, dem Domkapitel von Weißenburg das Salzbergwerk Turda (Thorenburg).
Nach der Besetzung von Buda durch Süleyman I. und dem Zerfall des ungarischen Königreichs war die Stadt von 1451 bis 1690 kulturelles und administratives Zentrum des unter osmanischer Oberherrschaft stehenden Fürstentums Siebenbürgen. Zwischendurch wurde die Stadt kurzzeitig (1599–1601) vom walachischen Woiwoden Michael dem Tapferen besetzt und als Regierungssitz benutzt.
1622 gründete Gabriel Bethlen in Weißenburg die erste siebenbürgische protestantische Akademie, an der der schlesische Dichter Martin Opitz lehrte. Die Gründer der reformierten Akademie waren Johann Heinrich Alsted (1588–1638) und Johann Heinrich Bisterfeld (1605–1655). Alsted und Bisterfeld waren vorher Professoren an der reformierten Hohen Schule in Herborn gewesen und anerkannte Universalgelehrte. Mit ihnen kam auch Philipp Ludwig Piscator (1575/1580–1656?) nach Weißenburg. Er war der Sohn des reformierten Bibelwissenschaftlers Johannes Piscator und auch Theologieprofessor an der Hohen Schule. Das heutige Protestantisch-Theologische Institut (Reformierte Abteilung) in Klausenburg (Cluj) sieht in Johann H. Alsted seinen akademischen Gründer und versteht sich als Nachfolger der ehemaligen reformierten Akademie Weißenburg. Johann H. Bisterfeld war neben seiner akademischen Tätigkeit auch Diplomat und Geheimer Rat von Fürst Georg I. Rákóczi von Siebenbürgen. Alle drei Gelehrten wirkten bis zu ihrem Tode in Weißenburg.
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde die Stadt durch die Türken zerstört und anschließend von den kaiserlichen Truppen Karls VI. besetzt. Nach Einebnung vieler Bauten auf dem Areal der heutigen Festung wurde 1714 nach Plänen von Giovanni Morando Visconti im Auftrag des Prinzen Eugen von Savoyen mit dem Bau der siebeneckigen Festung im Vauban-Stil begonnen. Aus dieser Zeit bekam Weißenburg den Kunstnamen Karlsburg.
Von 1761 bis 1871 befand sich in Karlsburg die Münzprägeanstalt des ungarischen Teils der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. 1784 fand in Alba Iulia der Prozess und die Hinrichtung der Anführer des Bauernaufstandes von 1784 – Horea und Cloșca – statt.
Vertreter der Rumänen im zerfallenden Königreich Ungarn kamen vom 18. November bis 1. Dezember 1918 zu einer Nationalversammlung in Alba Iulia zusammen. Sie beschlossen die „Resolution von Alba Iulia“, in der sie sich für einen Anschluss Siebenbürgens, des Banats und weiterer bislang ungarischer Gebiete an Rumänien aussprachen. Dieses wurde in dem Vertrag von Trianon bestätigt; es entstand Großrumänien. An dieses Votum erinnert die Halle der Einheit (Sala Unirii) sowie der rumänische Nationalfeiertag (Tag der Großen Einheit) am 1. Dezember. Im Zuge dieser Ereignisse wurde Alba Iulia Kreishauptstadt, Sitz des römisch-katholischen- und des griechisch-orthodoxen Bischofs und Verwaltungs- und Kulturzentrum der Region. Die städtischen Verwaltungsgebäude stammen zum größten Teil aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Im Jahr 1922 wurden in Alba Iulia Ferdinand I. und Maria von Rumänien als König und Königin des neuen Großrumänien gekrönt. Die orthodoxe Kathedrale wurde zu diesem Anlass erbaut.
Mit der Verwaltungsreform von 1968 und der Eingliederung von Gemeinden setzte in der Stadt die Industrialisierung ein, und es entstanden neue Wohnviertel.
Anfang 1987 sollte in der Stadt ein Hochhaus, welches auf dem heutigen Bulevardul Transilvania die Sicht auf die Dreifaltigkeitskathedrale versperrte, verschoben werden. Auch wenn Rumäniens damaliger Staats- und Parteichef Nicolae Ceaușescu mit der freien Sicht auf die Kathedrale nicht ganz einverstanden war, konnte er doch überzeugt werden. Ein 7600 Tonnen schwerer Teil des Hochhauses wurde am 27. Mai 1987 in 5 Stunden und 40 Minuten um etwa 70 Meter verschoben und der zweite und größere Teil des Hochhauses wurde am 29. Juli 1987 in 6 Stunden und 40 Minuten verschoben, sodass der 55 Meter breite Bulevardul Transilvania mit Sicht auf die Kathedrale entstehen konnte.