Alan Shearer, CBE (* 13. August 1970 in Newcastle upon Tyne, Tyne and Wear) ist ein ehemaliger englischer Fußballspieler und aktueller TV-Kommentator. Mit 260 Treffern ist Shearer Rekordtorschütze der Premier League und wurde dreimal englischer Torschützenkönig. Während seiner Laufbahn erreichte er einen Saisonschnitt von rund 25 Toren und zählte zu den besten Mittelstürmern der Welt. Shearer war für den FC Southampton, die Blackburn Rovers und Newcastle United aktiv und bestritt 63 Länderspiele für die englische Nationalmannschaft (30 Tore).
Shearer ist Mitglied der FIFA 100 sowie der Hall of Fame der Premier League.
Alan Shearer wurde am 13. August 1970 in der nordenglischen Stadt Newcastle upon Tyne geboren. Die Einwohner der Industrieregion Tyne and Wear werden in Großbritannien als Geordies bezeichnet und auch Shearer stammt aus einer Arbeiterfamilie. Vater Alan senior arbeitete in einer Blech-Fabrik und lebte mit seiner Frau und den beiden Kindern im Stadtteil Gosforth. Der junge Alan war zunächst Straßenfußballer, spielte dann für die Schulmannschaft und schließlich für den lokalen Amateurverein Wallsend Boys Club. Schon als Kind war er Fan von Newcastle United und schwärmte besonders für den englischen Nationalspieler Kevin Keegan. Während eines Probetrainings bei seinem Lieblingsklub präsentierte sich Shearer ausschließlich als Torwart und wurde abgelehnt. Stattdessen war ein Talentscout des FC Southampton auf den jugendlichen Shearer aufmerksam geworden und holte ihn im April 1986 in deren Nachwuchsabteilung. Damit verließ der 15-Jährige seine nordenglische Heimat und zog nach Southampton an die Südküste (Hampshire). Die kommenden beiden Jahre spielte Shearer für die Nachwuchsmannschaften der Saints.
Nach zwei Jahren als Jugendspieler rückte Shearer in den Profikader auf und debütierte am 26. März 1988 gegen den FC Chelsea. Zwei Wochen später spielte er sich beim 4:2-Heimsieg über den FC Arsenal mit einem Hattrick ins Rampenlicht. Denn mit 17 Jahren und 240 Tagen war Shearer der jüngste Spieler, dem dies in der höchsten englischen Spielklasse gelungen war und er hatte den 30 Jahre alten Rekord von Jimmy Greaves eingestellt. Trotz dieses vielversprechenden Karrierestarts schaffte es Shearer nicht zum Stammspieler. Er kam in der Folgesaison 1988/89 nur zehnmal zum Einsatz und blieb ohne Torerfolg.
Der FC Southampton war ein Klub aus dem Mittelfeld der First Division und setzte konsequent auf die eigenen Nachwuchsspieler. Während der Saison 1989/90 konnte sich Shearer als etatmäßiger Mittelstürmer etablieren. Mit seiner kämpferischen Spielweise behauptete er viele Bälle und schaffte Räume für die Flügelspieler Rod Wallace (rechts) und Matt Le Tissier (links). Seine eigene Trefferquote war allerdings mit sieben Ligatoren in zwei Jahren bescheiden. Trotzdem zählte er zu den Publikumslieblingen in The Dell und die Fans der Saints wählten ihn 1991 zum Player of the Year. Der endgültige sportliche Durchbruch sollte Shearer in seiner letzten Spielzeit (1991/92) gelingen. Der neue Trainer Ian Branfoot änderte das bisherige Spielsystem und setzte auf Iain Dowie als zweiten zentralen Stürmer neben Shearer. Nach Umstellung der taktischen Ausrichtung wurde Shearer mit 13 Toren in 41 Liga-Einsätzen bester Torschütze seiner Mannschaft und schaffte den Sprung zum Nationalspieler. Allerdings stagnierte die sportliche Entwicklung des FC Southampton, der lange gegen Abstieg kämpfte und lediglich den 16. Tabellenplatz belegte. Daher entschloss sich Shearer im Sommer 1992 zu einem Vereinswechsel.
Shearer entschied sich gegen ein Vertragsangebot von Manchester United. Stattdessen wechselte er am 27. Juli 1992 für die englische Rekordablöse von 3,6 Millionen £ zu den Blackburn Rovers. Der örtliche Stahlmagnat Jack Walker unterstützte den Klub großzügig und hatte Kenny Dalglish als Trainer verpflichten können. 1992/93 ging die neu gegründete Premier League in ihre erste Spielzeit und Shearer erwies sich sofort als der erhoffte Torjäger. In 21 Spielen hatte er 16-mal getroffen, bis er sich am Boxing Day gegen Leeds United (26. Dezember 1992) einen Kreuzbandriss zuzog und den Rest der Saison verletzungsbedingt ausfiel. Trotz dieser Pause wurde Shearer erstmalig in das PFA Team of the Year gewählt. Zu Beginn der Saison 1993/94 kehrte Shearer in die Mannschaft zurück und fand schnell wieder zu alter Form. Seine Spielweise war schnörkellos, pragmatisch und zeichnete sich dadurch aus, dass er stets den direkten Torabschluss suchte. Dabei war Shearer kein bloßer Vollstrecker, der auf seine Chancen wartete, sondern mit einem harten und präzisen Schuss ausgestattet, strahlte er auch außerhalb des Strafraums Torgefahr aus. Trotz seiner verhältnismäßig geringen Körpergröße überzeugte er auch als Kopfballspieler. Mit 31 Treffern zeichnete Shearer fast für die Hälfte von Blackburns Saisontoren verantwortlich und hatte großen Anteil an der Vizemeisterschaft. Für seine Leistungen wählten ihn die heimischen Fußballjournalisten (Football Writers’ Association) zu Englands Fußballer des Jahres.
Trainer Dalglish hatte die Rovers mit klugen Transfers (u. a. Tim Flowers, Stuart Ripley, Graeme Le Saux, Henning Berg) zu einem Spitzenteam geformt, das sich zum größten Herausforderer von Manchester United aufschwingen konnte. Die rasante sportliche Entwicklung gipfelte in der historischen Spielzeit 1994/95 und Walkers Investitionen in den Klub wurden mit der ersten englischen Meisterschaft seit 1914 belohnt. Blackburn etablierte sich von Beginn an in der Spitzengruppe und übernahm am 14. Spieltag erstmals die Tabellenführung. Da die Mannschaft im FA Cup, League Cup und dem UEFA-Pokal frühzeitig scheiterte, lag der Fokus bald ausschließlich auf der Premier League. Nach einem dramatischen Saisonfinale gewannen die Rovers am letzten Spieltag mit einem Punkt Vorsprung den Meistertitel. Garant des sportlichen Erfolgs war das Sturmduo bestehend aus Alan Shearer und Chris Sutton, die zusammen 49 der 80 Saisontore erzielten. Mit dem neu zu den Rovers gestoßenen Sutton bildete er auf Anhieb eine kongeniale Partnerschaft, die fortan als „SAS“ („Sutton and Shearer“) in den Medien große Bekanntheit erlangte. Die Abkürzung SAS steht eigentlich für Special Air Service, eine Spezialeinheit der British Army. Shearer befand sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere und übertraf mit 34 Toren in 42 Spielen seine Leistung des Vorjahres. Hinzu kamen 13 Torvorlagen. Shearer hatte mit Andy Cole gleichgezogen, dem im Vorjahr ebenfalls 34 Saisontreffer gelungen waren und die Rekordmarke sollte erst 2023 durch Erling Haaland mit 36 Toren überboten werden.
Shearer konnte seinen Titel als Torschützenkönig verteidigen und erhielt die Auszeichnungen als Premier League Player of the Season sowie Englands Fußballer des Jahres, verliehen von der Profifußballer-Gewerkschaft (PFA). Obwohl er zu einem der größten Fußballstars aufgestiegen war, trat Shearer abseits des Platzes beschieden auf; der Guardian bezeichnete ihn als typischen „working class hero.“ Im Mai 1995 unterschrieb er einen Acht-Jahres-Vertrag mit dem englischen Sportartikelhersteller Umbro, der ihm 2,5 Mio. £ einbrachte und zu einem der wichtigsten Werbeträger des Unternehmens machte. Zwei Jahre später nahm ihn der Getränkehersteller Lucozade ebenfalls unter Vertrag, Shearer erhielt dafür 1,5 Mio. £.
Nach dem Triumph begann Blackburns schleichender Niedergang. Trainer Dalglish wechselte ins Management und sein bisheriger Assistent Ray Harford ersetzte ihn. Unter Harford misslang den formschwachen Rovers der Saisonstart. Sie verloren die Partie um den FA Community Shield (0:1 gegen den FC Everton) und schieden aus der UEFA Champions League wenig überzeugend nach der Gruppenphase aus (1 Sieg, 1 Unentschieden, 4 Niederlagen). In der Premier League rutschten sie zwischenzeitlich in die untere Tabellenhälfte und beendeten die Saison 1995/96 schließlich als Siebter. Zwar hatte Shearer bei seiner Premiere in der Königsklasse nur ein Tor erzielt, blieb aber in der Liga auf konstant hohem Niveau und treffsicher. Ihm gelangen fünf Hattricks, und als erster Spieler erreichte Shearer am 30. Dezember 1995, nach 124 Liga-Spielen, die Marke von 100 Premier-League-Toren. Trotz des Abwärtstrends seines Klubs verteidigte er mit 31 Saisontreffern die englische Torjägerkanone und hatte damit dreimal in Folge über 30 Tore erzielt.