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Alain Guiraudie

Französischer Filmregisseur und Drehbuchautor

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Alain Guiraudie (* 15. Juli 1964 in Villefranche-de-Rouergue, Département Aveyron) ist ein französischer Filmregisseur, Drehbuchautor und Filmschauspieler.

Nach seinem Schulabschluss begann Guiraudie Romane zu schreiben, blieb damit jedoch erfolglos. Mit dem Kurzfilm Les héroes sont immortels 1990, basierend auf einem seiner Romane trat er erstmals als Regisseur und Drehbuchautor in Erscheinung. Während er als Nachtwächter arbeitete, veröffentlichte er weitere Kurzfilme, im Jahr 2001 erschien sein erster Langfilm Du soleil pour les gueux.

International erfolgreich war vor allem der Erotikthriller Der Fremde am See (2013), für den Guiraudie unter anderem auf den Filmfestspielen von Cannes mit dem Regiepreis und der Queer Palm ausgezeichnet wurde. Auch sein nächster Film Haltung bewahren! (2016) wurde auf den Filmfestspielen in Cannes gezeigt und war für die Goldene Palme nominiert.

Guiraudies Tragikomödie Nobody’s Hero (2022) mit Jean-Charles Clichet und Noémie Lvovsky in den Hauptrollen wurde als Eröffnungsfilm der Berlinale-Sektion Panorama ausgewählt. Im selben Jahr wurde er in die Wettbewerbsjury des 75. Filmfestivals von Locarno berufen.

Guiraudies Arbeiten weisen teilweise Comicelemente auf. So sind in Wer schläft, der stirbt einzelne Comicszenen enthalten. Frühere Werke sind reine Comics.

Laut eigener Aussage hat der französische Philosoph Georges Bataille wichtigen Einfluss auf seine Arbeit.

Alain Guiraudie ist vor allem als Filmemacher bekannt, hat jedoch seit 2014 ein eigenständiges literarisches Werk vorgelegt, das aus vier Romanen besteht. Diese bilden eine lose zusammenhängende Saga, die im ländlichen Süden Frankreichs angesiedelt ist und Themen wie Begehren, Gewalt, Schuld, Ausgrenzung und Gemeinschaft verhandelt. Dabei wirkt der Gegensatz zwischen okzitanischer und französischer Sprache als zentrales ästhetisches und politisches Spannungsfeld: Während das Französische für institutionelle Ordnung, Normierung und soziale Kontrolle steht, markiert das Okzitanische eine widerständige, mündliche und körperlich verankerte Gegenkultur, die Guiraudie gezielt als Mittel der sprachlichen und symbolischen Entgrenzung einsetzt.

Bereits der Debütroman Ici commence la nuit (2014) machte durch seine radikale Darstellung von Sexualität und Machtverhältnissen auf sich aufmerksam. Mit dem über tausend Seiten umfassenden Rabalaïre (2021) entwickelte Guiraudie eine expansive Erzählform, in deren Zentrum der ziellose Erzähler Jacques Bangor steht, dessen Bewusstseinsstrom Kriminalhandlung, Fantastik, Sozialroman und philosophische Reflexion miteinander verschränkt. Die beiden Folgeromane, Pour les siècles des siècles (2024) und Persona non grata (2025), führen diese Erzählwelt fort und verschieben sie in metaphysische und institutionelle Dimensionen. Im Mittelpunkt steht hier die fiktionale Verschmelzung zweier Figuren zu einem gemeinsamen Subjekt, was Fragen nach Identität, Körperlichkeit, Liebe und religiöser Ordnung aufwirft.

Charakteristisch für Guiraudies Bücher sind eine stark mündlich geprägte Sprache, der bewusste Einsatz okzitanischer Sprachelemente sowie die Auflösung klarer Genregrenzen. Sein literarisches Werk wird als „Roman-Flux“ beschrieben: ein Schreiben im Zeichen des Fließens, das stabile Identitäten, lineare Handlungsmuster und moralische Eindeutigkeiten systematisch unterläuft und Begehren als zentrale, gesellschaftlich wirksame Kraft ins Zentrum stellt.

Als Regisseur und Drehbuchautor

1990: Les héros sont immortels (Kurzfilm)

1994: Tout droit jusqu’au matin (Kurzfilm)

2001: Du soleil pour les gueux

2001: Der alte Traum lässt uns nicht los (Ce vieux rêve qui bouge)

2003: Wer schläft, der stirbt (Pas de repos pour les braves)

2008: C’est votre histoire (Fernsehserie, eine Folge, nur Regie)

2009: König der Fluchten (Le roi de l’évasion)

2013: Der Fremde am See (L’inconnu du lac)

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