Alain Fabien Maurice Marcel Delon [alɛ̃ dəlɔ̃] (* 8. November 1935 in Sceaux; † 18. August 2024 in Douchy) war ein französisch-schweizerischer Schauspieler und Filmproduzent. Seinen Durchbruch feierte er 1960 mit den Filmen Nur die Sonne war Zeuge und Rocco und seine Brüder. In den 1960er und 1970er Jahren zählte er zu den populärsten Stars des europäischen Kinos.
Er drehte mit renommierten Regisseuren wie Luchino Visconti (Der Leopard), Michelangelo Antonioni (Liebe 1962), Jean-Pierre Melville (Vier im roten Kreis) und Jean-Luc Godard (Nouvelle Vague). Mit seiner zeitweiligen Lebensgefährtin Romy Schneider arbeitete er in drei Filmen zusammen, darunter Der Swimmingpool. Obwohl er auch einige klassische Heldenrollen spielte, wurde er – vor allem seit seinem Auftritt als Profikiller in Melvilles Der eiskalte Engel (1967) – vorwiegend in der Rolle des skrupellosen Zynikers und kühlen Einzelgängers besetzt.
Alain Delon wurde 1935 in Sceaux als Sohn von Edith Arnold (1911–1995) und Fabien Delon (1904–1977) geboren. Nach der Scheidung seiner Eltern wuchs er ab seinem vierten Lebensjahr bei Pflegeeltern in Fresnes auf. Nach dem Unfalltod seiner Pflegeeltern lebte er ab seinem elften Lebensjahr wieder bei seiner leiblichen Mutter, die inzwischen mit dem Metzger Paul Boulogne (1914–1985) verheiratet war. Delon wurde insgesamt sechsmal der Schule verwiesen und anschließend in ein Internat geschickt. Mit 14 Jahren verließ er endgültig die Schule und arbeitete zunächst einige Zeit lang in der Metzgerei seines Stiefvaters. Von 1952 bis 1956 war er Marinesoldat und diente von 1953 bis 1954 im Indochinakrieg. Dabei verbrachte er wegen verschiedener Vergehen fast ein Jahr hinter Gittern, bevor er 1956 unehrenhaft entlassen wurde. Eines seiner Vergehen, so erzählte er 1970 dem Talkshow-Moderator Dick Cavett, war der Diebstahl eines Jeeps.
Nach dem Militärdienst arbeitete Delon auf dem Pariser Lebensmittelgroßmarkt Les Halles und nahm Schauspielunterricht.
1957 war Delon einige Monate mit der Schauspielerin Brigitte Auber liiert. Von 1959 bis 1964 führte er eine schlagzeilenträchtige Liebesbeziehung mit seiner Kollegin Romy Schneider (1938–1982), die er noch 2019 als große Liebe seines Lebens bezeichnete. 1963/64 hatte Alain Delon eine Liaison mit der Sängerin Dalida.
Von 1964 bis 1968 war Delon mit der Schauspielerin Nathalie Delon verheiratet. Der gemeinsame Sohn, Anthony (* 1964), ist ebenfalls als Filmschauspieler tätig.
Danach, von 1969 bis 1984, führte Delon eine langjährige Liebesbeziehung mit der Schauspielerin Mireille Darc (1938–2017), mit der ihn auch später, bis zu ihrem Tod, ein enges Vertrauensverhältnis verband.
Von 1987 bis 2002 war er mit dem niederländischen Model Rosalie van Breemen (* 1966) liiert. Dieser Verbindung entstammen Anouchka (* 1990) und Alain-Fabien Delon (* 1994). Anouchka Delon wohnt in der Schweiz und soll ihrem Vater sehr nahegestanden haben. So soll sie auch ein Haus auf dem Grundstück ihres Vaters in Douchy besitzen.
Die deutsche Künstlerin Nico (1938–1988) gab an, Delon sei der Vater ihres Sohnes Christian Aaron „Ari“ Päffgen (1962–2023). Delon bestritt die Vaterschaft, was seinerzeit zum Zerwürfnis mit Delons Mutter, Edith Boulogne, führte. Ab Ende der 1960er Jahre wuchs Ari Päffgen größtenteils bei ihr nahe Paris auf; später wurde er von der Familie adoptiert und trug fortan den Nachnamen des zweiten Mannes von Delons Mutter. 2020 versuchte Ari Boulogne, der als Fotograf tätig war, mit juristischen Mitteln einen Vaterschaftstest zu erzwingen. Das französische Gericht wies dies mit der Begründung ab, Alain Delon habe seinen Hauptwohnsitz in der Schweiz und französische Behörden seien daher nicht zuständig.
1968 wurde Stevan Marković, der jugoslawische Leibwächter, Freund und angebliche Liebhaber von Delons damaliger Ehefrau Nathalie, ermordet aufgefunden. Delon, der vor allem als Schauspieler in Gangsterrollen sehr erfolgreich war, wurden seither Verbindungen zur Halbwelt nachgesagt. Obwohl Boulevardzeitungen Spekulationen um Delons Verstrickung in die Marković-Affäre Vorschub leisteten, konnten entsprechende Beweise nie erbracht werden.
Nebentätigkeiten und Einbürgerung in die Schweiz
Neben seiner Tätigkeit als Filmschauspieler veranstaltete Delon Boxkämpfe, leitete einen Rennstall und vermarktete Parfum, Champagner und Cognac. Im März 2000 erhielt er das Schweizer Bürgerrecht. Er lebte lange in Chêne-Bougeries im Kanton Genf, wo er heimatberechtigt war. In Genf besaß er eine Wohnung.
Delons politische Orientierung war seinen öffentlichen Äußerungen zufolge rechts einzuordnen. So bezeichnete er sich als französischen Patrioten, der Napoleon Bonaparte und Charles de Gaulle verehrte, aber auch als „persönlichen Freund“ von Jean-Marie Le Pen, dessen Positionen er tendenziell teile, ohne ihm jedoch bei Wahlen je seine Stimme gegeben zu haben. Le Pen hatte er als Soldat im Indochinakrieg kennen und schätzen gelernt. Im Oktober 2013 bekundete Delon auch seine Sympathie für Marine Le Pen, die Tochter Jean-Marie Le Pens und dessen Nachfolgerin an der Spitze des Front National (FN).
Darüber hinaus bekannte Delon, Gaullist und Anhänger von Nicolas Sarkozy („sarkozyste“) zu sein, und erklärte, unter dessen Präsidentschaft wäre der Erfolg des FN undenkbar gewesen; den Aufstieg des FN beurteilte er als Folge der verfehlten Politik von Sarkozys sozialistischem Amtsnachfolger, François Hollande. Im Juli 2013 sagte Delon in einem Interview mit der Zeitung Le Figaro, dass Homosexualität „gegen die Natur“ und er selbst gegen das Adoptionsrecht für Homosexuelle sei.
Bis zu seinem Tod lebte Delon zurückgezogen mit seinen Haustieren auf einem 1971 erworbenen Anwesen in Douchy im französischen Département Loiret und in der Schweiz. Im Mai 2019 wurde er auf dem Filmfestival von Cannes mit der Ehrenpalme für sein Lebenswerk geehrt. Im Juni 2019 erlitt er einen Schlaganfall, der eine langwierige Rekonvaleszenz nach sich zog. Darauf wurde ihm eine Betreuerin beigestellt, die bei ihm einzog. Sie soll den Kontakt zwischen Delon und seinen Kindern behindert haben und wurde von Delons Familie wegen seelischer Misshandlung verklagt. 2022 erklärte Delon, eine aktive Sterbehilfe in der Schweiz in Erwägung zu ziehen; entsprechende Vorbereitungen habe er getroffen. Wegen seines zunehmenden Alters und der damit verbundenen Unselbstständigkeit wurde ihm von den Behörden ein Betreuer zugewiesen. Sein Vermögen wurde 2024 auf 300 Millionen Euro geschätzt.
Im Februar 2024 fand die französische Polizei bei einer Hausdurchsuchung bei Delon 72 Waffen, darunter auch solche, die als Kriegsgerät eingestuft sind, sowie etwa 3000 Schuss Munition, obwohl Delon keinen Waffenschein besaß. Die Waffen waren der Rest einer Sammlung, die er in den 2010er Jahren versteigert hatte.
Alain Delon starb am 18. August 2024 im Alter von 88 Jahren in Douchy. Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron erinnerte an die Rollen Delons und sagte, er sei ein „monument français“. Die französische Kulturministerin Rachida Dati erklärte, man habe ihn für „unsterblich“ gehalten, da er auf der Leinwand mehrere Leben gehabt habe. Mit vielfältigen Rollen verkörpere Delon wie kein anderer die Gesamtheit der französischen Kinokunst. Auch die Schauspielerin Claudia Cardinale, die in jungen Jahren mit Delon in dem Film Der Leopard gespielt hatte, würdigte ihren Kollegen anlässlich der Nachricht seines Todes.
Im Jahr 1957 begleitete Delon seine damalige Freundin, die Schauspielerin Brigitte Auber, zu den Filmfestspielen von Cannes. Dort freundete er sich mit dem Schauspieler Jean-Claude Brialy an und kam in Kontakt mit der Filmindustrie. Er traf seinen späteren Agenten, Georges Beaume, und wurde von Henry Willson entdeckt, der neue Talente für den US-amerikanischen Filmproduzenten David O. Selznick anwarb. Noch 1957 erhielt Delon seine erste Filmrolle: In Die Killer lassen bitten verkörperte er in einer Nebenrolle einen Mörder und fand so frühzeitig zu einem Image, mit dem ihn das Publikum fortan verband. Bei den Dreharbeiten zu Christine (1958) begegnete Delon Romy Schneider, die seine Lebensgefährtin wurde.