Al Jolson (* 26. Mai 1886 in Seredžius (Srednik), Gouvernement Kowno, Russland, heute Litauen, als Asa Yoelson; † 23. Oktober 1950 in San Francisco) war ein US-amerikanischer Sänger und Entertainer.
Nach großen Broadway-Erfolgen erlangte er 1927 mit seiner Titelrolle in dem Film The Jazz Singer, der als erster abendfüllender Tonfilm gilt, besondere Bekanntheit. Außerdem prägte er die amerikanische Radiolandschaft der 1930er und 1940er Jahre.
Jolson wurde als jüngster Sohn von vier Kindern (zwei Schwestern, ein Bruder) eines streng religiösen jüdischen Kantors, Moses Yoelson, in Srednik an der Memel geboren. Um Armut und Antisemitismus zu entfliehen, emigrierte die Familie um 1894 in die USA nach Washington (D.C.). Kurz nach der Ankunft verstarb seine Mutter Naomi Yoelson nach kurzer, schwerer Krankheit. Als bald darauf der Vater erneut heiratete, floh Jolson mit seinem Bruder aus dem Elternhaus nach New York und schlug sich unter anderem als Sänger und Schuhputzer durch. Er trat auf den verschiedensten Theaterbühnen in zumeist armen Stadtvierteln auf. Auch lebte er für einige Zeit auf der Straße und in einem Waisenhaus. Bedingt durch seine Lebensumstände war Jolson häufig von Krankheiten (Lungenentzündungen etc.) geplagt und kehrte hin und wieder vorübergehend zu seinem Vater zurück, der mittlerweile eine neue Familie gegründet hatte.
Während der ersten größeren Erfolge als Vaudeville-Künstler entwickelte Jolson seine künstlerischen Markenzeichen: schwarzes Make-up, um afroamerikanische Blues- und Jazzsänger zu imitieren, was zu den damals typischen Minstrel-Shows gehörte. Er entwickelte eine bühnenfüllende und das Publikum einnehmende Gestik bzw. Interaktion, insbesondere das Spiel mit seinen Augen (Augenrollen und ähnliches), kunstvolles Pfeifen und ein opernhafter Gesangsstil im musikalischen Jazz-Kontext.
Im Jahr 1911, Jolson war gerade 25, gelang ihm der Durchbruch. Er baute gegen den Willen der Produzenten seinen als Nebenrolle vorgesehenen Part im Broadway-Musical La Belle Parée zur Hauptrolle aus. Das Publikum liebte seinen Stil und seine Auftritte, und innerhalb kürzester Zeit gewann er Starruhm. Bis Mitte der 1920er Jahre trat er als Star in diversen Broadway-Shows auf und nahm ab 1911 auch Schallplatten auf; die Verkäufe seiner Tonträger erreichten für die damalige Zeit hohe Zahlen. Eines seiner zentralen musikalischen Markenzeichen entstand in der Vaudeville-Zeit: die „one-knee-performance“, bei der Jolson auf einem Bein kniete und „My Mammy“ sang. Er hat später immer wieder verschiedene Songs ausprobiert, in denen er die Figur der Mutter besungen hat. Das Publikum brachte Jolson zeitlebens mit den „Mammy-Songs“ in Verbindung.
Jolson war zunächst in Europa weniger bekannt als in den USA. Zu seiner Zeit gab es noch keine Urheberrechte, und da Jolson es ablehnte, außerhalb der USA aufzutreten, wurden seine Songs in Europa von anderen Künstlern gesungen beziehungsweise seine Interpretationsart teilweise kopiert. In seinen späteren Jahren war Jolson von einer steigenden Eitelkeit befallen: Es ist bekannt, dass Jolson, um seine eigentlich markante Zahnlücke zwischen den Schneidezähnen zu verstecken, eine herausnehmbare Zahnbrücke trug. Auch tönte er über viele Jahre seine grauen Haare, trug vereinzelt sogar verschiedene Haarteile und vermied es (auch vor Freunden), mit seiner Brille gesehen zu werden.
Durch Jolsons Erfolg wurden viele berühmte Musikstücke popularisiert, darunter Titel wie You Made Me Love You, Rock-a-Bye Your Baby with a Dixie Melody, Angel Child, April Showers, Toot Toot Tootsie, California, Here I Come, When the Red Red Robin Comes Bob Bob Bobbin’ Along, Mammy und Avalon. Jolsons Interpretation des Liedes Swanee führte zum ersten großen kommerziellen Erfolg des später zu Weltruhm aufgestiegenen Komponisten George Gershwin. Jolson bezeichnete allerdings Stephen Foster, der Songs wie Oh Susanna oder My Old Kentucky Home geschrieben hatte, als besten Songwriter überhaupt.
Im Jahr 1927 traten der Filmproduzent Jack L. Warner und der Regisseur Alan Crosland an Jolson heran und unterbreiteten ihm ein Filmangebot: Die Hauptrolle in dem – zufällig – wesentlich autobiographisch geprägten Film The Jazz Singer sollte seinen Ruhm weiter ansteigen lassen. Dadurch, dass sich Jolson nicht an die Drehbuchvorlage gehalten und gegen den Willen der Produzenten kurze, für ihn typische Dialoge zwischen den Gesangsszenen improvisiert hatte, bereitete er dem Tonfilm den Weg. Aus diesem Grund gilt The Jazz Singer als erster kommerziell erfolgreicher Tonfilm überhaupt. Jolson verzichtete für diesen Film, von dem niemand einen derartigen Erfolg erwartet hatte, auf seine Gage, weil Warner Bros. kurz vor dem Konkurs stand. Wider Erwarten verdiente er letztlich fast eine Million US-Dollar an diesem Film – und Warner Bros. war gerettet.
Zuvor hatte Jolson bereits zwei andere Filmangebote, von denen er eines realisierte: A Plantation Act, einen Film, in dem Warner Bros. bereits die Vitaphone-Technik ausprobierte. Den anderen Film brach er mitten in der Produktion ab, weil er die Arbeit mit der Kamera anstelle des Publikums nur schwer ertrug und auf der Leinwand seiner Meinung nach aussehe wie ein Zebra. Ein ständig wechselnder Stab trug ein Übriges zu dieser Entscheidung bei. Der Film Singing Fool, den Jolson ein Jahr nach dem „Jazz Singer“ drehte, brach dessen Rekorde und blieb bis Vom Winde verweht der erfolgreichste Kinofilm überhaupt. Filmisch befand sich Jolson nun – nach fast 20 erfolgreichen Broadway-Jahren – auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Er wurde zu einer amerikanischen Institution, hatte zu verschiedenen Präsidenten der USA Kontakt und speiste bisweilen im Weißen Haus. Nach dem Erfolg von The Jazz Singer trat Jolson in zwölf weiteren Filmen auf. Seine schauspielerischen Fähigkeiten erreichten nicht die Qualität, die er als Live-Entertainer hatte, dennoch waren die meisten seiner Filme Publikumserfolge.
In den 1930er Jahren veränderte sich der Publikumsgeschmack; Jolsons eher klassischer Gesang wurde nun als veraltet empfunden und von den Croonern abgelöst. Jüngere Musiker wie Bing Crosby wurden allmählich erfolgreicher. Jolson war bereits um die 50. Dennoch konnte er sich außerhalb des Hollywoodfilms nicht über mangelnde Angebote beklagen. Fortan konzentrierte er sich auf die Arbeit im damaligen Leitmedium Radio und trat in diversen Shows sowohl als Gastgeber als auch als Gast auf. Seine Radioshows erreichten regelmäßig hohe Einschaltquoten. Als die USA in den Zweiten Weltkrieg zogen, absolvierte Jolson als erster namhafter Entertainer eine große musikalische Tournee zur Truppenunterstützung, u. a. mit Marlene Dietrich. Jolson war zu dieser Zeit fast 60 Jahre alt und ging auf dieser Tournee an seine körperlichen Grenzen. 1944 erkrankte er nach mehreren Auftritten in Afrika an Malaria, wovon er sich nur schwer erholte. Im selben Jahr musste ihm ein Lungenflügel entfernt werden. Danach veränderte sich seine Stimme, die anschließend wesentlich tiefer wurde. In dieser Zeit lernte er seine vierte und letzte Frau Erle Galbraith kennen. Sie war 21, als sie 1945 heirateten.
Seine erfolgreichste Radioshow war die Kraft Music Hall Ende der 1940er Jahre. Alle Showgrößen der damaligen Zeit (von Bing Crosby über Cary Grant bis hin zu Humphrey Bogart und Doris Day) traten in dieser Show auf. Dauerhafter Partner in dieser Show war der Pianist Oscar Levant. Der Erfolg dieser Radioshow folgte dem Kinoerfolg von The Jolson Story, seiner Filmbiographie.
Spätestens seit Jolson 1940 wieder auf der Broadway-Bühne stand, wurde er nach und nach wieder populär. The Jolson Story war der 1946 zu Lebzeiten Jolsons produzierte Film seiner Lebensgeschichte. Der Schauspieler Larry Parks spielte Jolson, die Songs wurden jedoch von Jolson persönlich gesungen. The Jolson Story war in den USA der mit Abstand kommerziell erfolgreichste Film des Jahres und zog mit dem Film Jolson Sings Again (1949) eine Fortsetzung nach sich. Jolson erlebte ein einzigartiges Comeback; seine Musik und sein Leben begeisterten nun auch die junge Generation. Im Jahr 1948 wurde Al Jolson vom Branchenblatt Variety zum beliebtesten Sänger gewählt, und das trotz der Konkurrenz deutlich jüngerer Sänger und Entertainer wie Bing Crosby oder Frank Sinatra.