Albert Arnold „Al“ Gore Jr. (* 31. März 1948 in Washington, D.C.) ist ein US-amerikanischer Politiker (Demokratische Partei), Unternehmer sowie Umweltschützer. Von 1993 bis 2001 war er unter Präsident Bill Clinton der 45. Vizepräsident der Vereinigten Staaten. 2007 erhielt er den Friedensnobelpreis.
Von 1977 bis 1985 vertrat er den Bundesstaat Tennessee als Abgeordneter im Repräsentantenhaus, anschließend dann im Senat. 1988 scheiterte er mit seiner Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur. Nach seiner Amtszeit als Vizepräsident kandidierte er bei der Präsidentschaftswahl 2000 erneut, unterlag aber dem republikanischen Kandidaten George W. Bush. Zwar konnte Gore bundesweit über 500.000 Stimmen mehr auf sich vereinen als sein Gegenkandidat, doch Bush erhielt über die Bundesstaaten mehr Wahlmännerstimmen und damit den Wahlsieg. Das Ergebnis im Bundesstaat Florida brachte die Entscheidung, wenngleich es äußerst umstritten war. Es waren nur ca. 500 Stimmen Unterschied.
Gore veröffentlichte mehrere Schriften zum Umweltschutz, er hält weltweit Vorträge zu diesem Thema. Aus seiner Multimedia-Präsentation über die menschengemachte globale Erwärmung ist die 2007 mit zwei Oscars ausgezeichnete Dokumentation Eine unbequeme Wahrheit (An Inconvenient Truth) hervorgegangen. Daneben startete er das GLOBE-Programm und initiierte die Konzertreihe Live Earth. 2007 wurde Al Gore für seine Bemühungen um eine Bewusstmachung der Klimakrise und ihrer globalen Gefahren zusammen mit dem Weltklimarat IPCC (vertreten durch Rajendra Pachauri) der Friedensnobelpreis verliehen.
Gore stammt aus einer wohlhabenden und politisch aktiven Familie. Er ist u. a. Gründer und Vorstand der Alliance for Climate Protection, von Generation Investment Management, Current TV, Mitglied im Aufsichtsrat von Apple und hochrangiger Berater von Google sowie Teilhaber an den Investmentfirmen Kleiner Perkins Caufield & Byers und Generation Investment Management. Seine PR-Aufwendungen für eine Energiewende wurden allein für das Jahr 2009 auf 300 Millionen Dollar geschätzt.
Gore wurde in Washington D.C. geboren. Seine Eltern sind Albert Arnold Gore, Sr. (1907–1998) und Pauline LaFon Gore (1912–2004). Da sein Vater Senator für den Bundesstaat Tennessee war, verbrachte Al Gore seine Kindheit sowohl in Washington als auch in Carthage, Tennessee. In seiner Schulzeit lebte er in einem Hotel-Apartment in Washington, wo er zunächst die Sheridan-Schule, dann die Eliteschule St. Albans besuchte. Während der Sommerferien lebte er in Carthage, wo er auf der Farm seiner Familie arbeitete.
Von 1965 bis Juni 1969 besuchte er das Harvard College, das er mit dem Bachelor of Arts in öffentlicher Verwaltung abschloss. In dieser Zeit teilte er sich im Dunster House ein Zimmer mit dem später erfolgreichen Schauspieler Tommy Lee Jones und war unter anderem mit Erich Segal befreundet. Nach dem Militärdienst studierte er an der Vanderbilt University in Nashville Theologie und Jura (ohne Abschluss).
Im Mai 1970 heiratete Al Gore Mary Elizabeth Aicheson (genannt Tipper), die er Jahre zuvor an der St. Albans School kennengelernt hatte. Die Hochzeit fand in der Washington National Cathedral statt. Das Paar hat die vier Kinder Karenna (1973), Kristin (1977), Sarah (1979) und Albert III. (1982). Von Karenna stammen drei Enkel (Wyatt, * 1999; Anna, * 2001; Oscar Schiff, * 2006). Im Jahr 2010 gab das Paar nach 40 Ehejahren seine Trennung bekannt.
Gore war kein Befürworter des Vietnamkriegs, und sein Vater Albert Gore senior war 1969 als Gegner des Krieges im Senat in Erscheinung getreten. Als Hochschulabsolvent wie auch aufgrund einer niedrigen Losnummer in der sogenannten „Wehrdienstlotterie“ musste er allerdings mit seiner baldigen Einberufung rechnen. Er entschied sich, den Wehrdienst abzuleisten und war einer der wenigen Soldaten seines Abgangsjahrgangs in Harvard, die nach Vietnam gingen und nicht z. B. ihre Beziehungen nutzten, um in der ungefährlichen Nationalgarde der Vereinigten Staaten eingesetzt zu werden. Gore selbst zufolge wollte er die Karriere seines Vaters nicht beeinträchtigen, der vor schwierigen Senatswahlen stand. Gore befürchtete für den Fall, dass er nicht den Wehrdienst ableisten würde, dass dies von Gegnern gegen seinen Vater verwendet werde. Außerdem wollte er nicht jemand anderem zumuten, für ihn nach Vietnam zu gehen.
1969 kam Gore in Uniform auf den Campus in Harvard, um sich von seinen Dozenten zu verabschieden, und wurde von Studenten ausgebuht, was er später als eine „Ralph Ellison-Erfahrung“ beschrieb. Gore selbst war stolz, die Uniform seines Landes zu tragen, auch wenn er den Vietnamkrieg ablehnte. 1988 beschrieb er sich selbst als naiv-unvorbereitet für die Erfahrungen in Vietnam. Er sei nicht darauf gefasst gewesen, bei (Süd-)Vietnamesen, die in Wäschereien, Restaurants oder auf Feldern arbeiteten, den Willen nach etwas zu erleben, „das sie Freiheit nannten“, und unterstellt den Gegnern des amerikanischen Engagements in Vietnam, dies nicht in Betracht gezogen zu haben.
Den Wehrdienst leistete Gore von August 1969 bis Mai 1971 ab. Erst im Januar 1971, nachdem sein Vater bei den Senatswahlen verloren hatte, wurde Gore nach Vietnam geschickt. Gore selbst äußerte die Vermutung, dass er von der Nixon-Regierung erst spät verschickt wurde, da sein (möglicher) Tod größere Sympathien und somit mehr Wählerstimmen für seinen Vater zur Folge gehabt hätte. Er wurde in Biên Hòa als Berichterstatter für die Militärzeitung The Castle Courier eingesetzt. Über seine Kriegserfahrungen äußerte sich Gore positiv, merkte jedoch später an, dass er mit seinem Journalisten-Posten nicht allzu sehr in das direkte Kriegsgeschehen verwickelt war und seine Erfahrungen deswegen nicht mit denen anderer Soldaten verglichen werden können.
1976 bewarb sich Al Gore um den vakant gewordenen Sitz des vierten Kongresswahlbezirks von Tennessee im US-Repräsentantenhaus. Er setzte sich durch und wurde in den folgenden Jahren dreimal wiedergewählt. 1984 trat er zur Wahl des nach dem Rücktritt des Republikaners Howard Baker vakant gewordenen Sitzes im Senat an. Er saß daraufhin für den Bundesstaat Tennessee bis zum Jahr 1993 im Senat; 1992 hatte ihn der Gouverneur von Arkansas, Bill Clinton, in seinem Präsidentschaftswahlkampf zu seinem running mate, also zu seinem künftigen Vizepräsidenten, erklärt. Nach der erfolgreichen Wahl war Al Gore vom 20. Januar 1993 bis zum 20. Januar 2001 neben Präsident Clinton der 45. Vizepräsident der Vereinigten Staaten.
1988 bewarb sich Gore erstmals um die US-Präsidentschaft. Trotz einiger Vorwahlsiege im Süden musste er seine Kandidatur nach einer schweren Niederlage bei den New Yorker Vorwahlen zurückziehen. Nach acht Jahren Amtszeit als Vizepräsident bewarb sich Gore im Jahr 2000 als Präsidentschaftskandidat der Demokraten um die Nachfolge von Bill Clinton. Diesmal gewann er alle Vorwahlen, wurde einstimmig nominiert und machte Senator Joe Lieberman aus Connecticut zu seinem running mate, dem Kandidaten für die Vizepräsidentschaft. Gore unterlag in der Präsidentenwahl am 7. November 2000 dem republikanischen Kandidaten George W. Bush. Zwar konnte Gore bundesweit 48,4 % der Stimmen erringen und verfügte damit über 543.895 Stimmen mehr als sein Gegenkandidat, der lediglich auf 47,9 % kam. Die Ergebnisse der Einzelstaaten brachten jedoch Bush mehr Wahlmännerstimmen und damit den Wahlsieg. Dabei war das entscheidende Ergebnis im Bundesstaat Florida äußerst umstritten.
Vorausgegangen war ein beispielloser Wahlkrimi, der sich vor allem auf den Bundesstaat Florida konzentrierte, dessen Wahlmännerstimmen sich für einen Sieg als ausschlaggebend herausstellten. Aufgrund unübersichtlicher Stimmzettel und veralteter Zählmaschinen kam es dort zu erheblichen Schwierigkeiten bei der Stimmenauszählung. Ein weiterer Streitpunkt waren teils verfrühte, teils wechselnde Erklärungen der berichterstattenden Fernsehsender. So wurde zunächst Gore zum Sieger in Florida erklärt, obwohl in Teilen des Bundesstaats die Abstimmungen noch gar nicht abgeschlossen waren, später dann jedoch Bush.