Akhtar Mohammed Mansur (paschtunisch ملا اختر محمد منصور DMG Mullā Aḫtar Muḥammad Manṣūr; * zwischen 1960 und 1970; † 21. Mai 2016 bei Dalbandin im Distrikt Chagai in der pakistanischen Provinz Belutschistan), auch als Mullah Mansur bekannt, war seit dem Tod von Mohammed Omar 2013 Anführer der Taliban.
Es wird angenommen, dass Mansur in den 1960er Jahren in Kariz, einem Dorf im Distrikt Maiwand in der Provinz Kandahar, geboren wurde. Ethnisch gehörte er dem Volk der Paschtunen und dem Stamm der Ishaqzai an.
Afghanistankrieg gegen die Sowjetunion
Während des Krieges zwischen der Sowjetunion und den Mudschahidin in den 1980er Jahren schloss Mansur sich der Mohammad-Nabi-Mohammadi-Gruppe an. Mohammed Omar war zu dieser Zeit Kommandant in einer der Gruppen von Mohammad Nabi Mohammadi. Mansur wurde im Krieg gegen die Sowjetunion unter anderem in Maiwand, Sang-e-Hessar und Zangawar eingesetzt. Schon bald galt Mansur als einer der prominentesten Mudschaheddin, so schloss er sich im afghanischen Bürgerkrieg der Maulvi-Obaidullah-Ishaqzai-Truppe im Jahr 1987 an, der Krieg ging jedoch verloren und Mansurs Truppe musste kapitulieren. Mansur wanderte anschließend nach Quetta aus.
Nach dem Krieg nahm Mansur an theologischen Seminaren in Peschawar teil und schloss sich dem Jalozai-Camp an. Weiterhin war er zwischen 1994 und 1995 Schüler an der Darul Uloom Haqqania-Madrasa, an der auch Mohammed Omar gelernt hat. Dem afghanischen Journalisten Sami Yousafzai zufolge war Mansur bereits zu dieser Zeit populär unter den Schülern.
Islamisches Emirat Afghanistan
Nach der Ausrufung des Islamischen Emirats Afghanistan durch die Taliban im Oktober 1997 war Mansur zunächst mit der Aufgabe des Sicherheitsbeauftragten des Flughafens Kandahar betraut. Später wurde er von Mohammed Omar, der Staatsoberhaupt des ausgerufenen Emirats wurde, zum Luftfahrtminister ernannt.
Bei einem erfolglosen Einnahmeversuch der nordafghanischen Stadt Masar-e Scharif durch die Taliban im Jahr 1997 wurde Mansur durch einen usbekischen Warlord gefangen genommen. Nach zwei Monaten kam er durch einen Gefangenenaustausch, veranlasst von Mohammed Omar, wieder frei.
Er wurde angeblich von Anand Arni, einem ehemaligen Offizier der Research and Analysis Wing-Organisation, dabei gesehen, wie er den damaligen Führer der Jaish-e Mohammed Maulana Masud Azhar nach seiner Freilassung umarmte.
Nach dem Zerfall der Islamischen Emirate Afghanistan im Jahr 2001 bat er den afghanischen Präsidenten Hamid Karzai um Amnestie, die ihm anschließend gewährt wurde. Die amerikanischen Streitkräfte glaubten jedoch nicht an die Kapitulation der Taliban und versuchten, Mansur aufzuspüren und ihn in Gefangenschaft zu nehmen, was nicht gelang. Mansur floh nach Pakistan und begann dort, die Taliban zu reorganisieren.
Quetta Shura und Taliban-Aufstand
Dem Indian Express nach war Akhtar Mansur im Jahr 2007 bei der Quetta Shura, einer Organisation und einer Art verlängerter Arm der Taliban in Pakistan.
Quellen zufolge hatte Mansur während seiner Zeit als Rat der Taliban Einfluss auf militärische Operationen in Chost, Paktia und Paktika. Anderen Quellen zufolge war Mansur 2010 Stellvertreter von Mohammed Omar, de facto also die „Nummer Zwei“ der Taliban. In einem – allerdings widersprüchlichen – Bericht dagegen heißt es, Mansur wurde nach der Verhaftung von Abdul Ghani Baradar, der damaligen Nummer zwei der Taliban, zum Stellvertreter von Mohammed Omar.
Dem früheren Taliban-Mitglied Wahid Muzhda zufolge überzeugte Mansur 2013 andere ranghohe Taliban-Mitglieder zu Verhandlungen mit westlichen Staaten. Dies wurde jedoch teilweise innerhalb der Taliban kritisiert.
2014 soll Mansur, zusammen mit Abdul Qayum Zakir und Gul Agha Ishakzai, gegen den Mitbegründer der Taliban Abdul Ghani Baradar um die Einnahme einer Opiumplantage im Maiwand-Distrikt gekämpft haben.
Ende Juli 2015 bestätigten die Taliban den Tod von Mohammed Omar und gaben kurz darauf bekannt, Akhtar Mansur als neuen Taliban-Führer „einstimmig“ gewählt zu haben. Mansur wurde allerdings von Teilen der Taliban und insbesondere von Omars Familie nicht anerkannt, da er Pakistan zu nahe stehe und Friedensgespräche befürworte. So erklärte Muhammad Omars Bruder Abdul Manan in einer Audiobotschaft: „Unsere Familie hat angesichts dieser Differenzen niemandem die Gefolgschaft erklärt.“ Abdul Manan und Militärchef Abdul Qayum Zakir sowie andere ranghohe Taliban-Mitglieder befürworteten stattdessen Mohammed Omars Sohn Muhammad Yaqoob als neuen Führer.
Am 13. August 2015 schwor der Al-Qaida-Führer Aiman az-Zawahiri über Al-Qaidas Medienkanal As-Sahab Akhtar Mansur die Treue.
Seine erste Botschaft als Führer veröffentlichte Mansur am 1. August 2015 in einer Audiobotschaft, in der er die Taliban zu Geschlossenheit aufforderte und erklärte, dass Differenzen nur zu unnötigen Problemen führen würden. Weiterhin gab er als Ziel der Taliban aus, die Einführung der Scharia und die Errichtung eines islamischen Staates durchzusetzen; zudem werde der Dschihad „bis zum Schluss“ fortgesetzt. Unter seiner Führung zerfielen die Taliban in verfeindete Gruppen.