Der Amsterdamsche Football Club Ajax, kurz AFC Ajax oder meistens Ajax und im deutschsprachigen Raum bekannt als Ajax Amsterdam, ist ein Fußballverein aus der niederländischen Stadt Amsterdam. Zusammen mit Feyenoord Rotterdam und der PSV Eindhoven gehört Ajax Amsterdam zu den erfolgreichsten Clubs der Niederlande. Er ist mit 36 Titeln niederländischer Rekordmeister und gehört der obersten niederländischen Spielklasse, der Eredivisie, seit deren Gründung 1956 ununterbrochen an. Ajax ist einer von fünf Vereinen – neben Juventus Turin, dem FC Bayern München, dem FC Chelsea und Manchester United – die den Europapokal der Landesmeister (1971–1973) und die Champions League (1995), den UEFA-Pokal (1992) und den Europapokal der Pokalsieger (1987) gewonnen haben.
Einige Studenten der „Hogereburgerschool“ (HBS) (Gymnasium) an der Weteringschans gründeten in einem Café am Amstelveenseweg 1883 einen Fußballclub. Sie gaben ihm zunächst den Namen Union, benannten ihn aber 1894 um in Foot-Ball Club Ajax, nach dem antiken griechischen Helden Ajax. Nach einem Streit verließen die meisten Mitglieder den Club, der daraufhin auseinanderfiel. Am 18. März 1900 riefen Han Dade, Floris Stempel und Karel Reeser den Club erneut ins Leben. Stempel wurde erster Vorsitzender des Clubs.
Ajax benutzte viele Jahre das klubeigene De Meer Stadion in der Watergraafsmeer, einem Polder im Südosten der Stadt. Für Spiele gegen Feyenoord Rotterdam und andere große Klubs sowie im Europa-Pokal wurde ins größere Olympiastadion Amsterdam von 1928 ausgewichen.
Seine erste Europapokal-Teilnahme erreichte Ajax Amsterdam mit der Qualifikation für den Europapokal der Landesmeister in der Saison 1957/58. Im Achtelfinale traf die Mannschaft auf den DDR-Vertreter BSG Wismut Aue. Nach einem 3:1-Sieg in Aue bezwang man die Erzgebirger eine Woche später in Amsterdam mit 1:0. Im Viertelfinale schied man gegen Vasas Budapest (2:2 und 0:4) aus.
Die Saison 1964/1965 sah zwei Neuzugänge, die Ajax in den kommenden Jahren prägten. Am. 15. November 1964 debütierte der 17-jährige Johan Cruyff in der ersten Profimannschaft. Im Januar 1965 wurde als Trainer Rinus Michels engagiert. Michels, ein Sportlehrer für gehörlose Kinder, war ehemals selbst Spieler für Ajax gewesen. Seine Aufgabenbeschreibung als Trainer umfasste das Mannschaftstraining an drei Abenden die Woche. Der ehrgeizige Michels begann jedoch bald radikale Schritte, um den Verein zu professionalisieren. Michels legte großen Wert auf eiserne Disziplin und wurde von seinen Spielern bald „De Generaal“ (dt. Der General) genannt. Er führte Trainingslager ein und ließ die Spieler täglich drei Trainingseinheiten sowie abends noch ein Trainingsspiel absolvieren. Michels unternahm schnell weitere Schritte in Sachen Professionalisierung. Viele Spieler waren Teilzeit- oder Hobbyspieler, die einen anderen (Haupt-)beruf hatten. Cruyff war bei einer Druckerei eine Art „Mädchen für alles“ gewesen. Michels unterband jede Nebentätigkeit und machte aus den Spielern Profifußballer. Finanziert wurde dies von einer Reihe von Geldgebern, darunter sowohl Kollaborateure, die im Weltkrieg mit den deutschen Besatzern Geschäfte gemacht hatten und ihren Namen reinwaschen wollten, als auch von jüdischen Geschäftsleuten, die den Krieg überlebt hatten und Ajax als Ersatzfamilie begriffen. Das Image von Ajax als einem Klub mit einem gewissen jüdischen Flair war bereits seit langem ausgeprägt und wurde in nächsten Jahren von der Spielergeneration um Cruyff (eher auf symbolische und spielerische Weise) wiederholt betont. Diese ahistorische Stilisierung entwickelte vor allem ab den 1980er Jahren eine Eigendynamik, als auch die Fans des Klubs Ajax als den „jüdischen Klub“ stilisierten und als Reaktion darauf Fans des Erzrivalen Feyenoord Rotterdam begannen, antisemitische Schmährufe zu singen und in Inszenierungen auf den Holocaust anzuspielen. Ursprünglich als Symbol eines Fußball-Tribalismus gesehen, löste dies in den frühen 2000er Jahren in den Niederlanden eine gesellschaftliche Debatte aus.
Im Spiel legte Michels großen Wert auf aggressives Zweikampfverhalten und körperliche Dominanz, um dem Gegner den Schneid abzukaufen. Ajax etablierte auch das Pressing – intern bei Ajax immer das „Jagen“ genannt, mit dem Druck auf den am Ball befindlichen Gegner ausgeübt werden sollte.
Taktisch orientierte sich Michels am Gegner und wechselte variabel vom 5-3-2 zum 4-2-4. In der Saison 1969–1970 wechselte er dauerhaft zum 4-3-3. Neu war die Konzeption des Raumes auf dem Spielfeld, die bei Ajax auf eine abstrakte, unverwechselbare Weise gedacht wurde. Der britische Autor David Winner hebt hervor, dass diese einzigartig war und zieht den Schluss, dass diese Konzeption nur in den Niederlanden mit ihrem ganz anderen Verständnis für die Gestaltung der Umgebung bzw. der Natur so entstehen konnte. Die Spieler um Cruyff machten das Spielfeld im Ballbesitz so groß wie möglich, indem sie das Spiel auf die Flügel verlagerten. Bei einem Ballverlust wurde der Raum dagegen möglichst klein gemacht, indem sie die Verteidigungsreihe kurz vor der Mittellinie hochschoben, in die gegnerische Hälfte drängten oder auf Abseits stellten, um den Raum noch weiter zu verengen. Dazu zeichnete Ajax sich durch ständige Positionswechsel aus. Michels beanspruchte die Innovation der ständigen Positionswechsel für sich selbst; da Ajax in den späten 1960ern die Gegner in der Eredivisie regelmäßig dominierte, traf man immer mehr auf massierte Abwehrreihen. Um diesem Problem zu begegnen, habe er Mittelfeldspieler und Abwehrspieler in den Angriff integrieren wollen, woraus sich die Positionswechsel ergaben.
Ab 1966 errang Ajax zunächst eine Serie nationaler Titel. Ajax dominierte die Eredivisie nach Belieben und konzentrierte sich bald auf den Europapokal der Landesmeister. In der Saison 1967–68 gewann man erneut die Meisterschaft. Im Europapokal schied die Meistermannschaft gegen Real Madrid in der Verlängerung aus; in Madrid vergab man zahlreiche Großchancen, Cruyff selbst stand kurz vor Spielende vor dem Torwart und vergab nach kurzem Zögern. In der folgenden Saison lag der Fokus der Mannschaft umso mehr auf dem Europapokal; erstmals seit Jahren wurde Ajax nur Zweiter in der Eredivisie. Das Team schlug in der 2. Runde Fenerbahçe Istanbul in einem berühmten Spiel auf einem Schlammfeld nach einem Tor von Johan Cruyff; das Spiel wurde in den Niederlanden bekannt als die „Hölle von Fenerbahçe“ (hel van Fenerbahçe). Im Viertelfinale gegen Benfica Lissabon holte Ajax einen 1:3-Rückstand aus dem Hinspiel auf, woraufhin ein Entscheidungsspiel nötig wurde; dieses gewann Ajax 3:0 im neutralen Paris. Im Halbfinale wurde Spartak Trnava geschlagen, im Endspiel folgte allerdings die Ernüchterung. Die effektive Abwehrleistung der AC Mailand und die konsequente Manndeckung Cruyffs durch Giovanni Trapattoni hatten ein einseitiges 4:1 als Endergebnis zufolge.
1970 bis 1977: Die goldenen Jahre
Noch erfolgreicher gestalteten sich die 1970er Jahre: Unter den Trainern Rinus Michels und Ștefan Kovács gewann die Mannschaft aus Amsterdam mit Spielern wie Johan Cruyff, Johan Neeskens, Horst Blankenburg oder Piet Keizer zwischen 1971 und 1973 dreimal in Folge den Europapokal der Landesmeister. Im Finale von 1969 noch der AC Mailand unterlegen und 1970 lediglich Zuschauer beim ersten Triumph einer niederländischen Mannschaft in diesem Wettbewerb (ausgerechnet Erzrivale Feyenoord Rotterdam schlug Celtic Glasgow), wurde der wichtigste aller europäischen Pokale in den folgenden drei Jahren gewonnen und durfte somit für immer in der Grachtenstadt bleiben. Diese Phase stellt die erfolgreichste der Clubgeschichte dar und ließ Ajax den Ruf eines europäischen Renommierclubs zuteilwerden. Amsterdam begeisterte in dieser Zeit mit Offensivfußball, der später auch durch die niederländische Nationalmannschaft als „totaler Fußball“ weltweit begeisterte.
Der Weltpokal wurde 1972 nach Amsterdam geholt, als gegen den CA Independiente aus Argentinien 1:1 und 3:0 gespielt wurde. In den Jahren 1971 und 1973 verzichtete man als europäischer Vertreter auf die Teilnahme, nicht zuletzt weil Johan Cruyff beim Sieg 1972 ernsthafte Verletzungen davongetragen hatte.