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Aiman az-Zawahiri

Ägyptischer Chirurg und Chef der Untergrundorganisation Ägyptischer Islamischer Dschihad

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Aiman Mohammed Rabi az-Zawahiri oder al-Zawahiri (arabisch أيمن محمد ربيع الظواهري, DMG Aiman Muḥammad Rabīʿ aẓ-Ẓawāhirī; * 19. Juni 1951 in Maadi, Königreich Ägypten; † 31. Juli 2022 in Kabul, Afghanistan) war ein ägyptischer Islamist und Terrorist. Er führte die sunnitische Untergrundorganisation al-Dschihad und als Nachfolger Osama bin Ladens seit 2011 auch das Terrornetzwerk al-Qaida an. Wegen seiner Mitverantwortung für den Anschlag auf das World Trade Center vom 11. September 2001 und weitere Terrorakte setzten die Vereinigten Staaten den studierten Arzt auf ihre Liste der meistgesuchten internationalen Terroristen und setzen ein Kopfgeld von 25 Millionen US-Dollar auf ihn aus. Wie schon Bin Laden wurde auch er schließlich im Rahmen einer Geheimdienstoperation gezielt getötet.

Az-Zawahiri wurde 1951 in Maadi, einem Vorort von Kairo geboren. Er hatte eine Zwillingsschwester und einen zwei Jahre jüngeren Bruder. Sein Vater war Professor für Pharmakologie an der Ain-Shams-Universität. Az-Zawahiri besuchte eine nicht-religiöse Schule und studierte ab 1968/69 Medizin an der Universität Kairo. 1974 schloss er sein Studium ab und absolvierte 1978 einen Master-Studiengang in Chirurgie. In dieser Fachrichtung promovierte er später in Pakistan.

Er galt als außergewöhnlich intelligent und von klein auf als sehr gläubig. Schon mit 15 Jahren soll er während der Schulzeit eine erste geheime Gruppe gegründet haben, die den Sturz der Regierung zum Ziel hatte; allerdings gab es zu dieser Zeit viele solcher Gruppen in Ägypten. Die Gefangennahme, Folterung und Hinrichtung von Sayyid Qutb im Jahr 1966 war für az-Zawahiri ein prägendes Ereignis. Er wurde Mitglied der Muslimbruderschaft, die er später verließ.

1974 führte er nach eigenen Angaben eine Zelle mit 40 Mann. Ende der 1970er Jahre entstand aus mehreren Zellen die Gruppe al-Dschihad unter der Führung von Kamal Habib. Zawahiri beteiligte sich daran und wurde später ihr Führer. Ihre Strategie zielte zunächst darauf ab, mit Hilfe eines Staatsstreiches und der Tötung des Staatsoberhaupts die Macht zu übernehmen und eine islamische Ordnung zu errichten, ohne dabei Anschläge auf die Bevölkerung zu verüben.

Az-Zawahiri heiratete 1978 erstmals. Mit seiner ersten Ehefrau hatte er vier Töchter und einen Sohn. Insgesamt hatte er vier Ehefrauen. 1980 und 1981 reiste Zawahiri als Arzt für den Roten Halbmond zweimal für mehrere Monate nach Pakistan. Schon damals offenbarte Zawahiri gegenüber einem Bekannten eine extrem antiamerikanische Einstellung.

Ermordung Sadats und Haft in Ägypten

Im Februar 1981 plante al-Dschihad einen Staatsstreich in Ägypten. Der Plan flog auf, und viele Verdächtige wurden festgenommen. Nach der Ermordung des ägyptischen Präsidenten Anwar as-Sadat am 6. Oktober 1981 wurde Zawahiri verhaftet. Hauptattentäter war der Offizier Chalid Islambuli, die Identität der verantwortlichen Hintermänner konnte nie ganz geklärt werden. Zawahiri selbst behauptete, erst wenige Stunden vorher von dem Anschlag erfahren zu haben. Vor Gericht gestand er zwar ein, einige der Attentäter gekannt zu haben, doch konnte ihm keine Tatbeteiligung nachgewiesen werden. Er kam wegen Waffenbesitzes für drei Jahre ins Gefängnis, wo er schwer gefoltert wurde. Während seiner Gefängniszeit etablierte er sich endgültig als einer der führenden Männer des ägyptischen Islamismus. Im Gefängnis kam er auch in Kontakt mit Umar Abd ar-Rahman, dem Führer der Al-Dschamāʿa al-islāmiyya. Die beiden gerieten in Streit über die Führung der Islamisten in Ägypten. Auch später sollte sich die Konkurrenz der beiden Gruppen immer wieder zeigen.

Kampf der Mudschahedin gegen die Sowjetunion

Nach seiner Freilassung war Zawahiri endgültig zum gewaltbereiten Extremisten geworden. Er ging 1985 über Saudi-Arabien nach Pakistan und schließlich nach Afghanistan, um am dortigen Kampf der Mudschahedin gegen die sowjetische Invasion teilzunehmen. Dort kam er mit Osama bin Laden in Kontakt, der zusammen mit Abdallah Azzam neue Kämpfer für den Krieg warb. Zawahiri nahm erfolgreich Einfluss auf bin Laden und gewann seine Unterstützung für al-Dschihad. Dies brachte ihn in Konflikt mit bin Ladens Mentor Azzam, der einen Kampf gegen muslimische Regierungen wie in Ägypten und Saudi-Arabien ablehnte.

Kampf gegen die ägyptische Regierung

Nach dem Ende des Afghanistan-Krieges 1989 konnte Zawahiri nicht nach Ägypten zurück und blieb anfangs bei bin Laden. Ende 1989 soll es eine Art Gründungstreffen von al-Qaida als einem losen Mudschahedin-Verbund gegeben haben, an dem Zawahiri teilnahm; jedoch arbeiteten bin Laden und Zawahiri weiterhin mit verschiedenen Zielen: Bin Ladens Kampf gegen die USA nach dem Zweiten Golfkrieg (1991) wurde von Zawahiri nicht ganz geteilt. 1992 kehrte er zurück zu bin Laden nach Khartum im Sudan, wo eine islamische Regierung an die Macht gekommen war. Dort errichteten die beiden unter anderem militärische Trainingslager.

Zawahiris Ziel blieb auch vom Sudan aus der Kampf gegen die ägyptische Regierung. Er arbeitete dabei mit den (neuartigen) Selbstmordanschlägen und einer Blindzellen-Struktur. Nachdem jedoch ein Direktor der Gruppe mit einer Datenbank festgenommen wurde, nahmen die ägyptischen Behörden rund tausend Leute fest und schwächten die Gruppe sehr. Al-Dschihad verübte in diesem Jahr aber Anschläge auf den ägyptischen Innenminister (August 1993) und Premierminister (November 1993). Da bei Letzterem ein junges Mädchen zu Tode kam, wendete sich die öffentliche Meinung stark gegen die Islamisten; die Regierung verhaftete 280 Verdächtige und verurteilte sechs Personen zum Tode. Um Geld zu bekommen, reiste Zawahiri durch die ganze Welt: Er soll auf dem Balkan, in Österreich, in Dagestan, in den USA, im Jemen, im Irak, im Iran, in Argentinien und in den Philippinen gewesen sein. Er hatte jedoch wenig Erfolg, was die finanzielle Abhängigkeit des al-Dschihad von bin Laden verstärkte.

Am 26. Juni 1995 verübte al-Dschihad, gemeinsam mit Al-Dschama'a al-Islamiyya, einen Anschlag auf Präsident Mubarak in Addis Abeba. Die ägyptischen Behörden gingen diesmal mit noch größerer Brutalität gegen die Islamisten vor. Zawahiris Antwort war am 19. November 1995 ein Anschlag auf die ägyptische Botschaft in Islamabad; 16 Menschen starben.

1996 wurden Zawahiri und bin Laden aus dem Sudan ausgewiesen. Zawahiri reiste wieder durch die Welt – angeblich über die Schweiz, den Balkan, die Niederlande, Russland, den Jemen, Malaysia, Singapur und China – um Geld für seinen Kampf zu sammeln. Dabei wurde er in Russland im Dezember 1996 wegen illegalen Aufenthalts für ein halbes Jahr inhaftiert. Schließlich ging er zu bin Laden nach Dschalalabad in Afghanistan.

Verstärkte Wendung gegen den Westen

Zawahiri unterzeichnete im Namen eines radikalen Flügels von al-Dschihad das Manifest für eine Internationale Front für einen Dschihad gegen die Juden und Kreuzfahrer vom 23. Februar 1998, gemeinsam mit Osama bin Laden und anderen. Das Manifest zeigte in aller Deutlichkeit den Wechsel weg vom „nahen“ zum „fernen Feind“, von der eigenen Regierung zu den USA. Der Kampf gegen letztere wurde für alle Muslime zur Pflicht erklärt. Die engere Zusammenarbeit mit bin Laden war für Zawahiri eine Möglichkeit, Geld für seinen Kampf zu bekommen und seinen radikalen Kurs weiterzuverfolgen, der in der Gruppe al-Dschihad inzwischen auf Widerstand stieß: So hatten 1997 in Ägypten inhaftierte Islamisten einen Gewaltverzicht erklärt.

Al-Dschihad organisierte Sprengstoffanschläge auf die US-Botschaften in Daressalam und Nairobi am 7. August 1998. In einem Prozess in Kairo gegen 107 Fundamentalisten bekannte sich Al Naggar zum Nairobi-Anschlag. Zawahiri und sein Bruder wurden in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Im Sommer 1999 schied Zawahiri wegen Streitereien über die zukünftige Strategie aus der Gruppe al-Dschihad aus, wurde jedoch wenige Monate später schon wieder zu ihrem Führer. Er beschäftigte sich mit der Beschaffung biologischer und chemischer Waffen und war wohl an der Organisation des Anschlags auf das US-Kriegsschiff Cole in Jemen am 12. Oktober 2000 beteiligt. Im Juni 2001 ging seine Gruppe endgültig mit bin Ladens al-Qaida zur Kaidat al-Dschihad zusammen.

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