Agnese Farnese (* um 1450 in Rom; † 8. Oktober 1509 in Siena) war eine italienische Adlige, bei der die Interessen zweier großer Familien zusammenkamen.
Agnese Farnese gehörte zu einer alten und berühmten römischen Familie. Sie wurde wahrscheinlich um die Mitte des 15. Jahrhunderts als Tochter von Gabriele Francesco di Ranuccio und Isabella di Aldobrandino Orsini, Tochter des Grafen von Pitigliano, geboren. Ihre Familie begann seit Beginn des 14. Jahrhunderts, ein komplexes Netzwerk von Ehebündnissen mit den mächtigsten Familien der damaligen Zeit aufzubauen, einschließlich den Salimbeni von Siena und den Monaldeschi von Orvieto. In diesem Umfeld gewann Agnese in ihrer Jugend die Überzeugung, es sei unerlässlich und vorrangig Freunde und Verwandte zu haben, die ausschließlich dem Adel angehören.
Unter den Ehepartnern der Onkel ihres Vaters waren Mitglieder der Familien Anguillara, Colonna, Malatesta, Sforza, Savelli und der Caetani, die in ihren Familien auf Kommandanten, Päpste und Staatsoberhäupter zählen konnten. Ihr Bruder Ranuccio war mit Ippolita verheiratet, Tochter der mächtigen Familien der Pallavicini und der Malaspina.
Darüber hinaus wurde ihr Cousin Alessandro später Papst Paul III.
Ehe mit Andrea Piccolomini Todeschini
Auch Agnese entkam nicht den Regeln dieser Familienpolitik, die für sie eine wichtige Hochzeit beschloss. Im Januar 1475 heiratete sie Andrea Piccolomini Todeschini, einen Sohn von Laudomia Piccolomini, Schwester von Pius II., und Bruder von Francesco, dem späteren Papst Pius III. Mit dieser Vereinigung beabsichtigte die Familie Farnese das alte Bündnis mit der Republik Siena wiederherzustellen, das die anhaltenden Streitigkeiten mit den Orsini, ihren engen Verwandten, geschwächt hatte. Zu diesem Zweck waren die Piccolomini, damals eine der einflussreichsten und reichsten Familien Sienas, die beste Wahl.
Andrea hatte von seinem Onkel Pius II. die Herrschaft über die Inseln Giglio und Castiglione della Pescaia erhalten, deren Einnahmen seine solide Finanzlage weiter erhöhten, die ohnehin zu den blühendsten in Siena gehörten.
Er war ein Mann mit einem sanften Charakter. Zusammen mit seinem Bruder Francesco, dem Erzbischof von Siena, genossen sie ein großes Ansehen, was ihm erlaubte, eine überparteiliche Position einzunehmen und als Moderator in den blutigen Auseinandersetzungen zu fungieren, die die Republik erschütterten, während die anderen Brüder Giacomo und Antonio weit weg von der Stadt lebten und mit der Verwaltung ihrer Lehen befasst waren.
Agnese war, wie aus ihrer Korrespondenz hervorgeht, eine kultivierte und vornehme Frau, die sich mit aller Liebe dem Wachstum ihrer vielen Kinder widmete. Der zurückhaltende Charakter des Mannes, der sich hauptsächlich der Literatur widmete, und seine Rolle als Friedensstifter in Stadtstreitigkeiten ließen ihr viel Raum in der Verwaltung des Hauses und in der Ausbildung ihrer Kinder. Sigismondo Tizio, ein Priester und Humanist, der gerade in Siena angekommen war, wurde zum Privatlehrer erwählt und wurde lange Zeit Teil der Familie.
Die wenigen Nachrichten über die erste Zeit ihres Ehelebens erlauben keine Aussage über ihre Lebensweise und die Beziehungen, die sie zur sienesischen Gesellschaft hatten. Zweifellos wechselten sich unbeschwerte Perioden, in denen mit der Familie von Schwager Giacomo, auf ihrem Besitz von Castel Rosi bei Buonconvento oder in den Marken, lange Ferien verbracht wurden, mit turbulenten Perioden ab, die mit den Missgeschicken der Stadt verbunden waren.
Um der Pest im Jahr 1486 zu entgehen, musste sie mit den Söhnen und dem vertrauten Lehrer die Stadt eilig verlassen. Wegen der Rückkehr der Vertriebenen im Jahr 1487 mussten, in Erwartung von Unruhen in der Stadt, Andrea und sein Bruder Francesco in Castel Rosi Zuflucht suchen. Um das Schlimmste zu vermeiden, floh Agnese ihrerseits mit ihren Kindern in die Abbazia di Torri bei Sovicille. Dann wieder 1494, mit dem Einzug Karls VIII. in Siena, musste sie sich in der Basilica dell’Osservanza verstecken, während Andrea ihre wertvollsten Sachen in die Rocca di Crevole bei Murlo brachte, um Plünderungen zu verhindern.
Agnese lebte mit ihren Kindern in Zeiten großer Unruhe. Hinzu kam eine Episode mit dem Freund ihrer Tochter Montanina, Sallustio Bandini, der, als die Rocca di Crevole in die Hände der Franzosen fiel, in einem Brief versuchte einen Teil der Schätze von Andrea für sich zu sichern. Diese Episode konnte nie vollständig geklärt werden, förderte aber nicht Agneses Vertrauen gegenüber dem Adel Sienas.
1503 begann das letzte Kapitel ihres Lebens. Der Aufstieg Francescos auf den päpstlichen Thron und sein plötzlicher Tod machten den Unterschied zwischen ihrer Sichtweise auf die Familie und der der Piccolomini deutlich. Tizio betont in seinen Historiae Senenses den Unterschied zwischen dem Charakter ihrer Familienmitglieder und ihrem eigenen, sodass alles, was ihren Lieben nützen könnte, von entscheidender Bedeutung war, und „... ähnelte nicht dem ihres Mannes Andrea, dem würdigen Bruder von Pius III....“
Agnese beklagte sich insbesondere darüber, dass Pius III., der ihrem Sohn Johannes das Amt des Erzbischofs von Siena überließ, ihn bei dieser Gelegenheit nicht in den Rang eines Kardinals erhoben hatte, wie es für die Inhaber dieses Stuhles üblich war. Erst fünfzehn Jahre später geschah dies nach einer Intervention von Papst Leo X. Dieses Versäumnis ihres Schwagers beeinträchtigte die Karriere seines Neffen erheblich.
1503 veränderte eine weitere Episode das Leben der Familie. In den vergangenen Jahren befand sich Pandolfo Petrucci im Exil. Er wandte sich an die große Autorität, die Andrea gegenüber den Bürgern genoss, und beteiligte ihn an seinen Plänen, um seine Rückkehr nach Siena zu erleichtern. Während Andrea an einer Befriedung der verschiedenen Fraktionen arbeitete, kehrte Petrucci im März dieses Jahres, begleitet von Bewaffneten, im Triumph nach Siena zurück, zur tiefen Enttäuschung Andrea Piccolominis. Nachdem er das öffentliche Leben verlassen hatte, zog er sich auf dem Land zurück, brach alle Beziehungen zu Petrucci ab und beauftragte seine Frau mit den Aufgaben, die für die Leitung einer großen Familie notwendig sind.
Funktion als Familienoberhaupt
Agnese Farnese nutzte besonders ihre Kompetenz und Kraft, um die Rolle des Familienoberhauptes auszufüllen, ein Vorrecht, das in der Renaissance nur wenigen Frauen vorbehalten war. Als ihr Mann 1505 unter nie geklärten Umständen und unter dem Verdacht eines Giftmordes starb, übernahm sie vollständig diese Rolle.
Sie verwaltete eines der größten Güter der damaligen Zeit. Dies geht aus dem alliramento (Steueraufzeichnung) mit ihren drei Söhnen hervor, welche die höchsten waren, die es je in der Republik gegeben hat. Sie verwaltete alle Finanztransaktionen, die zu einem großen Vermögen gehörten, bestehend aus dem Einkommen der Lehen von Castiglione della Pescaia und der Insel Giglio, verbunden mit Zahlungen für die vielen von ihrem Mann initiierten Arbeiten, wie der Palazzo Piccolomini in Siena, Pinturicchios Freskenzyklus in der Piccolomini-Bibliothek im Dom von Siena und eine Menge anderer Aufgaben, die eng mit dem Wohlstand einer Großfamilie verbunden sind.